Urlaubsanspruch im Mutterschutz: Das musst du wissen

Wenn ein Baby unterwegs ist, gibt es viel zu organisieren. Besonders für Arbeitnehmerinnen bedeutet es noch vor Beginn des Mutterschutzes meist einarbeiten von Kollegen und abschließen von Projekten. Die Folge: Jahresurlaub bleibt teilweise ungenutzt stehen. In diesem Artikel erfährst du, was mit diesem Resturlaub passiert und wie es sich mit dem Urlaubsanspruch im Mutterschutz verhält.

Das Wichtigste in Kürze

  • In den Mutterschutzfristen vor und nach der Geburt erwirbst du Urlaubsanspruch
  • Zeiten eines Beschäftigungsverbotes gelten als Beschäftigungszeiten, für die dir Urlaub zusteht
  • Bestehender Resturlaub bleibt für die Dauer des Mutterschutzes bzw. der Elternzeit erhalten
  • Auch während der Elternzeit erwirbst du Urlaubsanspruch
  • Dein Arbeitgeber kann Urlaubsanspruch nur aus der Elternzeit kürzen

Was ist die Mutterschutzfrist?

Geregelt ist die Mutterschutzfrist im Mutterschutzgesetz (MuSchG). Dieses Gesetz sorgt für einen Schutz vor gesundheitlichen Gefahren: für dich als werdende Mutter und für dein ungeborenes Kind und sogar in der Stillzeit (§ 1 Abs. 1 MuSchG). Es schützt dich weiterhin vor finanziellen Einbußen und einer Kündigung.

Sofern alles planmäßig verläuft, beginnt die Mutterschutzfrist 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin und endet 8 Wochen nach der Geburt.

Die sechs Wochen vor der Geburt darf ein Arbeitgeber dich als schwangere Frau nicht beschäftigen. Es sei denn, du erklärst dich ausdrücklich dazu bereit. Diese Entscheidung kannst du jederzeit innerhalb der Frist, für die Zukunft, widerrufen (§3 Abs. 1 MuSchG).

Bis zum Ablauf von 8 Wochen nach der Entbindung besteht ein absolutes Beschäftigungsverbot. Bei Frühgeburten, Mehrlingen oder einem Kind mit einer Behinderung gilt das Verbot für 12 Wochen. Ein freiwilliger Verzicht auf diese Frist ist nicht möglich (§3 Abs. 2 MuSchG).

TIPP: Um die genauen Daten für deine Mutterschutzfrist zu erhalten, kannst du einen solchen Mutterschutzrechner nutzen.

Urlaubsanspruch im Mutterschutz

Unter den Begriff Mutterschutz fallen zwei Sachverhalte. Die Zeiten der Nichtbeschäftigung aufgrund:

  • der Mutterschutzfristen vor und nach der Geburt
  • eines Beschäftigungsverbotes (außerhalb der Schutzfristen)

Das Mutterschutzgesetz sorgt dafür, dass du gegenüber anderen Arbeitnehmern in diesen Zeiten nicht schlechter gestellt wirst. Als gesetzlich Versicherte erhältst du Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse und, je nach Gehaltshöhe, auch einen Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld. Wie du diesen genau berechnest, erfährst du in unserem Artikel zum Mutterschaftsgeld. Im Beschäftigungsverbot bekommst du dein Gehalt als sogenannten Mutterschutzlohn (§18 MuSchG).

Gleichzeitig bestimmt das Gesetz, dass Mutterschutz und Beschäftigungsverbot als Beschäftigungszeiten gelten. Diese Zeiten gehören für die Berechnung des bezahlten Urlaubsanspruchs dazu. Du erwirbst also Urlaubsanspruch im Mutterschutz, so als ob du gearbeitet hättest.

Resturlaub nach Mutterschutz und Elternzeit

Du hast noch alte Urlaubstage, startest aber nach dem Mutterschutz direkt in Elternzeit? Das geht vielen Mamas so. Deswegen schützt das Mutterschutzgesetz diesen alten Urlaub besonders.

Wann verfällt Resturlaub nach der Elternzeit?

Erst im Folgejahr nach Rückkehr aus dem Mutterschutz und / oder der Elternzeit verfällt der alte Urlaub. Die Regelung aus dem Bundesurlaubsgesetz, den alten Urlaub bis März des Folgejahres zu verbrauchen (§7 Abs. 3 BUrlG), gilt hier nicht.

Beispiel Mutter:

Geburt: 20. März 2021
Elternzeit: direkt nach Ende Mutterschutz für 3 Jahre
Ende Elternzeit: 19. März 2024
Resturlaub vor Mutterschutz: 10 Tage

Die 10 Tage Resturlaub bleiben für 2024, längstens bis 31.12.2025 erhalten.

Urlaubsanspruch in der Elternzeit

Auch wenn du in deiner Elternzeit nicht arbeitest, erwirbst du deinen vertraglich vereinbarten Urlaubsanspruch. Der Arbeitgeber kann jedoch für diese Abwesenheit deinen Urlaubsanspruch kürzen.

Kürzung Urlaubsanspruch aufgrund der Elternzeit

Für jeden vollen Kalendermonat, den du in Elternzeit abwesend bist, darf der Arbeitgeber deinen Jahresurlaub um ein Zwölftel verringern (§17 Abs. 1 BEEG). Das gilt jedoch nicht für Zeiten, in denen du für deinen Arbeitgeber in Teilzeit tätig bist. Mehr dazu im Artikel über Elternzeit & Urlaub.

Die Kürzung darf der Arbeitgeber auch noch nach der Rückkehr aus dem Mutterschutz oder der Elternzeit erklären. Davon gibt es eine Ausnahme: Wenn das Arbeitsverhältnis bereits beendet ist (vgl. BAG Urteil, 19.05.2015 – 9AZR 725/13). Dann hast du Anspruch auf eine sogenannte Urlaubsabgeltung.

Fazit

Du erwirbst Urlaubsanspruch im Mutterschutz, da diese Zeit als Beschäftigungszeit gilt. Dieser Urlaubsanspruch bleibt dir, zusammen mit einem vor dem Mutterschutz bestehenden Resturlaub, erhalten. Nach dem Mutterschutz bzw. dem Ende deiner Elternzeit kannst du diesen Urlaub im laufenden oder im Folgejahr nehmen.

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