Mein Kind will nicht auf den Topf – Das können Sie tun

Haben Sie bereits damit begonnen, Ihr Kind auf den Topf zu setzen, weil Sie der Meinung sind, dass es dadurch schneller trocken wird? Es bleibt dort aber nicht sitzen? Vielleicht erhoffen Sie sich von diesem Artikel Tricks und Kniffe, wie Sie Ihr Kind dazu bewegen können, mit Freude auf das Töpfchen zu gehen. Die liefern wir Ihnen gern. Allerdings ist es wichtig, dass Sie vorher ein paar Dinge für sich klären. Keine Sorge, wir helfen Ihnen dabei.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es ist wichtig, die Reifezeichen zu kennen.
  • Positive Begleitung ist das A und O.
  • Zwang wirkt auf Dauer kontraproduktiv.
  • Stille Vorbilder und eine spielerische Herangehensweise helfen besser.

Die Zeichen richtig deuten

Die wichtigste Frage in diesem Kontext ist folgende: Ist Ihr Kind tatsächlich schon bereit? Haben Sie die Zeichen richtig gedeutet? Wenn ein Kind bereit ist, sauber zu werden, können aufmerksame Eltern dies an bestimmten Reifezeichen erkennen.

Reifezeichen

  1. Das Kind beginnt, sich für seine Ausscheidungen zu interessieren
  2. Das Kind zeigt echtes Interesse am Toilettengang
  3. Das Kind meldet, wenn es etwas in die Windel gemacht hat
  4. Das Kind merkt, wenn es muss
  5. Das Kind will nicht mehr gewickelt werden

Zeigt ein Kind diese Zeichen noch nicht, ist es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit körperlich und geistig noch nicht weit genug. Denn die Anlagen, die es befähigen, seine Blase und seinen Darm selbständig zu kontrollieren, müssen erst entwickelt werden. Sofern sie nicht windelfrei erzogen wurden, schaffen es Kinder mit durchschnittlich 28 Monaten, tagsüber trocken zu sein. Mit durchschnittlich 33 Monaten klappt es dann auch in der Nacht.

Allerdings gibt es sehr wohl große Abweichungen von diesen Durchschnittswerten. Vielleicht hilft es zu wissen, dass Mediziner erst ab 5 Jahren vom Einnässen sprechen. Vorher wird angenommen, dass noch nicht trockene Kinder einfach etwas länger brauchen, bis alle Sensoren und Nervenbahnen voll ausgereift und die entsprechenden Verschaltungen im Gehirn gegeben sind. Denn gerade die Beherrschung der Blase ist eine sehr knifflige Angelegenheit. Einige dazu nötige Dinge kann das Kind dann nach einem Entwicklungssprung plötzlich, andere müssen lange geübt werden.

Denken Sie, dass Ihr Kind bereit ist? Dann finden Sie unten vier Tipps, wie Sie Ihr Kind für das Thema Töpfchen doch noch interessieren können.

Wenn die Zeit noch nicht reif ist

Falls Ihnen jetzt doch Zweifel gekommen sind, hilft es zu überlegen, woher die Annahme kam, dass Ihr Kind nun sauber werden sollte. Meist sind es die vielen Erzählungen der älteren Generationen, die sich tief im Kopf verankert haben. In der Erinnerung waren deren Kinder alle schon mit einem Jahr komplett trocken. Dass dies selten stimmte, wird vergessen, da unser Langzeitgedächtnis größtenteils die positiven (und die sehr negativen) Erlebnisse speichert.
Es gibt Schweizer Langzeitstudien (Remo Largo, Longitudinal- und Generationenstudien), die Kinder aus den 50er/60er Jahren mit solchen aus den 80ern verglichen haben. Mitte des vergangenen Jahrhunderts versuchten Mütter ihre Kinder mit aller Kraft so früh wie möglich trocken zu bekommen. Sie wurden schon früh abgehalten und, sobald sie sitzen konnten, auf den Topf gesetzt. Verständlich, da man Windeln sparen musste, die sonst mühsam mit der Hand gewaschen werden mussten. In den 80ern gab es zumindest in weiten Teilen Europas schon Wegwerfwindeln. Eltern verschoben den Beginn des Sauberkeitstrainings teilweise um ganze 14 Monate nach hinten. Erstaunlicherweise unterschieden sich die Ergebnisse so gut wie nicht. Die Kinder wurden so oder so durchschnittlich mit 30 Monaten trocken.

Schadet es denn, ein Kind schon früh auf den Topf zu setzen?
Das kommt ganz darauf an. Wenn das Kind Freude daran hat und von sich aus gern möchte, warum nicht? Allzu viel erwarten sollte man jedoch nicht. Wenn es aber in Zwang ausartet, weil das Kind zum Beispiel so lange sitzen soll, bis etwas kommt, dann kann das Ganze doch ziemlich ins Gegenteil umschlagen. Das Kind blockiert und wird unter Umständen durch die negativen Erfahrungen viel später trocken als seine Kameraden. Außerdem kann das regelmäßige Topfen dazu führen, dass das Kind nicht merkt, wie sich eine volle Blase anfühlt, selbst wenn es körperlich dazu bereits in der Lage wäre. Es lernt stattdessen, bei Bedarf ein paar Tropfen zu entleeren. Auch eine wichtige Erfahrung, aber nicht die einzige, die zu vollständiger Blasenkontrolle dazu gehört.

4 Tipps, wie es mit dem Töpfchen klappt

Wenn Sie glauben, dass Ihr Kind tatsächlich bereit ist, sauber zu werden, sich aber bisher gegen den Topf gewehrt hat, können Sie Folgendes versuchen:

  • Tipp #1 – Das Thema vorerst ruhen lassen

Eventuell haben Sie es vorher etwas übertrieben und Ihr Kind unter Druck gesetzt, auch wenn Sie es sicherlich nur gut gemeint haben. In einem solchen Fall hilft es, das Thema Trockenwerden erst einmal ruhen zu lassen. Wenn Sie sich ein paar Monate lang anderen Dingen zuwenden, hilft dies meist, dass nach einer Weile das natürliche Interesse des Kindes zurückkehrt. Es wird dann ganz von selbst wieder davon anfangen. Vertrauen Sie in Ihr Kind.

  • Tipp #2 – Das Kind andere Kinder beim Toilettengang beobachten lassen

Manchmal helfen Vorbilder. Selbst wenn Ihr Kind jedes Mal zugucken darf, wenn Sie die Toilette benutzen, ist das kein so starker Anreiz, wie andere Kinder im gleichen Alter oder nur ein wenig älter dabei beobachten zu dürfen, wie sie die Toilette (oder den Topf) benutzen. Man sollte die Wirkung des „Ich will auch!“ nicht unterschätzen 😉

  • Tipp #3 – Gemeinsam Bilderbücher zum Thema anschauen

Wenn Ihr Kind Bücher mag, schaffen Sie sich ein paar Bilderbücher mit kurzen Geschichten zum Thema an und schauen Sie sie zusammen mit Ihrem Kind gelegentlich an. Am besten ist es, wenn sich Ihr Kind mit den Hauptfiguren identifizieren kann. Es sollten sich in diesem Fall also nicht um Tiere, sondern um Menschenkinder handeln. Bücher helfen auch, um die Abläufe auf der Toilette zu verbildlichen. So wird zum Beispiel das wichtige Händewaschen spielerischer näher gebracht, als wenn Mama streng darauf bestehen muss, selbst wenn das Kind keine Lust dazu hat.

  • Tipp #4 – Toilettenaufsatz mit Treppe statt des Topfes anbieten

Wenn Ihr Kind eigentlich Lust hat, ohne Windel herumzulaufen, aber den Topf ablehnt, gehört es vielleicht zu der besonders unabhängigen Sorte, die lieber gleich ganz groß sein wollen. Wenn es bereits gut klettern kann, bieten Sie in diesem Fall doch einfach einen Toilettenaufsatz an, der sich zum Beispiel über eine Treppe mit Griffen oder einen entsprechenden rutschfesten Tritt gut erreichen lässt. Mit etwas Übung kann Ihr Kind dann schneller zu den Großen gehören, anstatt wie ein Baby auf dem kleinen Topf sitzen zu müssen 😉

Von allzu spielerisch gestalteten Topf-Modellen, wie zum Beispiel Töpfen mit Lenkrad oder Musik, raten wir eher ab. Denn das Kind soll schon merken, wozu der Topf da ist. Sonst verbringt es Stunden darauf, ist aber viel zu abgelenkt, um seine Körpersignale richtig wahrnehmen zu können.

Fazit

Beim Thema Trockenwerden ist es also wichtig, auf die Reifezeichen zu achten, bevor man überhaupt damit beginnt, einen Topf anzubieten. Beginnt man zu früh oder übertreibt man es, kann es passieren, dass das Kind das Interesse verliert, weil ihm der entstandene Druck unangenehm ist. Dann hilft nur, das Thema vorerst ruhen zu lassen und es erst dann wieder spielerisch zu probieren, wenn das Kind tatsächlich soweit ist. Aber keine Sorge, das wird schon!


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