Berufliche Umorientierung in der Elternzeit: Was ist möglich?

Wenn das Baby da ist, merken viele Mütter (und Väter), dass sie an ganz anderen Themen Gefallen finden, als vorher, oder dass Job und Familie nicht mehr zusammen passen.  In ihren alten Job möchten sie daher nur ungern zurück. Ein neuer muss her. Aber wie geht das? Wie schafft man es, sich in der Elternzeit beruflich umzuorientieren? Hier kommen unsere Tipps.

Um dich beruflich neu zu orientieren, ist es nie zu früh und selten zu spät. Allzu blauäugig solltest du die Sache jedoch nicht angehen. Denn einfach aus einer Laune heraus alles Bisherige hinzuwerfen, ist gerade für frischgebackene Eltern zu riskant. Andererseits ist die Elternzeit eine wunderbare Chance, um sich neu zu orientieren. Mit den folgenden Tipps gelingt der Wechsel in eine neue Zukunft im Job. Viel Erfolg!

1. Deine Situation analysieren

Du hast keine Lust mehr auf deinen alten Job? Gerade in der Elternzeit ist das eine ganz normale Empfindung. Jetzt musst du in dich gehen und genau überlegen, warum du deinen bisherigen Job nicht mehr ausüben willst. Nervt der Chef? Hast du Ärger mit den Kollegen? Sind die Arbeitszeiten nicht familienfreundlich genug? Ist die Anfahrt zu weit? Oder passen deine Aufgaben nicht zu dem, was du eigentlich willst?

Abhängig davon, was bei deinen Überlegungen heraus kommt, hast du nun verschiedene Möglichkeiten. Denn eventuell reicht es aus, wenn du innerhalb deines Unternehmens die Abteilung oder den Standort wechselst. Oder du gehst ins Home Office, wenn dein Job das zulässt. Dies solltest du rechtzeitig mit deinem Chef besprechen. Ist das keine Option, beantworte für dich selbst folgende Fragen:

  • Welche Aufgaben erwarten mich nach der Elternzeit im alten Job?
  • Welche Aufgaben fände ich tatsächlich spannend?
  • Was kann ich bereits?
  • Was fehlt mir noch, um meinen Wunschjob ausüben zu können?
  • Benötige ich eine Weiterbildung?
  • Wie viel kann ich mit Kind zeitlich tatsächlich stemmen?
  • Kann mich mein Partner oder jemand anderes unterstützen?
  • Bei welchen Arbeitgebern kann ich meinen Traumjob ausüben? Gibt es entsprechende in meiner Region? Wie sind die Jobchancen dahingehend?
  • Muss ich mich selbständig machen?

Realistisch bleiben

Ein Kind stellt die bisherige Lebenswirklichkeit nicht selten komplett auf den Kopf. Und das nicht nur die ersten Monate. Gerade die ersten 3 bis 4 Jahre können extrem fordernd sein. Man bezeichnet sie auch als die Geberjahre. Manchmal ist es da von Vorteil, eben doch ganz in Ruhe in den alten Job einzusteigen, bis das Leben wieder in geordneten Bahnen verläuft und man die Dinge etwas klarer sieht.

Ist dein Wunsch den Job zu wechseln dennoch übergroß, überleg dir genau, welche Qualifikationen du noch benötigst, um mit einer Bewerbung Erfolg zu haben. Dazu mehr in Punkt 2.

Übrigens: Wir empfehlen nicht, sich direkt nach der Elternzeit in Vollzeit selbständig zu machen. Denn die Selbständigkeit bietet am wenigsten Absicherung von allen Varianten und muss wirklich gut überlegt sein. Wenn du dir nach und nach eine Selbständigkeit aufbauen willst, kannst du damit jedoch durchaus in der Elternzeit beginnen.

2. Ganz gezielt weiterbilden

Wenn du zu dem Schluss gekommen bist, dass deine Qualifikationen noch nicht ausreichen, um deine Wunschtätigkeit auszuüben oder beruflich am Ball zu bleiben, hast du zahlreiche Möglichkeiten der Weiterbildung. Natürlich gibt es Volkshochschulkurse. Jedoch sind diese meist überlaufen und nur mehr oder weniger professionell. Und es bringt wenig, Zeit in einen VHS-Kurs in kreativem Schreiben zu investieren, wenn am Ende dabei nichts Greifbares herauskommt. Denn du hast ja ein Ziel.

Gezielte Schulungen in relevanten Bereichen gibt es bei WBS Akademie und vergleichbaren Anbietern.

Hier hast du die Möglichkeit, dich örtlich und größtenteils zeitlich unabhängig fortzubilden und bekommst zum Abschluss ein international anerkanntes Zertifikat. Mit Baby eine tolle Möglichkeit, um die Schulbank zu drücken, ohne tatsächlich anwesend sein zu müssen.

Weiterbildungen sind steuerlich absetzbar!

Da Kursgebühren für eine online Weiterbildung in die Tausende gehen können, ist es gut zu wissen, dass sich beruflich relevante Kosten laut Gesetz komplett absetzen lassen. Das heißt, dass die Kursgebühr als Werbungskosten zu 100% von deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen wird.

Die Bildungsprämie nutzen

Wer wenig verdient, und das ist ja meist gerade in der Elternzeit der Fall, hat oft Anspruch auf die staatliche Bildungsprämie. Wird sie genehmigt, übernimmt der Bund 50% (bis zu 500 Euro) der Weiterbildungskosten. Geh dazu am besten vorab in eine Beratungsstelle in deiner Nähe.

3. Genug Zeit einplanen

Wenn du dich für eine Weiterbildung entscheidest, plane unbedingt mehr Zeit ein, als du ursprünglich dachtest. Denn mit Kind kommt immer viel dazwischen. Banale Dinge werden mitunter zum Kraftakt. Gut ist es auch, wenn du von vornherein viel Elternzeit genommen hast. Ein Jahr reicht für Baby, Weiterbildung und Jobwechsel meist nicht aus. Allein einen neuen Job zu finden, kann bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen.

Besser sind also zwei oder gar drei Jahre Elternzeit. Und denk daran: Elternzeit schließt Teilzeitarbeit nicht aus. Ganz im Gegenteil. Wenn du die Teilzeit rechtzeitig beantragst, hast du in den allermeisten Fällen einen Rechtsanspruch darauf.

Eine Faustregel aus dem Projektmanagement besagt:

Nimm die ursprünglich angenommene Zeit mal 2 und erhöhe die Einheit um 1.

Wenn du also dachtest, eine Angelegenheit dauert 2 Wochen, dann sind es wahrscheinlich eher 4 Monate. Das mag übertrieben klingen, ist es in den meisten Fällen jedoch ganz und gar nicht.

Kündigungsfristen beachten

Wenn du deinen alten Job kündigen möchtest, gilt während der Elternzeit eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Elternzeitende. Danach gelten die Fristen, die vertraglich oder tariflich geregelt sind.

4. Lücken überbrücken

Während einer beruflichen Neuorientierung kann es natürlich auch zu Lücken kommen. Dies ist allein dann schon der Fall, wenn du nach deiner fristgerechten Kündigung nicht so schnell einen Job findest, wie du dachtest.

Um solche Lücken zu vermeiden, ist es immer sinnvoll erst zu kündigen, wenn du tatsächlich einen neuen Vertrag unterschrieben hast.

Beim Partner mitversichern

Mit Kind ist es besonders wichtig, im Krankheitsfall abgesichert zu sein. Wenn du noch keinen neuen Job hast, kannst du dich bei deinem Partner in seiner Krankenversicherung mitversichern, sofern dieser gesetzlich versichert ist. Ist er dies nicht oder kommt es aus anderen Gründen nicht infrage, ist es wichtig, dass du dich arbeitssuchend meldest. Selbst, wenn du dann durch die Kündigung eine Sperre von Amt bekommst, sind du und dein Kind zumindest krankenversichert.

Beim alten Arbeitgeber in Teilzeit einsteigen

Wenn du dich umorientieren willst und absehbar ist, dass es innerhalb der Elternzeit nicht zu schaffen ist, empfehlen wir, vorerst wieder beim alten Arbeitgeber in Teilzeit einzusteigen. Weiterbildung und Jobsuche kannst du parallel laufen lassen. Sobald du einen neuen Job gefunden hast, fällt der Schnitt dann ohne finanzielle Einbußen viel leichter.

Hast du Erfahrungen mit beruflicher Umorientierung in der Elternzeit? Teile sie gern mit uns in einem Kommentar!


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