Elternzeit und Urlaub

Was zu beachten ist und wie Sie wenige Urlaubstage gezielt nutzen

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch bei Teilzeitarbeit haben Sie Anspruch auf Urlaub
  • Die Reduzierung der Arbeitszeit wirkt sich, wenn an gleich vielen Wochentagen wie vor der Elternzeit gearbeitet wird, nicht auf die Urlaubstage aus.
  • Der Urlaubsanspruch darf nur für die elternzeitbedingte Abwesenheit voller Kalendermonate gekürzt werden.

Der Urlaub…viele Mütter oder Väter werden jetzt vielleicht schmunzeln und sagen „Welcher Urlaub?“, denn mit Kind hat man in der Regel einen 24-Stunden-Job. Geht man in Elternzeit, ergeben sich einige Besonderheiten in Bezug auf den vertraglichen Urlaubsanspruch. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Erholungsurlaub

Erholungsurlaub steht einem zu, wenn man in einem Arbeitsverhältnis steht. Damit gemeint sind Tage, an denen man arbeitsfähig ist, aber nicht gearbeitet werden muss. Das Gehalt wird für die Zeit des Erholungsurlaubs weiter gezahlt, man spricht auch von bezahltem Urlaub.

Ihren Anspruch auf (gesetzlichen) Erholungsurlaub regelt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Es besagt, dass Ihnen bei einer 5-Tage-Woche 20 Tage und bei einer 6-Tage-Woche 24 Tage Urlaub zustehen. Darüber hinaus können über einen Arbeits- und / oder Tarifvertrag abweichende Regelungen getroffen werden. Diese individuellen Vereinbarungen dürfen nicht schlechter sein, als die gesetzliche Vorgabe. Bei Teilzeitarbeit ist der Anspruch anhand Ihrer tatsächlichen Arbeitstage umzurechnen, wenn Sie weniger Tage als beschrieben arbeiten.

Elternzeit & Urlaub / Urlaubsanspruch

Kürzung des Urlaubsanspruchs durch die Elternzeit

Wenn Sie in Elternzeit sind, dann müssen Sie sich nicht von der geleisteten Arbeit in dem Sinne erholen. Zudem fehlt dem Arbeitgeber Ihre Arbeitskraft. Um beiden Seiten in diesem Punkt gerecht zu werden, regelt das Bundeselterngeldgesetz (BEEG), wie mit dem Urlaubsanspruch zu verfahren ist. Es handelt sich um eine „Kann“-Vorschrift, d.h. der Arbeitgeber kann auch den gesamten Urlaub nachträglich gewähren. In der Praxis ist eine Kürzung jedoch verbreitet. Wichtig ist, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen die Kürzung mitteilen muss. Dies darf er auch noch nach Ihrer Elternzeit tun. Oftmals geschieht dies aber bereits zusammen mit dem Schreiben über die Bestätigung der Elternzeit.

Hinweis:
Bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses darf der Arbeitgeber die Kürzung des Urlaubsanspruchs durch die Elternzeit nicht nachträglich erklären. Der Urlaubsanspruch wandelt sich nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses in einen Anspruch auf Urlaubsabgeltung um. Auf diesen ist die Kürzungsregelung des Bundeselterngeldgesetzes (§17 BEEG) nicht mehr anwendbar (vgl. BAG Urteil vom 19. Mai 2015 – 9AZR 725/13)

Ihr jährlicher Anspruch auf Urlaub vermindert sich um ein Zwölftel, für jeden vollen Kalendermonat, den Sie elternzeitbedingt abwesend sind. Fehlen Sie nur einen Teil des Kalendermonats, wird Ihr Urlaubsanspruch nicht gekürzt.

Daraus ergeben sich viele Gestaltungsmöglichkeiten, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen:

Beispiel 1:

Eine Mutter hat Anspruch auf 28 Tage Urlaub. Ab 6. März geht sie in Elternzeit bis zum 17. Juli. In diesem Zeitraum ist sie in 3 vollen Kalendermonaten abwesend (April, Mai, Juni). Im März und Juli ist sie nur zum Teil in Elternzeit. Der Urlaubsanspruch verringert sich um drei Zwölftel, d.h. 7 Tage auf nunmehr 21 Tage.

Beispiel 2:

Wie Beispiel 1, jedoch nimmt die Mutter Elternzeit vom 01.03. bis 30.06. – Sie hat nur volle Kalendermonate für Ihre Abwesenheit gewählt, sodass sich Ihr Urlaubsanspruch um vier Zwölftel (März, April, Mai, Juni) vermindert. Somit werden 9 Tage gekürzt und es bleiben 19 Tage für Erholungsurlaub übrig.

Beispiel 3:

Ein Vater nimmt die beiden Partnermonate im 13. und 14. Lebensmonat seines Kindes. Er ist vom 2.5. bis 1.7. in Elternzeit. Sein Jahresurlaub wird um ein Zwölftel gekürzt (Juni = voller Kalendermonat).

Hinweis:
Wenn Sie Ihre Elternzeit am 2. eines Kalendermonats beginnen und der erste Tag des Kalendermonats ist ein arbeitsfreier Tag (z.B. Samstag, Sonntag) oder sogar einen Feiertag (z.B. der 1. Mai, Tag der Arbeit, wie im Beispiel), darf der Urlaubsanspruch nicht gekürzt werden.

Beispiel 4:

Ein Vater beansprucht im 3. Lebensmonat und im 13. Lebensmonat seine Partnermonate. Der erste Zeitraum ist vom 14.03. bis 13.04. und der zweite Abschnitt vom 14.01. bis 13.02. des Folgejahres. Sofern keine weiteren Monate Elternzeit von ihm genommen werden, wird in keinem der beiden Jahre sein Urlaubsanspruch aufgrund der Elternzeit gekürzt. Er war jeweils keinen vollen Kalendermonat abwesend und die Aufteilung der Partnermonate ist innerhalb der ersten 14 Lebensmonate möglich.

Achtung: Partnermonate sind nicht zu verwechseln mit dem Partnerschaftsbonus. Mehr Informationen finden Sie hier.

Sollten Sie vor der Elternzeit mehr Urlaub genommen haben, als Ihnen nach der beschriebenen Kürzung zustand, kann der Arbeitgeber dies ausgleichen. Der verbleibende Urlaubsanspruch würde in diesem Fall um die zu viel genommenen Tage gekürzt. Diese Kürzung darf auch im Folgejahr erfolgen, sollte der Anspruch im laufenden Jahr nicht für eine Kürzung ausreichen.

Beispiel:

Eine Mutter hat einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen im Jahr. In der Zeit von Januar bis Mai nimmt sie bereits ihren vollständigen Jahresurlaub. Von September bis Dezember geht sie in Elternzeit. Der Jahresurlaub wird um vier Zwölftel verringert, d.h. 10 Tage wurden zu viel in Anspruch genommen. Dies berechtigt den Arbeitgeber den Urlaub im nachfolgenden Kalenderjahr um 10 Tage zu kürzen.

Resturlaub

Resturlaub entsteht, wenn in einem Kalenderjahr der vertraglich (oder gesetzlich) gewährte Urlaub nicht vollständig genommen wurde. In der Regel sind die restlichen Tage Vorjahresurlaub bis spätestens zum 31.03. des Folgejahres zu nehmen. Sind Sie nun aufgrund Ihrer Elternzeit daran gehindert, muss Ihnen Ihr Arbeitgeber diesen „alten“ Urlaub nach Ihrer Elternzeit noch gewähren, zusätzlich zu Ihrem aktuellen Urlaubsanspruch.

Sollten Sie in Ihrer Elternzeit noch weiteren Nachwuchs bekommen, bleibt der Resturlaubsanspruch, aus der ersten Elternzeit trotzdem erhalten. Dies gilt auch, wenn Sie die Elternzeit vorzeitig beenden, um Ihren Anspruch auf Zuschuss zum Mutterschaftsgeld wieder aufleben zu lassen.

Wenn Ihr Arbeitsverhältnis während der Elternzeit zulässig endet, so muss Ihnen der Arbeitgeber den verbleibenden Urlaub auszahlen.

Beispiel:

Eine Mutter hat einen befristeten Arbeitsvertrag, sodass das Arbeitsverhältnis zulässig während ihrer Elternzeit endet. Durch die Elternzeit konnten von Ihr 12 Tage Urlaub nicht genommen werden. Mit der letzten Gehaltsabrechnung muss der Arbeitgeber diesen Urlaubsanspruch als sogenannte Urlaubsabgeltung auszahlen.

Urlaubsanspruch bei Teilzeitarbeit

Als Teilzeitkraft haben Sie genauso Anspruch auf Urlaub, wie auch eine Vollzeitkraft. Allerdings verringert sich Ihr Urlaubsanspruch entsprechend der Anzahl der Tage, die Sie weniger arbeiten (im Vergleich zu einer Arbeitnehmerin in Vollzeit). Die Berechnung erfolgt anhand Ihres vertraglich vereinbarten Urlaubs vor der Elternzeit. Um Ihren Urlaubsanspruch bei Teilzeitarbeit auszurechnen, können Sie die folgende Formel anwenden:

Berechnung (bei regelmäßigen Arbeitstagen):

Urlaubstage pro Jahr : Arbeitstage die in Ihrem Betrieb üblich sind x tatsächliche Arbeitstage in der Woche = Urlaubsanspruch bei Teilzeitarbeit

Beispiel 1:

Eine Mutter hat 25 vertraglich vereinbarte Urlaubstage bei 5 Arbeitstagen die Woche (übliche Arbeitstage in dem Betrieb). Während der Elternzeit arbeitet Sie immer an den gleichen 4 Wochentagen jedoch nur 25 Stunden.

25 Urlaubstage : 5 Tage-Woche x 4 tatsächliche Arbeitstage = 20 Tage Urlaubsanspruch

(Vorbehaltlich etwaiger Kürzungen gem. § 17 BEEG für volle Kalendermonate, in denen nicht gearbeitet wurde während der Elternzeit)

Beispiel 2:

Wie Beispiel 1, jedoch arbeitet die Mutter 25 Stunden an 5 Tagen in der Woche.

Sie hat den gleichen Urlaubsanspruch, wie vor Ihrer Elternzeit. Es werden zwar weniger Stunden gearbeitet, aber an gleich vielenTagen, wie in der Vollzeitarbeit und daher bleibt der volle vertragliche Urlaubsanspruch erhalten.

(Vorbehaltlich etwaiger Kürzungen gem. § 17 BEEG für volle Kalendermonate, in denen nicht gearbeitet wurde während der Elternzeit)

Achtung:
Das Bundeselterngeldgesetz schützt Sie nicht mehr vor dem Verfall Ihrer Urlaubsansprüche, wenn Sie während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten. Sie stellen dem Arbeitgeber Ihre (reduzierte) Arbeitskraft zur Verfügung und können ganz regulär Urlaub nehmen. Das bedeutet, der Resturlaub verfällt spätestens am 31.03. des Folgejahres.

Urlaubsanspruch beim Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit aufgrund von Elternzeit

Die Ermittlung des Urlaubsanspruchs muss, für die Zeiträume in denen Sie in Voll- bzw. Teilzeit tätig sind, getrennt erfolgen. Das bedeutet, dass der Anspruch der Urlaubstage eines Vollzeitarbeitnehmers nicht gekürzt werden darf, nur weil eine Reduzierung der Arbeitszeit vorgenommen wurde.

Das lange Zeit vorherrschende Argument, dass sich in Urlaubswochen ausgedrückt, aufgrund der Reduzierung der Arbeit nichts am Jahresurlaub verändert, wurde vom Bundesarbeitsgericht mit Bezug auf das „Verbot der Diskriminierung Teilzeitbeschäftigter“ nicht bestätigt (BAG, Urteil v. 10.02.2015, Az.: 9 AZR 53/14 (F)).

Weitere Ratgeber zum Thema Elternzeit

Haben Sie Fragen zur Elternzeit und den Urlaubsanspruch? Dann schreiben Sie uns einen Kommentar!

FAQ – Häufig gestellte Fragen

In meinem Vertrag ist zum Urlaub gar nichts geregelt. Wieviel Urlaub habe ich?


Sofern in einem Vertrag nichts geregelt ist, gelten die gesetzlichen Vorgaben. Bei einer 6-Tage-Woche stehen Ihnen 24 Tage Urlaub zu, bei einer 5-Tage-Woche 20 Tage. Arbeiten Sie aufgrund einer Teilzeitbeschäftigung an weniger Tagen, so ist entsprechend im Verhältnis umzurechnen.

Vor Beginn meiner zweijährigen Elternzeit am 6. Januar waren noch 13 Tage Resturlaub aus dem Vorjahr vorhanden. Was passiert mit diesen Tagen, wenn ich übernächstes Jahr wieder anfange zu arbeiten?


Die Urlaubstage verfallen in der Regel nicht. Auch nach Ihrer Rückkehr stehen Ihnen diese weiterhin zu. Sofern die Elternzeit vor dem 31.03. eines Jahres endet, ist ggf. zu beachten, dass der alte Urlaub bis zu diesem Datum genommen werden muss.

Ist es für den Urlaubsanspruch besser vom 15. eines Monats bis zum 14. des Folgemonats Elternzeit zu nehmen oder immer vom 1. des Kalendermonats?


Der Arbeitgeber kann für jeden vollen Kalendermonat, den Sie aufgrund von Elternzeit fehlen, Ihren Urlaubsanspruch um jeweils ein Zwölftel kürzen. Um diese mögliche Kürzung zu umgehen ist es besser, die Elternzeitmonate nicht nach Kalendermonaten zu nehmen, sondern z.B. Nach Lebensmonaten des Kindes (sofern nicht am 1. eines Monats geboren!)

Ich habe selbst während der Elternzeit meinen Vertrag gekündigt. Wie berechnet sich mein Urlaubsanspruch?


Auch während der Elternzeit erwerben Sie einen Anspruch auf Urlaub. Entsprechend der oben beschriebenen Ausführungen, kann Ihr Arbeitgeber die Kürzung vornehmen. Dieses muss er Ihnen jedoch vor der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mitteilen.

Ich bin aus der Elternzeit wieder zurück und bisher hat mein Arbeitgeber nichts gesagt, ob er meinen Urlaubsanspruch kürzen wird. Darf er das noch?


Leider ja. Es gibt keine Form und keine Frist die der Arbeitgeber einhalten muss, um die Kürzung mitzuteilen. Einzige Einschränkung ist, wenn das Arbeitsverhältnis bereits beendet ist. Dann ist eine Kürzung nicht mehr möglich.

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