Kinderzuschlag 2019: Anspruch, Höhe, Dauer und Tipps

Ein Leben mit Kindern kostet mehr als ohne. Damit Eltern mit geringem Einkommen möglichst nicht in den Hartz IV-Bezug rutschen, gibt es den Kinderzuschlag. Dieser soll zusammen mit dem Wohngeld die Finanzen so aufbessern, dass die Familie gut über die Runden kommt. Aber wer hat wirklich Anspruch und wie wird der Kinderzuschlag berechnet? In diesem Artikel beantworten wir deine Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kinderzuschlag wird ab einem Brutto-Einkommen von 900 Euro (bei Alleinerziehenden ab 600 Euro) und bis zu einer Höchsteinkommensgrenze gewährt.
  • Die Höchsteinkommensgrenze wird individuell anhand von Regelsätzen je nach Familiengröße, Wohnraum usw. berechnet und hat nichts mit dem Einkommen zu tun.
  • Das tatsächliche Einkommen darf die Höchsteinkommensgrenze jedoch nicht übersteigen. Vorher werden Steuern, Wohnkosten, Freibeträge etc. abgezogen.
  • Unterhalt und Waisenrenten gelten als Einkommen und werden anteilig je Kind mit dem Kinderzuschlag verrechnet.
  • Der Zuschlag wird nur für Kinder unter 25 gewährt, die im selben Haushalt leben und unverheiratet / unverpartnert sind.
  • Die Berechnung ist komplex und die Bearbeitung kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Maßgeblich für die Berechnung sind die Verhältnisse der letzten 6 Monate vor der Antragstellung.
  • Der Kinderzuschlag wird immer für 6 Monate bewilligt und wird nicht rückwirkend gezahlt (das Datum der Antragstellung ist entscheidend).

Was ist der Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag ist eine finanzielle Förderung von Familien mit geringem Einkommen. Er wurde zeitgleich mit Hartz IV im Zuge der Agenda 2010 ins Leben gerufen und stellt eine Ergänzung zum Kindergeld dar. Der Zuschlag soll verhindern, dass eine Familie, und damit sind auch Alleinerziehende gemeint, Hartz IV (Arbeitslosengeld II) beantragen muss. Die letzte Erhöhung gab es 2017. Durch das „Starke-Familien-Gesetz“ erfolgte zum 1. Juli 2019 nun eine Anpassung auf maximal 185 Euro pro Monat und Kind.

Wer hat Anspruch auf den Kinderzuschlag?

Kinderzuschlag können unter bestimmten Voraussetzungen alle beantragen, die
Kindergeld-berechtigt sind und deren Einkommen der Bedarfsgemeinschaft zwischen bestimmten Grenzen liegt. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass wer zu wenig verdient, stattdessen eine Aufstockung des Einkommens mit Hartz IV bekommt. Und wer zu viel verdient, braucht den Kinderzuschlag gar nicht erst zu beantragen. Die Einkommensgrenzen sind allerdings sehr individuell und die Berechnung recht kompliziert.

Eltern, deren Kinder Einkommen erzielen, z.B. durch Unterhalt oder Halbwaisenrente, sind nicht bezugsberechtigt, wenn 45% dieses Einkommens jeweils über 185 Euro liegt. Ebenfalls ausgeschlossen sind alle Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe und Sozialgeld.

Antragsteller ist immer derjenige, der das Kindergeld bezieht, denn der Kinderzuschlag wird immer zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt. Beziehst du eine mit dem Kindergeld vergleichbare Leistung z.B. aus dem Ausland oder hast du noch kein Kindergeld beantragt, müsst ihr als Eltern euch untereinander einigen, wer den Kinderzuschlag bzw. das beantragte Kindergeld beziehen soll, denn die Familienkasse zahlt immer nur auf ein Konto.

Voraussetzungen für den Bezug von Kinderzuschlag

  • Alter, Familienstand und Wohnort des Kindes
    Es muss jünger als 25 Jahre sein, bei dir im Haushalt leben und unverheiratet / unverpartnert sein.
  • Bezug von Kindergeld oder ähnlicher Leistung
    Du musst für das Kind Kindergeld-bezugsberechtigt sein oder eine vergleichbare Leistung erhalten, z.B. aus dem Ausland.
  • Mindesteinkommen der Bedarfsgemeinschaft muss hoch genug sein
    Elternpaare müssen brutto mehr als 900 Euro zur Verfügung haben. Alleinerziehende 600 Euro. Wohngeld, Kindergeld und Kinderzuschlag werden dabei nicht berücksichtigt, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld hingegen schon.
  • Mit Kinderzuschlag unterhalb der Höchsteinkommensgrenze
    Diese Grenze wird individuell auf Basis der Regelsätze berechnet, die auch für ALG II- Empfänger gelten, der sogenannte Gesamtbedarf. Da in jeder Familie eine unterschiedliche Zahl von Personen lebt, ist die Höchsteinkommensgrenze daher immer individuell. Wenn das Einkommen der Eltern (inkl. Kindergeld) unterhalb vom Gesamtbedarf liegt, besteht Anspruch auf Kinderzuschlag. (Tipp: Ab dem 1. Januar 2020 verändert sich diese Regelung noch einmal. Wurde dein Antrag auf Kinderzuschlag bisher abgelehnt, weil der Gesamtbedarf bereits durch das Einkommen gedeckt wurde, kann es sich lohnen, im Januar 2020 den Antrag erneut zu stellen.)
  • Bedarf lässt sich durch Kinderzuschlag und Wohngeld decken
    Wenn sich der Bedarf der Familie nicht durch die genannten Leistungen decken lässt, steht dir stattdessen zur Aufstockung des Einkommens Arbeitslosengeld II zu. Kinderzuschlag wird dann nicht zusätzlich gezahlt.

So wird der Kinderzuschlag berechnet

Mindesteinkommen und individuelle Höchsteinkommensgrenze

Das Mindesteinkommen muss bei Paaren 900 Euro monatlich übersteigen, für Alleinerziehende gelten 600 Euro als Mindestgrenze. Darunter geht man davon aus, dass sich euer Bedarf nicht durch Zuschlag und Wohngeld decken lässt und du deshalb Anspruch auf andere Sozialleistungen wie ALG II hast.

Für die Berechnung der Höchsteinkommensgrenze werden die Regelsätze für ALG-II-Empfänger herangezogen. Sie errechnet sich aus dem Regelbedarf der Eltern + ihrem Anteil an den Wohnkosten + dem Gesamtkinderzuschlag.

Dies lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen.

Beispiel: Berechnung der Höchsteinkommensgrenze

Ein Elternpaar hat drei Kinder und eine Miete von 1.000 Euro.

Regelbedarf der Eltern: 2 x 382 € = 764 €
Anteil an Wohnkosten: 63% von 1.000 € = 630 €
Gesamtbedarf der Eltern: 764 € + 630 € = 1.394 €
Gesamtkinderzuschlag: 3 x 185 € = 555 €
Höchsteinkommensgrenze: 1.394 € + 555 € = 1.949 €

Das bereinigte Einkommen der Eltern im obigen Beispiel muss unter 1.949 Euro bleiben, damit sie überhaupt Anspruch auf Kinderzuschlag haben. Gleichzeitig muss das Bruttoeinkommen über 900 Euro liegen. Sonst muss anstelle von Wohngeld und Kinderzuschlag Arbeitslosengeld II zur Aufstockung beantragt werden. Liegt das zu berücksichtigende Einkommen über dem Gesamtbedarf der Eltern wird der Kinderzuschlag gemindert.

Der zu berücksichtigende Anteil an den Wohnkosten ist abhängig von der Zahl der Kinder und davon, ob du alleinerziehend bist oder ein Elternpaar.

Wenn du einer Personengruppe angehörst, die einen Mehrbedarf geltend machen kann (wie z.B. Schwangere, Alleinerziehende, Behinderte usw.) steigt die Höchsteinkommensgrenze entsprechend.

Das gilt als Einkommen und Vermögen

Zum Einkommen gehören z.B.

  • Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit
  • Einnahmen aus nichtselbstständiger Tätigkeit
  • Einkommen der Kinder (z.B. Unterhalt oder Halbwaisenrente)
  • Arbeitslosengeld (nicht ALG II!)
  • Krankengeld
  • Elterngeld
  • Betreuungsgeld
  • Renten
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Zinsen aus Geldanlagen

Wohngeld und Kindergeld werden nicht zum Einkommen hinzu gerechnet.

Zum Vermögen gehören abzüglich fester Freibeträge zum Beispiel:

  • Bargeld
  • Sparguthaben
  • Wertpapiere
  • Haus- oder Grundeigentum (unter bestimmten Voraussetzungen)

Grundsätzlich gilt, Vermögen, das verkauft werden kann, wird angerechnet. Private Altersvorsorge oder die eigenen 4 Wände bleiben unangetastet.

Das Einkommen der Kinder

Erhalten eines oder mehrere im Haushalt lebende Kinder Unterhalt oder Waisenrente, werden diese vom Kinderzuschlag abgezogen. Allerdings geschieht das nicht in Summe sondern einzeln für jedes Kind, sodass sich daraus Vorteile ergeben.

Beispiel: Abzug des Kindesunterhalts

Kind 1 erhält 100 Euro Unterhalt: 185 € – 45 € (45% von 100 €) = 140 € Kinderzuschlag
Kind 2 erhält 415 Euro Unterhalt: 185 € – 186,75€ (45% von 415 €) = 0 € Kinderzuschlag

Wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen, werden 140 Euro für Kind 1 als Kinderzuschlag gezahlt.

Abzüge von Einkommen und Vermögen

Um das zu berücksichtigende Einkommen zu berechnen, werden Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Altersvorsorge, Versicherungspauschalen, Werbungskosten und etwaige Freibeträge vom Brutto-Einkommen und Vermögen abgezogen.

Voller Kinderzuschlag

Wenn das ermittelte Familieneinkommen den Gesamtbedarf der Eltern nicht übersteigt, bekommst du den vollen Satz von 185 Euro pro Kind.

Beispiel: voller Kinderzuschlag

Das im ersten Beispiel genannte Elternpaar hat nach allen Abzügen monatlich 1.100 Euro zur Verfügung. Ihr Gesamtbedarf beträgt 1.394 Euro. Sie bleiben also unterhalb des Gesamtbedarfs und unterhalb der Höchsteinkommensgrenze und erhalten den vollen Zuschlag von 555 Euro für ihre 3 minderjährigen Kinder. Insgesamt stehen ihnen nun 1.655 Euro monatlich zur Verfügung.

Geminderter Kinderzuschlag

Übersteigt das Einkommen den Gesamtbedarf, bleibt aber unterhalb der Höchsteinkommensgrenze, kommt es zur Minderung des Kinderzuschlags.

Wenn Einkommen aus Vermögen oder auch Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Ähnlichem besteht, rechnet man dieses komplett gegen. Handelt es sich um Erwerbseinkommen (selbstständig oder angestellt), wird dieses zu 50% angerechnet (ab 1.1.2020 zu 45%)

Beispiel: geminderter Kinderzuschlag

Ein Elternpaar lebt mit zwei minderjährigen Kindern in einer Wohnung, die 800 Euro Miete kostet. Sie haben ein zu berücksichtigendes Einkommen von monatlich 1.400 Euro (aus Erwerbstätigkeit) zur Verfügung. Ihr Gesamtbedarf beträgt 1.340 Euro (2 x 382 € und 72% von 800 €) und ihre Höchsteinkommensgrenze beträgt 1.710 Euro. Damit liegt das Einkommen 60 Euro über dem Gesamtbedarf, aber unterhalb der Höchsteinkommensgrenze. Der Kinderzuschlag wird also anteilig reduziert.

Regelbedarf der Eltern: 2 x 382 € = 764 €
Anteil an Wohnkosten: 72% von 800 € = 576 €
Gesamtbedarf der Eltern: 764 € + 576 € = 1.340 €
Gesamtkinderzuschlag: 2 x 185 € = 370 €
Höchsteinkommensgrenze: 1.340 € + 370 € = 1.710 €
1.400 € Einkommen – 1.340 € Gesamtbedarf = 60 € Überschuss

Der Überschuss ist auf den Kinderzuschlag zu 50% anzurechnen (da aus Erwerbseinkommen):
370 € – 30 € = 340 € Kinderzuschlag
1.400 € Einkommen + 340 € Zuschlag = 1.740 € monatlich zur Verfügung

Mehr Berechnungsbeispiele gibt es im Merkblatt der Familienkasse (PDF).

Prüf vorher deinen Anspruch

Bevor du den Antrag auf Kinderzuschlag stellst, solltest du den Kinderzuschlags-Check auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit benutzen. Dieser fragt nach Familienstand, Kindern, Einkommen, Ausgaben usw. und liefert eine gute Prognose, ob dein Antrag überhaupt eine Chance hätte. Zum Kinderzuschlags-Check

So stellst du den Antrag auf Kinderzuschlag

Den Antrag auf Kinderzuschlag stellst du bei der Familienkasse der Agentur für Arbeit. Dies muss schriftlich per Post, Einwurf oder persönlich erfolgen. Die Anträge auf Kinderzuschlag nebst zusätzlicher Formulare kannst du aus dem Internet herunterladen oder direkt bei der Familienkasse beziehen.

Je nach Lebenssituation musst du folgende Nachweise beifügen.

  • Einkommensnachweise / Lohnabrechnungen der letzten 3 Monate
  • Steuerbescheid
  • Bescheide über:
    • Arbeitslosengeld I oder II
    • Krankengeld
    • Rente
    • Elterngeld / Mutterschaftsgeld
    • BAföG
    • Berufsausbildungshilfe
    • Wohngeld
  • Belege über Nebenkosten:
    • Heizkosten
    • Wasser / Abwasser
    • Müllabfuhr
    • Schornsteinfeger

Die in deinem Fall nötigen Belege entnimmst du bitte den Antragsformularen.

Verwende für die Nachweise besser lediglich Kopien. Denn deine Akte wird elektronisch geführt und Nachweise in Papierform werden vernichtet.

Änderungen musst du melden

Sobald sich deine Lebenssituation so ändert, dass dein Kinderzuschlag betroffen sein könnte, musst du diese Änderung der Familienkasse unverzüglich mitteilen. Denkbar wären zum Beispiel:

  • Änderung der Personen im Haushalt
  • Einkommensveränderung bei den Eltern
  • Einkommensveränderung bei den Kindern
  • Änderung der Wohnkosten
  • Schwangerschaft eines Haushaltsmitgliedes usw.

Wenn du für den Kinderzuschlag relevante Änderungen zu spät oder gar nicht mitteilst, kann es passieren, dass du nicht nur den Kinderzuschlag zurückzahlen musst. Zusätzlich drohen Geldstrafen oder eine strafrechtliche Verfolgung. Wenn du nicht sicher bist, ob eine Änderung wichtig ist, frag einfach direkt bei der Familienkasse nach.

Bezugsdauer des Kinderzuschlags

Der Kinderzuschlag wird ab Antragstellung immer nur für 6 Monate gewährt, da sich bei Vielen die Bedürftigkeit innerhalb dieser Frist ändert. Nach oder am besten noch vor Ablauf des Bezugszeitraumes musst du einen neuen Antrag stellen. Wenn sich nichts an deinen Verhältnissen geändert hat, ist die Bearbeitungszeit dann etwas kürzer.

Gibt es den Kinderzuschlag auch rückwirkend?

Nein, leider nicht. Es ist wichtig, dass du den Kinderzuschlag schnell beantragst, denn die Familienkasse zahlt die Beträge erst ab dem Tag der Antragstellung.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Im Normalfall dauert die Bearbeitung 4-6 Wochen. Dann müssen der Antrag pünktlich eingegangen und alle Belege beigefügt sein. In einigen wenigen Fällen dauert es aber mehrere Monate. Rechne daher nicht sofort mit dem Geld, sondern schau immer nach Alternativen für den Fall der Fälle.

Bildungs- und Teilhabeleistungen und kostenfreie Kita

Wenn du einen Kinderzuschlag bekommst, bist du ab dem 01.08.2019 vom Kostenbeitrag für die Kita befreit.

Außerdem können dank des „Starke-Familien-Gesetz“ viele weitere Leistungen beantragt werden:

  • eintägige Schul- und Kitaausflüge oder Tagespflege (tatsächliche Kosten)
  • mehrtägige Klassen- und Kitafahrten oder Tagespflege (tatsächliche Kosten)
  • der persönliche Schulbedarf (insgesamt 100 Euro jährlich, ab 01.02.2020 50 Euro)
  • die Beförderung von Schülerinnen und Schülern zur Schule (tatsächliche Kosten, ab 01.08.2019 tatsächliche Kosten ohne Eigenanteil)
  • Lernförderungen unabhängig von einer Versetzungsgefährdung (tatsächliche Kosten)
  • die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung in Schule oder Kindertageseinrichtungen (Zuschuss bis 31.07.2019)
  • die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung in Schule oder Kindertageseinrichtungen, Hort oder in der Tagespflege (ab 01.08.2019 tatsächliche Kosten ohne Eingenanteil)
  • die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (wie im Sportverein oder in der Musikschule in Höhe von 10 Euro monatlich, ab 01.08.2019 in Höhe von monatlich 15 Euro)

Die Leistungen musst du bei der zuständigen kommunalen Stelle beantragen.

Hast du bereits Erfahrungen mit dem Kinderzuschlag? Schreib uns gern einen Kommentar!


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