Elterngeld für Auszubildende

Alles über den Anspruch, die Höhe und Anrechnung auf BAB

Beim Elterngeld handelt es sich um eine Lohnersatzleistung, die du erhältst, wenn du dein Kind nach der Geburt zu Hause betreust und du dadurch keiner oder nur einer eingeschränkten Arbeit nachgehen kannst. Doch wie sieht es aus, wenn du dich noch in der Ausbildung befindest?

Gesonderte Bestimmungen für Eltern in Ausbildung

Wenn du dich in einer Ausbildung befindest, giltst du als nicht voll erwerbsfähig. Dies ist definiert im § 1 Abs. 6 BEEG. Dadurch unterliegst du nicht den Vorgaben, die Eltern erfüllen müssen, die bereits in einem Angestelltenverhältnis stehen oder selbstständig sind.

Du bist nicht dazu angehalten, die Ausbildung während der Elternzeit und des Bezuges von Elterngeld zu unterbrechen. Gehst du weiter deiner Ausbildung nach und erhältst auch weiter eine Vergütung, steht dir der Mindestsatz von 300 Euro zu. Da du vor der Geburt des Kindes nicht weiter berufstätig warst, kannst du lediglich die 300 Euro erhalten.

Anrechnung von Elterngeld auf die Berufsausbildungsbeihilfe

Erhältst du Berufsausbildungsbeihilfe und möchtest zusätzlich den Grundbetrag an Elterngeld beantragen, stellt sich die Frage, ob dieser auf das BAB angerechnet wird. Du erhältst auch dann BAB, wenn du weiter deine Ausbildung machst und Elterngeld beziehst. Anders sieht es aus, wenn du in Elternzeit gehst. Während der Elternzeit bist du nicht berechtigt, BAB zu beziehen. Die Berechtigung tritt erst dann wieder ein, wenn du die Ausbildung fortsetzt. Hier musst du jedoch einen neuen Antrag stellen.

Hinweis: Gehst du in Elternzeit und erhältst ausschließlich den Mindestsatz an Elterngeld, dann kann dir möglicherweise eine Aufstockung durch ALG II oder Wohngeld zustehen. Hierzu kannst du dich vor Ort bei deiner Agentur für Arbeit beraten lassen.

Berechnungsformel bei einer höheren Ausbildungsvergütung

Das Elterngeld erhalten auch Geringverdiener. Zu diesen kannst du gehören, wenn du mehr als 300 Euro Ausbildungsvergütung erhältst. Hier gibt es eine spezielle Berechnungsformel. Normalerweise erhältst du 67% deines Nettogehalts, wenn dieses bei 1.000 – 1.200 Euro lag. Liegst du darunter, dann kannst du bis zu 100% erhalten. Die Höhe der Berechnungsgrundlage kommt auf die Differenz zu 1.000 Euro. Pro 2 Euro, die du unter 1.000 Euro liegst, erhältst du zusätzlich 0,1 Prozentpunkte.

Hast du beispielsweise ein Nettoeinkommen vor der Geburt in Höhe von 450 Euro, dann hast du zu den 1.000 Euro eine Differenz von 550 Euro. Gerechnet auf 2 Euro-Schritte erhältst du 27,5 Prozentpunkte Aufschlag. Du erhältst von deinem Einkommen 94,5% Elterngeld. Nutze zur Berechnung deines Elterngeldanspruchs unseren Elterngeldrechner.

Elterngeld Plus für Auszubildende

Seit 2015 gibt es die Möglichkeit, Elterngeld Plus in Anspruch zu nehmen. Du kannst statt bis zu 14 Monate Elterngeld, somit bis zu 28 Monate Elterngeld erhalten. Entwickelt wurde das Elterngeld Plus für Eltern, die in den Bezugsmonaten wieder in Teilzeit arbeiten gehen möchten. Aber auch dann, wenn du in der Ausbildung bist, kann dies vielleicht interessant sein.

Du hast die Möglichkeit, dich für die Halbierung der Elterngeldmonate zu entscheiden. Du erhältst dann über den doppelten Bezugszeitraum hinweg die Hälfte des dir zustehenden Elterngeldes.

Dadurch hast du zwar monatlich weniger Elterngeld zu deiner Ausbildungsvergütung, diese Zahlungen erfolgen jedoch über einen längeren Zeitraum. In Anspruch genommen wird dies teilweise dann, wenn die Ausbildung nicht unterbrochen wird oder der Partner zusätzlich zum Einkommen der Familie beiträgt.

Hast du weitere Fragen zum Thema Elterngeld für Auszubildende? Dann schreib uns einen Kommentar!

Achtung: Viele Eltern machen Fehler beim Elterngeld!

Unserer Einschätzung nach sind 85% der Elterngeldanträge fehlerhaft. Die Folge: Eltern bekommen weniger Geld, weil sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen oder warten monatelang auf die Zahlung. Wie ihr beide Probleme vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Elterngeld-Onlinekurs oder in einer persönlichen Elterngeldberatung.


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12 Kommentare
  1. Lilli sagt

    Hallo

    Also das alles hier ist sehr gut erklärt. Nur habe ich eine Frage .

    Ich habe vor einem halben Jahr meine Ausbildung abgeschlossen. Aber leider war das eine schulische Ausbildung . Und somit habe ich ALG2 bekommen .

    Wird das als eine Aufstockung zählen da ich ja eigentlich gar nicht arbeitslos war oder wird mein Elterngeld dann mit als Einkommen angerevhnet.
    LG Lilli

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Lilli,
      das ALG2 zählt nicht als Einkommen für die Berechnung des Elterngeldes und erhöht es somit nicht.
      Umgekehrt, wenn du während des Elterngeldbezuges weiterhin ALG II bekommst, wird das Elterngeld als Einkommen gesehen und kann ggf. dein ALG II verringern.

  2. Tina sagt

    Hallo!
    Vielen Dank für euren Beitrag!
    Vielleicht könnt ihr mir bei meiner Frage helfen.
    Und zwar habe ich im September 2018 mein Kind bekommen, war anschließend bis November in Mutterschutz und mache unmittelbar bis Ende Februar 2019 meine Ausbildung fertig.
    In der Ausbildung bekomme ich ca. 1000 Euro Netto. Ich möchte ab März Elterngeld Plus beziehen und Teilzeit 20 Stunden in der Woche arbeiten. Demnach würde ich ab März ca. 1200 Euro bekommen.
    Wie sieht es dann mit der Berechnung des Elterngelds aus?

    Ich verdiene nun mal in der Elternzeit mehr Geld ,wie vor der Geburt des Kindes.
    Leider finde ich im Internet nur die Beispiele ,wo es genau andersrum ist.
    Könnt ihr mir da helfen?

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Tina,
      der Fall ist relativ selten, weil durch eine Stundenreduzierung nach der Geburt in der Regel das Gehalt sinkt. Dadurch, dass du dann ausgelernt hast, verhält es sich anders. Das bedeutet leider aber auch, dass du dann nur noch das Mindestelterngeld beim Elterngeld Plus erhalten kannst in Höhe von 150 Euro.

  3. Judy Meggert sagt

    Hallo,

    vielen Dank für die Info.

    Ich bin in folgender Situation: Ich bin zurzeit in einer Ausbildung, mein Ausbildungsverhältnis endet mit bestehen der Prüfung. Diese hoffe ich im Mutterschutz zu bestehen.
    Wie viel Elterngeld steht mir danach noch zu?

    Vielen Dank!
    LG Judy

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Judy,
      die Bemessungsgrundlage für das Elterngeld sind die 12 Monate vor Beginn des Mutterschutzes. Wieviel Elterngeld dir danach noch zusteht, hängt davon ab, ob du Elterngeld Plus oder Basiselterngeld gewählt hast. Die Mutterschutzmonate nach der Geburt zählen wie Monate mit Basiselterngeld, sodass dir noch 10 Monate mit Basiselterngeld bleiben würden oder 20 Monate mit Elterngeld Plus. Du darfst dann in deiner Elternzeit aber nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten.

  4. Frau Meyer sagt

    Hallo ich habe folgende Frage,
    der Kindesvater ist in Ausbildung seit 8/18, hat ein Einkommen von Durchschnittlich 700,- € netto in den 12 Monaten vor Geburt des Kindes gehabt. Er möchte die Ausbildung vollumfänglich weitermachen. Der Arbeitgeber würde der Elternzeit auch nicht zustimmen.
    Wie würde das Eltergeld ausfallen? Den Mindestbetrag oder berechnet nach dem Durchschnittsnetto der letzten 12 Monate?
    Danke für die Info

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Frau Meyer,
      es geht um den Durchschnitt der letzten 12 Monate vor der Geburt. Ist der Verdienst nach der Geburt jedoch ebenso hoch oder höher, als vor der Geburt, gibt es nur das Mindestelterngeld.

      1. Frau Meyer sagt

        Danke für die Info,
        Es kommt also nicht darauf an wie viele Stunden er arbeitet während des Elterngeldbezugs, hab ich das richtig verstanden?
        Danke für Ihre Geduld

        1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

          Sofern es sich um Stunden in einer Ausbildung handelt ist die Aussage korrekt. Wird noch zusätzlich z.B. ein Nebenjob ausgeübt, gilt die Obergrenze von 30 Stunden pro Woche.

          1. Frau Meyer sagt

            Danke, eine Frage habe ich noch,
            Wie wird BAB bei der Berechnung berücksichtigt?
            Und vielen Dank für die schnelle und verständliche Info!!

          2. Yvonne von Elterngeld.de sagt

            nein, diese bleibt unberücksichtigt und erhöht das Elterngeld nicht. Wenn du die Ausbildung direkt fortsetzt besteht weiterhin Anspruch auf die BAB, hier wird jedoch das Elterngeld dann zusätzlich als Einkommen angerechnet. Die BAB kann also geringer ausfallen oder wegfallen, je nach Höhe des Elterngeldes.

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