Kinderzuschlag: Anspruch, Höhe, Dauer und Tipps

Ein Leben mit Kindern kostet mehr als ohne. Damit Eltern mit geringem Einkommen möglichst nicht in den Hartz IV-Bezug rutschen, gibt es den Kinderzuschlag. Dieser soll zusammen mit dem Wohngeld die Finanzen so aufbessern, dass die Familie gut über die Runden kommt. Aber wer hat wirklich Anspruch und wie wird der Kinderzuschlag berechnet? In diesem Artikel beantworten wir Ihre Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kinderzuschlag wird ab einem Brutto-Einkommen von 900 Euro (bei Alleinerziehenden ab 600 Euro) und bis zu einer Höchsteinkommensgrenze gewährt.
  • Die Höchsteinkommensgrenze wird individuell anhand von Regelsätzen je nach Familiengröße, Wohnraum usw. berechnet und hat nichts mit dem Einkommen zu tun.
  • Das tatsächliche Einkommen darf die Höchsteinkommengrenze jedoch nicht übersteigen. Vorher werden Steuern, Wohnkosten, Freibeträge etc. abgezogen.
  • Unterhalt und Waisenrenten gelten als Einkommen und werden je Kind mit dem Kinderzuschlag verrechnet.
  • Der Zuschlag wird nur für Kinder unter 25 gewährt, die im selben Haushalt leben und unverheiratet sind.
  • Die Berechnung ist komplex und die Bearbeitung kann mehrere Wochen bis Monate dauern.
  • Der Kinderzuschlag wird nicht rückwirkend gezahlt, das Datum der Antragstellung ist entscheidend.

Was ist der Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag ist eine finanzielle Förderung von Familien mit geringem Einkommen. Er wurde zeitgleich mit Hartz IV im Zuge der Agenda 2010 ins Leben gerufen und stellt eine Ergänzung zum Kindergeld dar. Der Zuschlag soll verhindern, dass eine Familie, und damit sind auch Alleinerziehende gemeint, Hartz IV (Arbeitslosengeld II) beantragen muss. Seit 2014 hat sich der Kinderzuschlag mehrfach erhöht. Die letzte Erhöhung gab es 2017 auf nun maximal 170 Euro pro Monat und Kind.

Wer hat Anspruch auf den Kinderzuschlag?

Kinderzuschlag können unter bestimmten Voraussetzungen alle beantragen, die Kindergeld-berechtigt sind und deren Einkommen der Bedarfsgemeinschaft zwischen bestimmten Grenzen liegt. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass wer zu wenig verdient, stattdessen eine Aufstockung des Einkommens mit Hartz IV bekommt. Und wer zu viel verdient, braucht den Kinderzuschlag gar nicht erst zu beantragen. Die Einkommensgrenzen sind allerdings sehr individuell und die Berechnung recht kompliziert.

Eltern, deren Kinder Einkommen erzielen, z.B. durch Unterhalt oder Halbwaisenrente, sind nicht bezugsberechtigt, wenn dieses Einkommen jeweils über 170 Euro liegt. Ebenfalls ausgeschlossen sind alle Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe und Sozialgeld.

Antragsteller ist immer derjenige, der das Kindergeld bezieht. Haben Sie den Kinderfreibetrag gewählt, beziehen Sie eine andere Kindergeld-ausschließende Leistung oder haben Sie noch kein Kindergeld beantragt, müssen Sie sich untereinander einigen, wer den Kinderzuschlag bzw. das beantragte Kindergeld beziehen soll. Denn die Familienkasse zahlt immer nur auf ein Konto.

Voraussetzungen für den Bezug von Kinderzuschlag

  • Alter, Familienstand und Wohnort des Kindes
    Es muss jünger als 25 Jahre sein, bei Ihnen im Haushalt leben und unverheiratet sein.
  • Bezug von Kindergeld oder ähnlicher Leistung
    Sie müssen für das Kind Kindergeld-bezugsberechtigt sein, den Kinderfreibetrag gewählt haben oder eine andere das Kindergeld ausschließende Leistung erhalten.
  • Mindesteinkommen der Bedarfsgemeinschaft muss hoch genug sein
    Elternpaare müssen brutto mehr als 900 Euro zur Verfügung haben. Alleinerziehende 600 Euro
  • Mit Kinderzuschlag unterhalb der Höchsteinkommensgrenze
    Diese Grenze wird individuell auf Basis der Regelsätze berechnet, die auch für ALG 2-Empfänger gelten. Da in jeder Familie eine unterschiedliche Zahl von Personen lebt, ist die Höchsteinkommensgrenze daher immer individuell. Wenn Grundbedarf der Eltern + voller Kinderzuschlag unterhalb der Grenze bleiben, sind Sie bezugsberechtigt.
  • Bedarf lässt sich durch Kinderzuschlag und Wohngeld decken
    Wenn sich der Bedarf der Familie nicht durch die genannten Leistungen decken lässt, steht Ihnen stattdessen zur Aufstockung des Einkommens Arbeitslosengeld II zu. Kinderzuschlag wird dann nicht zusätzlich gezahlt.

So wird der Kinderzuschlag berechnet

Mindesteinkommen und individuelle Höchsteinkommensgrenze

Das Mindesteinkommen muss bei Paaren 900 Euro monatlich übersteigen, für Alleinerziehende gelten 600 Euro als Mindestgrenze. Darunter geht man davon aus, dass sich Ihr Bedarf nicht durch Zuschlag und Wohngeld decken lässt und sie deshalb Anspruch auf andere Sozialleistungen wie ALG 2 haben.

Für die Berechnung der Höchsteinkommensgrenze werden die Regelsätze für ALG 2-Empfänger herangezogen. Sie errechnet sich aus dem Regelbedarf der Eltern + ihrem Anteil an den Wohnkosten + dem Gesamtkinderzuschlag.

Dies lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen.

Beispiel: Berechnung der Höchsteinkommensgrenze

Ein Elternpaar hat drei Kinder und eine Miete von 1.000 Euro.

Regelbedarf der Eltern: 2 x 374 € = 748 €
Anteil an Wohnkosten: 62,2% von 1.000 € = 622 €
Gesamtbedarf der Eltern: 748 € + 622 € = 1.370 €
Gesamtkinderzuschlag: 3 x 170 € = 510 €
Höchsteinkommensgrenze: 1.370 € + 510 € = 1.880 €

Das bereinigte Einkommen der Eltern im obigen Beispiel muss unter 1.880 Euro bleiben, damit sie überhaupt Anspruch auf Kinderzuschlag haben. Gleichzeitig muss das Bruttoeinkommen über 900 Euro liegen. Sonst muss anstelle von Wohngeld und Kinderzuschlag Arbeitslosengeld II zur Aufstockung beantragt werden. Liegt das zu berücksichtigende Einkommen über dem Gesamtbedarf, wird der Kinderzuschlag gemindert.

Der Anteil an den Wohnkosten ist abhängig von der Zahl der Kinder und davon, ob Sie alleinerziehend oder ein Elternpaar sind.

Wenn Sie einer Personengruppe angehören, die einen Mehrbedarf geltend machen kann (wie z.B. Schwangere, Alleinerziehende, Behinderte usw.) steigt die Höchsteinkommensgrenze entsprechend.

Das gilt als Einkommen und Vermögen

Zum Einkommen gehören z.B.

  • Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit
  • Einnahmen aus nichtselbstständiger Tätigkeit
  • Einkommen der Kinder (z.B. Unterhalt oder Halbwaisenrente)
  • Arbeitslosengeld (nicht ALG2!)
  • Krankengeld
  • Elterngeld
  • Betreuungsgeld
  • Renten
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Zinsen aus Geldanlagen

Wohngeld und Kindergeld werden nicht zum Einkommen hinzu gerechnet.

Zum Vermögen gehören abzüglich fester Freibeträge zum Beispiel:

  • Bargeld
  • Sparguthaben
  • Wertpapiere
  • Haus- oder Grundeigentum (unter bestimmten Voraussetzungen)

Grundsätzlich gilt, Vermögen, das verkauft werden kann, wird angerechnet. Private Altersvorsorge oder die eigenen 4 Wände bleiben unangetastet.

Das Einkommen der Kinder

Erhalten eines oder mehrere im Haushalt lebende Kinder Unterhalt oder Waisenrente, werden diese vom Kinderzuschlag abgezogen. Allerdings geschieht das nicht in Summe sondern einzeln für jedes Kind, sodass sich daraus Vorteile ergeben.

Beispiel: Abzug des Kindesunterhalts

Kind 1 erhält 100 Euro Unterhalt: 170 € – 100 € = 70 € Kinderzuschlag
Kind 2 erhält 270 Euro Unterhalt: 170 € – 270 € = 0 € Kinderzuschlag

Wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen, werden 70 Euro statt 0 Euro Kinderzuschlag gezahlt.

Abzüge von Einkommen und Vermögen

Um das zu berücksichtigende Einkommen zu berechnen, werden Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Altersvorsorge, Versicherungspauschalen, Werbungskosten und etwaige Freibeträge vom Brutto-Einkommen und Vermögen abgezogen.

Voller Kinderzuschlag

Wenn das ermittelte Familieneinkommen den Gesamtbedarf der Eltern nicht übersteigt, bekommen Sie den vollen Satz von 170 Euro pro Kind.

Beispiel: voller Kinderzuschlag

Das im ersten Beispiel genannte Elternpaar hat nach allen Abzügen monatlich 1.100 Euro zur Verfügung. Ihr Gesamtbedarf beträgt 1.370 Euro. Sie bleiben also unterhalb des Gesamtbedarfs und unterhalb der Höchsteinkommensgrenze und erhalten den vollen Zuschlag von 510 Euro für ihre 3 minderjährigen Kinder. Insgesamt stehen ihnen nun 1.610 Euro monatlich zur Verfügung.

Geminderter Kinderzuschlag

Übersteigt das Einkommen den Gesamtbedarf, bleibt aber unterhalb der Höchsteinkommensgrenze, kommt es zur Minderung des Kinderzuschlags.

Wenn Einkommen aus Vermögen oder auch Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Ähnlichem besteht, rechnet man dieses komplett gegen. Handelt es sich um Erwerbseinkommen (selbstständig oder angestellt), reduziert sich der Kinderzuschlag stufenweise um 5 Euro je 10 Euro, die über dem Gesamtbedarf liegen.

Beispiel: geminderter Kinderzuschlag

Ein Elternpaar lebt mit zwei minderjährigen Kindern in einer Wohnung, die 800 Euro Miete kostet. Sie haben ein zu berücksichtigendes Einkommen von monatlich 1.300 Euro (aus Erwerbstätigkeit) zur Verfügung. Ihr Gesamtbedarf beträgt 1.245,60 Euro und ihre Höchsteinkommensgrenze beträgt 1.585,60 Euro. Damit liegt das Einkommen 54,40 Euro über dem Gesamtbedarf, aber unterhalb der Höchsteinkommensgrenze. Der Kinderzuschlag wird also anteilig reduziert.

Regelbedarf der Eltern: 2 x 374 € = 748 €
Anteil an Wohnkosten: 62,2% von 800 € = 497,60 €
Gesamtbedarf der Eltern: 748 € + 497,60 € = 1.245,60 €
Gesamtkinderzuschlag: 2 x 170 € = 340 €
Höchsteinkommensgrenze: 1.245,60 € + 340 € = 1585,60 €
1.300 € Einkommen – 1245,60 € Gesamtbedarf = 54,40 € Überschuss

54,4 € : 10 = 5 Minderungsstufen à 5 €
5 x 5 € = 25 €
340 € – 25 € = 315 € Kinderzuschlag
1.300 € Einkommen + 315 € Zuschlag = 1.615 € monatlich zur Verfügung

Mehr Berechnungsbeispiele gibt es im Merkblatt der Familienkasse (PDF).

Prüfen Sie vorher Ihren Anspruch

Bevor Sie den Antrag auf Kinderzuschlag stellen, sollten Sie den Kinderzuschlags-Check auf dem Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) benutzen. Dieser fragt nach Familienstand, Kindern, Einkommen, Ausgaben usw. und liefert eine gute Prognose, ob Ihr Antrag überhaupt eine Chance hätte. Zum Kinderzuschlags-Check

So stellen Sie den Antrag auf Kinderzuschlag

Den Antrag auf Kinderzuschlag stellen Sie bei der Familienkasse der Agentur für Arbeit. Dies muss schriftlich per Post, Einwurf oder persönlich erfolgen. Die Anträge auf Kinderzuschlag nebst zusätzlicher Formulare können Sie aus dem Internet herunterladen oder direkt bei der Familienkasse beziehen.

Je nach Lebenssituation müssen Sie folgende Nachweise beifügen.

  • Einkommensnachweise / Lohnabrechnungen der letzten 3 Monate
  • Steuerbescheid
  • Bescheide über:
    • Arbeitslosengeld I oder II
    • Krankengeld
    • Rente
    • Elterngeld / Mutterschaftsgeld
    • BAföG
    • Berufsausbildungshilfe
    • Wohngeld
  • Belege über Nebenkosten:
    • Heizkosten
    • Wasser / Abwasser
    • Müllabfuhr
    • Schornsteinfeger

Die in Ihrem Fall nötigen Belege entnehmen Sie bitte den Antragsformularen.

Verwenden Sie für die Nachweise besser lediglich Kopien. Denn Ihr Akte wird elektronisch geführt und Nachweise in Papierform werden vernichtet.

Änderungen müssen Sie melden

Sobald sich Ihre Lebenssituation so ändert, dass Ihr Kinderzuschlag sein könnte, müssen Sie diese Änderung der Familienkasse unverzüglich mitteilen. Denkbar wären zum Beispiel:

  • Änderung der Personen im Haushalt
  • Einkommensveränderung bei den Eltern
  • Einkommensveränderung bei den Kindern
  • Änderung der Wohnkosten
  • Schwangerschaft eines Haushaltsmitgliedes usw.

Wenn Sie für den Kinderzuschlag relevante Änderungen zu spät oder gar nicht mitteilen, kann es passieren, dass Sie nicht nur den Kinderzuschlag zurückzahlen müssen. Zusätzlich drohen Geldstrafen oder eine strafrechtliche Verfolgung. Wenn Sie nicht sicher sind, ob eine Änderung wichtig ist, fragen Sie einfach direkt bei der Familienkasse nach.

Bezugsdauer des Kinderzuschlags

Der Kinderzuschlag wird ab Antragstellung immer nur für 6 Monate gewährt, da sich bei Vielen die Bedürftigkeit innerhalb dieser Frist ändert. Nach oder am besten noch vor Ablauf des Bezugszeitraumes müssen Sie einen neuen Antrag stellen. Wenn sich nichts an Ihren Verhältnissen geändert hat, ist die Bearbeitungszeit dann etwas kürzer.

Gibt es den Kinderzuschlag auch rückwirkend?

Nein, leider nicht. Es ist wichtig, dass Sie den Kinderzuschlag schnell beantragen, denn die Familienkasse zahlt die Beträge erst ab dem Tag der Antragstellung.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Im Normalfall dauert die Bearbeitung 4-6 Wochen. Dann müssen der Antrag pünktlich eingegangen und alle Belege beigefügt sein. In einigen wenigen Fällen dauert es aber mehrere Monate. Rechnen Sie daher nicht sofort mit dem Geld, sondern schauen Sie immer nach Alternativen für den Fall der Fälle.

Zusätzliche Leistungen für Bildung und Teilhabe

Unabhängig von Kinderzuschlag und Wohngeld gibt es noch eine Fördermöglichkeit für Kinder von Eltern, die ein geringes Einkommen haben. Das sogenannte Bildungspaket beinhaltet insgesamt 7 Geld- und Sachleistungen, die je nach Wohnort an unterschiedlicher Stelle beantragt werden können: Antragsstelle für das Bildungspaket finden

Leistungen laut BMFSFJ (Bundesministerium für Familie):

  • eintägige Schul- und Kitaausflüge (tatsächliche Kosten)
  • mehrtägige Klassen- und Kitafahrten (tatsächliche Kosten)
  • der persönliche Schulbedarf (insgesamt 100 Euro jährlich)
  • die Beförderung von Schülerinnen und Schülern zur Schule (tatsächliche Kosten)
  • Lernförderungen (tatsächliche Kosten)
  • die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung in Schule oder Kindertageseinrichtungen (Zuschuss)
  • die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (wie im Sportverein oder in der Musikschule in Höhe von 10 Euro monatlich)

Haben Sie bereits Erfahrungen mit dem Kinderzuschlag? Schreiben Sie uns gern einen Kommentar!


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