Teilzeit in der Elternzeit arbeiten: Das sind die Rechte der Eltern

Viele Mütter und auch immer mehr Väter nutzen die Elternzeit um wertvolle Zeit mit der Familie zu verbringen. Zum Teil geschieht dies in „Vollzeit-Elternzeit“, jedoch auch die Kombination Elternzeit mit Teilzeitarbeit wird immer beliebter. Wer wann Teilzeitarbeit in Anspruch nehmen kann und warum es besser ist, diese tatsächlich unter dem Schutzmantel des Elternzeit auszuüben, zeigen wir in diesem Artikel.

Anspruch auf Teilzeitarbeit während der Elternzeit

Währen der Elternzeit darfst du bis zu 30 Stunden arbeiten. Bei Geburten nach dem 01. September 2021 erhöht sich die Arbeitszeit um 2 Stunden auf bis zu 32 Stunden. Wichtig zu wissen: Es besteht keine Verpflichtung für dich zu arbeiten, auch nicht während du Elterngeld Plus beziehst. Die Bezugsform führt nur in vielen Fällen zu einer geringeren Kürzung, wenn du etwas hinzuverdienst und ist somit die bessere Wahl. Nicht jeder Arbeitsplatz eignet sich für eine Teilzeittätigkeit. Weiterhin gibt es Vorgaben, ab wann ein Betrieb die Teilzeitarbeit ermöglichen muss.

Voraussetzungen für Teilzeitarbeit:

  • Der Betrieb hat mindestens 15 Beschäftigte (Azubis und andere Personen in Berufsausbildungsmaßnahmen zählen nicht mit)
  • Du  arbeitest seit mindestens 6 Monaten in diesem Betrieb
  • Du möchtest mindestens 2 Monate lang arbeiten, mit mindestens 15 Stunden und maximal 30 Stunden pro Woche (für Geburten ab 01. September 2021 = 32 Std. / Woche)
  • Teilzeitgeeigneter Arbeitsplatz 

Lautet die Antwort auf alle Fragen ja, dann ist die Teilzeitarbeit möglich. Trifft das alles nicht zu, kannst du trotzdem Glück haben und in Teilzeit arbeiten. Nämlich dann, wenn der Arbeitgeber trotzdem damit einverstanden ist. Ihn zu fragen kann also nicht schaden.

Die Fristen für den Antrag auf Teilzeitarbeit

Möchtest du in deiner Elternzeit in Teilzeit arbeiten, gelten dieselben Fristen wie für die Elternzeit:

  • Vor dem 3. Geburtstag: mindestens 7 Wochen vor dem Beginn der Teilzeit
  • Nach dem 3. Geburtstag: mindestens 13 Wochen vor dem Beginn der Teilzeit vom 3. Geburtstag bis zum 8. Geburtstag

Was muss im Antrag stehen?

Am besten schreibst du alles so genau wie möglich in deinen Antrag hinein. Dein Arbeitgeber kann so leichter, ohne viele Rückfragen, eine Entscheidung treffen. Dies betrifft besonders die Fälle, die die Voraussetzungen für Teilzeitarbeit vielleicht nicht alle erfüllen.

Beantworte in deinem Antrag folgende Fragen:

  • Ab wann in deiner Elternzeit möchtest du in Teilzeit arbeiten?
  • Wie viele Stunden pro Woche möchtest du arbeiten? (z.B. 24 Stunden)
  • Wie möchtest du die Stunden in der Woche verteilen? (3 Tage á 8 Stunden oder 4 Tage á 6 Stunden, bei halben Tagen unbedingt auch die Information mit hineinschreiben ob vormittags oder nachmittags und welche Wochentage ideal sind für dich)

Insgesamt darfst du zwei mal in der Elternzeit deine Arbeitszeit weiter verringern oder erhöhen

Ablehnung des Antrags

Dringende betriebliche Gründe führen seitens deines Arbeitgebers zur Ablehnung. Beispiele: es gibt deinen Arbeitsplatz nicht mehr oder dieser lässt keine Teilzeitarbeit zu. 

Auch für den Arbeitgeber gelten Fristen für die Ablehnung:

  • 4 Wochen für den Teilzeitwunsch vor dem 3. Geburtstag 
  • 8 Wochen für den Teilzeitwunsch ab dem 3. Geburtstag

Dabei kann dein Arbeitgeber den Antrag nur komplett annehmen oder ablehnen. Reagiert er nicht innerhalb der Fristen, gilt die Zustimmung als automatisch erteilt.

TIPP: Lehnt der Arbeitgeber deinen Antrag ab, darfst du mit Genehmigung (!!) woanders eine Teilzeitarbeit oder eine Selbstständigkeit ausüben.

Teilzeitwunsch hat Vorrang vor Ersatzkraft

Im Jahr 2018 fällte das Arbeitsgericht Köln ein wichtiges Urteil hierzu (15.03.2018, Aktenzeichen: 11 Ca 7300/17). 

Erlangt ein Arbeitgeber frühzeitig Kenntnis über den Teilzeitwunsch einer schwangeren Mitarbeiterin oder Arbeitskraft in Elternzeit, muss er dies entsprechend bei der Einstellung einer Ersatzkraft berücksichtigen. Es besteht für die werdende Mutter keine Verpflichtung sich vor der Geburt verbindlich auf die Dauer der Elternzeit inklusive Teilzeitwunsch festzulegen. Der Arbeitgeber muss warten, bevor er sich an eine Ersatzkraft bindet. Eine Ablehnung des Teilzeitwunsches aus dringenden betrieblichen Gründen darf in so einem Fall nicht erfolgen.

Falls du während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten möchtest, dann teile dies deinem Arbeitgeber in deinem Antrag auf Elternzeit mit.

Teilzeitarbeit mit oder ohne Elternzeit?

Wenn die Wochenarbeitszeit 30 Stunden (für Geburten ab dem 01. September 2021 = 32 Stunden) nicht überschreitet, denkst du vielleicht daran dir die „Elternzeit“ aufzusparen. Die Voraussetzungen für das Elterngeld erfüllst du auch so, warum also Elternzeit beantragen?

Hier ist das wichtigste Argument: Du unterliegst in der Elternzeit dem besonderen Kündigungsschutz. Solange du in Elternzeit bist, verfallen weder deine alten Urlaubsansprüche, noch ist eine Kündigung durch den Arbeitgeber möglich. Besonders wenn du mit dem anderen Elternteil den Partnerschaftsbonus in Anspruch nimmst, wäre ein Kündigung in diesem Zeitraum fatal. Hier erfährst du mehr zum Partnerschaftsbonus.

Achtung: Nach deiner Elternzeit lebt dein ursprünglicher Arbeitsvertrag wieder auf. Wenn du in Teilzeit (weiter) arbeiten möchtest, beachte folgende Frist: Egal ob in Teilzeit oder Brückenteilzeit (empfohlen um nicht in die Teilzeitfalle zu geraten) musst du den Antrag 3 Monate vor dem Beginn bei deinem Arbeitgeber stellen.

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  • Hallo Yvonne, vielen Dank für deine ausführlichen Erklärungen! Eine Frage ist bei mir dennoch offen geblieben. Ich mochte gerne 2 Jahre Elternzeit beantragen und voraussichtlich nach 14 Monaten in Teilzeit wieder arbeiten. Du schreibst, dass ich dies schon jetzt bei der allgemeinen Beantragung der Elternzeit rein schreiben soll, richtig? Muss ich dann auch schon die anderen Kriterien wie Wochenarbeitszeit und wie ich diese aufteilen will angeben, oder kann ich dies später machen.

    Danke dir für deine Antwort!
    Charlotte

    • Hallo Charlotte,
      damit dein Arbeitgeber ungefähr abschätzen kann, wie er dich in Teilzeit einsetzen kann, wäre es von Vorteil ungefähre Angaben zu machen. Die meisten Arbeitgeber fragen nach angemessener Zeit und rechtzeitig nach, ob es bei den verabredeten Stunden bleibt. Solltest du von dir aus merken, dass eine Fremdbetreuung deines Kindes noch nicht möglich ist oder du einfach noch nicht bereit bist zu arbeiten, solltest du von dir aus Kontakt zu deinem Arbeitgeber aufnehmen.

  • Hallo zusammen, kann der Arbeitgeber von einem denn verlangen, dass man jeden Tag arbeitet, auch bei 15 Stunden die Woche? Das heißt man müsste jeden Tag für 3 Stunden zur Arbeit?

    • Hallo Anja,
      15 Stunden sind die Untergrenze für die Teilzeitarbeit. Wie sie über die Woche verteilt werden, ist Verhandlungssache. Suche das Gespräch mit deinem Arbeitgeber und mache ihm ein konkretes Angebot, wie es für dich besser passt. Überlege dir aber auch Alternativen. In der Regel findet sich eine Lösung, die für beide Seiten passt.

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