Eingewöhnung in die Kita: Ablauf & Hinweise

Für Eltern und Kinder ist es ein großer Schritt, wenn der Besuch im Kindergarten beginnt. Wann der Einstieg in die Kita durchgeführt wird, ist eine ganz individuelle Entscheidung. In jedem Alter des Kindes ist es jedoch wichtig, dass es eine gute Eingewöhnung bekommt und sich so von Beginn an wohlfühlen kann. Man unterscheidet grundsätzlich das Berliner und Münchner Modell bei der Eingewöhnung. Was man darunter versteht und worauf du achten solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Das Berliner Modell als Grundlage für die Eingewöhnung

Viele Kitas und Kindergärten arbeiten bei der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell. Dieses setzt sich aus vier Phasen zusammen:

  1. Die dreitägige Grundphase

Zu Beginn der Besuche in der Kita steht die dreitägige Grundphase. Dein Kind wird, gemeinsam mit anderen Kindern, für ein bis zwei Stunden im Gruppenraum sein, kann hier spielen und alles beobachten. Dabei sind Mama oder Papa mit an der Seite des Kindes. Wichtig ist, dass die Eltern einen passiven Part übernehmen. Sie geben ihrem Kind Nähe und Sicherheit, schenken ihm ihre Aufmerksamkeit und stehen zur Verfügung, wenn die Unsicherheit zunimmt.

In dieser Phase haben die Erzieher die Aufgabe, mit dem Kind in Kontakt zu treten. Sie bieten ihm Spielmöglichkeiten an, laden es ein, sich gemeinsam ein Buch anzusehen oder den Gruppenraum zu erkunden. Der Kontakt wird vorsichtig hergestellt, das Kind nicht gedrängt.

Wichtig: Die ersten drei Tage sind frei von einem Trennungsversuch!

  1. Der erste Trennungsversuch

Hat dein Kind die ersten drei Tage gut aufgenommen, kann am vierten Tag der erste Trennungsversuch starten. Dies wird jedoch nur dann empfohlen, wenn der vierte Tag kein Montag ist. Nach dem Wochenende sollte deinem Kind noch einmal die Möglichkeit gegeben werden, unter der Sicherheit von Mama oder Papa in den Gruppenraum zu gehen. In diesem Fall wird der erste Trennungsversuch erst am fünften Tag durchgeführt.

Mama oder Papa verabschieden sich von dem Kind und gehen vor die Tür des Raumes. Du bleibst zu Beginn erst einmal nur wenige Minuten weg und verlässt die Einrichtung nicht. Dein Kind wird in der ersten Trennungssituation zeigen, wie die Eingewöhnung fortgeführt werden kann. Bleibt es entspannt und reagiert gut auf die Erzieher, darf die Trennungsphase bis zu einer halben Stunde dauern. Weint dein Kind, lässt sich jedoch gut von einem Erzieher beruhigen, muss die Trennungszeit nicht unterbrochen werden. Wenn dein Kind jedoch durch die Trennung sehr stark verstört ist oder es nicht möglich ist, dein Kind zu trösten, müssen Mama oder Papa wieder in den Gruppenraum kommen.

  1. Die Stabilisierungsphase

Ebenfalls ab dem vierten Tag beginnt die Stabilisierungsphase. Die Aufgabe der Erzieher ist es nun, das Kind zu versorgen und damit die Aufgaben zu übernehmen, die bei den Eltern liegen. Er oder sie bietet sich dem Kind als Ansprechpartner an für Spiele oder bei Sorgen. Er füttert es und wickelt es, wenn es sich um ein Kleinkind handelt. Bei älteren Kindern wird die Zeit im Kindergarten bis zum Mittagessen ausgedehnt.

In den folgenden Tagen wird die Trennungszeit nach und nach verlängert, wenn das Kind diese gut aufnimmt. Ab wann angeboten wird, es mit Mittagsschlaf zu probieren, liegt in der Entscheidungskraft von Eltern und Erziehern.

  1. Die Schlussphase

Den Abschluss bildet die Schlussphase. Hier kannst du nun die Kita verlassen, solltest jedoch immer erreichbar sein und die Kita auch schnell erreichen. Wird der Erzieher als Ansprechpartner und als sicherer Hafen in der Gruppe von deinem Kind akzeptiert, ist die Eingewöhnung abgeschlossen.

Hinweis: In vielen Kitas wird darauf geachtet, dass die Eingewöhnungszeit nur halbtags durchgeführt wird und möglichst in den Randzeiten stattfindet. Hier sind die Gruppen nicht so voll und dein Kind wird nicht von Beginn an durch zu starke Reize verunsichert oder überfordert. Auch der Erzieher hat dann mehr Zeit für dein Kind.

Wie lange dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell?

Wie lange die Eingewöhnung andauert, ist bei jedem Kind individuell. Das Berliner Modell ist so konzipiert, dass es an dein Kind angepasst werden kann. Einige Kinder brauchen nur eine sehr kurze Zeit für die Eingewöhnung. Sie nehmen direkt Kontakt mit der Bezugsperson auf und fühlen sich wohl. Andere Kinder haben einen langsamen Start. Wichtig ist es jedoch, das Vertrauen des Kindes nicht zu verletzen und es nicht einfach in der Gruppe zurückzulassen. Daher wird Eltern geraten, sich ausreichend Zeit für die Eingewöhnung zu nehmen.

Grundsätzlich wird sich bei der ersten Trennungsphase zeigen, wie lange die Eingewöhnung dauert. Wenn dein Kind nicht aktiv auf die Suche nach dir geht, sich gut von der Bezugsperson in der Gruppe trösten lässt oder gar keinen Trost benötigt, kann die Phase der Eingewöhnung nach etwa sechs Tagen abgeschlossen werden.

Hat dein Kind jedoch große Probleme mit der Trennung, weint viel, sucht nach deiner Rückkehr verstärkten Körperkontakt, sollte der Trennungsversuch erst nach einigen Tagen wiederholt werden. Die Phase der Eingewöhnung wird auf zwei bis drei Wochen verlängert und dabei individuell entschieden, wie es weitergeht.

Das Münchener Eingewöhnungsmodell als Grundlage für die Eingewöhnung

Eine weitere Variante für die Eingewöhnung ist das Münchener Eingewöhnungsmodell. Im Vergleich zum Berliner Modell, das auf der Basis der Bindungs- und Hirnforschung erstellt wurde, konzentriert sich das Münchener Modell zusätzlich auf Erkenntnisse, die in der Transitionsforschung gemacht wurden. Das Kind wird als stärkster Punkt bei der Eingewöhnung gesehen. Es wird davon ausgegangen, dass nicht nur eine Bezugsperson in der Kita notwendig ist, sondern dein Kind sich auch an mehrere Bezugspersonen gewöhnen kann. Dies soll es deinem Kind leichter machen sich in der Kita wohlzufühlen, wenn der Erzieher aus der Gruppe krank oder im Urlaub ist. Die Phasen in diesem Modell sind:

  1. Die Schnupperwoche

In der Schnupperwoche gehst du gemeinsam mit deinem Kind in die Kita und begleitest es durch den Vormittag oder den Nachmittag. Du und dein Kind lernt dabei den gesamten Kindergarten und alle Fachkräfte kennen. Die Erzieher nutzen die Schnupperwoche, um dein Kind einzubeziehen und so herauszufinden, wo die Interessen liegen.

  1. Der erste Trennungsversuch

Ab dem sechsten Tag kann der erste Trennungsversuch durchgeführt werden. Lässt sich dein Kind gut beruhigen und nimmt diesen Versuch entspannt auf, wird die Trennungszeit ausgedehnt. Ist dies nicht der Fall, bleibst du als Bezugsperson noch ein wenig länger vor Ort.

Auch das Münchener Modell lässt sich individuell an das Kind anpassen. Durch die Elterngespräche während der Eingewöhnungszeit bist du nah an deinem Kind und kannst auf die Situation gut reagieren. Du stehst in einem ständigen Kontakt mit den Fachkräften, sodass die Eingewöhnung für alle Beteiligten stressfrei durchgeführt werden kann.

Die entwicklungsorientierte und individuelle Eingewöhnung als wichtiger Faktor

Natürlich kann es gut sein, dass dir die Zeit im Nacken sitzt und du nur noch wenige Tage hast, bis du nach dem Start der Kita wieder arbeiten musst. Gerade in der Eingewöhnung ist eine entwicklungsorientierte Vorgehensweise jedoch besonders wichtig. Damit dein Kind eine Vertrauensbasis aufbauen kann und sich auf die Kita oder den Kindergarten einlässt, sollte kein Druck entstehen.

Eine gute Kita lädt dich zu einem ausführlichen Vorgespräch ein und informiert dich über das Modell der Eingewöhnung. Teilweise wird dieses Modell durch den Träger vorgegeben, teilweise kann es von der Einrichtung selbst festgelegt werden. In einigen Einrichtungen gibt es auch schon einige Wochen vor dem eigentlichen Start Schnuppertage. Hier kannst du gemeinsam mit deinem Kind zu Besuch kommen und es den Alltag in der Kita beobachten lassen.

Im Fokus steht natürlich auch das Alter deines Kindes. Erfolgt die Eingewöhnung mit einem Jahr, braucht dein Nachwuchs andere Angebote, als wenn es erst mit zwei oder drei Jahren in den Kindergarten kommt. Daher sind die Eingewöhnungsmodelle so konzipiert, dass sie für jedes Kind optimal ausgelegt werden können.

Empfohlen wird, dass nicht mehr als zwei Kinder gleichzeitig eingewöhnt werden. Wie das in der von dir ausgewählten Kita gehandhabt wird, erfragst du einfach vor Ort.

Was Eltern für eine erfolgreiche Eingewöhnung tun können

Es gibt Erzieher die darauf hinweisen, dass bei einer Eingewöhnung oft nicht die Kinder, sondern die Eltern das Problem sind. Das ist durchaus nicht verkehrt. Deren Einstellung ist entscheidend dafür, wie das Kind in der Kita ankommt. Wenn du selbst Probleme hast, dich von deinem Kind zu lösen, wird es diese Unsicherheit spüren und sie übernehmen. Auch wenn du einer Fremdbetreuung generell oder der Kita im Speziellen gegenüber skeptisch eingestellt bist, ist das wenig hilfreich. Reflektiere deine Gefühle und frage dich, warum du unsicher bist. Wenn du das Gefühl hast, dass die Betreuung in der Kita nicht deinen Wünschen in Bezug auf die Erziehung entspricht, solltest du mit den Fachkräften sprechen. Bedenke dabei jedoch auch, dass die Situation in der Kita generell ganz anders ist, als bei dir zu Hause. Gib deinem Kind die Möglichkeit, sich darauf einzulassen und an der Erfahrung zu wachsen.

Hinweis: Viele Familien planen die Elternzeit so, dass die Eingewöhnung durch den Papa durchgeführt wird. Dies hat den Hintergrund, dass Mütter häufig größere Probleme haben, sich zu lösen und ohne Unsicherheit an die Eingewöhnung zu gehen. Möglicherweise ist dies auch für dich eine gute Option. In jedem Fall sollte die Eingewöhnung immer von der gleichen Person durchgeführt werden und nicht an einigen Tagen von Mama und mal von Papa.

Tipp 1: Nimm dir ausreichend Zeit

Natürlich ist es leicht gesagt, sich viel Zeit für die Eingewöhnung zu nehmen. Tatsächlich ist dies für dein Kind jedoch ganz besonders wichtig. Bist du gestresst, wirst du unruhig und das wirkt sich auf das Kind aus. Plane ruhig bis zu vier Wochen für die Eingewöhnung ein. Weißt du bereits vorher, wann der Kitastart ist, kannst du dich leichter mit deiner Arbeitsstelle kurzschließen und die Elternzeit möglicherweise noch durch Urlaub verlängern. Natürlich kann es sein, dass dein Kind bereits nach wenigen Tagen angekommen ist. Dennoch freut sich der Nachwuchs, wenn er in den ersten Wochen schon nach einigen Stunden wieder abgeholt wird und du kannst nach einer gelungenen Eingewöhnung entspannt zur Arbeit gehen.

Tipp 2: Der Austausch mit den Erziehern als wichtiger Faktor

Eine weitere wichtige Basis für die Eingewöhnung ist der ständige Austausch mit den Fachkräften. Suche den Kontakt, nimm die Hinweise an und gib selbst auch Tipps, wo die Interessen deines Kindes liegen und wie es sich möglicherweise besonders gut beruhigen lässt. Sieh die Erzieher nie als Konkurrenz, sondern als einen wichtigen Hafen für dein Kind. So nimmst du allen Beteiligten den Druck.

Tipp 3: Wirke positiv auf dein Kind ein

Einer der wichtigsten Punkte bei der Eingewöhnung ist die positive Verstärkung. Animiere dein Kind, sich in der Gruppe umzusehen, binde die Fachkräfte ein, wenn du dein Kind wickelst und zeige dich der Kita gegenüber offen. Du kannst auch zuhause immer wieder positiv über die Kita und die Erzieher sprechen. So sorgst du für eine positive Grundstimmung, die sich auf dein Kind überträgt und es ihm einfacher macht, mit der ungewohnten Situation umzugehen.

Welche Erfahrungen hast du bei der Kita Eingewöhnung gemacht? Schreib es uns in die Kommentare! 


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