Elternzeit für den Vater

Alle Vorteile und Nachteile im Überblick.

Für Mütter und Väter ist es eine unglaubliche Erfahrung, ein Baby zu bekommen und mit dem Kind Zeit verbringen zu können. Allerdings wird die Elternzeit noch immer zu großen Teilen nur von der Mutter in Anspruch genommen. Dabei ist das System von Elternzeit und Elterngeld so ausgelegt, dass auch der Vater beim Baby bleiben kann. Diese Lösung hat für den Papa auf jeden Fall zahlreiche Vorteile – allerdings auch einige Nachteile.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

Vorteile:

  • Zeit mit dem Kind verbringen und intensivere Bindung aufbauen
  • Kind profitiert in seiner Entwicklung davon
  • Zeit mit der Familie verbringen
  • Entlastung für die Mutter + sie kann leichter in den Beruf zurückkehren

Nachteile:

  • Gefahr einer möglichen Kündigung bei Nichteinhaltung der Fristen
  • Mögliche Probleme auf der Arbeitsstelle

Elternzeit: Gleiche Rechte für den Vater

Vielen Vätern ist gar nicht bewusst, dass sie bei der Geburt eines Kindes ebenfalls ein Recht auf Elternzeit haben und zwar in der Menge, wie sie den Müttern zusteht. Das heißt, Sie als Vater können innerhalb der ersten 8 Lebensjahre insgesamt drei Jahre Elternzeit nehmen und diese auf bis zu drei Teile splitten. In unserem Beitrag rund um die Elternzeit haben wir das System genau erklärt.

Die Aufklärung darüber, dass Sie als Vater durchaus nach der Geburt oder auch später noch Ihre Elternzeit nutzen können, ist überschaubar gehalten. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Elternzeit häufiger von den Müttern genommen wird. Gerade Sie als Vater können von den Vorteilen der gemeinsamen Zeit jedoch besonders profitieren.

Partnerschaft

47% der Väter

47% der Väter wünschen sich, dass beide Partner etwa gleich lang arbeiten

Aktive Vaterrolle

58% der Väter

58% der Väter möchten mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen

Work-Life-Balance

79% der Väter

79% der Väter wünschen sich mehr Zeit mit der Familie

Quelle: Väterreport 2018 (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Vorteile der Elternzeit für Väter

Bindung aufbauen

Es ist ein klassisches Bild: Die Mutter ist mit dem Nachwuchs zu Hause, der Vater kommt am Abend von der Arbeit und hat nur noch wenig Zeit, um sich mit seinen Kindern zu beschäftigen. Der Aufbau von Bindung ist auf diese Weise von Anfang an schwierig. Kinder brauchen einen Ansprechpartner, der für sie da ist. Wenn Sie als Vater durch die Arbeit stark eingebunden sind und nur wenig Zeit mit dem Nachwuchs haben, besteht die Gefahr, dass die Bindung an der Oberfläche bleibt. In Ihrer Elternzeit können Sie ganz in den Alltag mit Kind eintauchen und sich Aufgaben widmen, die Ihnen sonst entgehen. Das eröffnet auch Ihnen als Vater neue Horizonte.

Entlastung und neue Möglichkeiten für die Mutter

Ihre Partnerin oder Ehefrau genießt die Zeit mit dem Nachwuchs natürlich ebenfalls. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie keine Unterstützung braucht. Auch der Tag zu Hause mit dem Kind oder den Kindern kann sehr anstrengend sein. Gehen Sie in Elternzeit, so können Sie Ihre Partnerin entlasten und ihr mehr qualitative Zeit für sich und die Kinder schenken.

Nicht von der Hand zu weisen ist zudem der Faktor „Karriere“ bei der Frau. Heute haben viele werdende Mütter einen sehr gut bezahlten Beruf, den sie vielleicht gar nicht so lange pausieren möchten. Gehen Sie als Vater in die Elternzeit, hat Ihre Partnerin die Chance, schneller wieder beruflich einzusteigen.

Zeit mit der Familie verbringen

Dieser Vorteil mag zwar sehr umstritten sein, dennoch nutzen zahlreiche Familien die Elternzeit, um eine lange Reise zu machen. Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, dass die Elternzeit nicht für eine Reise zur Verfügung steht, sondern für die Betreuung der Kinder. Fakt ist jedoch: Bei einer gemeinsamen Reise haben Sie besonders viel Qualitätszeit mit der Familie und das ist gerade nach einer Zeit voller Veränderungen, wie der Schwangerschaft und der Geburt, ein echter Balsam für die Beziehung.

Sich selbst finden

Als Vater können Sie die Elternzeit auch dazu verwenden, um sich darüber bewusst zu werden, ob sie mit ihrer aktuellen Situation glücklich und zufrieden sind. Es kann eine Zeit der Selbstfindung werden, die es Ihnen vielleicht sogar ermöglicht, beruflich ganz neue Wege zu gehen oder die Balance zwischen Freizeit und Arbeit neu anzupassen.

Neue Kraft tanken

Ein Vorteil, den auch immer mehr Arbeitgeber sehen, ist die Möglichkeit, in der Elternzeit neue Kraft zu tanken. Viele Familienväter haben nur noch wenig Motivation in ihrem Job, da die Work-Life-Balance nicht stimmt. Sie bringen nicht die vom Unternehmen erhoffte Leistung und haben keinen Spaß an der Arbeit. In der Elternzeit steht die Familie im Vordergrund und dies ist oft ein Anhaltspunkt dafür, dass auch wieder die Freude auf den Job steigt. Nicht selten hängt dies mit dem Gedanken nach Veränderung zusammen. Viele Väter möchten nach der Elternzeit zwar ihrem Job wieder nachgehen, die Work-Life-Balance jedoch verändern.

Interessant: Als die Elternzeit für Väter ins Leben gerufen wurde, haben gerade einmal 7% der Väter diese auch in Anspruch genommen. Im Laufe der Jahre hat sich dies geändert. Schon im II. Quartal 2015 waren es rund 36% der Väter, die zumindest kurz in Elternzeit gegangen sind. Diese Angaben beruhen auf dem Fakt, dass die Väter in dem Zeitraum Elterngeld bezogen haben.

Urlaubsanspruch-Trick

Elternzeit können Sie immer in ganzen Monaten ab der Geburt des Kindes nehmen. Beispiel: Die Geburt war am 11.02. – Elternzeit kann z.B. vom 11.02. bis 12.03. genommen werden. Für jeden kompletten Kalendermonat (Monatsanfang bis Monatsende), den man in Elternzeit ist, wird der Urlaubsanspruch um 1/12 gekürzt. Bei einer Elternzeit vom 11.02. bis 12.04. würde der Anspruch daher um 1/12 gekürzt werden, da Sie sich den kompletten März in Elternzeit befanden. Wenn Sie jedoch vom 11.02. bis 12.03. und vom 11.04. bis 12.05. Elternzeit nehmen (die 2 Monate also aufteilen), wird Ihr Urlaubsanspruch nicht gekürzt. Es macht also durchaus Sinn, die Elternzeit in Etappen zu nutzen und nicht am Stück.

Nachteile der Elternzeit für Väter

Die Angst vor der Kündigung

Einer der Punkte, warum sich Väter häufig nicht trauen, ihre Elternzeit in Anspruch zu nehmen oder über die bekannten zwei Partnermonate hinauszugehen, ist die Angst vor der Kündigung. Sie sollten wissen, dass Sie während der Elternzeit einen Kündigungsschutz genießen. Dieser greift ab einem Zeitpunkt von acht Wochen vor dem Beginn der Elternzeit. Mindestens sieben Wochen vorher müssen Sie Ihren Antrag einreichen. Sie haben also nur ein Zeitfenster von einer Woche, in der Sie den Antrag ohne eine Angst vor Kündigung einreichen können. Nachdem Ihre Elternzeit vorbei ist, sind Sie jedoch wieder kündbar mit Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Die Gefahr, dass der Arbeitgeber Sie als möglicherweise nicht mehr haltbar für das Unternehmen empfindet, ist also da. Stellen Sie sich jedoch die Frage: Wäre ich bei einem solchen Arbeitgeber auf Dauer glücklich geworden?

Grundsätzlich haben Sie jedoch nach der Rückkehr aus Ihrer Elternzeit den Anspruch auf eine Stelle, die Ihrem alten Arbeitsplatz gleichwertig ist. Auch finanzielle Abstriche müssen Sie nicht fürchten. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arbeitgeber beim Einreichen des Antrages und bieten Sie, wenn möglich, auch an, während der Elternzeit ein wenig arbeiten zu kommen.

Gekippte Stimmung auf der Arbeit

Für die Zeit Ihrer Elternzeit muss Ihr Arbeitgeber natürlich Ersatz für Sie finden oder aber Ihre Kollegen übernehmen Ihre Arbeit. Das kann dafür sorgen, dass die Stimmung kippt. Bissige Kommentare bis hin zu Mobbing sind keine Seltenheit. An dieser Stelle ist wichtig, dass Sie hinter Ihrer Entscheidung stehen und negative Kommentare es nicht schaffen, Sie davon abzubringen. Ihr Recht auf Elternzeit ist gesetzlich verankert.

Die finanzielle Seite

Besonders häufig scheitert die Planung der Elternzeit bei den Vätern an der finanziellen Seite. Auch wenn heute Elterngeld in Höhe von 65% für einen Zeitraum von 12 Monaten gezahlt wird und die Beträge sogar auf 24 Monate aufgeteilt werden können, sind Väter häufig die Großverdiener in der Familie. Durch den Verzicht auf einen Teil des Geldes schaffen es Familien oft nicht, ihre Ausgaben zu decken und so nehmen Väter meist nur zwei Monate oder gar keine Elternzeit.

Ist bei Ihnen auch die finanzielle Problematik der Fall, so kann möglicherweise die neue Regelung rund um das Elterngeld Plus für Sie interessant sein. Generell haben Sie die Möglichkeit, in der Elternzeit bis zu 30 Stunden die Woche zu arbeiten und so zusätzlich Geld zu verdienen. Oft reicht dieser Zuverdienst schon aus, um sich den Wunsch, mehr Zeit für die Familie zu haben, doch noch zu erfüllen.

Die Entscheidung zwischen Vernunft und Gefühl

Inwieweit es für Sie eine gute Entscheidung ist, in Elternzeit zu gehen, sollten Sie in ruhigen Gesprächen mit Ihrer Partnerin entscheiden. Wägen Sie die Vor- und Nachteile ab, schreiben Sie eine Liste und beschäftigen Sie sich schon frühzeitig mit dem Thema, damit Sie keine kurzfristigen Entscheidungen treffen müssen. Wichtig ist es, dass Sie und Ihre Familie sich gut fühlen – egal ob Sie in Elternzeit gehen oder nicht.

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Zeit Väter mit ihren Kindern unter 8 Jahren im Vergleich zu den Müttern verbringen.

 Väter an WerktagenMütter an WerktagenVäter am SonntagMütter am Sonntag
Gar nicht1%0%0%0%
Bis zu einer Stunde16%4%1%0%
1 bis unter 3 Stunden61%32%10%7%
3 bis unter 6 Stunden19%39%37%32%
Mehr als 6 Stunden3%25%53%61%
Quelle: DJI – Deutsches Jugendinstitut (2015)

Insgesamt geht der Trend jedoch deutlich in eine Richtung: Immer mehr Väter nehmen Elternzeit und möchten sich mehr um ihre Kinder kümmern, als sie es noch von der Generation zuvor kannten. Das geht auch aus der nachfolgenden Statistik hervor.

Anteil der Väter mit Elterngeldbezug

Weitere Ratgeber zum Thema Elternzeit

Wie sind Ihre Erfahrungen? Haben Sie als Vater Elternzeit genommen? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen in die Kommentare!

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