Elterngeld für Ausländer

Lebst du in Deutschland, hast aber eine andere Staatsangehörigkeit? Dann kannst du dennoch unter bestimmten Umständen Elterngeld in Anspruch nehmen. Hierbei kommt es vor allem darauf an, ob du in Deutschland erwerbstätig bist oder dir das Recht zugesprochen wurde, in Deutschland zu bleiben. Unterschieden wird jedoch zwischen Bürgern aus EU-Staaten und Bürgern aus Nicht-EU-Staaten. Ob dir Elterngeld zusteht, erfährst du in diesem Artikel.

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Elterngeld für ausländische Mitbürger aus EU-Ländern

Stammst du aus einem der EU-Länder, der Schweiz oder hast einen Pass aus einem Land, das sich im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) befindet, dann giltst du als ein freizügigkeitsberechtigter Ausländer.

Es gelten für dich dann die gleichen Voraussetzungen für den Bezug von Elterngeld wie auch für deutsche Staatsbürger: Du musst in Deutschland erwerbstätig sein oder in Deutschland leben, um Anspruch auf Elterngeld zu haben.

Elterngeld für Grenzgänger

Gehörst du zu den Grenzgängern (leben und arbeiten in unterschiedlichen Ländern), kann Elterngeld für dich ebenfalls interessant sein. Hast du einen Arbeitsvertrag in Deutschland und lebst im EU-Ausland oder in der Schweiz, kannst du Elterngeld beantragen. Die Lohnersatzleistung steht dir in diesem Fall zu. Die Zusage zum Elterngeld basiert in diesem Fall auf dem Beschäftigungslandprinzip: Das Land, in dem du beschäftigt bist, ist vorrangig für Familienleistungen zuständig.

Hast du deinen Wohnsitz in Deutschland und arbeiten beide Elternteile in der Schweiz oder im EU-Ausland, hast du ebenfalls Anspruch auf Elterngeld. Dies ist erst seit dem 1. Januar 2009 der Fall. Allerdings ist es auch hier dringend notwendig, dass die Vorgaben für das Elterngeld erfüllt sind. Arbeitet ein Elternteil im Ausland und ein Elternteil in Deutschland, erhältst du ebenfalls Elterngeld, da das Wohnland des Kindes hier die Grundlage für den Anspruch bildet.

Anders sieht es aus, wenn nur ein Elternteil im Ausland arbeitet und das andere Elternteil gar nicht arbeitet. In diesem Fall gilt die Vorgabe des Beschäftigungslandes. Allerdings hast du in diesem Fall möglicherweise Anspruch auf die Zahlung von Unterschiedsbeträgen, wenn die sozialen Leistungen in dem nachrangigen Land höher sind. Diesen Anspruch musst du jedoch geltend machen – das geschieht nicht automatisch.

Wichtig:
Wenn du in der Schweiz arbeitest und in Deutschland lebst und ein Elternteil nicht erwerbstätig ist, gelten die Leistungen der Schweiz. Hier gibt es jedoch keine Familienleistungen. Daher kannst du in diesem Fall die Leistungen aus Deutschland in Anspruch nehmen.

Beispiel: Die Familie wohnt mit ihrem Kind in Deutschland. Die Mutter ist in Frankreich beschäftigt. Der Vater hat kein Arbeitsverhältnis. In diesem Fall besteht vorrangiger Anspruch auf Elterngeld im Beschäftigungsland, also in Frankreich. Ist das Elterngeld in Deutschland höher als die vergleichbare französische Leistung, erhalten die Eltern aus Deutschland nur den Unterschiedsbetrag zwischen der französischen Leistung und dem Elterngeld.

Hinweis:
Wenn du Grenzgänger bist, ist es wichtig zunächst in dem Staat die Familienleistungen zu beantragen in dem du arbeitest. Die deutsche Elterngeldstelle wird den Antrag erst dann abschließend bearbeiten, wenn der Nachweis über die ausländische Familienleistung vorliegt, da diese Vorrang hat. Die Fristen für die Beantragung bleiben dabei gleich.

Elterngeld für ausländische Mitbürger aus Nicht-EU-Staaten

Die Regelung für freizügigkeitsberechtigte Mitbürger aus dem Ausland ist klar definiert und einfach nachzuvollziehen. Was ist jedoch, wenn du aus einem Nicht-EU-Land stammst, keinen Schweizer Pass hast oder nicht aus einem Land kommst, das zum Europäischen Wirtschaftsraum gehört? In diesem Fall bist du „nicht freizügigkeitsberechtigt“ und es gelten für dich andere Vorgaben in Bezug auf die Inanspruchnahme von Elterngeld.

Die Kernfrage ist: Ist dein Aufenthalt in Deutschland voraussichtlich dauerhaft oder nicht? Kannst du nachweisen, dass du einer Arbeit in Deutschland nachgehst und der Vertrag nicht befristet ist, dann hast du die Möglichkeit, Elterngeld zu beantragen. Zudem kannst du durch eine Niederlassungserlaubnis oder eine Aufenthaltserlaubnis einen Nachweis erbringen. Gehen wir davon aus, dass du eine Niederlassungserlaubnis besitzt. Diese kannst du in Kopie beim Antrag für Elterngeld beifügen. Hast du eine Aufenthaltserlaubnis, dann ist es möglich, dass du kein Elterngeld erhalten kannst. Abhängig ist die Zusage oder Ablehnung davon, ob du die Erlaubnis für eine Erwerbstätigkeit in Deutschland hast oder hattest. Ist dies nicht der Fall, kannst du kein Elterngeld beziehen.

Wenn du eine Aufenthaltserlaubnis auf Basis eines Härtefalles hast, musst du für den Bezug von Elterngeld wenigstens drei Jahre in Deutschland leben und hier einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder Anspruch auf Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II haben.

Wichtig zu wissen: Eine besondere Regelung gilt für dich dann, wenn du aus Marokko, Algerien, Tunesien oder der Türkei stammst. Grund dafür ist, dass hier ein Assoziationsabkommen mit Deutschland besteht. So lange du Arbeitnehmer bist, ist dein Anspruch auf Elterngeld unabhängig von der Aufenthaltserlaubnis. Dafür ist die Versicherung in einer der Sozialversicherungen notwendig. Dies kann eine Versicherung in der Rentenversicherung oder auch in der Arbeitslosenversicherung sein.

Für Kinder, die außerhalb der EU zur Welt kamen, musst du eine beglaubigte deutsche Übersetzung der Geburtsurkunde vorlegen. Für Kinder, in einem Land der EU geboren wurden, reicht oftmals eine Kopie der Geburtsurkunde aus. Eine beglaubigte deutsche Übersetzung erhältst du hier.

Wann erhältst du kein Elterngeld?

Nicht freizügigkeitsberechtigte Mitbürger, die aus dem Ausland kommen, erhalten aus verschiedenen Gründen kein Elterngeld. Hast du lediglich eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, damit du eine Ausbildung in Deutschland machen kannst, bist du nicht für den Bezug von Elterngeld berechtigt. Wurde dir die Aufenthaltserlaubnis ausgesprochen, weil du aus einem Kriegsland kommst, besteht ebenfalls kein Anrecht auf Elterngeld, es sei denn, du gehörst zu den oben genannten Menschen, die auf der Basis eines Härtefalles seit mehr als drei Jahren in Deutschland leben und hier auch arbeiten oder Sozialleistungen beziehen.

Dies gilt auch dann, wenn du die Aufenthaltsgewährung nur hast, weil du durch Deutschland einen vorübergehenden Schutz erhalten hast.

Wenn deine Arbeitserlaubnis eine Grenze aufweist und somit ein Höchstzeitraum erkennbar ist, wird dein Antrag auf Elterngeld ebenfalls abgelehnt werden.

Hinweis: Es erfolgt beim Elterngeld eine Prüfung der Einzelfälle. Daher ist es empfehlenswert, einen Antrag zu stellen oder zu einem persönlichen Gespräch zur Elterngeldstelle zu gehen und sich beraten zu lassen.

Wie hoch ist das Elterngeld für ausländische Bürger und Bürgerinnen?

Erfüllst du die Voraussetzungen für den Bezug von Elterngeld, hast du den Anspruch auf dieselbe Höhe, die auch den deutschen Bürgern zusteht. Du hast die Möglichkeit, zwischen Elterngeld und Elterngeld Plus zu wählen oder beide Varianten nach Belieben zu kombinieren. Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf Elterngeldzahlungen für bis zu 14 Lebensmonate des Kindes. Bei Elterngeld Plus kann dieser Anspruch auf bis zu 28 Lebensmonate erhöht werden.

Der Basisbetrag liegt bei 300 Euro. Grundlage für die Berechnung ist dein Einkommen in den 12 Monaten vor Geburt deines Kindes, wenn du angestellt bist. Bist du selbstständig, wird das Einkommen aus dem Wirtschaftsjahr vor der Geburt des Kindes für die Berechnung genutzt. Der Höchstbetrag liegt bei einer Zahlung von 1.800 Euro pro Monat. Was genau dir zusteht, kannst du mit unserem Elterngeldrechner berechnen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Erhalten Asylbewerber Elterngeld?

Asylbewerber, die sich in Deutschland nur vorübergehend geduldet aufhalten, haben keinen Anspruch auf Elterngeld, es sei denn, sie sind marokkanische, tunesische, algerische oder türkische Staatsangehörige. Hier kann eine Duldung ausreichend sein.

Was ist, wenn ich nur eine Ausbildung in Deutschland absolviere?

Wenn du nur eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Ausbildung in Deutschland erhalten hast, erhältst du kein Elterngeld. Das gilt auch dann, wenn deine Arbeitserlaubnis begrenzt ist.

Hast du weitere Fragen zum Thema Elterngeld für Ausländer? Dann schreib uns einen Kommentar!

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16 Kommentare
  1. Brechler Maria-Magdalena sagt

    Guten Tag,
    Ich komme aus Rumanien und bin seit 2013 in Deutschland angestellt(Arbeitnehmer).
    Mein Mann ist in Rumanien beschaftigt.
    Unsere Kind ist in Deutschland geboren.
    Mein Mann wiel Elternzeit /Elterngeld nehmen, aber wir wollen in Deutschland alle zusammen in dieser Zeit leben, weil ich beginne wieder in Deutschland arbeiten..
    Bitte schreiben Sie mich wie kann das.. funktioniren.
    Danke

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Maria-Magdalena,
      weil du in Deutschland lebst und arbeitest, hast du Anspruch auf Elterngeld. Wenn dein Mann nicht in Deutschland lebt, hat keinen er Anspruch auf Elterngeld. Entscheidend ist der Wohnsitz in diesem Fall, dieser muss sich in Deutschland befinden. Wenn er seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegt und weiterhin in Rumänien arbeitet, sind vorrangig dort die Familienleistungen zu beantragen. Gibt es in Rumänien keine oder weniger Familienleistungen, dann kann er in Deutschland Elterngeld bekommen oder wenn es in Deutschland höher ausfällt, die Differenz zu den rumänischen Leistungen erhalten.

  2. Adelina bala sagt

    Hallo bala mein Name
    Also ich bin hier in Deutschland geboren und wollte den Antrag auf Elterngeld stellen aber aufgrund da ich kein Reisepass hab und lebe seit der Geburt mit einem funktionsbescheininung da meine Eltern auch kein Reisepass haben jetzt hab ich die Frage bin 18 Jahre alt und bin in Deutschland geboren und die Wurzeln kommen aus dem Kosovo bekomme ich mir einen funktionsbescheinigung Elterngeld?
    Liebe Grüße bald
    Das ist die E-Mail von meinem Freund !

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Bala,
      das kommt darauf an, welche Fiktionsbescheinigung du hast (§ 81 Abs. 4 AufenthG Anspruch/ §81 Abs. 3 oder § 21 Abs 1 S.3 AufenthG kein Anspruch). Am besten gehst du mit deiner Fiktionsbescheinigung einmal zur Elterngeldstelle und klärst das persönlich.

  3. Guillermo Ortiz sagt

    Hallo,

    Mein Name ist Guillermo Ortiz, komme aus Venezuela und bin Assistenzarzt seit 06.2016. Außerdem habe ich eine Blau-Karte. Meine Frage ist. ob ich Rechts für das Elterngeld habe ?

    MfG

    Guillermo Ortiz

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Guillermo,
      ja, mit der Blauen Karte hast du das Recht auf Elterngeld.

  4. DANIEL DIAZ sagt

    Guten Morgen Yvonne,

    Mein Name ist Daniel Diaz und arbeite bei VW in Spanien. Am 1ten Oktober beginne ich in Deutschland zu arbeiten.

    Ich brauche Ihre Beratung. Am 4ten Juli wird meine Tochter geboren und meine Frau wird krankgeschrieben bis 31ten Dezember. Kann entweder meine Frau oder ich die Elterngeld bitten? wie lange dauert diese Hilfe falls wir es bekommen? Ab 1ten Januar arbeite meine Frau als teleworker für eine Spanische Firma.

    Danke im Voraus und grüsse.

    Daniel Diaz

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Daniel,
      wenn ihr in Deutschland lebt und/oder arbeitet, könnt ihr regulär Elterngeld bekommen.
      Für euch als Spanier (EU-Bürger) gelten in Deutschland die „normalen“ Vorgaben, um Elterngeld erhalten zu können. Ihr solltet entweder nicht oder nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten und wenn ihr arbeitet und Elterngeld beziehen möchtet, solltet ihr das Elterngeld Plus wählen.

  5. Dominic sagt

    Hallo,

    Ich wohne als österreichischer Staatsbürger mit meiner Frau, die selbst russische Staatsbürgerin ist, in Deutschland. Meine Frau ist nicht berufstätig, hätte aber eine entsprechende Arbeitserlaubnis.

    Ich selbst arbeite in Österreich und zahle dort auch meine Steuern (da Wohnort mehr als 30km Luftlinie zur österreichischen Grenze).

    Meine Annahme ist das ich als Alleinverdiener aus Österreich für unsere ungeborene Tochter „Familienbeihilfe“ also Kindergeld beziehen darf.

    Österreich sieht allerdings kein Elterngeld (in Österreich Kinderbetreuungsgeld) für nicht Erwerbstätige vor. In Deutschland sind immerhin 300€ für 14 Monate vorgesehen.

    Hat meine Frau Anspruch auf Elterngeld in Deutschland?

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Dominic,
      es gibt viele verschiedene Formen von Aufenthaltstiteln und Arbeitserlaubnissen und es ist schwierig deine Frage mit einem klaren ja oder nein zu beantworten. Am besten nehmt ihr das Dokument einmal mit zu eurer Elterngeldstelle und klärt das dort direkt, ob ein Anspruch besteht. Der Wohnsitz in Deutschland spricht zunächst einmal dafür.

  6. Jose Lima sagt

    Guten Morgen Ich und meine Frau sind 5 Jahre alt in Deutschland. Dieses Jahr hatten wir unser erstes Kind. Meine Frage ist … Aus persönlichen Gründen denken wir darüber nach, in unser Land zurückzukehren. Wenn ja, werden wir das elterngeld und kindergeld weiterhin erhalten?

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Jose,
      leider nein, um Elterngeld zu erhalten ist ein Wohnsitz und ein Aufenthalt in Deutschland erforderlich.

  7. Lejna sagt

    Hallo Yvonne,

    Ich komme aus eonem nicht E-U Land. Ich arbeite als Architektin in Deutschland,( Arbeitsvertrag unbefristet) und habe eine Aufenthaltserlaubnis 18Abs 4. habe ich Anspruch auf Elterngeld?

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Lejna,
      ja, damit hast du Anspruch auf Elterngeld.

  8. Almaz sagt

    Hallo Frau Nagel,

    ich bin Leili. Ich wohne seit 4 Jahren in Hamburg, Deutschland. Hier habe meine Masterstudium in Architektur abgeschlossen und seitdem arbeite ich in einem Architekturbüro als Architektin. Ich bin gerade Schwanger und mir fehlt es schwer zu finden ob ich Elterngeld berechtigt bin oder nicht.

    Mein Arbeitsvertrag ist leider befristet und endet am 1.September 2019. An selben Tag fängt mein Mutterschutzzeit. Mein Ehemann besitzt eine Blau Karte und damit habe ich gerade ein Aufenthaltserlaubnis nach Paragraph 30 Abs.1 S.1 Nr.3g.

    Könnten Sie bitte mir dabei helfen und sagen ob ich ein Anspruch auf Elterngeld habe?

    Viele Grüße
    Leili Almaz

    1. Yvonne Nagel sagt

      Hallo Leili,
      bei den Aufenthaltserlaubnissen ist es tatsächlich immer etwas schwierig, da es viele Ausnahmen gibt. Wenn dein Mann eine Blaue Karte hat und du im Rahmen des Familiennachzuges hierher gekommen bist mit Erlaubnis auf die Ausübung einer Erwerbstätigkeit, spricht viel dafür, dass du Elterngeld erhalten kannst. Bitte wende dich mit eine Kopie deiner Aufenthaltserlaubnis an deine mögliche Elterngeldstelle. Die Adressen findest du hier: https://www.elterngeld.de/elterngeldstellen-hamburg/

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