Elterngeld & Kurzarbeit: Was du jetzt beachten musst

Kurzarbeit gab es auch schon vor dem neuartigen Coronavirus in Deutschland. So viele Arbeitnehmer wie aktuell sind jedoch selten betroffen. Was Kurzarbeit ist und was die Kurzarbeit für deine Elternzeit und dein Elterngeld bedeutet, erklären wir in diesem Artikel.

Vorgesehene Erleichterungen bei der Elternzeit / beim Elterngeld aufgrund von Corona

Bisher gibt es nur Informationen aus der Pressekonferenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 23. März 2020 durch die Bundesfamilienministerin Giffey.

Geplante Elterngeldmonate

Es wurden Gespräche mit den Bundesländern geführt. Demnach sollen Eltern, die im Gesundheitswesen stark gefordert sind, die in der sozialen Infrastruktur arbeiten, die systemrelevant sind (Ärzte, Ärztinnen, Krankenschwestern) die für jetzt (in der Krise) geplanten Elterngeldmonate auf später verschieben können. Ob dies auch für andere Berufsgruppen gilt, ist derzeit nicht geklärt. Sobald es weitere Informationen gibt, aktualisieren wir diesen Teil des Artikels.

Partnerschaftsbonus

Voraussetzung für den Partnerschaftsbonus ist, dass beide Eltern in 4 aufeinanderfolgenden Monaten zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche arbeiten.

Hierzu kündigte die Familienministerin an, dass die Nachweispflicht für die Wochenarbeitszeit angepasst und auch gelockert werden solle. „Die Länder mögen dafür sorgen, dass für Eltern die sich aktuell während der Corona-Krise im Partnerschaftsbonus befinden, keine Verluste eintreten“. 

Aktuell Schwangere, werdende Eltern

Auch hierzu nahm die Ministerin Stellung. Im Normalfall würde der Bezug von Kurzarbeiter- und auch Arbeitslosengeld, im Bemessungszeitraum des Elterngeldes, zu einer Reduzierung des Elterngeldanspruchs führen. Es handelt sich um Lohnersatzleistungen die mit Null in die Berechnung einfließen würden. 

Den Ländern wird empfohlen, dass „die Nachteile auszugleichen und eine Elterngeldberechnung so vollzogen wird, dass der Zeitraum der Elterngeldbemessung eben außerhalb dieser Monate der Pandemie erfolgt, sodass die Eltern keinen Nachteil haben, durch diese Krisenzeit, die wir jetzt haben.“ Wie genau das aussehen soll, ist derzeit nicht näher beschrieben. Wenn es neue Informationen gibt, findest du sie an dieser Stelle. Eine Ausklammerung der Monate mit Kurzarbeitergeld wäre denkbar.

Darauf solltest du nun achten

Bewahre alle Emails und Briefe von deinem Arbeitgeber zum Thema Kurzarbeit, deine Stundenzettel usw. auf. Sie können später beim Elterngeldantrag oder der Elterngeldüberprüfung nach dem Bezugszeitraum wichtig sein. 

Was ist Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld (Abkürzung: Kug) ist eine Leistung der Bundesagentur für Arbeit.

Dein Arbeitgeber kann unter bestimmten Voraussetzungen Kurzarbeit anordnen. Häufig geschieht dies, wenn es dem Unternehmen nicht so gut geht und Aufträge fehlen. Voraussetzung für die Kurzarbeit ist ein erheblicher Arbeitsausfall. Der Arbeitsausfall muss vorübergehend und unvermeidbar sein.

Dein Arbeitgeber kürzt die betriebsübliche Arbeitszeit und zeigt diesen Sachverhalt dir und der Agentur für Arbeit an. Du bist in dieser Zeit teilweise von der Arbeitspflicht befreit. Dein Arbeitgeber ist in der Folge teilweise von der Lohnzahlungspflicht befreit. Du bekommst also nur das Gehalt für die verringerte Stundenzahl die du arbeitest. Zusätzlich zahlt dein Arbeitgeber dir das Kurzarbeitergeld. Dieses bekommt er nachträglich von der Agentur für Arbeit erstattet. Die Verringerung der Personalkosten soll die Arbeitsplätze erhalten. Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben alle ungekündigten sozialversicherungspflichtige ArbeitnehmerInnen. Der Bezug des Kurzarbeitergeldes ist für 12 Monate, in Ausnahmefällen für bis zu 24 Monate möglich.

Was ist speziell am „neuen“ Kurzarbeitergeld durch Corona?

Rückwirkend zum 1. März 2020 änderte die Bundesregierung die bereits bestehenden Regelungen zur Kurzarbeit für eine begrenzte Zeit. Längstens bis zum 31. Dezember 2020 gelten folgende Erleichterungen:

  • Wenn mindestens 10% der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10% haben, gibt es Kurzarbeitergeld
  • In Betrieben in denen entsprechende Vereinbarungen zur Arbeitszeitschwankung genutzt werden, wird auf den Aufbau negativer Arbeitszeitkonten vor Zahlung des Kurzarbeitergeldes vollständig verzichtet
  • Auch LeiharbeitnehmerInnen können in Kurzarbeit gehen

Geringfügig beschäftigte ArbeitnehmerInnen können kein Kurzarbeitergeld erhalten. Dieses ist nur für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte vorgesehen.

Wieviel Kurzarbeitergeld gibt es?

Ohne Kinder gibt es 60% des während der Kurzarbeit ausgefallenen Nettolohns (Leistungssatz 2). Bei mindestens einem Kind gibt es 67% des ausgefallenen Nettos (Leistungssatz 1). 

Pflegekinder, Kinder über 18 Jahre

Der Leistungssatz 1 wird auch gewährt, wenn du eine entsprechende Bescheinigung vorlegen kannst, dass du beispielsweise ein Pflegekind betreust. Auch möglich ist, dass dein Kind bereits das 18. Lebensjahr vollendet hat, der Freibetrag aber (noch) nicht eingetragen ist bei den elektronischen Lohnsteuermerkmalen (Steuerklasse I, III, IV). Dies solltest du schnellstens nachholen. Übergangsweise kannst du oder der Arbeitgeber eine Bescheinigung bei der Agentur für Arbeit beantragen (gilt für die Steuerklassen V, VI) bzw. mit dieser die Berechtigung für den erhöhten Leistungssatz nachweisen.

Berechnung 

Die Berechnung ist relativ einfach. Ihr könnt das Kurzarbeitergeld einfach aus zwei Werten ermitteln. Diese könnt ihr aus der Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes (Kug) ablesen.

SOLL-Entgelt
Das SOLL-Entgelt ist das reguläre monatliche Brutto ohne Arbeitsausfall.

IST-Entgelt
Das IST-Entgelt ist das im jeweiligen Kalendermonat erzielte Bruttoarbeitsentgelt, zuzüglich aller zustehenden Entgeltanteile (u. a. auch für Mehrarbeit). Einmal gezahlte Arbeitsentgelte bleiben außer Ansatz.

Beispiel:

Ein Vater verdient ohne Kurzarbeitergeld 2.500 Euro brutto. Während der Kurzarbeit bekommt er 1.500 Euro brutto. Er ist in der Steuerklasse III und er hat ein Kind. Es besteht daher Anspruch auf den Leistungssatz 1 in der Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes für 2020:

BruttoarbeitsentgeltRechnerische LeistungssätzeBerechnung
2.500 Euro1.295,11 Euro )*1.295,11 Euro
1.500 Euro804,00 Euro )**- 804,00 Euro

Kurzarbeitergeld

= 491,11 Euro

)*  = abzulesen bei 2.490,00 Euro – 2.509,99 Euro, Steuerklasse III
)** = abzulesen bei 1.490,00 Euro – 1.509,99 Euro, Steuerklasse III

Regulär beträgt sein Netto bei Steuerklasse III ca. 1.940 Euro. Durch die Kurzarbeit sinkt sein Netto auf ca. 1.200 Euro. Zu den 1.200 Euro kommt noch das Kurzarbeitergeld in Höhe von ca. 490 Euro, sodass der Vater einen Auszahlungsbetrag während der Kurzarbeit von ca. 1.690 Euro erhält. Das sind 250 Euro weniger als vorher.

Beträgt das IST-Entgelt Null, weil während der Kurzarbeit gar nicht gearbeitet wird, gibt es nur das Kurzarbeitergeld. In unserem Beispiel bei einem Brutto von 2.500 Euro wären es nur ca. 1.300 Euro Kurzarbeitergeld.

ACHTUNG:
Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Es unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Dies ist auch beim Elterngeld der Fall. Mehr dazu hier.

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