Elterngeld für Alleinerziehende

Welcher Anspruch besteht und was sich ändert.

Erwartest du ein Baby und bist alleinerziehend oder übernimmst du als Vater die Aufgabe als alleinerziehender Elternteil, stellt sich die Frage, welchen Anspruch du auf Elterngeld hast. Hier werden kaum Unterschiede zum Anspruch für Paare gemacht. Die Voraussetzungen sind gleich. Welche Unterschiede es dennoch gibt, zeigen wir in diesem Artikel.

Wann erhalten Alleinerziehende Elterngeld?

Ebenso wie bei Paaren ist es auch bei Alleinerziehenden notwendig, dass die Voraussetzungen für den Bezug von Elterngeld erfüllt sind. Das heißt, du musst dich nach der Geburt des Kindes selbst um dein Baby kümmern und zudem in einem Angestelltenverhältnis oder selbstständig sein oder einen Wohnsitz in Deutschland haben. Auf Basis deines Verdienstes wird das Elterngeld als Lohnersatzzahlung berechnet.

Hast du keinen Arbeitsvertrag und bist auch nicht selbstständig, hast du einen Anspruch auf die Zahlung des Basisbetrages in Höhe von 300 Euro. Erhältst du Sozialleistungen, kann die Zahlung jedoch angerechnet werden. Beim Bezug von Hartz IV-Leistungen gilt das Elterngeld als Einkommen. Die Leistungen werden dementsprechend gekürzt. Mit unserem Elterngeldrechner kannst du deinen genauen Anspruch ausrechnen.

Wie hoch ist dein Anspruch für Alleinerziehende auf Elterngeld?

Erfüllst du die Voraussetzungen für den Bezug von Elterngeld, hast du Anspruch auf eine Zahlung für bis zu 14 Monate. Paaren stehen 12 + 2 Monate zu, insofern sind Alleinerziehende gleichgestellt und die beiden Partnermonate bleiben für dich erhalten. Beim Elterngeld Plus kann der Bezugszeitraum auf bis zu 28 Monate ausgedehnt werden. Dafür ist jedoch der Nachweis notwendig, dass du die Voraussetzungen erfüllst, den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende gemäß § 24b Einkommensteuergesetz zu erhalten. Dies ist im § 4 BEEG festgehalten.

Als alleinerziehend oder alleinstehend giltst du dann, wenn du keine Haushaltsgemeinschaft mit anderen Personen hast, die 18 Jahre oder älter sind. Ist die Person über 18 Jahre alt und handelt es sich hierbei um dein leibliches Kind, Adoptiv-, Pflege-, Stief- oder Enkelkind giltst du ebenfalls als alleinerziehend, wenn dir für dein erwachsenes Kind noch ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht. Auch dann, wenn du verwitwet bist oder aus einem anderen Grund nicht die Möglichkeit hast, das steuerliche Splittingverfahren anzuwenden, giltst du als alleinerziehend.

Thema Wohngemeinschaften mit sonstigen Personen:
Natürlich ist es möglich, dass du als Elternteil mit deinem Kind und einer anderen Person in einer Wohngemeinschaft lebst. In diesem Fall geht die Elterngeldstelle davon aus, dass du nicht alleinerziehend bist. Du hast hier jedoch die Möglichkeit, einen Widerspruch einzulegen und nachzuweisen, dass es sich bei deiner Wohnsituation nicht um eine eheähnliche oder lebenspartnerschaftsähnliche Gemeinschaft handelt. Es muss glaubhaft gemacht werden, dass keine sogenannte „Haushaltsgemeinschaft“ mit der anderen Person vorliegt. Es spielt dabei keine Rolle ob der Mitbewohner mit in dem Haushalt gemeldet ist oder nicht. Es geht vielmehr darum, ob eine enge Gemeinschaft besteht, bei der jeder Mitbewohner „tatsächlich oder finanziell“ seinen Beitrag zur Haushalts- bzw. Lebensführung leistet und an ihr teilnimmt. Zum Beispiel der gemeinsame Verbrauch der Lebens- oder Reinigungsmittel oder die gemeinsame Nutzung des Kühlschranks (vlg. BMF-Schreiben vom 23.10.2017 Anwendungsschreiben zu § 24b EStG).
Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass Städte und Gemeinden und oder das Finanzamt zu einem Besuch berechtigt sind um den Sachverhalt zu überprüfen. Daher sollte sorgfältig auf die Einhaltung geachtet werden und um die steuerlichen Vorteile nicht zu verschenken auch eine Dokumentation erfolgen.

Bezugszeitraum für Alleinerziehende beim Elterngeld Plus

Hast du dich entschieden, Elterngeld Plus in Anspruch zu nehmen, so kannst du hier ebenfalls bis zu 28 Monate Elterngeld erhalten. Es erfolgt die Auszahlung des halbierten Betrages, der dir zusteht.

Dafür musst du jedoch nachweisen können, dass du während der vier zusätzlichen Monate, die bei Paaren als Partnerschaftsbonus bezeichnet werden, bereits halbtags arbeiten gehst. Notwendig ist der Nachweis über eine Wochenarbeitszeit, die zwischen 25 und 30 Stunden liegt.

Hast du weitere Fragen zum Thema Elterngeld für Alleinerziehende? Dann schreib uns einen Kommentar!

Achtung: Viele Eltern machen Fehler beim Elterngeld!

Unserer Einschätzung nach sind 85% der Elterngeldanträge fehlerhaft. Die Folge: Eltern bekommen weniger Geld, weil sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen oder warten monatelang auf die Zahlung. Wie ihr beide Probleme vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Elterngeld-Onlinekurs oder in einer persönlichen Elterngeldberatung.


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11 Kommentare
  1. Tanja O. sagt

    Hallo! Ich lebe bei meiner Mutter im Haus zur Untermiete. Das Finanzamt hat bei mir den Entlastungsbeitrag abgelehnt. Ich habe die alleinige Sorge, Vater ist nicht eingetragen.
    Habe ich trotzdem die Möglichkeit der Elterngeldstelle nachzuweisen, dass ich tatsächlich alleinerziehend bin, denn das ist der Nachteil der Fall. Und noch eine Frage, kann meine Mutter die 2 Monate Elternzeit nehmen, da sie ja der Grund ist, warum ich nicht als alleinerziehend gelte? Alles etwas absurd

    1. Elterngeld.de Team sagt

      Hallo Tanja,

      sofern das Finanzamt den Entlastungsbetrag abgelehnt hat, sind die Vorteile beim Elterngeld für Alleinerziehende leider auch nicht möglich.
      Elternzeit für Ihre Mutter ist nur möglich, wenn Sie ggf. noch minderjährig sind oder Sie sich in einer Ausbildung befinden, die vor dem 18. Lebensjahr begonnen wurde und somit „voll“ arbeiten müssen.

      Alles Gute für Sie,
      Ihr elterngeld.de-Team

  2. Mandy sagt

    Hallo

    Ich würde gern wissen wollen, ob der Bezug des Elterngeldes für Alleinerziehende nicht auch individuell auf die Lebenssituation anzupassen geht. Ich frage das, weil ich bald in einer Situation bin, in der ich mich nirgends wieder finden kann. Ich erwarte mein erstes Baby Anfang Dezember 2018. Da sich hier, wo ich lebe, wenige Kindergärten befinden, habe ich sofort, nachdem ich erfahren habe schwanger zu sein, einen Platz reserviert. Welcher erst im August 2020 verfügbar ist. Ich bin alleinerziehend und darf nur 14 Monate Elterngeld beanspruchen. Wenn ich beispielsweise davon ausgehe, ab Januar 2019 Elterngeld zu beziehen, heißt das, das ich ab März 2020 wieder in Arbeit gehen soll.
    Und genau hier hab ich jetzt ein Problem. Ich lebe hier fernab meiner Familie und kann ja mein Kind schlecht allein und unbeaufsichtigt von März bis August zu Hause sich selbst überlassen. Und ich kann es auch nicht mit auf meine Arbeitsstelle mit nehmen. Was also habe ich für Möglichkeiten? Muss ich wohlmöglich meine Anstellung kündigen, um das halbe Jahr zu überbrücken? Oder, was auch passieren kann ist, das mein reservierter Platz einem Geschwisterkind oder Flüchtlingskind weichen muss, was habe ich dann für Rechte und Alternativen?
    Ich hoffe sehr, das Sie mich bzgl. dieser quälenden Ungewissheit aufklären können.

    Gruß Mandy

    1. Elterngeld.de Team sagt

      Hallo Mandy,

      das ist in der Tat ein Problem, das nicht selten in der Praxis auftritt. Dir stehen leider definitiv nur 14 Monate Basiselterngeld oder 28 Monate Elterngeld Plus zu. Du kannst danach weiter in Elternzeit bleiben, bekommst aber keine weiteren Förderungen. Du musst dann also vom Ersparten leben. Wir haben vor kurzem einen umfassenden Artikel mit allen Förderungen für Alleinerziehende erstellt. Schau mal ob du da etwas finden kannst, das du noch nicht in Anspruch nimmst: https://www.elterngeld.de/finanz-tipps-fuer-alleinerziehende/

      1. Mandy sagt

        Vielen Dank für die Rückmeldung. Ich werde mich mal darüber belesen.

        PS: vom Ersparten leben… ist schon schwierig zu sparen, wenn es so schon eine Herausforderung wird, das Leben zu finanzieren. Da müsste echt politisch gesehen etwas vereinfacht und unkompliziert an Hilfe geschehen, damit so ein Schicksal nicht das schöne Ereigniss so überschattet, wie es nun in meinem Fall eintritt… Und wie ihr schreibt, ist es ja kein Einzelfall, sondern für Alleinerziehende fast die Regel … 🙁
        Danke trotzdem sehr für eure Antwort.

  3. Petra sagt

    Hallo!
    Ich bin im 9. Monat schwanger und mein Freund hat sich vor 1,5 Wochen von mir getrennt. Mein Baby kommt Ende November 2018 zur Welt und ich werde dann auf mich alleine gestellt sein. Da ich die Miete der noch gemeinsam bewohnten Wohnung alleine nicht finanzieren kann und es hier, wo ich lebe, sehr schwierig ist, schnell eine finanzierbare Wohnung zu finden, werde ich wahrscheinlich und hoffentlich bei einem Freund zur Untermiete vorübergehend wohnen können. Er (40) ist selbst allein-erziehend, sein Sohn ist nun 5 Jahre alt. Was muss ich aufgrund der Wohngemeinschaft bezüglich des Elterngeldanspruchs beachten?
    Wie mache ich am besten glaubhaft, dass keine sogenannte „Haushaltsgemeinschaft“, wie oben beschrieben, vorliegt und dass es sich um keine enge Gemeinschaft handelt?
    Muss ich eine solche Erklärung gleich bei der Antragsstellung auf Elterngeld schriftlich miteinreichen?

    Ich hoffe sehr, dass Sie mir in dieser Angelegenheit gut beraten können; Für mich ist es dringend notwendig, dass ich Elterngeld erhalte, auch wenn ich bei einem Freund vorübergehend wohnen kann.

    Beste Grüße,
    Paula

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Petra,
      Elterngeld bekommst du auf jeden Fall. Ob du die zusätzlichen Partnermonate und auch den Partnerschaftsbonus bekommst hängt davon ab, ob du steuerlich gem. § 24b Einkommensteuergesetz als alleinerziehend eingestuft wirst. Hierfür wende dich am besten an das Finanzamt, dort bekommst du das entsprechende Antragsformular für die Steuerklasse II, die du nur erhältst, wenn die Voraussetzungen die auch Artikel genannt sind stimmen. Wie du das zunächst der Elterngeldstelle am besten nachweisen kannst, erfragst du am besten dort.
      Alles Gute,
      Yvonne von Elterngeld.de

  4. Kiska sagt

    Hallo,
    Ich habe Fragen zum Elterngeld Plus. Mein Sohn wurde am 1.9.18 geboren und ich habe 14 Monate Elterngeld beantragt. Da die Elterngeldstellle alle Unterlagen doppelt und dreifach haben will, warte ich noch auf ein Formular von meinem Arbeitgeber und es gab bisher noch keine Auszahlung. Ich habe bis zum 7.11. Mutterschutzleistungen erhalten. Sind dann die ersten 3 Monate als verbraucht für das Elterngeld Basis anzusehen?
    Nun habe ich mir überlegt, dass ich doch gerne länger bei meinem Sohn bleiben möchte und den Antrag auf Elterngeld Plus ändern möchte, sollte der Arbeitgeber einer Elternzeitverängerung zustimmen.
    Ich kann meines Erachtens nach als Alleinerziehende ja auch 24 Monate Elternzeit nehmen und dann wird je die Hälfte des Elterngeldes ausgezahlt oder erhalte ich da ich ja Anspruch auf 14 Monate Basiselterngeld habe dann 4 volle Monate und 20 halbe Monate ausgezahlt?Für diese Konstellation Ist es dann auch nicht notwendig mind. 25h in Teilzeit 4 Monate lang zu arbeiten, oder? Ist eine Änderung des Antrags noch möglich?

    Danke schön schon mal

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Kiska,
      wenn du in einem Teil des Lebensmonat deines Kindes Mutterschaftsgeld erhalten hast, dann wird das Elterngeld taggenau ausgerechnet und um die Tage des Mutterschaftsgeldes verringert. Leider ist das für diesen „Teilmonat“ aber so, dass dieser dann auch als Basiselterngeldmonat gilt, sodass du 3 Monate Basiselterngeld bereits verbraucht hast, wie du bereits schriebst.
      Elternzeit kannst du bis zu 36 Monate nehmen. Wie lange du Elterngeld erhältst, ist von mehreren Faktoren abhängig.
      Sofern du auch steuerlich als alleinerziehend giltst, kannst du mit den Partnermonaten auf 25 Monate Elterngeld kommen (3 M. BasisEG + 18 M. EG Plus + 4 M. EG Plus (Partnermonate). In diesen 25 Monaten kannst du bis zu 30 Stunden arbeiten, musst es aber nicht. Du könntest sogar danach noch 4 weitere Monate Elterngeld Plus bekommen, wenn du dann zwischen 25 und 30 Stunden arbeitest (Partnerschaftsbonus).
      Alles Gute,
      Yvonne von Elterngeld.de

  5. Nina sagt

    Hallo,

    ich bekomme im März ein Kind. Meine Partnerin, die nicht im selben Haushalt lebt und nicht viel verdient, also auch nichts zu meinen laufenden Kosten mit Kind beitragen könnte, würde auch gerne 2 Monate Elternzeit nehmen. Ist diese Konstellation überhaupt möglich und würde ich dann trotzdem den Status als Alleinerziehende (Steuerklasse II) beantragen können?

    Viele Grüße und danke,
    Nina

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Nina,
      du schriebst von deiner Partnerin, leider ist somit nicht deutlich, ob ihr vielleicht sogar verpartnert oder verheiratet seid. Wenn das der Fall wäre, dann kann Elternzeit genommen werden. Allerdings bekäme sie in dieser Konstellation kein Elterngeld, da ihr nicht mit dem Kind in einem gemeinsamen Haushalt lebt oder das Kind dann bei euch beiden gemeldet wäre und jeweils mind. 1/3 der Zeit bei jedem von euch verbringt. Den Status als Alleinerziehende zu erhalten würde schwierig, wenn ihr in einem gemeinsamen Haushalt lebt, das ist aber nicht der Fall. Sollte deine Freundin, wenn auch nur vorübergehend bei dir einziehen, ist es wahrscheinlich, dass du die Steuerklasse II nicht bekommst. Vielleicht ist es eine Idee, dass deine Partnerin für 2 Monate in Teilzeit arbeitet um dennoch mehr Zeit mit dir und dem Kind zu verbringen.

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