Ist der Bezug von Elterngeld und Mutterschaftsleistungen parallel möglich?

Das Elterngeld bekommst du auf Antrag in der Regel ab der Geburt deines Kindes. Anders verhält es sich mit Mutterschaftsleistungen. Nicht alle Mütter können Mutterschaftsgeld bekommen. Wer Mutterschaftsgeld bekommt und ob es gleichzeitig auch Elterngeld gibt, klärt dieser Artikel.

Anspruch auf Mutterschaftsgeld

Das Mutterschaftsgeld bekommst du nicht automatisch. Es handelt sich um eine Antragsleistung. Einen entsprechenden Antrag stellst du entweder bei deiner Krankenversicherung oder beim Bundesversicherungsamt.

Mutterschaftsgeld für Arbeitnehmerinnen

Mit gesetzlicher Krankenversicherung

Als Angestellte bekommst du Mutterschaftsgeld wenn

  • du dich in den 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin in einem Anstellungsverhältnis befindest und
  • eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung vorliegt

Die Krankenkasse zahlt dir auf Antrag 13 Euro pro Kalendertag. Die Differenz zu deinem bisherigen Netto erhältst du von deinem Arbeitgeber. Diesen Zuschuss beantragst du, indem du deinem Arbeitgeber das Zeugnis über den voraussichtlichen Entbindungstermin einreichst.

Mit privater Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung zahlt kein Mutterschaftsgeld. Der Arbeitgeber zahlt dir dein Nettogehalt abzüglich 13 Euro pro Kalendertag (§ 20 Abs. 1 MuschG). Diese 13 Euro kämen bei einer Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung normalerweise von deiner Krankenkasse. Du bekommst anstelle dieser kalendertäglichen 13 Euro ein einmaliges Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt in Höhe von 210 Euro (zum Antragsformular).

Geringfügig beschäftigte Mütter

Dir steht das einmalige Mutterschaftsgeld in Höhe von 210 Euro vom Bundesversicherungsamt zu,

  • wenn du über deinen Ehepartner mitversichert bist (Familienversicherung) und
  • einer geringfügigen Beschäftigung nachgehst

Dein Arbeitgeber zahlt dir nur einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, wenn dein Nettoverdienst über 390 Euro im Monat liegt.

Wichtig: Als eigenständiges Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung mit einer geringfügigen Beschäftigung besteht dein Anspruch auf Mutterschaftsgeld gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse.

Mutterschaftsgeld für Erwerbslose

Arbeitslose Mütter

Du erhältst Mutterschaftsgeld von der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn dir zu Beginn der Mutterschutzfrist Arbeitslosengeld I zusteht. Die Summe in der Schutzfrist ist die gleiche, wie beim Arbeitslosengeld. Die Zahlung kommt in dieser Zeit von der Krankenkasse und nicht vom Jobcenter.

Beziehst du zu Beginn der Mutterschutzfrist Arbeitslosengeld II, erhältst du dieses weiter.  Ab der 13. Schwangerschaftswoche steht dir der Mehrbedarf für Schwangere zu. Zuständig ist in diesem Fall das Jobcenter.

Hausfrauen

Ohne ein Beschäftigungsverhältnis und im Rahmen einer Familienversicherung bekommst du kein Mutterschaftsgeld.

Mutterschaftsgeld für Selbstständige

Wenn du selbstständig und privat krankenversichert bist, gibt es für dich kein Mutterschaftsgeld. Mit einer Krankentagegeldversicherung erhältst du in der Mutterschutzfrist entsprechend Krankentagegeld.

Bei einer freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) deinerseits kommt es darauf an, ob eine Versicherung mit oder ohne Anspruch auf Krankengeld vorliegt. Zahlst du nur den Mindestbeitrag, dann steht dir kein Krankengeld zu und in der Folge auch kein Mutterschaftsgeld. Auch nicht vom Bundesversicherungsamt. Wenn du einen Tarif mit Krankentagegeld abschließt, gibt es auch für dich Mutterschaftsgeld.

Hinweis: Seit Januar 2019 regelt das GKV-Entlastungsgesetz, dass du auf Mutterschaftsgeld und Krankengeld keine Mindestbeiträge für Zeiten ohne Arbeitseinkommen zahlst.

Mutterschaftsgeld und Elterngeld gleichzeitig?

Grundsätzlich besteht ab der Geburt ein Anspruch auf Elterngeld. Vorausgesetzt du erfüllst die Anforderungen für das Elterngeld. In den Fällen wo du kein Mutterschaftsgeld bekommst oder nur das einmalige Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt, kannst du sofort Elterngeld bekommen. Zur Auswahl stehen das Basiselterngeld oder das Elterngeld Plus.

Gesetzliche Krankenkasse

Das Mutterschaftsgeld der gesetzlichen Krankenkasse für dasselbe Kind gilt als Basiselterngeld. 

Genauer gesagt, schaut die Elterngeldstelle welche Leistung in der Schutzfrist nach der Geburt höher ist. Fällt das Elterngeld höher aus, als das Mutterschaftsgeld, zahlt die Elterngeldstelle den Differenzbetrag in Form von Elterngeld an dich aus. Ist das nicht so, bleibt es beim Mutterschaftsgeld. Das kommt daher, dass das Mutterschaftsgeld und das Elterngeld denselben Zweck haben. Es ist ein Ausgleich für dein wegfallendes Einkommen nach der Geburt. In dieser Zeit kannst du nicht in das Elterngeld Plus wechseln. Erst wenn du kein Mutterschaftsgeld mehr bekommst, ist ein Wechsel möglich. Der andere Elternteil kann jedoch unabhängig von dir zwischen Basiselterngeld oder Elterngeld Plus wählen.

Bei Mutterschaftsleistungen für ein anderes Kind rechnet die Elterngeldstelle diese auf einen Teil des Elterngeldes an. Du bekommst dennoch mindestens 300 Euro Basiselterngeld oder 150 Euro Elterngeld Plus monatlich.

Achtung: Die Krankenkasse berechnet die Mutterschaftsleistungen in Tagen. Beim Elterngeld ist das anders. Steht dir am Anfang eines Lebensmonats Mutterschaftsgeld nur noch für ein paar Tage zu, bekommst du für die restlichen Tage anteilig Elterngeld. Für diesen Teilmonat ist ein Wechsel der Bezugsform nicht möglich.

Private Krankenversicherung

Deine private Krankenversicherung rechnet das Elterngeld komplett auf das Krankentagegeld an. Das bedeutet, du bekommst von deinem Krankentagegeld nur den Betrag ausgezahlt, der höher ist als das Elterngeld.

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