Stoffwindeln als Alternative zu Wegwerfwindeln

Stören Sie die Windelberge, die Ihr Kind tagtäglich produziert, auch so sehr? Wird ein Kind heutzutage ab der Geburt ca. 3 Jahre lang gewickelt, ergibt das etwa 1,5 Tonnen Windeln pro Kind. Und obwohl die Hersteller mit Hautfreundlichkeit werben, bleibt dennoch ein ungutes Gefühl, wenn man bedenkt, dass die wenigsten Wegwerfwindeln aus natürlichen Materialien gefertigt sind. Denn ganz im Gegenteil enthalten sie meist sehr viel Chemie. Wer schon einmal an einer Pampers gerochen hat, weiß das.

Unsere Mütter haben meist noch mit Stoffwindeln gewickelt. Das war zugegeben viel Arbeit und da kamen die praktischen Pampers vor gut 40 Jahren gerade recht. Mittlerweile gibt es aber ebenso gute Alternativen, die die Umwelt weniger belasten. Wer sich erst einmal damit befasst hat, wird sich fragen, warum er sich auf den Wegwerfwahnsinn überhaupt eingelassen hat.

Vorteile und Nachteile von Stoffwindeln

Das sind die Vorteile

  • Sie sind ressourcenschonend.
  • Sie bieten wenn gewünscht natürlichere Materialien auf der Haut.
  • Sie sind mitwachsend.
  • Sie sind insgesamt viel günstiger als Wegwerfwindeln.
  • Es gibt sie in hübschen Designs.
  • Kinder werden meist schneller trocken, weil sie ihre Ausscheidungen besser wahrnehmen.

Das sind die Nachteile

  • Waschen zu müssen bedeutet Mehraufwand.
  • Der Wasserverbrauch ist höher, wenn man die Windeln separat wäscht.
  • Der Stromverbrauch ist höher, wenn man sie mit zu hohen Temperaturen wäscht.
  • Als Paket sind sie in der Anschaffung erst einmal teuer.
  • Sie machen meist einen größeren Windelpo.
  • Je nach System halten sie teilweise nicht so lange trocken wie Wegwerfwindeln.

Die verschiedenen Stoffwindel-Systeme

Der Stoffwindelmarkt wächst Schritt für Schritt und deshalb kommen mehr und mehr Anbieter dazu. Andere verschwinden wieder. Seit sich der deutsche Markt außerdem für Stoffwindeln aus dem Ausland geöffnet hat, ist die Auswahl noch weniger überschaubar geworden. Da jeder andere Anforderungen hat, werden wir keine Empfehlungen abgeben, sondern stellen lediglich die verschiedenen Systeme kurz vor.

Einteilige Systeme (All-in-One)

  • Vollwertige AiO-Windeln:
    Diese sehr leicht zu handhabenden Windeln bestehen aus einer wasserdichten Außenhülle und einer saugenden Innenschicht, die meist fest mit dem Höschen verbunden ist. Meist machen Sie einen etwas größeren Windelpo. Praktisch sind sie, aber etwas weniger anpassungsfähig als andere Systeme, da man keine Einlagen variieren kann. Beispiele sind die Blueberry Simplex und die Totbots Easyfit.

Mehrteilige Systeme

  • Wasserdichte Überhose mit saugenden Einlagen
    Bei diesem System, auch All-in-Two (AI2) genannt, sind die Überhosen von den Einlagen getrennt. Die Einlagen werden meist in eingenähte Taschen gesteckt, sodass sie nicht verrutschen. Deshalb werden sie auch Pocket-Hosen genannt. Das hat unter anderem den Vorteil, dass man sowohl die Einlagen des Herstellers als auch andere erwerben kann, oder aber eigene Einlagen z.B. aus Handtüchern oder Vliesdecken selbst zuschneiden kann. Beispiele sind Blueberry Capri oder PlanetWise.
  • Stoffhose mit wasserdichter Unterhose und saugenden Einlagen
    Auch All-in-Three (AI3) genannt, besteht diese Form aus einer Stoffhose, an die eine wasserdichte Unterhose angeknöpft ist. Dort hinein kommen Einlagen, die zusätzlich aufsaugen. Dieses System ergibt einen kleinen Windelpo. Beispiele sind die AI3 von gNappies oder der Windelmanufaktur
  • Saugende Höschen- oder Bindewindeln mit Überhose
    Diese Windeln bestehen aus stark saugenden Materialien und benötigen eine wasserdichte Überhose aus gefetteter Wolle oder PUL. Je nach Urinmenge des Kindes können sie mit Einlagen zusätzlich verstärkt werden.
    Die Windeln gibt es in Höschenform oder zum Binden. Sie machen einen recht großen Windelpo. Beispiele sind die Totbots Bamboozle, die Stoffwindeln von Storchenkinder und von Hu-Da.
  • Klassische Mullwindeln mit Überhose
    Nicht unerwähnt bleiben sollten die klassischen Mullwindeln, heutzutage meist als Spucktücher verwendet. Fast jeder hat sie zuhause. Werden sie gebunden, können sie mit Einlagen kombiniert oder zusammengelegt selbst als Einlage benutzt werden. Wichtig ist dabei, ob die Mullwindeln einzeln oder doppelt gewebt sind. Die meisten günstigen Angebote sind einfach gewebt und saugen maximal 100 ml auf. Darüber sollte in jedem Fall eine Überhose verwendet werden.

Diese Einlagen gibt es

Einlagen aus Naturmaterialien

  • Baumwolle – ist sehr hautfreundlich
  • Bambusviskose – ist sehr gut saugend, aber langsam trocknend
  • Hanf – ist sehr gut saugend, aber langsam trocknend
  • Merinowolle – ist sehr hochwertig und hautfreundlich, aber eher teuer
  • Vlies – ist günstig und gut saugend
  • Zellstoff – kann in der Toilette entsorgt werden

Einlagen aus nicht-natürlichen Materialien

  • Mikrofaser – ist sehr gut saugend, gibt die Flüssigkeit bei Druck jedoch wieder ab
  • Fleece – ist nicht-saugend, sondern leitet Flüssigkeit lediglich weg vom Körper
  • Minky – ist eine Polyester-Faser, sehr weich und gut saugend

Überhosen gibt es aus folgenden Materialien

  • PUL – luftdurchlässiges Polyurethanlaminat mit Druckknöpfen oder Klettverschluss
  • Mikrofaser – zu 100% wasserdicht und gut waschbar
  • Fleece – ein Mikrofaser-Woll-Gemisch, das zusätzlich Feuchtigkeit aufnehmen kann
  • Wolle – rückfettend und wasserdicht durch Wollfett

Nützliche Tipps für die Auswahl des richtigen Systems

Folgende Fragen sollten Sie für sich klären, bevor Sie sich für ein System entscheiden.

  • Möchte ich Naturmaterialien oder ist das egal?
  • Wie oft kann ich die Windeln wechseln?
  • Wie oft kann ich waschen?
  • Kann und möchte ich einen Wäschetrockner nutzen?
  • Wird mein Kind oft von anderen Menschen betreut?
  • Habe ich ein besonders großes oder schweres Kind?
  • Trinkt mein Kind nachts viel?
  • Habe ich mehr als ein Kind, das Windeln trägt?
  • Wie viel möchte ich maximal ausgeben?

Einen übersichtlichen Vergleich bekannter Marken nach verschiedenen Kriterien finden Sie hier: https://rubbelbatz.de/stoffwindeln-im-test/

Wenn Sie tagsüber etwa alle 3 Stunden Windeln wechseln und alle 3 Tage waschen können, benötigen Sie ca. 20 Stoffwindeln bzw. Einlagen, denn einen Tag zum Trocken müssen Sie ebenfalls einrechnen. Zur Sicherheit sollten es lieber etwas mehr sein. Je älter das Kind wird, desto weniger benötigen Sie. Die meisten Mütter brauchen abhängig vom Windelsystem etwa 3-5 Überhosen.

Wenn Sie vor den Kosten zurückschrecken, dann denken Sie ruhig über gebrauchte Windelpakete nach. Mit dem richtigen Reiniger und der optimalen Waschtemperatur sind auch diese hygienisch. Die maximale Waschtemperatur hängt allerdings vom Material der Windel bzw. der Einlage ab. Baumwolle kann gekocht werden, während zum Beispiel Mikrofaser oder Wollvlies bei niedrigerer Temperatur gewaschen werden müssen. Trocknungszeiten variieren ebenfalls stark. Mikrofaser trocknet zum Beispiel sehr schnell, während Bambus sehr lange braucht.

Sollten Sie lieber vorher einige Windelsysteme testen wollen, bestellen Sie sich doch einfach ein Probepaket oder suchen Sie eine Beraterin auf. Online werden auch telefonische Beratungen oder Facebook-Chats angeboten. In einigen Gegenden werden sogar sogenannte Stoffwindelpartys veranstaltet.

Fazit

Ob Sie sich für Wegwerf- oder Stoffwindeln entscheiden, ist natürlich Ihre Sache.
Es gibt eine britische Studie aus dem Jahre 2005 (Update 2008 – Science Report – SC010018/SR2), die die positive Ökobilanz von Stoffwindeln gegenüber Wegwerfwindeln in Frage stellt, wenn diese stets mit 90 Grad gewaschen und im Trockner getrocknet werden, was völlig unnötig wäre. Ebenso werden die meist kürzere Windelphase der Stoffwindel-Kinder sowie mögliche gesundheitliche Folgen der Polymerverbindungen in Wegwerfwindeln außer acht gelassen. Wir können nur raten, es selbst auszuprobieren. Vielleicht lohnt es sich ja auch für Sie.


Bitte bewerten Sie diesen Beitrag: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...

Ähnliche Beiträge Mehr von diesem Autor

Diesen Beitrag kommentieren

Hinweis: Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.