Elterngeld für Erwerbslose

Kein Job und trotzdem ein Kind? So unterstützt dich der Staat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch im Fall der Erwerbslosigkeit besteht Anspruch auf das Mindestelterngeld
  • Der Bezug von Arbeitslosengeld I kann pausiert werden um ggf. ein höheres Elterngeld zu erhalten
  • Im Regelfall wird das Elterngeld in voller Höhe auf das ALG II angerechnet
  • Sind beide Eltern erwerbslos, können Partnermonate nicht genommen werden

Die Grundvoraussetzungen für den Elterngeldanspruch

Keine Arbeit zu haben ist für viele Frauen gerade während der Schwangerschaft eine schwierige Situation. Es besteht eine Verunsicherung, wie es um die finanzielle Absicherung bestellt ist. Dieser Artikel gibt einen kleinen Überblick über einige mögliche Leistungen, im Falle des Nachwuchses, während einer Arbeitslosigkeit.

Für den Anspruch auf Elterngeld ist es zunächst unerheblich, ob du erwerbstätig bist oder nicht. Das Elterngeld erhalten auch Eltern, die vor der Geburt kein Einkommen hatten. Wichtig ist, dass du dein Kind selbst erziehst, betreust und mit ihm in einem gemeinsamen Haushalt in Deutschland lebst.

Elterngeld und Arbeitslosengeld I

Das Arbeitslosengeld I ist eine sogenannte Lohnersatzleistung und somit ein Ersatz für dein bisheriges Einkommen. Für die Bemessungsgrundlage zur Ermittlung der Anspruchshöhe des Elterngeldes wird dieses Ersatzeinkommen nicht berücksichtigt. Das bedeutet, wenn du in den 12 Monaten vor der Geburt nur Arbeitslosengeld I bezogen hast, wird dies für die Ermittlung der Höhe des Elterngeldes so behandelt, als hättest du kein Einkommen gehabt. Du erhältst in so einem Fall das Mindestelterngeld.

Findet der Bezug von Arbeitslosengeld I und Elterngeld parallel statt, erfolgt eine Anrechnung dieser Ersatzleistung (ALG I) und hat Einfluss auf die Auszahlungshöhe. Allerdings ist der Mindestbetrag in Höhe von 300 Euro dabei anrechnungsfrei.

Beispiel:

Eine Mutter erhält monatlich 700 Euro Arbeitslosengeld I. Dazu hat sie Anspruch auf Basiselterngeld in Höhe von 670 Euro (67% des letzten Nettoeinkommens).

In Höhe des Mindestbetrages von 300 Euro wird das Basiselterngeld nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Jedoch ist das Arbeitslosengeld mit 700 Euro höher, als der verbleibende Anspruch in Höhe von 370 Euro Basiselterngeld (670 Euro – 300 Euro). Der Rest des Elterngeldes reduziert sich in der Folge auf 0 Euro.

Die Gesamteinnahmen der Mutter betragen 1.000 Euro, diese setzen sich zusammen aus 700 Euro Arbeitslosengeld I und 300 Euro Basiselterngeld.

Sollten du also während einer Arbeitslosigkeit schwanger wirst, teile dies rechtzeitig der Agentur für Arbeit mit: Dir entstehen durch diesen Umstand keine Nachteile. Solange du in der Schwangerschaft kein Beschäftigungsverbot von deinem Arzt bekommst, giltst du als vermittelbar und musst dich weiterhin bewerben.

Tipp:
Die Anmeldung deines Anspruchs auf Arbeitslosengeld bei der Agentur für Arbeit ist wichtig. Nur wenn du dich arbeitsuchend meldest, ist es möglich, den Bezug von Arbeitslosengeld I zu unterbrechen bzw. zu verschieben. Um dich vor der oben beschriebenen Anrechnung zu schützenm, kannst du dann zuerst Elterngeld bekommen und dann den Arbeitslosengeldbezug fortsetzen. Nähere Auskünfte hierzu erteilt dir deine Agentur für Arbeit.

Sofern dein Partner in den Monaten vor der Geburt auch Arbeitslosengeld I (oder ALG II) bezogen hat, besteht kein Anspruch auf die zwei zusätzlichen Partnermonate. Das hat den Hintergrund, dass im Vergleich des Einkommens vor und nach der Geburt keine Minderung des Einkommens vorliegt und die Voraussetzungen somit nicht erfüllt sind. Dir stehen aber regulär entweder 12 Monate Basiselterngeld oder 24 Monate Elterngeld Plus zur Verfügung.

Elterngeld und Arbeitslosengeld II (Hartz IV)

Hartz IV oder auch Arbeitslosengeld II ist eine Grundsicherung für Arbeitsuchende. Es handelt sich um Leistungen im Sinne des Sozialgesetzbuch II (SGB II). Die Höhe orientiert sich nicht am vorherigen Einkommen, sondern daran, wieviel ein Mensch umgangssprachlich gesagt braucht, „um über die Runden zu kommen“ und auch ein wenig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Beziehst du ALG II und erwartest Nachwuchs, dann kannst du nach der Geburt auch Elterngeld erhalten. Dir steht der Mindestbetrag des Elterngeldes zu. Dies entspricht 300 Euro Basiselterngeld für 12 Monate oder aber 24 Monate lang Elterngeld Plus in Höhe von 150 Euro.

Das Elterngeld wird während eines Leistungsbezuges wie z.B. ALG II, wie Einkommen behandelt und verringert diesen. Es gibt eine Ausnahme bei der Anwendung, den sogenannten Elterngeld-Freibetrag.

Der Elterngeld-Freibetrag

Wenn du Arbeitslosengeld II beziehst, wird das Elterngeld vollständig als Einkommen berücksichtig und ggf. kommt es zu einer Kürzung der Bezüge. Es gibt jedoch eine Ausnahme, nämlich wenn du vor der Geburt gearbeitet hast und z.B. einen Minijob ausgeübt hast.

Dann steht dir für die Berechnung des Arbeitslosengeld II ein sogenannter Elterngeld-Freibetrag zu. Dieser entspricht deinem vorherigem Einkommen. In den Monaten mit Basiselterngeld werden maximal 300 Euro, für Monate mit Elterngeld Plus höchstens 150 Euro als Freibetrag anerkannt.

Das bedeutet im umgekehrten Fall, dass das Elterngeld in voller Höhe auf dein Arbeitslosengeld II angerechnet wird, wenn du NICHT, auch nicht im geringem Umfang, vor der Geburt erwerbstätig warst und mindert dieses. Beziehst darüber hinaus noch Kindergeld, führt dies auch zur Verminderung des ALG II-Bezuges.

Beispiel:

Ein Vater verdient vor der Geburt seines Kindes mit seinem Minijob 250 Euro im Monat. Nachdem das Kind auf der Welt ist, übt er den Minijob nicht mehr aus. Er erhält Basiselterngeld in Höhe des Mindestbetrages von 300 Euro. Dazu bekommt er Arbeitslosengeld II in Höhe von 450 Euro.

Der Elterngeld-Freibetrag beläuft sich aufgrund des Minijobs vor der Geburt auf 250 Euro. In dieser Höhe wird das Elterngeld von 300 Euro nicht angerechnet. Die verbleibenden 50 Euro (300 Euro – 250 Euro) werden vom Arbeitslosengeld II abgezogen, sodass 400 Euro (450 – 50 Euro) zur Auszahlung kommen. Rechnet man beide Leistungen zusammen, bekommt der Vater insgesamt 700 Euro. Er hat also den gleichen Betrag zur Verfügung wie vor der Geburt.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Beeinflusst das Elterngeld die Höhe meines Wohngeldbezugs?

Ja, da das Elterngeld als Einkommen behandelt wird.

Auf welche Sozialleistungen wird das Elterngeld noch angerechnet?

Die Anrechnung erfolgt z.B. bei den nachfolgend genannten Leistungen:

  • Arbeitslosengeld II
  • Sozialhilfe
  • Wohngeld
  • Kinderzuschlag
  • BAföG

Ich bin alleinerziehend und war bereits vor der Geburt erwerbslos, kann ich die Partnermonate in Anspruch nehmen?

Nein, auch bei Alleinerziehenden, ist die Inanspruchnahme der Partnermonate nicht möglich, wenn vor der Geburt kein Einkommen erzielt wurde.

Achtung: Viele Eltern machen Fehler beim Elterngeld!

Unserer Einschätzung nach sind 85% der Elterngeldanträge fehlerhaft. Die Folge: Eltern bekommen weniger Geld, weil sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen oder warten monatelang auf die Zahlung. Wie ihr beide Probleme vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Elterngeld-Onlinekurs oder in einer persönlichen Elterngeldberatung.


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