Was du bei der Weiterbildung in der Elternzeit beachten solltest

In deiner Elternzeit gehen dir bestimmt viele Gedanken durch den Kopf. Möglicherweise denkst du dabei auch an deinen Job und wie du den Anschluss nicht verlierst. Ob du dich in der Elternzeit weiterbilden darfst und wie du das in dieser Zeit mit wenig oder ohne Einkommen finanzieren kannst, zeigen wir dir in diesem Beitrag.

Es gibt kein Verbot für Fort- und Weiterbildung in Elternzeit

Das Wichtigste vorab: Du darfst dich in deiner Elternzeit fortbilden, studieren, an Volkshochschulkursen teilnehmen usw. Auch wenn du aktuell Elterngeld beziehst, kannst du ohne Probleme an einer Weiterbildung teilnehmen. Die Obergrenze der maximal 30 Arbeitsstunden pro Woche gilt nicht für Studium, Aus- und Fortbildung.

Dem Chef von der Fortbildung erzählen?

Diese Frage läßt nicht so einfach beantworten. Es kommt darauf an. Bildest du dich in einem berufsfremden Bereich fort, weil du dich nach der Elternzeit neu orientieren möchtest? Dann ist Offenheit nicht ratsam. Wenn du deine Qualifikation für deinen bestehenden Job verbesserst, kannst du das ruhig kommunizieren. In vielen Fällen leisten die Chefs einen finanziellen Beitrag zu deiner Fortbildung, als Anerkennung deiner Initiative.

Wie du herausfindest was du möchtest

Stelle dir am besten die folgenden Fragen:

  • Was für ein berufliches Ziel möchtest du erreichen und welche Maßnahmen brauchst du dafür?
  • Wie viel Zeit kannst du in deine Weiterbildung in der Elternzeit investieren?
  • Wie viel Geld darf die Weiterbildung kosten?
  • Kannst du Zuschüsse nutzen vom Staat, Bundesland oder vom Arbeitgeber?

Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es?

Digital

Im Zeitalter der Digitalisierung stehen dir viele Möglichkeiten offen. 

Vorteil: Du kannst dir bei Onlinekursen, im Fernstudium oder beim e-learning die Zeit selbst einteilen. Weiterhin kannst du von überall aus teilnehmen, wo du ins Internet kommst.

Nachteil: Sich zu Hause trotz Kinderbetreuung Zeit zum lernen zu nehmen, kann eine Herausforderung sein. 

Lokal vor Ort

Geht dein Kind zur Tagesmutter oder dein Partner kümmert sich, kannst du an Präsenzseminaren teilnehmen. Hierfür bieten sich Kurse bei einem lokalen Fortbildungsinstitut oder der Volkshochschule an. 

Vorteil: Du lernst neue Leute aus deiner Stadt kennen, ihr könnt Lerngruppen bilden und euch auch außerhalb der Fortbildungsmaßnahme treffen. 

Nachteil: Feste Vorgabe der Kurszeiten, Anwesenheitspflicht und Anreisezeiten zum Lernort.

Wer übernimmt die Kosten für eine Fortbildung in Elternzeit?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Bildungsförderung durch öffentlichen Mittel. Einige stellen wir dir hier vor:

Arbeitgeber

Bildest du dich in deinem Berufsfeld weiter, übernimmt vielleicht dein Arbeitgeber einen Teil der Kosten oder sogar alles. Es kann nicht schaden, ihn mit ins Boot zu holen und nach einer Kostenbeteiligung zu fragen.

Bildungsprämie

Mit der Bildungsprämie zahlt dir der Staat die Hälfte der Kosten deiner Fortbildung dazu, maximal bis zu 500 Euro. Ist deine Fortbildung teurer, zahlst du einen höheren Eigenanteil. In den Bundesländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz darf die Maßnahme nicht mehr als 1.000 Euro (inkl. MwSt) kosten. Bei Fernunterricht gilt der Sitz des Anbieters als Durchführungsort. 

Voraussetzungen für einen Prämiengutschein:

  • Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden pro Woche oder du bist in Elternzeit oder Pflegezeit
  • Dein zu versteuerndes Einkommen liegt nicht über 20.000 Euro (40.000 Euro bei Verheirateten) im Jahr 

WICHTIG: Das zu versteuernde Einkommen findest du in deinem letzten Steuerbescheid. Verwechsele der Betrag nicht mit deinem jährlichen Bruttoeinkommen. Mehr dazu hier.

Finde ganz einfach heraus, ob du einen Prämiengutschein bekommen kannst. Dafür vereinbarst du einen Termin in einer Beratungsstelle in deiner Nähe. Diese Beratung ist kostenlos. Du bringst zu dem Termin mit:

  • deinen gültigen Personalausweis
  • einen Beschäftigungsnachweis (Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnung)
  • einen Einkommensnachweis ( letzter Einkommensteuerbescheid)

Voraussetzungen, um deinen Prämiengutschein nutzen zu können:

  • Deine Weiterbildung entspricht dem auf dem Gutschein eingetragenen Ziel
  • Die Weiterbildung beginnt erst noch (Beginn innerhalb der Geltungsdauer des Gutscheins erforderlich, 6 Monate ab Ausstellung)
  • Es gibt noch keine Rechnung des Anbieters
  • Die Rechnung für deinen Eigenanteil ist noch offen
  • Der Weiterbildungsanbieter akzeptiert den Prämiengutschein (keine Verpflichtung)
  • Der Weiterbildungsanbieter hält die Qualitätsanforderungen ein
  • Die Rechnung über die Fortbildung lautet auf deinen Namen und führt deinen Eigenanteil und die die gesamten Veranstaltungsgebühren auf
  • Der Eigenanteil muss von dir (bzw. einer anderen Privatperson) bezahlt werden (Übernahme durch Arbeitgeber hier nicht möglich)

Spargutschein (Weiterbildungssparen)

Das Weiterbildungssparen ist ein weiterer Baustein der Bildungsprämie. Dieser Spargutschein der Bildungsprämie ermöglicht dir die vorzeitige Entnahme des angesparten Guthabens, ohne dass dir dadurch die Arbeitnehmersparzulage verloren geht.

Verfügst du über ein solches Sparguthaben, kannst du darüber verfügen. Am besten holst du als erstes die folgenden Informationen von deinem Finanz- oder Anlageinstitut ein:

  • Kannst du eine vorzeitige Entnahme tätigen?
  • Fällt dafür eine Gebühr an?
  • Wie lang ist die Kündigungsfrist?
  • Musst du den gesamten Vertrag auflösen oder ist eine Teilverfügung möglich?

Liegen dir die Antwortet vor, kannst du zur Prämienberatung gehen. Dort erhältst du bei Erfüllung der Fördervoraussetzungen einen Spargutschein. Im Anschluss meldest du dich zur Weiterbildungsmaßnahme an.

Der Anbieter überprüft:

  • ob du das Bildungsziel auf dem Spargutschein mit dem Kurs erreichst und
  • ob er die Voraussetzungen für die Qualitätsanforderungen erfüllt

Wichtig ist auch, dass die Fortbildung mehr als 30 Euro kostet, die sogenannte Bagatellgrenze. Im Anschluss trägt der Anbieter die Angaben zum Kurs und die Kosten auf dem Spargutschein ein. Weiterhin steht drauf, wann die Maßnahme beginnt und der Fälligkeitstag der Rechnung. Die Einlösung bei deinem Finanz- oder Anlageinstitut erfolgt im letzten Schritt. ACHTUNG: zwischen der Geldentnahme bis zum Begleichen der Rechnung dürfen maximal 3 Monate vergehen.

Bildungsgutschein

Mit diesem Gutschein kannst du eine Förderung erhalten, wenn du nicht mehr in einem Arbeitsverhältnis stehst. Im Fokus stehen berufliche Weiterbildungen, die deine Rückkehr in den Arbeitsmarkt wahrscheinlicher machen. Die Arbeitsagentur übernimmt die Kosten für deine Weiterbildung. Zusätzlich erfolgt die Übernahme von Kosten für Fahrten zum Ausbildungsort, die Unterbringung und die Verpflegung. Unter Umständen erfolgt auch eine Übernahme der Betreuungskosten für dein Kind/deine Kinder. Bekommst du aktuell Arbeitslosengeld, erhältst du es während der Fortbildung weiter.

Weitere Förderungen

Auf Bundesebene gibt es noch viele weitere Förderungen wie das Aufstiegs-Bafög, Aufstiegstipendium, oder Hilfen vom Europäischen Sozialfonds. Es gibt in jedem Bundesland zum Teil noch gesonderte Töpfe für Förderungen. Trau dich zu fragen! Erkundige dich bei dem Weiterbildungsinstitut deiner Wahl und oder bei regionalen Beratungsstellen.

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