Mutterschaftsgeld

Mutterschaftsgeld

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitnehmerinnen in der gesetzlichen Krankenversicherung bekommen 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt Mutterschaftsgeld
  • Antragstellung muss frühestens 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgen (bei der Krankenkasse bzw. Bundesversicherungsamt)
  • Sie erhalten max. 13 Euro pro Kalendertag Mutterschaftsgeld zzgl. Arbeitgeberzuschuss (in Summe das durchschnittliche Nettogehalt der letzten 3 Monate vor Mutterschutz)
  • Arbeitnehmer, die privat versichert sind, erhalten ein reduziertes Mutterschaftsgeld von bis zu 210 Euro einmalig
  • Mutterschaftsgeld wird  in der Zeit nach der Geburt auf das Elterngeld angerechnet

Schutz während der Mutterschaft

Während der Mutterschaft gelten für Schwangere und junge Mütter besondere Mutterschutzvorschriften. Dazu gehört die Mutterschutzfrist vor und nach der Entbindung, mögliche Beschäftigungsverbote (attestiert von einem Arzt), der Kündigungsschutz und die Freistellung für Untersuchungen und Stillzeiten. Außerdem hat jede Arbeitnehmerin Anspruch auf das Mutterschaftsgeld.

6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt müssen Frauen nicht mehr arbeiten. Während dieser Mutterschutzfrist erhält die Frau Mutterschaftsgeld von ihrer gesetzlichen Krankenkasse und einen Zuschuss vom Arbeitgeber. Bemessungszeitraum für den Zuschuss sind die letzten 3 Monate vor Beginn der Mutterschutzfrist.

Um das Mutterschaftsgeld zu erhalten, müssen Sie einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse und Ihrem Arbeitgeber stellen.

Das ändert sich 2018:

Am 01.01.2018 wird eine Reform des Mutterschutzgesetzes in Kraft treten. Damit ändern sich dann folgende Punkte:

  • Auch Studentinnen, Schülerinnen und Praktikantinnen sind zukünftig mit im Mutterschutzgesetz eingeschlossen
  • Auf Wunsch der Arbeitnehmerin können Arbeitsverbote (z.B. Wochenendarbeit, nach 20 Uhr) für Schwangere oder stillende Frauen aufgehoben werden
  • Mütter behinderter Kinder erhalten 4 Wochen mehr Mutterschutz
  • Kündigungsschutz nach Fehlgeburten

Wer hat Anspruch auf Mutterschaftsgeld?

Ob Sie Mutterschaftsgeld erhalten, hängt davon ab, ob Sie zu Beginn der Mutterschutzfrist in einem Arbeitsverhältnis standen und wie Sie krankenversichert sind.

Wenn Sie in einem Arbeitsverhältnis standen (Teilzeit oder Vollzeit) und bei einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) pflichtversichert oder freiwillig versichert sind, haben Sie während der Mutterschutzfrist Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Das gilt auch für Auszubildende, sofern sie sich in einer betrieblichen Ausbildung befinden. Rein schulische Ausbildungen ohne Nebenverdienst durch einen Minijob bieten keinen Anspruch.

Wenn Sie allerdings privat versichert sind, erhalten Sie kein Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse, sondern einmalig bis zu 210 Euro vom Bundesversicherungsamt. Der Arbeitgeberzuschuss fällt jedoch genauso hoch aus (!), als wären Sie gesetzlich versichert (Nettogehalt abzgl. 13 Euro pro Arbeitstag). Sie erhalten unterm Strich also nur etwas weniger Geld, als gesetzlich Versicherte.

Wenn Sie über Ihren Ehemann familienversichert sind und keiner Beschäftigung nachgehen, erhalten Sie von der Krankenkasse kein Mutterschaftsgeld. Sie können dann jedoch auch eine Einmalzahlung über 210 Euro beim Bundesversicherungsamt beantragen.

Wenn Sie sich noch in in Elternzeit befinden, kurz nach der Geburt des vorherigen Kindes wieder schwanger geworden sind und sich Ihre Mutterschutzfrist mit der Elternzeit überschneidet, haben Sie ebenfalls Anspruch auf 13 Euro Mutterschaftsgeld pro Tag. Allerdings zahlt der Arbeitgeber dann keinen Zuschuss.

TIPP: Sollten Sie erneut schwanger werden und Elternzeit und Mutterschutzfrist sich überschneiden, sollten Sie Ihrem Arbeitgeber gegenüber schriftlich erklären, dass Sie zum Beginn der Mutterschutzfrist die Elternzeit unterbrechen. Wenn der Arbeitgeber zustimmt, kann man die übrige Elternzeit hinten wieder dranhängen. Ihr Vorteil: Sie erhalten dann in der Mutterschutzfrist den Zuschuss vom Arbeitgeber! Das sind in der Regel einige hundert bis tausend Euro Unterschied. Bemessungszeitraum für den Arbeitgeberzuschuss ist der Nettolohn der letzten 3 Monate vor ihrem ersten (!) Mutterschutz.

Wenn Sie geringfügig beschäftigt sind, erhalten Sie ebenfalls das Mutterschaftsgeld. Sofern Sie netto mehr als die 390 Euro (13 Euro x 30 Tage) verdient haben, muss der Arbeitgeber auch hier die Differenz bezuschussen. Sofern Sie als geringfügig Beschäftigte familienversichert sind, erhalten Sie vom Bundesversicherungsamt bis zu 210 Euro Einmalzahlung als Mutterschaftsgeld.

Wenn Sie selbständig und privat krankenversichert sind, erhalten Sie nur Mutterschaftsgeld, wenn Sie eine private Krankentagegeldversicherung abgeschlossen haben (das ist neu seit dem 11.04.2017). Die Höhe der Zahlung entspricht dann dem mit Ihrer Versicherung vereinbarten Krankentagegeld. Wenn Sie als Selbständige freiwillig gesetzlich versichert sind und einen Anspruch auf Krankengeld abgeschlossen haben, erhalten Sie auch Mutterschaftsgeld. Diese Wahlerklärung zum Anspruch auf Krankengeld muss bis spätestens zum 42. Tag vor dem erwarteten Geburtstermin getroffen werden. Das Krankengeld beträgt etwa 70% des Nettolohns und entspricht auch etwa dem Mutterschaftsgeld bei Selbständigen.

Wenn Sie zu Beginn des Mutterschutzes arbeitslos sind und Anspruch auf ALG I haben, erhalten Sie ebenfalls Mutterschaftsgeld. Sie erhalten in Summe genauso viel wie auch mit ALG I – allerdings nicht vom Arbeitsamt, sondern von der Krankenkasse.

Wenn Sie ALG II beziehen, haben Sie keinen Anspruch auf Krankengeld und somit auch nicht auf Mutterschaftsgeld. Auch die Einmalzahlung vom Bundesversicherungsamt können Sie nicht in Anspruch nehmen. Tipp: Sie können bei der Agentur für Arbeit ab der 13. Schwangerschaftswoche Mehrbedarf wegen Schwangerschaft in Höhe von 17% des Regelsatzes anmelden.

So viel Mutterschaftsgeld erhalten Sie

Beim Mutterschaftsgeld handelt es sich um einen Ausgleich Ihres Lohns. Während der 6 Woche vor und 8 Wochen nach der Geburt sollen Sie also genauso viel Geld auf Ihr Konto (=Nettogehalt) erhalten, wie auch zuvor. Die Leistung setzt sich zusammen aus Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss.

Bemessungszeitraum für die Höhe der Gesamtleistungen sind immer die letzten 3 Monate, in denen Sie ein volles Gehalt bezogen haben. Relevant ist hierbei das Nettogehalt was auf Ihrem Konto eingeht, zusätzliche Einmalzahlungen werden dabei nicht berücksichtigt. Die Krankenkasse zahlt maximal 13 Euro pro Arbeitstag (Kalendertag) Mutterschaftsgeld. Wenn Sie in den 3 Monaten vor der Mutterschutzfrist im Durchschnitt mehr als 13 Euro am Tag netto verdient haben (= mehr als 390 Euro im Monat), muss der Arbeitgeber die Differenz als Zuschuss zum Mutterschaftsgeld dazu zahlen.

Beispielrechnung: Sie verdienen 2.700 Euro brutto bzw. 1.730,25 Euro netto nach allen Abzügen. Sie erhalten während der Mutterschutzfrist von der Krankenkasse monatlich 390 Euro (30 x 13 Euro) und von Ihrem Arbeitgeber 1.340,25 Euro (1.730,25 Euro – 390 Euro) Zuschuss. Insgesamt erhalten Sie über den Gesamtzeitraum dasselbe Geld wie zu Arbeitszeiten auch.

Mutterschaftsgeld beantragen: So geht es

Das Mutterschaftsgeld erhalten Sie nicht automatisch, sondern nur auf schriftlichen Antrag! Diesen Antrag müssen Sie entweder bei Ihrer Krankenkasse oder dem Bundesversicherungsamt stellen (weiter oben finden haben Sie erfahren, was auf Sie zutrifft).

Bitten Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme zunächst darum, ein Zeugnis über den voraussichtlichen Entbindungstag auszustellen. Dies erhalten Sie frühestens 7 Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin, da eine ärztliche Bescheinigung eher nicht ausgestellt werden darf. Dies ist also auch der Termin, ab dem Sie Mutterschaftsgeld beantragen können. Sie erhalten dies kostenfrei mit einer Ausführung für die Krankenkasse und einer für Ihren Arbeitgeber. Vervollständigen Sie die Dokumente noch um Ihre persönlichen Daten inkl. Bankverbindung und Unterschrift. Dann senden Sie es der Krankenkasse zu und Ihre Aufgabe ist damit erledigt. Die Krankenkasse wird sich im Folgenden mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung setzen und alle weiteren Formalitäten wie Gehaltsnachweise mit ihm klären. Die Krankenkasse wird ihren Anteil von 13 Euro / Kalendertag dann monatlich direkt an Sie überweisen. Den Arbeitgeberzuschuss erhalten Sie vom Arbeitgeber in der Regel dann, wenn auch üblicherweise die Gehälter gezahlt werden.

Von der Krankenkasse werden Sie noch eine Erklärung für die Zahlung vom Mutterschaftsgeld erhalten. Nach der Geburt schicken Sie dies zusammen mit der Geburtsurkunde Ihres Babys zur Krankenkasse zurück. Dann wird auch das noch ausstehende Mutterschaftsgeld für die Wochen nach der Geburt überwiesen.

Sollten Sie nur Anspruch auf das pauschal reduzierte Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt haben, können Sie den Antrag hier direkt online stellen.

Anrechnung des Mutterschaftsgeldes auf das Elterngeld

Elterngeld erhält man ab dem Tag der Geburt des Kindes. Es wird daher 2 Monate Überschneidungen von Mutterschaftsgeld und Elterngeld geben. Das erhaltene Mutterschaftsgeld wird in dieser Zeit auf das Elterngeld angerechnet – einfach gesagt: Sie erhalten in den ersten beiden Monaten kein Elterngeld und der Anspruch auf Elterngeld sinkt real gesehen von 12 Monate + 2 Partnermonate auf 10 + 2 Monate.

Für Privatversicherte gilt: Sie erhalten nur eine Einmalzahlung von 210 Euro als Mutterschaftsgeld. Dies wird allerdings nicht auf das Elterngeld angerechnet. Sie erhalten also das volle Elterngeld.

Mutterschutzlohn bei einem Beschäftigungsverbot

Sofern Sie durch ein allgemeines oder individuelles Beschäftigungsverbot teilweise oder ganz die Arbeit aussetzen, gibt es keine finanziellen Nachteile. Sie erhalten einen Mutterschutzlohn von Ihrem Arbeitgeber, der dem Durchschnittsverdienst der letzten 3 Monate (bei wöchentlicher Entlohnung: letzte 13 Wochen) vor Eintritt der Schwangerschaft entspricht. Dieses Entgelt wird ganz normal versteuert.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie verändert sich das Mutterschaftsgeld bei Frühgeburten oder Zwillingen?

Wenn Sie Zwillinge (bzw. Mehrlinge) erwarten oder Ihr Kind zu früh auf die Welt kommt, haben Sie nach der Geburt eine Mutterschutzfrist von 12, statt 8 Wochen. In dieser Zeit erhalten Sie natürlich auch das volle Mutterschaftsgeld.

Macht es finanziell Sinn, während der Mutterschutzfrist zu arbeiten?

Eigentlich gilt die Mutterschutzfrist zum Schutz der Mutter und Vorbereitung auf die Geburt. Auf Antrag kann man in den 6 Wochen vor der Geburt jedoch auch noch arbeiten. Finanziell macht das jedoch keinen Sinn, da Sie auch ohne Arbeit ihr übliches Nettogehalt erhalten werden.

Muss ich das Mutterschaftsgeld versteuern?

Das Mutterschaftsgeld und auch der Zuschuss des Arbeitgebers sind nicht zu versteuern. Wichtig ist jedoch, dass beides auch als Einkommen angerechnet wird und sich damit möglicherweise der Steuersatz der Einkommensteuer erhöht (Progressionsvorbehalt).

Bin ich während des Mutterschutzes sozialversichert?

Wenn Sie Mutterschaftsgeld beziehen und sich damit im Mutterschutz befinden, sind Sie automatisch und beitragsfrei in der Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung.

Bekomme ich auch Mutterschaftsgeld wenn mein Arbeitgeber insolvent ist?

Wenn der Arbeitgeber in der Schutzfrist aufgrund einer Insolvenz kündigt, übernimmt das Bundesversicherungsamt den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld.

Bekomme ich Mutterschaftsgeld, wenn ich während der Schutzfrist kündige?

Nein, in einem solchen Fall verfällt Ihr Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

Haben Hausfrauen Anspruch auf Mutterschaftsgeld?

Da es sich hier um eine Lohnersatzleistung handelt, besteht für Hausfrauen kein Anspruch.

Haben Studentinnen Anspruch auf Mutterschaftsgeld?

Studentinnen haben von Hause aus erst einmal kein Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Das ändert sich jedoch, wenn sie nebenbei (Vollzeit, Teilzeit oder geringfügig beschäftigt) noch einer Tätigkeit nachgehen. Praktika, die Pflichtbestandteil des Studiums sind, gelten hierbei jedoch nicht.

Haben Beamtinnen Anspruch auf Mutterschaftsgeld?

Beamtinnen erhalten während der Mutterschutzfrist die ganz normalen Dienst- und Anwärterbezüge nach der Beamtenbesoldungstabelle. Ihnen entsteht dort kein Verdienstausfall und entsprechend haben sie auch keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Ausnahme: Wenn die Beamtin noch eine Nebentätigkeit ausübt und dafür einen Lohn bezieht, steht ihr für den Wegfall Mutterschaftsgeld zu.


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