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Ist das Elterngeld pfändbar?

Kann das Elterngeld gepfändet werden?

Elterngeld ist als Lohnersatzleistung schon geringer als dein Gehalt vor der Geburt. Von diesem Geld auch noch Schulden abzutragen ist nicht so einfach. Ob dein Elterngeld vor einer Pfändung sicher ist, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.

Was ist eine Pfändung?

Wenn du Schulden hast, wartet jemand anderes, der Gläubiger, auf sein Geld. Zahlst du deine Raten nicht, darf er vor Gericht einen sogenannten Titel einfordern. 

Es gibt unterschiedliche Wege, wie der Gläubiger dann an sein Geld kommt, z.B. mit einem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Diesen sendet der Gläubiger dir und auch deiner Bank zu.

Für den Gläubiger ist dein Kontoguthaben am einfachsten verfügbar. Doch er darf nicht einfach dein gesamtes Guthaben pfänden. Der Gesetzgeber ist auf deiner Seite und schützt deine Existenz mit einem Freibetrag. Dieser liegt bei monatlich 1.491,75 Euro (bisher 1.402,28 Euro). Jedoch ist zunächst keine Auszahlung, Überweisung oder Lastschrift mehr möglich, solange die Pfändung aktiv ist. Wenn du von einer Pfändung betroffen bist, kann dir eine Schuldnerberatung weiterhelfen. Sie kennen sich mit der Rechtslage sehr gut aus und schaffen mit dir gemeinsam die Sache schnell aus der Welt.

Ein P-Konto oder auch Pfändungsschutzkonto schützt dich im Falle einer Pfändung. Du kannst es auch während einer laufenden Pfändung auf Antrag bei deiner Bank einrichten. Die Umwandlung eines normalen Kontos in ein P-Konto ist meist kostenlos. Reguläre Kontoführungsgebühren darf die Bank für das P-Konto jedoch verlangen. Mit diesem Konto sind automatisch jeden Monat 1.500 Euro (Stand: 07.2024) vor einer Pfändung geschützt. Wenn du weitere Unterhaltsverpflichtungen hast, lässt sich der Freibetrag jederzeit mit einer P-Kontobescheinigung erhöhen.  (Quelle: www.schuldnerberatung.de/pfaendung/)

So berechnest du deinen pfändungsfreien Betrag

Während einer Pfändung steht dir monatlich weiterhin der pfändungsfreie Betrag zur Verfügung. Welcher Betrag von deinem Einkommen monatlich pfändungsfrei bleibt, hängt davon ab, für wie viele Personen du unterhaltspflichtig bist. Du kannst diesen Betrag berechnen oder relativ einfach aus den jeweils aktuellen Pfändungstabellen (Stand 07.2024) ablesen.

Pfändungstabelle (in Auszügen)

Pfändungstabelle in Auszügen

Hinweis: Die nächste Anpassung der Pfändungstabellen erfolgt erst im Jahr 2025, wieder zum 1. Juli.

Beispiele:

Fall 1: Ledig, ein Kind, Einkommen 1.290 Euro Nettogehalt

Lösung: Laut der abgebildeten Pfändungstabelle kommt es nicht zu einer Pfändung, solange das Einkommen 1.491,74 Euro im Monat nicht übersteigt. 

Fall 2: Ledig, kein Kind, Einkommen 1.750 Euro Nettogehalt. 

Lösung: Der Gläubiger bekommt monatlich 180,78 Euro. Im Rahmen einer Gehaltspfändung beispielsweise passiert dies automatisch. Diesen Betrag bekommst du von deinem Arbeitgeber nicht ausgezahlt. Er überweist ihn direkt an den Gläubiger.

Fall 3: verheiratet, zwei Kinder, Einkommen 2.380 Euro Nettogehalt

Lösung: Monatlich sind 5,62 Euro an den Gläubiger zu zahlen. Das Nettogehalt ist in dieser Höhe pfändbar.

Darf Elterngeld gepfändet werden?

Leider ja. Du musst dir jedoch keine Sorgen machen, dass sofort alles weg ist. Dir bleibt mindestens ein Betrag in Höhe von 1.409,99 Euro (Pfändungsfreigrenze). Außerdem ist die Pfändungshöhe für das Elterngeld gedeckelt. Der sogenannte Sockelbetrag bleibt dir mindestens zur Verfügung (gem. § 53 Abs. 3 Nr. 1 SGB I). Dies entspricht dem Mindestelterngeld, je nach gewählter Elterngeldbezugsform. Bekommst du das Basiselterngeld, sind 300 Euro unpfändbar. Beim Elterngeld Plus sind es hingegen nur 150 Euro. Diese anrechnungsfreien Beträge ergeben sich aus dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (§10 Absatz 1, 2 und 4 BEEG). In dieser Höhe können auch Eltern das Elterngeld beziehen, wenn sie kein Einkommen vor der Geburt hatten. 

Pfändbarkeit von Elterngeld bei Mehrlingen

Erhöht sich dein Mindestsatz beim Elterngeld um den Mehrlingszuschlag, bleibt auch dieser Betrag bei einer Pfändung außen vor. Bei Zwillingen beträgt das nicht pfändbare Elterngeld mindestens 600 Euro beim Basiselterngeld, und 300 Euro beim Elterngeld Plus.

Teilzeitgehalt und Elterngeld

Wenn du während deiner Elternzeit in Teilzeit arbeitest und weiterhin Elterngeld beziehst, zählt beides zusammen als Einkommen. Liegt dein monatliches Gesamteinkommen über der Pfändungsfreigrenze, darf entsprechend den Pfändungstabellen die Pfändung erfolgen. Wenn du wissen möchtest, wie sich ein Hinzuverdienst auf dein Elterngeld auswirkt, haben wir hier zwei Beispiele für dich.

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Veröffentlicht von Yvonne Nagel

Yvonne ist Steuerfachwirtin und bringt 15 Jahre Erfahrung im Steuer- und Lohnbereich durch ihre Tätigkeit im Steuerbüro mit. Seit 2018 ist sie unsere Expertin rund um das Thema Elterngeld, Elternzeit und Formalitäten. Wenn sie nicht eure Fragen rund um Behördengänge und Formalitäten beantwortet oder neue Videos für euch aufnimmt, sitzt sie gern am Basteltisch und ist mit Papier und Stempeln kreativ.

  • Ist Elterngeld während der Privatinsolvenz bis zum Pfändungsfreibetrag unpfändbar und für mich zur Deckung meines Lebensunterhalts?

    • Hallo Mino,
      das Elterngeld gilt als Einkommen und ist somit pfändbar. Wie oben im Artikel erwähnt, darf maximal bis auf den Mindestbetrag gepfändet werden (gem. §10 BEEG).

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