Mit der 10 Cent-Vorsorge die Rentenlücke schließen

In jungen Jahren für die Zeit nach der Berufstätigkeit zu sparen, zahlt sich aus. Dabei gilt die alte Weisheit „Auch Kleinvieh macht Mist“. Genau das ist der Ansatz bei der 10 Cent-Vorsorge: du legst von jedem Euro einfach ein Zehntel auf die hohe Kante. Damit minimierst du deine Rentenlücke und das Risiko für eine Altersarmut. Selbst als Geringverdiener kannst du mit dieser Methode über die Jahre einen beträchtlichen Kapitalstock aufbauen. Wenn du auf diese Weise deine Rentenlücke verkleinerst, kannst du dir im Alter mehr leisten anstatt jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit der 10 Cent-Vorsorge kannst du einer späteren Rentenlücke vorbeugen
  • Von jedem Euro legst du über Jahrzehnte 10 Cent fürs Alter zur Seite
  • Diese Maßnahme rentiert sich für alle Gehaltsklassen, um effizient zu sparen
  • Die 10 Cent-Vorsorge zeigt als Modell Chancen auf, kann aber variabel angewandt werden
  • ETFs gehören derzeit zu den rentabelsten und gleichzeitig sichersten Anlageformen

Das ist die Rentenlücke

Die sogenannte Rentenlücke bezeichnet eine Differenz. Diese ergibt sich aus deinen tatsächlichen Lebenshaltungskosten im Alter und deiner Rente. Nach aktuellen Zahlen lebt knapp die Hälfte aller Empfänger derzeit von nicht mehr als 800 Euro monatlich. Für einen angenehmen Lebensabend ohne Geldsorgen reicht das nicht aus. Wie du deine Rentenlücke genau berechnen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Die 10 Cent-Vorsorge im Alltag

Im Grunde kannst du die 10 Cent-Vorsorge auch 10%-Vorsorge nennen. Die Maßnahme bezieht sich auf 10 Cent eines jeden Euro, der als Lohn oder Gehalt auf deinem Konto landet. Unterm Strich sind also 10% deines Nettoeinkommens gemeint, die du dir für den Lebensabend aufsparst. Bekommst du zum Beispiel einen monatlichen Lohn von 1.600 Euro, werden hiervon 160 Euro auf die hohe Kante gelegt. Allein auf diesem Wege würdest du dir Jahr für Jahr bereits 1.920 Euro zusammensparen. Um zu verdeutlichen, wie effizient diese Sparmethode deine künftige Rente ergänzt, haben wir zwei Beispiele durchgerechnet. Diese betreffen einen Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Verdienst sowie einen sogenannten Geringverdiener, der durchgehend nach dem Mindestlohn bezahlt wird.

Uns ist völlig klar, dass 10% eine erhebliche Summe sind und man dabei sehr viel Disziplin braucht. Wer sich jedoch informiert und die Prioritäten richtig setzt, wird es schaffen. Und wenn es bei dir 5, statt 10% sind, ist es auch gut. Die wichtige Sache ist, dass du überhaupt etwas tust, um die Rentenlücke zu verkleinern oder ganz zu schließen.

Wie wir genau vorgehen

Beide Beispiele berechnen wir für das Modell der 10 Cent-Vorsorge unter denselben Voraussetzungen. Dabei gehen wir davon aus, dass der monatliche Sparbetrag in einen ETF-Sparplan (Exchange-Traded Fund) fließt. Ein solcher börsengehandelter Fonds bringt dir in unserem Rechenexempel pro Jahr 6% Rendite ein (was absolut realistisch ist). Diese Rendite stellt einen Mittelwert über die komplette Laufzeit von 45 bzw. 30 Jahren dar. Der Einfachheit halber betrachten wir die Entwicklung ohne Schwankungen und nutzen zur Kalkulation einen Zinsrechner für Sparpläne aus dem Internet. Außerdem ist wichtig zu wissen, dass wir mit der heutigen Kaufkraft rechnen, obwohl es durch Inflation einen stetigen Werteverlust gibt. Die Beispielrechnungen sollen nur das große Potenzial aufzeigen, wenn man mit der privaten Vorsorge früh beginnt und den Zinseszins-Effekt für sich nutzen kann.

Als Ansparperiode betrachten wir sowohl beim Gering- als auch beim Durchschnittsverdiener zwei Zeiträume. Wir berechnen zunächst die vollen 45 Jahre als Beitragszahler für die Rentenkasse. Dazu schauen wir uns an, was die 10 Cent-Vorsorge bringt, wenn die Ansparzeit lediglich 30 Jahre beträgt. In beiden Fällen gilt als Renteneintrittsalter des Arbeitnehmers ganz regulär das 67. Lebensjahr.

Die 10 Cent-Vorsorge bei durchschnittlichem Gehalt

Was genau ein Durchschnittsverdiener an Lohn bekommt, ist statistisch definiert. Für das Jahr 2018 nimmt die Rentenversicherung ein Jahreseinkommen in Höhe von 37.873 Euro (3.156 Euro monatlich) brutto an. Nach Abzug aller Steuern und Sozialabgaben bekommt ein Alleinstehender mit Steuerklasse 1 davon knapp 2.015 Euro. Wenden wir bei dem Durchschnittsverdiener die Methode der 10 Cent-Vorsorge an, kommen wir auf 201,50 Euro, die monatlich gespart werden können. In unseren Tabellenwerten ignorieren wir erstmal die 25% Abgeltungssteuer, die bei Kapitalerträgen ans Finanzamt abzuführen ist. In unserem Beispiel würde diese ab dem 8. Jahr fällig, wenn der Freibetrag von 801 Euro überschritten ist.

Spalte 1Spalte 2
Sparperiode 1 (volle 45 Jahre)
Anfangskapital0 Euro
Monatliche Sparrate201,50 Euro
Sparsumme pro Jahr2.418 Euro
Rendite6% p.a.
Summe531.132,27 Euro

Hältst du die 10 Cent-Vorsorge kompromisslos durch, kannst du dich nach 45 Jahren Einzahlung über knappe 531.132 Euro freuen. Du kannst dir das Geld auf einmal auszahlen lassen (wäre unklug), oder es weiterhin für dich arbeiten lassen und einen Auszahlplan vereinbaren und dir monatlich das auszahlen, was du benötigst (was deiner Rentenlücke entspricht).

30 Jahre Einzahlung: Natürlich kannst du jederzeit in die 10 Cent-Vorsorge einsteigen. Entscheidest du dich zum Beispiel im Alter von 37 Jahren als Durchschnittsverdiener mit denselben Voraussetzungen wie dem Beispiel gerade (Single, 2.015 Euro netto) für diese Sparmethode, bleiben dir 30 Jahre Zeit bis zum regulären Renteneintrittsalter. Dass auch dabei ein stattliches Sümmchen zusammenkommt, siehst du in der folgenden Tabelle. Der Zinseszins-Effekt hilft bei einer ansparung über 45 Jahre natürlich deutlich mehr.

Spalte 1Spalte 2
Sparperiode 2 (über 30 Jahre)
Anfangskapital0 Euro
Monatliche Sparrate201,50 Euro
Sparsumme pro Jahr2.418 Euro
Inflationsbereinigter Zins6% p.a.
Summe197.375,48 Euro

Was Geringverdienern die 10 Cent-Vorsorge bringt

Seit Anfang 2019 gilt ein Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde. Mit Ausblick auf die späteren Rentenansprüche sind gerade Menschen mit einem geringen Einkommen von Altersarmut bedroht. Bei einer Vollzeitbeschäftigung von 40 Stunden pro Woche können Arbeitnehmer auf Mindestlohnniveau mit einem monatlichen Nettoeinkommen um die 1.110 Euro rechnen. Hochgerechnet auf ein Arbeitsleben über 45 Jahre steht dieser Arbeitergruppe eine Rente zu, die sich nach derzeitigen Maßstäben bei circa 610 Euro netto befindet. Das ist kaum mehr als die Grundsicherung hierzulande.

Es ist sicher kein Leichtes, vom Gehalt auf Mindestlohnniveau 10 Cent eines jeden Euro auf die Seite zu legen. Bei unserem fiktiven ETF kämen bei kontinuierlicher monatlicher Einzahlung über 45 Jahre nahezu 292.584 Euro zusammen. Aufgrund der Freistellung über 801 Euro würde in diesem Berechnungsbeispiel der Fiskus erst im 13. Jahr des Sparplans Steuern für die Kapitalerträge geltend machen.

Spalte 1Spalte 2
Sparperiode 1 (volle 45 Jahre)
Anfangskapital0 Euro
Monatliche Sparrate111 Euro
Sparsumme pro Jahr1.332 Euro
Rendite6% p.a.
Summe292.584,03 Euro

Bei dieser 10 Cent-Vorsorge zeigt sich besonders, dass selbst Arbeitnehmer am unteren Ende des Gehaltsgefüges nicht chancenlos sind, was die Möglichkeiten fürs Alter angehen. Die größere Herausforderung ist hier, die entsprechenden Sparpotenziale zu finden, um genau diese 10% sparen zu können.

30 Jahre Einzahlung: Können sich dabei kürzere Einzahlungsperioden rentieren? Mit Sicherheit ist das möglich. Selbst wenn du die letzten 30 Jahre deines Arbeitslebens Mindestlohn beziehst, kannst du dir einen Grundstock ansparen, der dir im Alter bei der Überbrückung der Rentenlücke hilft. Nach der 10 Cent-Vorsorge kommen wir in der Tabelle auf insgesamt 108.728 Euro, die deine gesetzliche Rente aufbessern.

Spalte 1Spalte 2
Sparperiode 2 (über 30 Jahre)
Anfangskapital0 Euro
Monatliche Sparrate111 Euro
Sparsumme pro Jahr1.332 Euro
Rendite6% p.a.
Summe108.727,93 Euro

Unterstützung bei Kleinstrenten

Menschen mit besonders geringen Bezügen im Alter sollten sich dringend Unterstützung suchen. Wenn du als Rentner mit weniger als 838 Euro (Stand heute) auskommen musst, bestehen Ansprüche. Diese lassen sich beim zuständigen Sozialamt oder der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Dort findest du auch Ansprechpartner, falls deine gesetzliche Rente nicht zum Lebensunterhalt ausreicht. Vergleichbare Angebote gibt es bei sozialen Organisationen wie beispielsweise der Caritas.

Um zu vermeiden, dass angespartes Geld für spätere Leistungen Nachteile bringt, ist eine genaue Beratung vorab sinnvoll. Ein ETF-Sparplan oder ein herkömmliches Sparkonto bei der Bank kann unter Umständen als Vermögen betrachtet und angerechnet werden. Dagegen sind beispielsweise Lebensversicherungen oder ein Riestervertrag für die Vorsorge im Alter konzipiert und bringen Freibeträge mit sich, welche für die Berechnung der Grundsicherung nicht ins Gewicht fallen.

Jeder Euro zählt

Unsere einfachen Rechenbeispiele zeigen, dass sich Sparen fürs Alter gerade auf lange Sicht rechnet. Selbst mit einem geringeren Einkommen macht es Sinn, Geld anzulegen und regelmäßig etwas einzuzahlen. Der Zinseszins-Effekt ist dabei ein großer Hebel und belohnt diejenigen, die frühzeitig damit anfangen. Allerdings kannst du flexibel vorgehen. Die Hälfte der Laufzeit oder zwei Drittel der eingezahlten Beträge sorgen zum Beispiel ebenfalls für ein finanzielles Polster, die dich gegen eine zu große Rentenlücke absichert. Die von uns genannten 10% vom Nettogehalt verlangen ohne Zweifel Disziplin, da sie ein ehrgeiziges Ziel darstellen. Andere Vorhaben wie Familien- oder Urlaubsplanungen sowie andere aufwändige Anschaffungen können dem manchmal im Wege stehen. Du sollst in der Gegenwart nicht zu kurz kommen und dein Leben genießen. Damit das auch in späteren Jahren gegeben ist, lohnen sich allerdings die Gedanken daran in der heutigen Zeit.

Das gilt für Spitzenverdiener

Arbeitnehmer mit einem überdurchschnittlich hohen Einkommen gelten als Spitzenverdiener, für die bei den Rentenansprüchen eine Begrenzung gilt. Liegst du über dieser Beitragsbemessungsgrenze, spielt dein exaktes Gehalt letztlich keine Rolle mehr für künftige Rentenbezüge. Die Obergrenze beziffert sich im Jahr 2019 auf einen Jahresverdienst von 73.800 Euro in den neuen und 80.400 Euro in den alten Bundesländern. Auf den Monat umgelegt entspricht das einem Bruttolohn von 6.150 Euro im Osten bzw. 6.700 Euro im Westen der Bundesrepublik. Oberhalb dieser Gehaltsklasse ist dein Einkommen also nicht mehr relevant für deine Altersrente durch den Staat. Dir würden nach dem jetzigen Stand später etwa 3.000 Euro als gesetzliche Rente zustehen, wenn du über 45 Jahre konstant an (oder über) dieser Bemessungsgrenze verdienst. Selbstverständlich hast du über diesen Zeitraum regelmäßig deine Beiträge in die Rentenkasse zu bezahlen. Aufgrund der Inflation wird die Beitragsbemessungsgrenze jedes Jahr nach oben hin leicht angepasst.


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