Kinderzuschlag 2020: Anspruch, Höhe, Dauer und Tipps

Ein Leben mit Kindern kostet mehr als ohne. Damit Eltern mit geringem Einkommen möglichst nicht in den Hartz IV-Bezug rutschen, gibt es den Kinderzuschlag. Dieser soll zusammen mit dem Wohngeld die Finanzen so aufbessern, dass die Familie gut über die Runden kommt. Aber wer hat wirklich Anspruch und wie wird der Kinderzuschlag berechnet? In diesem Artikel beantworten wir deine Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kinderzuschlag wird ab einem Brutto-Einkommen von 900 Euro (bei Alleinerziehenden ab 600 Euro) und bis zu einer Höchsteinkommensgrenze gewährt.
  • Die Höchsteinkommensgrenze wird individuell anhand von Regelsätzen je nach Familiengröße, Wohnraum usw. berechnet und hat nichts mit dem Einkommen zu tun.
  • Ein Überschreiten der Höchsteinkommensgrenze ist ab 01.01.2020 möglich, der Kinderzuschlag reduziert sich dann schrittweise
  • Unterhalt und Waisenrenten gelten als Einkommen und werden anteilig je Kind mit dem Kinderzuschlag verrechnet.
  • Der Zuschlag wird nur für Kinder unter 25 gewährt, die im selben Haushalt leben und unverheiratet / unverpartnert sind.
  • Die Berechnung ist komplex und die Bearbeitung kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Maßgeblich für die Berechnung sind die Verhältnisse der letzten 6 Monate vor der Antragstellung.
  • Der Kinderzuschlag wird immer für 6 Monate bewilligt und wird nicht rückwirkend gezahlt (das Datum der Antragstellung ist entscheidend).

Was ist der Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag ist eine finanzielle Förderung von Familien mit geringem Einkommen. Er wurde zeitgleich mit Hartz IV im Zuge der Agenda 2010 ins Leben gerufen und stellt eine Ergänzung zum Kindergeld dar. Der Zuschlag soll verhindern, dass eine Familie, und damit sind auch Alleinerziehende gemeint, Hartz IV (Arbeitslosengeld II) beantragen muss. Die letzte Erhöhung gab es 2017. Durch das „Starke-Familien-Gesetz“ erfolgte zum 1. Juli 2019 nun eine Anpassung auf maximal 185 Euro pro Monat und Kind.

Wer hat Anspruch auf den Kinderzuschlag?

Kinderzuschlag können unter bestimmten Voraussetzungen alle beantragen, die
Kindergeld-berechtigt sind und deren Einkommen der Bedarfsgemeinschaft zwischen bestimmten Grenzen liegt. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass wer zu wenig verdient, stattdessen eine Aufstockung des Einkommens mit Hartz IV bekommt. Seit Januar 2020 gibt es den erweiterten Zugang zum Kinderzuschlag, um eine Hilfebedürftigkeit möglichst zu vermeiden. Wer zu viel verdient, kann ab diesem Jahr möglicherweise den Kinderzuschlag trotzdem bekommen. Die Berechnung der Einkommensgrenzen ist recht komplex und sehr individuell.

Eltern, deren Kinder Einkommen erzielen, z.B. durch Unterhalt oder Halbwaisenrente, sind nicht bezugsberechtigt, wenn 45% dieses Einkommens jeweils über 185 Euro liegt. Ebenfalls ausgeschlossen sind alle Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe und Sozialgeld.

Antragsteller ist immer derjenige, der das Kindergeld bezieht, denn der Kinderzuschlag wird immer zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt. Beziehst du eine mit dem Kindergeld vergleichbare Leistung z.B. aus dem Ausland oder hast du noch kein Kindergeld beantragt, müsst ihr als Eltern euch untereinander einigen, wer den Kinderzuschlag bzw. das beantragte Kindergeld beziehen soll, denn die Familienkasse zahlt immer nur auf ein Konto.

Voraussetzungen für den Bezug von Kinderzuschlag

  • Alter, Familienstand und Wohnort des Kindes
    Es muss jünger als 25 Jahre sein, bei dir im Haushalt leben und unverheiratet / unverpartnert sein.
  • Bezug von Kindergeld oder ähnlicher Leistung
    Du musst für das Kind Kindergeld-bezugsberechtigt sein oder eine vergleichbare Leistung erhalten, z.B. aus dem Ausland.
  • Mindesteinkommen der Bedarfsgemeinschaft muss hoch genug sein
    Elternpaare müssen brutto mehr als 900 Euro zur Verfügung haben. Alleinerziehende 600 Euro. Wohngeld, Kindergeld und Kinderzuschlag werden dabei nicht berücksichtigt, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld hingegen schon.
  • Bedarf lässt sich durch Kinderzuschlag und Wohngeld decken
    Wenn sich der Bedarf der Familie nicht durch die genannten Leistungen decken lässt, steht dir stattdessen zur Aufstockung des Einkommens Arbeitslosengeld II zu. Kinderzuschlag wird dann nicht zusätzlich gezahlt. Ist die Lücke nicht höher als 100 Euro, gilt der erweiterte Zugang zum Kinderzuschlag. Du kannst in diesem Fall anstelle von Hartz IV den Kinderzuschlag bekommen, wenn dadurch der Bedarf deiner Familie gedeckt ist.
  • Kinderzuschlag auch wenn Bedarf der Familie gedeckt ist
    Unter Umständen gibt es für dich einen reduzierten Kinderzuschlag. Außerdem profitierst du dann von Bildungs- und Teilhabeleistungen und einer KiTa-Gebühren-Befreiung. Weitere Auskünfte erteilt dir deine zuständige Familienkasse.

So wird der Kinderzuschlag berechnet

Mindesteinkommen

Das Mindesteinkommen muss bei Paaren 900 Euro monatlich übersteigen, für Alleinerziehende gelten 600 Euro als Mindestgrenze. Darunter geht man davon aus, dass sich euer Bedarf nicht durch Zuschlag und Wohngeld decken lässt und du deshalb Anspruch auf andere Sozialleistungen wie ALG II hast.

Einkommen und Vermögen des Kindes

Eigenes Einkommen deines Kindes rechnet die Familienkasse in unterschiedlichem Umfang auf den Kinderzuschlag an. Die Anrechnung kann die Höhe des Kinderzuschlags mindern.

Zum Einkommen deines Kindes gehören neben Erwerbseinkommen und Unterhaltsleistungen des anderen Elternteils für dieses Kind auch Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz. Es besteht die Verpflichtung, dass du dich um den Bezug der vorrangigen Leistung Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss bemühst.

Eigenes Vermögen von mehr als 3.850 Euro eines minderjährigen Kindes rechnet die Familienkasse voll auf den Kinderzuschlag an.

Dies lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen.

Beispiel: Reduzierung Kinderzuschlag durch Vermögen

Das Vermögen des Kindes liegt 100 Euro über dem Freibetrag. Es sind 100 Euro auf den Kinderzuschlag anzurechnen. Einkommen erzielt das Kind nicht.

Es erfolgt eine Kürzung um 100 Euro des Kinderzuschlags von 185 Euro. Nur 85 Euro kommen zur Auszahlung. Diese Kürzung nimmt die Familienkasse nur im ersten Monat vor. Ab dem Folgemonat erhält das Kind die vollen 185 Euro.

Voller Kinderzuschlag

Wenn das ermittelte Vermögen den Freibetrag nicht übersteigt, gibt es den vollen Satz von 185 Euro pro Kind.

Einkommen und Vermögen der Eltern

Liegt das elterliche Einkommen oder Vermögen über dem eigenen Gesamtbedarf mindert dies den Kinderzuschlag. Handelt es sich beim Einkommen und Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit (auch Selbstständigkeit), erfolgt eine Anrechnung nur in Höhe von 45% auf den Kinderzuschlag. Nicht dazu zählen andere Einnahmen wie Krankengeld und Arbeitslosengeld. Diese werden mit 100% angerechnet.

Folgende Anteile der tatsächlichen Wohnkosten gehen in die Berechnung mit ein:

Elternpaare

Elternpaare mitElternanteil in %
1 Kind83
2 Kindern71
3 Kindern62
4 Kindern55
5 Kindern50

 

Alleinerziehende

Alleinerziehende Elternteile mitElternanteil in %
1 Kind77
2 Kindern63
3 Kindern53
4 Kindern46
5 Kindern40

Wie die Wohnkosten anteilig einfließen in die Berechnung zeigt das nachfolgende Beispiel.

Beispiel: Reduzierung Kinderzuschlag durch Einkommen der Eltern

Ein Ehepaar mit 3 Kindern unter 25 leben in einem gemeinsamen Haushalt. Die Miete beträgt monatlich 900 Euro. Das Bruttoeinkommen des Vaters liegt pro Monat bei 2.000 Euro. Hiervon bleiben 1.227 Euro zu berücksichtigendes Einkommen. Das Bruttoeinkommen der Mutter beträgt 750 Euro im Monat. Davon sind 309 Euro zu berücksichtigen. Gemeinsames Einkommen des Eltern. 1.536 Euro (1227 Euro + 309 Euro).

  • Regelbedarf nach SGB II: 2 x 389 Euro = 778 Euro
  • + Anteile der Wohnkosten der Eltern = 558 Euro (62 % von 900 Euro Miete)
  • = Gesamtbedarf der Eltern: 1.336 Euro

Das gemeinsame Einkommen der Eltern liegt 200 Euro über dem Gesamtbedarf. Es erfolgt eine Anrechnung auf den Kinderzuschlag für die 3 Kinder. Da es sich um Einkommen aus Erwerbstätigkeit handelt, rechnet die Familienkasse nur 45% an.

  • Kinderzuschlag 3 x 185 Euro = 555 Euro
  • – Anrechnungsbetrag 90 Euro (45% von 200 Euro)
  • Auszahlungsbetrag Kinderzuschlag pro Monat = 465 Euro

Mehr Berechnungsbeispiele gibt es im Merkblatt der Familienkasse (PDF).

Das gilt als Einkommen und Vermögen

Zum Einkommen gehören z.B.

  • Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit
  • Einnahmen aus nichtselbstständiger Tätigkeit
  • Unterhaltsleistungen (Ehegattenunterhalt und Kindesunterhalt) oder Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz
  • Arbeitslosengeld (nicht ALG II!)
  • Krankengeld
  • Elterngeld
  • Betreuungsgeld
  • Renten
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Zinsen aus Geldanlagen

Wohngeld und Kindergeld werden nicht zum Einkommen hinzu gerechnet.

Zum Vermögen gehören abzüglich fester Freibeträge zum Beispiel:

  • Bargeld
  • Sparguthaben
  • Wertpapiere
  • Haus- oder Grundeigentum (unter bestimmten Voraussetzungen)

Grundsätzlich gilt, Vermögen, das verkauft werden kann, wird angerechnet. Private Altersvorsorge oder die eigenen 4 Wände bleiben unangetastet.

Abzüge von Einkommen und Vermögen

Um das zu berücksichtigende Einkommen zu berechnen, werden Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Altersvorsorge, Versicherungspauschalen, Werbungskosten und etwaige Freibeträge vom Brutto-Einkommen und Vermögen abgezogen.

Prüf vorher deinen Anspruch

Bevor du den Antrag auf Kinderzuschlag stellst, solltest du den Kinderzuschlags-Check auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit benutzen. Dieser fragt nach Familienstand, Kindern, Einkommen, Ausgaben usw. und liefert eine gute Prognose, ob dein Antrag überhaupt eine Chance hätte. Zum Kinderzuschlags-Check

So stellst du den Antrag auf Kinderzuschlag

Den Antrag auf Kinderzuschlag stellst du bei der Familienkasse der Agentur für Arbeit. Dies muss schriftlich per Post, Einwurf oder persönlich erfolgen. Die Anträge auf Kinderzuschlag nebst zusätzlicher Formulare kannst du aus dem Internet herunterladen oder direkt bei der Familienkasse beziehen. Ab Februar 2020 kannst du den Antrag voraussichtlich auch online stellen.

Je nach Lebenssituation musst du folgende Nachweise beifügen.

  • Einkommensnachweise / Lohnabrechnungen der letzten 3 Monate
  • Steuerbescheid
  • Bescheide über:
    • Arbeitslosengeld I oder II
    • Krankengeld
    • Rente
    • Elterngeld / Mutterschaftsgeld
    • BAföG
    • Berufsausbildungshilfe
    • Wohngeld
  • Belege über Nebenkosten:
    • Heizkosten
    • Wasser / Abwasser
    • Müllabfuhr
    • Schornsteinfeger

Die in deinem Fall nötigen Belege entnimmst du bitte den Antragsformularen.

Verwende für die Nachweise besser lediglich Kopien. Denn deine Akte wird elektronisch geführt und Nachweise in Papierform werden vernichtet.

Änderungen musst du melden

Sobald sich deine Lebenssituation so ändert, dass dein Kinderzuschlag betroffen sein könnte, musst du diese Änderung der Familienkasse unverzüglich mitteilen. Denkbar wären zum Beispiel:

  • Änderung der Personen im Haushalt
  • Einkommensveränderung bei den Eltern
  • Einkommensveränderung bei den Kindern
  • Änderung der Wohnkosten
  • Schwangerschaft eines Haushaltsmitgliedes usw.

Wenn du für den Kinderzuschlag relevante Änderungen zu spät oder gar nicht mitteilst, kann es passieren, dass du nicht nur den Kinderzuschlag zurückzahlen musst. Zusätzlich drohen Geldstrafen oder eine strafrechtliche Verfolgung. Wenn du nicht sicher bist, ob eine Änderung wichtig ist, frag einfach direkt bei der Familienkasse nach.

Bezugsdauer des Kinderzuschlags

Der Kinderzuschlag wird ab Antragstellung immer nur für 6 Monate gewährt, da sich bei vielen die Bedürftigkeit innerhalb dieser Frist ändert. Nach oder am besten noch vor Ablauf des Bezugszeitraumes musst du einen neuen Antrag stellen. Wenn sich nichts an deinen Verhältnissen geändert hat, ist die Bearbeitungszeit dann etwas kürzer.

Gibt es den Kinderzuschlag auch rückwirkend?

Nein, leider nicht. Es ist wichtig, dass du den Kinderzuschlag schnell beantragst, denn die Familienkasse zahlt die Beträge erst ab dem Tag der Antragstellung.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Im Normalfall dauert die Bearbeitung 4-6 Wochen. Dann müssen der Antrag pünktlich eingegangen und alle Belege beigefügt sein. In einigen wenigen Fällen dauert es aber mehrere Monate. Rechne daher nicht sofort mit dem Geld, sondern schau immer nach Alternativen für den Fall der Fälle.

Bildungs- und Teilhabeleistungen und kostenfreie Kita

Wenn du einen Kinderzuschlag bekommst, zahlst du keine Gebühren für die KiTa.

Außerdem können dank des „Starke-Familien-Gesetz“ viele weitere Leistungen beantragt werden:

  • eintägige Schul- und Kitaausflüge oder Tagespflege (tatsächliche Kosten)
  • mehrtägige Klassen- und Kitafahrten oder Tagespflege (tatsächliche Kosten)
  • der persönliche Schulbedarf (insgesamt 150 Euro pro Schuljahr)
  • die Beförderung von Schülerinnen und Schülern zur Schule (tatsächliche Kosten)
  • angemessene Lernförderungen unabhängig von einer Versetzungsgefährdung
  • die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung in Schule (auch in Kooperation mit dem Hort), Kindertagesstätte oder in der Tagespflege (gesamte Kosten)
  • die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (monatlich pauschal 15 Euro)

Die Leistungen musst du bei der zuständigen kommunalen Stelle beantragen.

Hast du bereits Erfahrungen mit dem Kinderzuschlag? Schreib uns gern einen Kommentar!

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  • Sehr gut und verständlich geschrieben. Wir haben auch einen Wiederholungsantrag laufen schon seit 4 Monaten und warten auf Bearbeitung, dieses Amt ist unglaublich langsam…..

  • Habe am 01.04.2020 beantragt und auch bis heute noch keine Antwort. Ab nächsten Monat wirds dann langsam knapp bei uns und das mit 2 Kindern.

  • Ich habe einen weiter Antrag gestellt und das im april und immer noch nicht gehört ich sitze hier mit 5 Kids und das echt nicht normal wie lange das dauert

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