Das neue Familiengeld in Bayern: Höhe, Dauer und Anspruch

Im Juli 2018 wurde vom Bayerischen Landtag beschlossen, statt Landeserziehungsgeld und Betreuungsgeld nunmehr Familiengeld an Familien mit kleinen Kindern zu zahlen. Was das bedeutet, wie viel dir zusteht und wann, erklären wir in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Familiengeld ersetzt seit dem 01.09.2018 Landeserziehungsgeld und Betreuungsgeld.
  • Die Zahlung erfolgt unabhängig von elterlichem Einkommen und Betreuung der Kinder.
  • Das Geld wird für Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr gezahlt.
  • Es gibt 250 Euro für das erste und zweite und 300 Euro ab dem dritten Kind.
  • Wer Elterngeld bezogen hat, muss keinen gesonderten Antrag stellen.
  • Die Zahlung selbst ist unabhängig vom Elterngeld und gilt nicht als Einkommen.
  • Momentan wird das Familiengeld nicht mit Hartz 4 verrechnet.

Familiengeld als neue Familienförderung

Wo bis vor kurzem Betreuungsgeld und Landeserziehungsgeld für Verwirrung sorgten, hat Bayerns Landesregierung nun für mehr Klarheit gesorgt und eine einheitliche Förderung für alle Familien mit Kleinkindern ins Leben gerufen: das Familiengeld.

Damit sollen Familien in den ersten Jahren im Anschluss an den Bezug von Elterngeld unterstützt werden, unabhängig davon, ob das Kind in eine Betreuungseinrichtung geht oder nicht. Dabei geht Bayern nach dem Gießkannenprinzip vor. Denn ganz wie das Kindergeld ist das Familiengeld einkommensunabhängig. Das heißt, dass Hartz 4 Empfänger, Geringverdiener und eben auch wohlhabende Familien alle das Gleiche bekommen.

Verwaltungstechnisch bedeutet dies sicherlich viel weniger Aufwand. Ob es sich moralisch und in Sachen Landeshaushalt durchsetzen kann, wird sich zeigen.

Wer erhält Familiengeld?

Familiengeld erhalten alle in Bayern ansässigen Familien oder Alleinerziehende für Kinder, die ein bzw. zwei Jahre alt sind, das heißt im zweiten und dritten Lebensjahr des Kindes. Auch Eltern, die kein Elterngeld beantragt haben, können von der Förderung profitieren.

Auch Personen, die sorgeberechtigt aber nicht die leiblichen Eltern sind, haben unter bestimmten Umständen Anspruch, wenn das Kind bei ihnen lebt. Das Geld erhält natürlich immer nur eine Person. Wenn der nicht sorgeberechtigte Elternteil das Geld erhalten soll, muss derjenige zustimmen, der das Sorgerecht innehat.

Das Familieneinkommen ist irrelevant. Ebenso, ob du dein Kind zuhause betreust oder nicht.

Höhe und Bezugsdauer

Für das erste und zweite Kind gibt es jeweils 250 Euro, ab dem dritten Kind 300 Euro für dieses Kind. Wenn du schon ein Kind hast und danach Zwillinge bekommst, erhältst du für das erste Kind 250 Euro und jeweils 300 Euro pro Zwilling. Bei Drillingen bekommst du 300 Euro pro Drilling.

Es zählen alle Kinder im Haushalt, auch die des Lebenspartners. Ausschlaggebend ist der Anspruch auf Kindergeld.

Die Zahlung erfolgt ab dem 01.09.2018. Das heißt, wenn dein Kind im September zweieinhalb ist, wird das Familiengeld für die verbleibenden 6 Monate bis zum 3. Geburtstag gezahlt.

Ausnahme: Wenn du ein Kind adoptierst, zählt nicht der Geburtstag des Kindes, sondern das Datum der Aufnahme in deine Familie!

Rechenbeispiel

Eine Familie hat im September 2018 eine zweijährige Tochter und einjährige Zwillinge. (Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass die Kinder genau 1 Jahr bzw. 2 Jahre alt sind.)

Für die Tochter gibt es 250 Euro und pro Zwilling 300 Euro, also insgesamt steuerfreie 850 Euro im Monat. Das macht 10.200 Euro pro Jahr. Sobald die Tochter ihren 3. Geburtstag gefeiert hat, wird die Zahlung von 2 x 300 Euro pro Monat für die Zwillinge so lange fortgeführt, bis diese ebenfalls 3 Jahre alt sind.

Für den gesamten Zeitraum gibt es in diesem Beispiel ganze 17.400 Euro Familiengeld.

Es gibt meist mehr Geld als vorher

Laut Bayerischer Landesregierung bekommen alle Familien, die vorher Landeserziehungsgeld und Betreuungsgeld bezogen haben, insgesamt genauso viel oder sogar mehr Geld heraus. Die offiziellen Zahlen dazu sind:

Bei einem Kind im gesamten Bezugszeitraum:

Betreuungsgeld und Landeserziehungsgeld: 4.200 Euro pro Kind
Familiengeld: 6.000 Euro pro Kind

Bei drei oder mehr Kindern im gesamten Bezugszeitraum:

Betreuungsgeld und Landeserziehungsgeld: 6.900 Euro pro Kind
Familiengeld: 7.200 Euro pro Kind

Familien, die die Förderungen vorher nicht bekamen, weil ihre Kinder in einer Betreuungseinrichtung untergebracht waren, erhalten das Familiengeld nun auch.

So stellst du den Antrag

In den allermeisten Fällen reicht der bestehende Elterngeld-Antrag aus, um im Anschluss das Familiengeld beziehen zu können. Lediglich diejenigen Eltern, die keinen Antrag auf Elterngeld gestellt hatten, können den Antrag auf Familiengeld online stellen.

Reich den Antrag frühestens 3 Monate vor dem Erreichen des 13. Lebensmonats ein. Zu früh gestellte Anträge werden nicht beachtet. Wenn du spät dran bist, bekommst du das Familiengeld maximal 3 Monate rückwirkend vom Datum der Antragstellung.

Wie verhält sich das Familiengeld zu anderen Leistungen?

Familiengeld gilt nicht als Einkommen und muss daher nicht versteuert werden. Es ist auch nicht pfändbar.

Wenn du mehr als 12 Monate Elterngeld beziehst, weil du beispielsweise Partnermonate in Anspruch nimmst oder Elterngeld Plus beantragt hast, bekommst du das Familiengeld dennoch ab dem 13. Lebensmonat parallel. Denn die Leistung ist unabhängig vom Elterngeld-Bezug.

Derzeit befindet sich die bayrische Landesregierung im Rechtsstreit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Denn dieses ist der Meinung, dass die Förderung auf Arbeitslosengeld II (Hartz 4) angerechnet werden muss und hat im September 2018 kurzfristig eine Weisung an die bayrischen Jobcenter herausgegeben, das Familiengeld von der Sozialleistung abzuziehen. Der Freistaat Bayern widersetzt sich bisher und zahlt vorerst dennoch aus (Infoblatt). Die endgültige Lösung bleibt abzuwarten.

Fazit

Das Leben mit Kindern ist oft nicht ganz billig. Das Familiengeld ist eine schöne Leistung für alle Familien in Bayern mit kleinen Kindern. Da es einkommensunabhängig und auch unabhängig vom Betreuungsstatus der Kinder ist, entfällt viel des vorherigen bürokratischen Wirrwarrs. Ob sich die Förderung in dieser Form halten kann, wird die Zeit zeigen. Vorerst wird es aber einigen Familien das Leben erleichtern.

Was hältst du vom neuen Familiengeld in Bayern? Schreib uns gern einen Kommentar!

Unserer Einschätzung nach sind 85% der Elterngeldanträge fehlerhaft. Die Folge: Eltern bekommen weniger Geld, weil sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen oder warten monatelang auf die Zahlung. Wie ihr beide Probleme vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Elterngeld-Onlinekurs oder in einer persönlichen Elterngeldberatung.


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6 Kommentare
  1. SR sagt

    Ihre Rechenbeispile ist nicht ganz korrekt.
    Für das erste Kind gibt es nur 250€ pro Monat. Es hat zwar zwei weitere Geschwister, die aber nicht älter als das Antragskind ist. Und somit hat das ältere Kind den 1. Rang und erhält nur 250€. Richtig ist aber, dass die beiden jüngeren Zwillinge jeweils als 3. Kind gesehen werden und somit 300€ erhalten.

    1. Anke Modeß sagt

      Danke für den nützlichen Hinweis! Das hatten wir falsch verstanden und haben die Passagen entsprechend geändert.

  2. Alf sagt

    Es tut mir leid. Ab einem gewissen Einkommen, benötigt man keine öffentliche Unterstützung mehr.
    Wie sollen sich die Bürger aneinander nähern, wenn man die obere Schicht, durch Geldgeschenke weiter nach oben drückt. Der Abstand von normal nach oben bleibt. Eigentlich kann man davon ausgehen, wenn auch oben verteilt wird, dass dann die nächste Luxuswohnung vermietet ist und dadurch die restlichen Mieten wieder teurer werden.
    Effekt ist, dass das Niveau steigt. Das an der Gesamtsituation nicht wirklich gedreht wurde und wenn, dann nur kurz.
    Ich kenne Eltern, zur Genüge, die Stabilität brauchen. Die trotz ihrer Vollzeitarbeit, sehr wenig zur freien Verfügung haben. Eltern, die beispielsweise, auf ein Auto angewiesen sind und es sich, trotz Vollzeitarbeit, nicht wirklich leisten können. Das sind Eltern, die ein Geldgeschenk dazu benutzen, ihr Auto halten zu können. Nicht um ein neues Auto zu kaufen. Muss man denn nicht genau da ansetzen?
    Bei den Eltern, die trotz Vollzeitarbeit, immer nur knapp über einem Existenzminimum sind?
    Wenn man armen Kindern eine Teilhabe ermöglicht, wer weis. Vielleicht wird dann was aus ihnen?
    Ich will niemand zu Nahe treten, wenn er gut verdient. Es muss nur langsam klar sein, dass eine Orientierung auch mal wieder von oben nach unten stattfinden muss. Wenn man Geld auch da verteilt wo es ist, bleibt es dort.
    Auch wenn alle Kinder gleich sind, sollen alle das Selbe bekommen. Das ist die Grundidee.
    Demnach müsste jedes Kind, weil es gleich ist, auch das Selbe übrig haben.
    Wir brauchen starke Kids. Kinder, die nicht nur reich sein wollen. Sondern Kinder, die ein Fundament haben.
    Es nützt nichts mehr, dem Reichtum hinterherzuschauen. Der Reichtum muss fühlbar werden. Dazu muss er
    näher kommen. Oben zu verteilen und gar zu verschenken ist kontraproduktiv.

  3. Tm sagt

    „Laut Bayerischer Landesregierung bekommen alle Familien, die vorher Landeserziehungsgeld und Betreuungsgeld bezogen haben, insgesamt genauso viel oder sogar mehr Geld heraus. “
    stimmt gar nicht_ zumindest bei uns nicht, wir werden weniger und deutlich weniger bekommen.
    mit eine schöne Anrede „Geld an alle Familien, unabhängig von Einkommen“ wurden die Familien an der Nase herumgeführt… wenn man genauer nachrechnet.

  4. Iris sagt

    Wie läuft das eigentlich, wenn die Geschwisterkinder schon älter sind als drei. Normalerweise würde beim landeserziehungsgeld das gerechnet, aber beim familiengeld nicht. Oder verstehe ich das falsch.

    1. Elterngeld.de Anke sagt

      Doch, laut unserer Quellen zählen auch ältere Geschwisterkinder. Beispiel: Eine Familie hat drei Kinder im Alter von 2, 4 und 6. Das Zweijährige ist also das dritte Kind. Ab dem dritten Kind gibt es 300 Euro statt 250 Euro monatlich. Für die älteren Kinder gibt es kein Familiengeld.

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