Wann soll ich meinen Arbeitgeber über die Schwangerschaft informieren?

Die Vorfreude auf dein Baby wird dadurch getrübt, dass du unsicher bist, wie du es deinem Chef oder deiner Chefin sagen sollst und wann der richtige Zeitpunkt ist? Den Arbeitgeber über eine bestehende Schwangerschaft zu informieren, ist oft nicht leicht. Dennoch ist es besonders wichtig, dass du dich gut vorbereitest, professionell bleibst und den richtigen Zeitpunkt findest.

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Die gesetzlichen Vorgaben – wann soll es gesagt werden?

Der Zeitpunkt, wann du deinen Vorgesetzten über die Schwangerschaft informierst, liegt allein in deiner Hand. Es gibt lediglich gesetzliche Empfehlungen. Diese verweisen darauf, dass die Mitteilung erfolgen sollte, sobald die Frau Kenntnis von ihrer Schwangerschaft hat. Gerade in den ersten Wochen möchtest du jedoch vielleicht noch abwarten, ob alles gut geht und lieber Stillschweigen bewahren. Damit bist du nicht allein. Viele Frauen entscheiden sich, den Chef erst dann zu informieren, wenn der Mutterpass vorliegt oder die kritischen 12 Wochen vorbei sind. Grundsätzlich kannst du komplett selbst entscheiden, wann du diesen Weg gehst. Die Mitteilungspflicht dazu ist im Mutterschutzgesetz festgehalten.

Zu bedenken ist jedoch, dass sich dein Arbeitgeber nicht an die Vorgaben im Mutterschutzgesetz halten kann, wenn er über die Schwangerschaft nicht informiert wurde. Allein zum Schutz deines Ungeborenen solltest du daher nicht zu lange warten. Auch aus Fairness zum Betrieb wird geraten, die Information nicht zu spät weiterzugeben.

Es gibt die sogenannte Treuepflicht. Unterliegst du dieser, gilt eine Ausnahme und du musst deinen Arbeitgeber direkt informieren. Die Treuepflicht liegt beispielsweise vor, wenn du Arbeiten mit einer besonderen Gefährdung übernimmst oder ein Ersatz und dessen Einarbeitung für deine Stelle einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Dein Arbeitgeber muss die Möglichkeit haben, ausreichend Zeit für die Suche nach dem Ersatz aufbringen zu können.

Kündigung vor der Mitteilung – was dann?

Es kann passieren, dass du die Kündigung erhältst, bevor du deinen Arbeitgeber von der Schwangerschaft informieren konntest. Dennoch gilt auch für dich der Kündigungsschutz für werdende Mütter. Dafür musst du deinen Arbeitgeber jedoch innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Kündigung mit Nachweis über deine Schwangerschaft informieren. Hältst du diese Frist nicht ein, gilt die Kündigung als wirksam. Hier gibt es jedoch eine Ausnahme, die greifen kann: Wusstest du noch nichts von deiner Schwangerschaft, die vor der Kündigung bestand, kannst du die Meldung auch nachreichen und musst wieder eingestellt werden.

Wie sag ich es dem Chef?

Grundsätzlich ist es für ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber wichtig, dass du erst deinen Vorgesetzten informierst und dann andere Mitarbeiter. Wie du die Information weitergibst, kannst du selbst entscheiden. Du kannst die Schwangerschaft per Mail oder Brief, telefonisch oder auch persönlich überbringen. Sollte es zu Problemen kommen, ist es jedoch empfehlenswert, nachweisen zu können, wann du deinen Vorgesetzten informiert hast. Du kannst dir eine schriftliche Bestätigung geben lassen oder die Information zusätzlich per Einschreiben oder Mail versenden.

Natürlich kannst du auch jemanden vom Betriebsrat mit zum Gespräch nehmen. Dies ist vor allem dann eine gute Idee, wenn das Verhältnis zu deinem Vorgesetzten bereits angespannt ist und du eine Person an deiner Seite haben möchtest, die objektiv dem Gespräch beiwohnt.

Tipp: Bleib freundlich und professionell und gib deinem Vorgesetzten die Möglichkeit, seine Bedenken und Gedanken ebenfalls zu äußern.

Gut informiert – punkte mit Engagement und Wissen

Viele Arbeitgeber sind erst einmal nicht begeistert davon, wenn sie von der Schwangerschaft einer Mitarbeiterin erfahren. Das ist, aus wirtschaftlicher Sicht, verständlich. Umso wichtiger ist es, dass du deinem Arbeitgeber zeigst, wie engagiert du weiterhin bist. Dies lässt natürlich nicht jeder Beruf zu. Möglicherweise musst du versetzt werden oder erhältst ein Beschäftigungsverbot. Du kannst jedoch schon einen Plan für den Wiedereinstieg an der Hand haben.

Auch Informationen darüber, wie lange du Elternzeit nehmen wirst und ob du Interesse daran hast, während der Elternzeit in Teilzeit zu arbeiten, sind für den Vorgesetzten wichtig. Je früher er von den Plänen weiß, desto besser kann er auch planen.

Zudem solltest du dich selbst nicht unter Wert verkaufen. Es ist verständlich, dass du während der Schwangerschaft vielleicht ein wenig kürzer treten möchtest und auch nach der Elternzeit erst einmal in Teilzeit weiterarbeiten möchtest. Dies bedeutet jedoch nicht, dass du keine Verantwortung übernehmen kannst. Spricht aus unternehmerischer Sicht nichts dagegen, muss der Arbeitgeber dir diese ermöglichen. Du bist aber nicht verpflichtet, in Teilzeit zu arbeiten, sondern kannst auch direkt wieder in Vollzeit einsteigen.

Selbst wenn du dich dafür entscheidest, in Teilzeit zu arbeiten, solltest du dennoch darauf achten, private Informationen nicht mit auf die Arbeit zu nehmen. Dies gilt ebenso für die Zeit der Schwangerschaft. Damit du weiter eine Mitarbeiterin bleibst, die ernst genommen wird, ist eine berufliche Basis wichtig. Informationen über den Schwangerschaftsverlauf, die deinen Arbeitgeber oder die Kollegen nicht direkt betreffen, sowie über Termine oder Einkäufe in Bezug auf den Nachwuchs, teilst du lieber nur mit Freunden. Auf diese Weise stellst du sicher, dass du in professioneller Erinnerung bleibst.

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