Warum das 3-Konten-Modell für Eltern sinnvoll ist

Wer als Paar in einem gemeinsamen Haushalt lebt, sollte das 3-Konten-Modell kennen. Mit einem Gemeinschaftskonto und jeweils einem privaten Konto für beide Partner kann jede Familie die gemeinsamen Finanzen klar und einfach regeln. Wir erklären dir, wie das geht!

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim 3-Konten-Modell wandern sämtliche Einnahmen zunächst auf ein Gemeinschaftskonto
  • Von dem Hauptkonto werden alle gemeinsamen Ausgaben komplett bezahlt
  • Zum gemeinschaftlichen Konto gibt es zwei weitere, eins für jeden Partner
  • Auf die beiden Einzelkonten fließt der nicht verbrauchte Rest des Gemeinschaftskontos
  • Die Einzelkonten sind jeweils die Privatangelegenheit beider Partner
  • Mit dem 3-Konten-Modell sparen sich Paare und Eltern das mühselige Aufsplitten der Kosten

Die Idee hinter dem 3-Konten-Modell

Wie es der Name schon verrät, geht es um drei Konten. Das Erste ist das Wichtigste. Von ihm gehen nämlich sämtliche Zahlungen ab, die dich und deinen Partner betreffen. Also beispielsweise gemeinsame Versicherungen, Einkäufe, Ausgaben fürs Auto sowie alles, was euer Nachwuchs kostet. Und natürlich die Miete für eure Wohnung samt aller Nebenkosten. Dieses Gemeinschaftskonto deckt sämtliche Ausgaben ab, die euer Zusammenleben betreffen. Auf dieses Konto fließen eure gesamten Einnahmen und du bist ebenso wie dein Partner zugriffsberechtigt. Am besten lasst ihr euch jeweils eine eigene EC-Karte für das Gemeinschaftskonto ausstellen. Damit werden Einkäufe für eure Gemeinschaft erledigt. Strom, Miete & Co. gehen per Dauerauftrag vom Konto ab.

Die beiden anderen Konten sind jeweils für dich und deinen Partner. Darauf wird am Monatsende das übrige Geld überwiesen, welches noch auf dem gemeinschaftlichen Konto liegt. Teilt es zu gleichen Teilen auf, so dass jeder genau die Hälfte an „Taschengeld“ erhält. Mit dem 3-Konten-Modell schafft ihr eine faire Verteilung von Einnahmen und Ausgaben für euch als Paar, die ganz einfach umzusetzen ist. Mit diesem Prinzip ist es viel komfortabler, die gemeinsamen Kosten gerecht zu bezahlen. Überleg dir einmal, wie viel Zeit und Mühe es kostet, sämtliche Belege sorgfältig über einen Monat zu sammeln. Anschließend müssen diese auch noch alle sortiert und abgerechnet werden. Wer hat was bezahlt und woher kommt schon wieder die Differenz bei den Lebensmitteleinkäufen? Möglicherweise verzichtet ihr aber auch komplett auf Rechnungen und lauft dabei Gefahr, dass einem Partner finanzielle Nachteile entstehen.

Wozu das „Taschengeld“?

Die Geldsummen, die du und dein Partner am Monatsende auf eure Konten bekommt, bezeichnen wir als „Taschengeld“. Es steht jedem ohne Einschränkungen für private Zwecke zu. Ob du dein Geld in dein teures Hobby steckst, dir ausgiebige Kneipenabende oder Shoppingtouren gönnst oder es direkt auf ein privates Sparkonto überweist bleibt allein dir überlassen. Genauso ist dein Partner dir keine Rechenschaft schuldig.

Welche Vorteile das 3-Konten-Modell bringt

Was spricht für das 3-Konten-Modell im Alltag? Zunächst vereinfachst du zusammen mit deinem Partner alle finanziellen Angelegenheiten. Ihr habt einen gemeinsamen Hausstand und Nachwuchs zusammen. Dann gehören sämtliche Ausgaben für euch als Paar und Familie eigentlich auch geteilt. Oder? Die folgenden Aspekte sprechen am stärksten für das 3-Konten-Modell:

  • Gleichberechtigung im Alltag:
    Zu Großmutters Zeiten war die Rollenverteilung eindeutig: der Mann war der Ernährer, der das Geld nach Hause brachte. Haushalt wie Kindererziehung war Frauensache, zumindest im Normalfall. Da die Frau kein eigenes Einkommen hatte, war sie finanziell abhängig von ihrem Gatten. Die Zeiten haben sich geändert. Dennoch verdienen auch heute noch viele Frauen weniger Geld als ihre Partner. Das liegt einerseits am allgemeinen Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen (Frauen erhielten laut statistischem Bundesamt im Jahr 2018 rund 21% weniger Lohn als Männer), aber auch daran, dass viele Mütter nach der Geburt ihrer Kinder berufliche Auszeiten nehmen oder in Teilzeit arbeiten. Da ihre Arbeitskraft für die gemeinsame Familie genutzt wird, sollte dies auch entsprechend entlohnt werden und zwar vom besser verdienenden Partner (das gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall). Beim 3-Konten-Modell dürfen beide mit gleichem Recht über das gemeinsame Geld verfügen. Keine Rechtfertigungen oder unangenehmes Nachfragen, wofür dieser oder jener Betrag ausgegeben wurde.
  • Stärkt den Zusammenhalt:
    Indem ihr alle gemeinschaftlichen Ausgaben aus einem einzigen Topf bestreitet, stärkt ihr das „Wir-Gefühl“. Du kannst dich auf deinen Partner verlassen, so wie das auch umgekehrt der Fall ist. Es gibt keine Kontrolle der Ausgaben. Jeder tätigt diese im Sinne der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft ist eure Partnerschaft oder Familie.
  • Beugt Geld-Streitigkeiten vor:
    Häufig ist Geld der Auslöser für Probleme. Das 3-Konten-Modell sorgt für klare Prioritäten: Zuerst kommen von der Miete bis hin zu den Windeln alle Rechnungen, die euch gemeinsam betreffen. Alle weiteren Ausgaben sind die Privatangelegenheiten von dir bzw. deinem Partner. Damit muss nicht mehr bis ins Detail nachgerechnet werden, wieviel dir dein Partner noch vom letzten Einkauf auf dem Wochenmarkt schuldet. Ihr vermeidet Streitigkeiten, wer denn im abgelaufenen Monat die höheren Ausgaben für die gemeinsame Beziehung, den Haushalt oder die Kinder hatte.
  • Übersicht eurer Haushaltsführung:
    Durch das Gemeinschaftskonto erhaltet ihr einen realistischen Einblick, was euer Leben unterm Strich kostet. Diese Bündelung könnt ihr nutzen, um die Ausgaben zu optimieren. Gebt dem 3-Konten-Modell eine Art Pilotphase, in der ihr euch regelmäßig zusammensetzt und die Quittungen durchgeht. An welcher Stelle sind die Ausgaben zu hoch und wo könnt ihr vielleicht noch Geld sparen? Eine solche Übersicht über eure gemeinsamen Finanzen könnt ihr zusätzlich mit dem Anlegen eines Haushaltsbuchs verbessern.
  • Jeder hat ein gutes Stück Freiheit:
    Die Konten Nummer zwei und drei beim 3-Konten-Modell sind reine Privatsache. Damit kannst du dir deine Wünsche und Bedürfnisse erfüllen. Selbst wenn deine bessere Hälfte dafür kein Verständnis hat, musst du dich nicht rechtfertigen. Ein schlechtes Gewissen ist selbst nach einer durchzechten Nacht mit Kumpels nicht angebracht. Das Geld dafür stammt von deinem eigenen Konto und belastet nicht die Gemeinschaftskasse. Auch wenn eure Beziehung hoffentlich ein Leben lang hält, ist es ratsam, ein eigenes Finanzpolster aufzubauen. So vermeidest du in Krisenzeiten Abhängigkeiten, weil du etwas Geld in der Hinterhand hast.
  • Schafft geregelte Verhältnisse:
    Wenn du dich mit deinem Partner oder deiner Partnerin auf das 3-Konten-Modell einigst, verschafft das Klarheit. Der Großteil der Kosten wird fair aufgeteilt und mit dem Rest kann jeder so haushalten, wie es ihm oder ihr gefällt. Probiert es bei nächster Gelegenheit einmal aus.

Im Idealfall nutzt du mit deinem Partner bereits das 3-Konten-Modell, wenn ihr zusammen wohnt. Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes solltet ihr eure gemeinsamen Finanzen klären. Ein Kind macht aus Paaren Eltern und dieser Job ist bereits schwierig genug. Macht es euch etwas einfacher, wenn es ums Geld geht. Ein Gemeinschaftskonto sowie zwei separate Konten sind dabei eine echte Hilfe. Eure Beziehung sollte jetzt auch an einem Punkt sein, an dem die Familienfinanzen fair verteilt werden.

Grundbedingung für ein funktionierendes 3-Konten-Modell ist Vertrauen. Am Anfang steht die Auseinandersetzung mit den eigenen Finanzen. Legt alles offen, was ihr verdient und was ihr ausgebt. Jetzt könnt ihr die Methode im Detail für euch absprechen. Wichtig ist zum Beispiel auch, wie beide Partner mit Geld umgehen und welche Prioritäten sie beim Einkaufen setzen. Ist ein Partner sehr sparsam und der andere kauft gern Gourmetbedarf ein, entsteht ein Missverhältnis. Gebt dem 3-Konten-Modell etwas Zeit und sprecht Dinge direkt an, die ihr als ungerecht empfindet. Einigt euch am besten im Voraus über die Aufteilung der Ausgaben. Von welchen profitiert ihr als Familie und welche nutzen nur einem von euch?

Diese Kosten könnt ihr teilen:

  • Lebensmittel
  • Dinge des täglichen Bedarfs
  • Versicherungen
  • Kosten fürs Auto
  • Internetanschluss
  • Rundfunkgebühr
  • Alle Ausgaben für den Nachwuchs, inkl. Taschengeld
  • Monatsmiete mitsamt aller Nebenkosten
  • Gemeinsame Anschaffungen (Möbel, Fernseher etc.)
  • Geschenke für gemeinsame Freunde und Angehörige
  • Urlaubskasse

Ein Zusatzkonto für Notfälle oder zum Sparen

Nach Möglichkeit solltet ihr neben dem 3-Konten-Modell immer einen Puffer haben. Ein solches Finanzpolster schützt euch vor plötzlichen Engpässen, etwa wenn eine dringende Reparatur oder Neuanschaffung ansteht. Experten raten zu etwa zwei bis drei Monatsgehältern als Reserve, die beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto aufbewahrt werden kann.

Selbstverständlich könnt ihr ein Konto, das parallel zu dem 3-Konten-Modell existiert nicht nur für Notfälle einrichten. Ihr könntet vereinbaren, dass darauf Geld landet, welches nicht ausgegeben wurde. Macht euch Gedanken, ob ihr einen festen Betrag vereinbart oder es flexibel halten möchtet. Zum Beispiel könnte vom Gemeinschaftsgeld monatlich eine festgelegte Summe auf das gemeinsame Sparkonto fließen. Was mit diesem kleinen Sparvermögen letztlich passiert, bestimmt ihr selbst. Beispielsweise kann die Sparsumme in die Ausbildung eures Kindes fließen, ihr investiert es in einen Sparplan fürs Alter oder in größere Neuanschaffungen. Wenn ihr auf Erspartes zurückgreifen könnt anstatt einen Kredit aufzunehmen, umgeht ihr auf jeden Fall die teuren Kreditkosten.

In letzter Instanz entscheidet ihr gemeinsam

Soweit, so gut, könntest du nun denken. Die Beziehung ist intakt, Vertrauen ist da, aber ganz überzeugt bist du noch nicht von dem 3-Konten-Modell. Das könnte daran liegen, dass du vielleicht ein Drittel mehr verdienst als dein Partner. Und am Ende des Monats bekommen beide trotzdem denselben Betrag als „Taschengeld“ auf das eigene Konto? Die Idee mit dem 3-Konten-Modell muss nicht zwingend so umgesetzt werden wie beschrieben. Schließlich darf sich dadurch keiner benachteiligt fühlen. Setzt euch zusammen, wenn euch das Modell begeistert, ihr es aber noch nicht optimal findet. Eine Möglichkeit wäre im genannten Beispiel, dass derjenige mit dem höheren Einkommen mehr in die Gemeinschaftskasse einzahlt, aber auch mehr „Taschengeld“ auf sein eigenes Konto bekommt. Das sollten allerdings beide Partner gemeinsam entscheiden. Nur ihr wisst, was sich für beide von euch fair anfühlt und was nicht.

Natürlich könnt ihr das 3-Konten-Modell auch in anderen Details ändern. Statt des monatlich festgelegten Taschengeldes könntet ihr das verbleibende Geld am Monatsende durch zwei teilen und auf eure Konten überweisen. Das ist dann sinnvoll, wenn ihr grundsätzlich wenig Budget zur Verfügung habt und nicht wisst, ob am Monatsende noch etwas übrig bleibt.

So richtet ihr das 3-Konten-Modell für euch ein

Schritt 1: Besprecht eure Finanzen. Nehmt euch dafür ausreichend (!) Zeit und listet auf, was ihr verdient und welche Ausgaben ihr habt.

Schritt 2: Wenn ihr keinen Überblick habt, wie viel ihr monatlich wofür ausgebt, könnt ihr das anhand eines Haushaltsbuches schnell erkennen. Im Idealfall führt ihr 2-3 Monate Buch über alle Finanzen. Wie das geht, erklären wir hier.

Schritt 3: Ausgabenplanung für das Gemeinschaftskonto. Kategorisiert eure Ausgaben und werdet euch über Prioritäten klar. Wenn alle gemeinsamen Ausgaben vom Gemeinschaftskonto abgehen, müsst ihr eine Linie fahren. Wollt ihr etwa Kinderkleidung nur dann kaufen, wenn es notwendig ist, oder sind auch Spontankäufe in Ordnung? Wie sehr achtet ihr bei den Ausgaben für Essen auf den Preis?

Schritt 4: Planung des 3-Konten-Modells. Unser Vorschlag: Ihr habt ein Gemeinschaftskonto für die gemeinsamen Ausgaben. Euer monatliches Taschengeld fließt jeweils auf eure bestehenden Girokonten.

Schritt 5: Konto bei der Bank einrichten. Euer Gemeinschaftskonto ist keine Geldanlage. Ihr braucht also nicht lange recherchieren nach dem Konto mit den besten Konditionen. Derzeit gibt es bei Girokonten sowieso kaum Zinsen. Wählt die Bank, die euch spontan am besten erscheint und keine Grundgebühren für die Kontoführung verlangt. Zur Kontoeröffnung müsst ihr beide erscheinen (oder ihr eröffnet euer Konto einfach online). In unserem Girokonto Vergleich findet ihr die aktuell besten Angebote für kostenlose Girokonten.

Schritt 6: Daueraufträge einrichten. Je nachdem, wie ihr das Modell gestaltet habt, richtet ihr jetzt die entsprechenden Aufträge ein. Eure gemeinsamen Gehälter könnten nun auf das Gemeinschaftskonto fließen und der ausgemachte Betrag auf die beiden Einzelkonten. Denkt dabei auch an Miete, Versicherungsbeiträge und andere gemeinsamen Ausgaben.

Schritt 7: Evaluierung. Wie läuft das Modell für euch? Fühlt es sich gut an, habt ihr es euch so vorgestellt? Fühlt ihr euch fair behandelt und habt ihr ausreichend Geld für die Gemeinschaft und private Zwecke? Setzt euch gerade am Anfang regelmäßig zusammen und sprecht über euer 3-Konten-Modell. Funktioniert es für euch? Welche Erfolge oder Misserfolge gibt es? Nichts ist in Stein gemeißelt. Ihr könnt jederzeit Änderungen vornehmen oder auf eine andere Regelung umsteigen.


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