Böses Erwachen: Elterngeld und Mischeinkünfte

Ein aktueller Bericht vom MDR greift ein Problem auf, das wir in der Praxis auch häufiger erleben: Die Bedeutung und Auswirkung von Mischeinkünften auf das Elterngeld ist vielen einfach nicht bewusst. Wir zeigen anhand eines Beispiels die Auswirkungen.

Klassisches Beispiel aus der Praxis

Herr und Frau Müller bekommen im August 2018 ein Kind. Beide waren in den 12 Monaten vor der Geburt voll berufstätig und haben ein Nebengewerbe angemeldet, das jedoch kaum Gewinne abwirft – 2-3 Rechnungen über 20 Euro schreiben sie im Jahr, mehr nicht.

Normalerweise würde man für die Berechnung des Elterngeldes nun die letzten 12 Kalendermonate vor dem Monat der Geburt heranziehen. Bei der Frau würden die 12 Monate vor Beginn des Mutterschutzes herangezogen werden.

In dem Fall sieht es jedoch anders aus: Da beide Partner ein Gewerbe angemeldet haben, verlagert sich der Bemessungszeitraum auf das Wirtschaftsjahr 2017, also Januar bis Dezember 2017.

Wenn beide Partner im Jahr 2017 das gleiche Gehalt bezogen haben, ergeben sich keine Nachteile. Schlecht wird es jedoch, wenn sie in diesem Zeitraum entweder weniger oder gar kein Gehalt bezogen haben. Dann fällt die Elterngeldzahlung deutlich geringer aus.

Mischeinkünfte zur Elterngeldoptimierung nutzen

Man kann den Spieß jedoch auch umdrehen und ein Gewerbe anmelden, um den Bemessungszeitraum gezielt zu verschieben. Das macht zum Beispiel dann Sinn, wenn im vergangenen Wirtschaftsjahr die Einkünfte deutlich höher waren als in den letzten 12 Monaten vor der Geburt. Allerdings muss man hier genau aufpassen, denn es lauern auch da Stolperfallen. Das Gewerbe darf rein rechtlich nicht ausschließlich dazu angemeldet werden, um das Elterngeld zu erhöhen, sondern es muss mehr dahinter stecken.

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Was die Politik ändern sollte

Für das Problem gäbe es eine einfache Lösung: Es sollte eine Günstigerprüfung bei Mischeinkünften eingeführt werden, damit Eltern in diesem Fall zumindest keinen finanziellen Nachteil zu fürchten haben. Eine solche Günstigerprüfung gibt es bereits beim Kindergeld und dem Kinderfreibetrag.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Elterngeld und Mischeinkünfte? Dann schreiben Sie uns einen Kommentar!

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9 Kommentare
  1. NiKaZe sagt

    Also wenn ich jetzt schwanger werden würde und fiktiv das Baby im September nächsten Jahres zur Welt kommen würde, Lager der Bemessungszeizraum ja von September 2018 bis August 2019. Ich war in 2018 bis 31.10. selbstständig bzw. freiberuflich tätig, ab dem 01.11.2018 habe ich unter Aufgabe meiner Selbstständigkeit eine Arbeit in einer festen Anstellung aufgenommen.
    Wenn ich es richtige verstehe, würde in diesem Fall der Bemessungszeitraum das Wirstschaftsjahr 2018 sein, also mit meiner Selbstständigkeit mein Einkommen entsprechend Einkommenssteuerbescheid, richtig?
    Das wäre mir auch sehr recht, denn dort habe ich deutlich mehr verdient, als in der Festanstellung. Danke für eine Rückmeldung.
    NiKaZe

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo NiKaZe,
      ja das ist richtig, Bemessungszeitraum wäre das Veranlagungsjahr vor der Geburt, sprich 2018. Der Einkommensteuerbescheid 2018 wäre als Nachweis bei der Elterngeldstelle mit dem Antrag einzureichen.

  2. Maike sagt

    Ich habe eine Frage,

    Wie sieht es bei Mischeinkünften nach Geburt aus?
    Laut Informationen dieser Seite wird ein mittels EÜR nachgewiesener Gewinn aus selbständiger Tätigkeit auf die Bezugsmonate verteilt, dh als Durchschnitt angerechnet. Ein Zuverdienst aus nicht selbständiger Tätigkeit wird in dem jeweiligen Bezugsmonate angerechnet, indem er anfällt.
    Was ist aber, wenn man nach der Geburt beide Einkomnensarten zusammen treffen, ist es dann seitens der Elterngeldstelle zulässig, beide Einkommen zusammen zu zählen und auf die Monate zu verteilen, oder muss jeder Bezugsmonate für sich gerechnet werden?

    1. Yvonne von Elterngeld.de sagt

      Hallo Maike,
      gemäß der Richtlinien zum BEEG werden alle Einkunftsarten im Bezugszeitraum zusammengerechnet und durch die Anzahl der Bezugsmonate geteilt (vgl. 2.3.1.1.3). Zu beachten ist jedoch, dass die Ermittlung der verschiedenen Einkünfte vorher bereits, in Bezug auf die Lebensmonate, auf bestimmte Weise erfolgt (vgl. 2.3.1.1.2).

  3. Stefan sagt

    Toller Artikel, leider für uns zu spät. Wir sind über genau das gestolpert, da meine Frau noch ein Gewerbe (mit 0 EUR Einkommen!) angemeldet hatte. Das Amt kennt da kein Erbarmen und hat als Bemessungszeitraum das Wirtschaftsjahr vor Geburt statt der letzten 12 Monate gewählt. Wir haben sogar gegen geklagt und verloren. Aufgrund von Arbeitslosigkeit in dem Jahr vor Geburt ist uns eine Menge Geld verloren gegangen.
    Den Tipp mit Gewerbe anmelden hatte ich mir auch schon überlegt, falls das mal vorteilhaft werden könnte. Macht halt nur Sinn, wenn man in den 12 Monaten vor Geburt weniger verdient hat als im letzten Jahr.

  4. Katharina sagt

    Hallo, ich hatte eigentlich vor, jetzt ein Gewerbe anzumelden, um mir vor und auch nach der Geburt etwas dazu zu verdienen (erwarte mein Kind im Februar 2020). Ich bin ansonsten fest angestellt. Verstehe ich das richtig, dass ich davon lieber absehen sollte? Würde dann in meinem Fall das Wirtschaftsjahr 2019 oder gar 2018 herangezogen? Danke vielmals für die Antwort!

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Katharina,
      das hast du richtig verstanden. Bei Mischeinkünften oder nur Einkünften aus gewerblicher/selbstständiger Tätigkeit verschiebt sich der Bemessungszeitraum auf das Kalenderjahr vor der Geburt. Auch im Bezugszeitraum sind einige Dinge zu beachten, um zu verhindern, dass das Elterngeld gekürzt wird, wenn weiterhin Einnahmen aus der Selbstständigkeit fließen während des Elterngeldbezuges.
      Bei reiner Angestelltentätigkeit gelten die 12 Monate vor Beginn des Mutterschutzes als Bemessungszeitraum.

  5. Victoria Neubrech sagt

    Hallo,
    Am Anfang des Jahres 2020 wird mein Kind geboren. Ich habe einen Hauptjob und einen Nebenjob (Selbständigkeit), dann gilt für mich das Wirtschaftsjahr 2018. Die Selbstständigkeit wirft noch keinen Gewinn ab.
    Wie wirkt sich der Verlust auf mein Elterngeld aus? Kann man da eine pauschale Aussage abgeben?
    Ich freue mich auf eine Rückmeldung.
    Im Voraus vielen Dank
    Mit freundlichen

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Victoria,
      bei Mischeinkünften wie bei dir, zählt das Kalenderjahr vor der Geburt, also das Jahr 2019 (nicht 2018). Wenn deine Nebentätigkeit bisher keinen Gewinn abwirft, dann geht diese Tätigkeit mit Null Euro in die Berechnung ein. Beachte jedoch unbedingt in der Bezugsphase die Besonderheiten bei einer Selbstständigen Tätigkeit.

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