Tipps für eine sanfte Kita-Eingewöhnung

Es ist soweit! Sie können oder wollen Ihr Kind nicht mehr ausschließlich zuhause betreuen und machen sich Gedanken, wie Sie ihm den Übergang erleichtern können? Dieser Artikel wird Ihnen dabei helfen.

Frühkindliche Fremdbetreuung

Spätestens seit die meisten Frauen nicht mehr ausschließlich für die eigene Familie arbeiten können oder wollen, gibt es sogar schon für die ganz Kleinen verschiedene Möglichkeiten der Fremdbetreuung.

Dabei wird leicht vergessen, dass diese Art der Betreuung eigentlich nicht dem entspricht, wie die Menschen seit Urzeiten gelebt haben. Früher wuchsen Kinder im engsten Kreis der Familie auf, hatten feste Bezugspersonen und entdeckten erst nach und nach ihre Welt in ihrem ganz eigenen Tempo. Fremdbetreuung dagegen bedeutet eine höhere Belastung – also Stress, mit dem gerade Kleinkinder noch schlecht umgehen können.

Die meisten Kinder können sich dennoch an eine Betreuung außerhalb der Familie gewöhnen, aber sie benötigen dafür Zeit. Ob die Trennung von den ihnen vertrauten Bezugspersonen hart oder sanft vollzogen wurde, kann sich durchaus auf ihr späteres Leben auswirken. Daher ist eine sanfte Eingewöhnung sehr wichtig. Diese Erkenntnis aus der kinderpsychologischen Forschung ist mittlerweile auch in den meisten Betreuungseinrichtungen angekommen.

Die sanfte Ablösung

Seit seiner Geburt konnte das Kind im Idealfall davon ausgehen, dass seine liebsten Menschen – im Normalfall die Mutter – ständig verfügbar waren, wenn es Hunger oder Durst hatte, müde war oder einfach nur Nähe brauchte. Mit der Zeit ist dadurch eine enge Bindung zur Hauptbezugsperson entstanden. Diese Bindung ist sehr wichtig, um später genügend Selbstvertrauen aufzubauen, das für ein gesundes und erfolgreiches Leben so nötig ist.

Dieses Vertrauen kann jedoch wieder zerstört werden und sollte daher nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Daher ist keine abrupte Trennung, sondern eine sanfte Ablösung von der/den Hauptbezugsperson(en) anzustreben. Dem Kind wird so genug Zeit gegeben, erst eine gute Bindung zur Betreuungsperson aufzubauen, bevor die Trennung von der Hauptbezugsperson erfolgt.

Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“

In Kitas und anderen Betreuungseinrichtungen wird bei der Eingewöhnung mittlerweile oft nach dem „Berliner Modell“ vorgegangen. Dieses sieht vor, eine tragfähige Bindung zur (Haupt-)Betreuungsperson aufzubauen, während die Bezugsperson, die die Eingewöhnung durchführt, anwesend oder in der Nähe ist.
Dabei lernen sich Kind und Betreuungsperson 3 Tage lang während des gemeinsamen Spiels kennen. Am vierten Tag erfolgt der erste kurze Trennungsversuch. Gelingt es der Betreuungsperson, das Kind zu beruhigen oder kommt es gut mit der Trennung klar, wird die Trennungszeit nach und nach verlängert, bis die Normalbetreuungszeit erreicht ist. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind die Betreuungsperson als „sicheren Hafen“ akzeptiert und die Gewissheit erlangt hat, dass Mama oder Papa immer wieder zurück kommen.
Jedes Kind reagiert dabei anders, daher sollte die Dauer der Eingewöhnung ganz den Bedürfnissen des Kindes angepasst werden.

Das Berliner Modell geht je nach Bindungstyp des Kindes zu seinen Eltern von 1-3 Wochen aus. Die Praxis zeigt allerdings, dass eine Eingewöhnung durchaus auch 2-3 Monate dauern kann. Richtig eingewöhnt ist ein Kind erst nach einem halben Jahr! Vorher kann es immer wieder kleinere Rückschläge geben.
Sie kennen Ihr Kind am besten. Wenn ihr Kind sehr eng an Sie gebunden ist, planen sie lieber zu viel Zeit ein als zu wenig. Die Bindungsintensität zeigt sich meist schon im ersten Lebensjahr, vertrauen Sie auf Ihr Gefühl!

So erleichtern Sie Ihrem Kind die Eingewöhnung

Unabhängig davon wie sicher oder unsicher Ihr Kind an Sie gebunden ist, können Sie früh schon einiges tun, um ihm den Start zu erleichtern:

  • Sofern der Vater verfügbar ist, binden Sie ihn früh in die Betreuung des Kindes ein. Er dient als sogenanntes „Loslösungsvorbild“, indem er Ihrem Kind die Sicherheit gibt, dass seine Grundbedürfnisse auch von jemand anderem als der Hauptbezugsperson befriedigt werden können und es sich dabei wohlfühlt.
  • Sind Sie alleinerziehend oder arbeitet der Vater viel, versuchen Sie die Großeltern oder andere enge Verwandte oder Freunde mit einzubinden. Auch ein fester Babysitter käme dafür infrage. Eine langsame Gewöhnung ist aber auch hier wichtig!
  • Kinder, die vorher von einer Tagesmutter betreut wurden, haben es in der Regel ebenfalls leichter, später in eine größere Betreuungseinrichtung zu wechseln.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Zeitpunkt des Eintritts in die Betreuung. Anderthalbjährige Kinder, die keine Fremdbetreuung gewöhnt waren, tun sich manchmal schwerer als unter-Einjährige. Ab 3 Jahren sind die meisten Kinder in der Lage, ohne lange Eingewöhnung auszukommen, weil sie zum einen besser verstehen, was die Eltern mit ihnen besprechen und zum anderen bereits Wege zur Stressbewältigung entwickelt. haben.

Läuft die Eingewöhnung bereits, gibt es auch ein paar Dinge, die Sie beachten können:

  • Die Eingewöhnung sollte nur von einer Person durchgeführt werden. Manchmal ist es leichter für das Kind, wenn der Vater das übernimmt, weil er meist nicht die Hauptbezugsperson ist und die Trennung damit leichter fällt.
  • Verabschieden Sie sich immer, auch wenn das Kind eventuell gerade abgelenkt ist. Das stärkt das Vertrauen zu Ihnen.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, wann es abgeholt wird. Selbst wenn es noch nicht gut sprechen kann, wird es Sie vielleicht schon verstehen, also z.B. „Nach dem Mittagsessen“ oder „Nach dem Schlafen“. Seien Sie dann zuverlässig auch wie vereinbart da!
  • Begrenzen Sie die Betreuungszeit soweit es geht. Wenn Sie nicht gleich Vollzeit arbeiten müssen, dann lassen Sie das Kind auch nicht zu lange in der Betreuungseinrichtung.
  • Wenn sich Ihr Kind ungern von anderen ins Bett bringen lässt, dann zögern Sie das Schlafen in der Kita so weit wie möglich hinaus. Das Einschlafen ist ein sehr sensibler Moment, der das zarte Band zur Betreuungsperson wieder zerstören kann, wenn sich das Kind z.B. in den Schlaf weinen muss.
  • Geben Sie Ihrem Kind nachmittags/abends besonders viel Wärme. Dies bestärkt es in seinem Wissen, dass es zuhause gewollt ist und „gesehen“ wird. Sonst könnte es das Gefühl bekommen, dass es abgeschoben werden soll.

Warum hat mein Kind mehr Probleme als andere?

Sie haben alles getan, was Sie konnten und die Eingewöhnung läuft dennoch mehr als holprig? Ihr Kind weint viel oder lässt sich gar nicht beruhigen?

Nur weil das Kind Ihrer Bekannten morgens freudestrahlend in die Arme der Betreuerin läuft, während Ihres an Ihrem Bein hängt und weint, heißt das nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Kinder sind unterschiedlich! Eventuell ist Ihr Kind einfach sicher gebunden und hat anfangs mehr Probleme, während das andere später Probleme bekommen wird, wenn niemand mehr damit rechnet. Kinder, die sich in der Kita gleich ohne Probleme einordnen und still vor sich hinspielen, haben manchmal eine unsichere Bindung zu den Eltern und gelernt, ihre Gefühle nicht zu zeigen.

Oder aber Ihr Kind ist schlichtweg sensibler als andere und daher leichter überreizt/überfordert. Dies erscheint zwar auf den ersten Blick als Schwäche, kann aber im Erwachsenenalter durchaus von Vorteil sein (Stichwort: Hochsensibilität). Erwarten Sie von Ihrem Kind nicht zu viel! Vielleicht können sie mit der Betreuungsperson eine ruhigere Zeit zum Abgeben vereinbaren.

– Ist Ihr Kind ein Stillkind?

Stillkinder haben oft mehr Probleme mit der Ablösung, vor allem, wenn die Mutter während des Kitaeintritts immer noch stillt. Nichtsdestotrotz ist der Wert des Stillens aus vielen Gründen (z.B. Stärkung des Immunsystems auch im zweiten Lebensjahr) enorm und es sollte nicht ausschließlich wegen der Eingewöhnung eingestellt werden. Ihr Kind braucht dann eben einfach etwas länger!

– Ist Ihr Kind ein Einzelkind?

Kinder mit älteren Geschwistern haben es meist leichter. Aber auch dort bestätigen Ausnahmen die Regel!

– Gab es zuhause gerade eine Veränderung?

Das kann ein neues Geschwisterchen oder ein Umzug oder sogar Urlaub des Vaters etc. sein. In diesen Fällen ist das Kind sowieso schon verunsichert und reagiert deshalb auf erneute Veränderung stärker als andere.

– Steckt Ihr Kind gerade in einer schwierigen Phase?

Wenn sich ein Kind unwohl fühlt zum Beispiel wegen eines Wachstumsschubes, Entwicklungssprunges, der Zähne, einer nahenden Erkältung oder Ähnlichem braucht es die Nähe seiner Bezugspersonen mehr, als zu anderen Zeiten. Diese Phasen gehen vorbei, aber die Eingewöhnung sollte in diesem Fall verlängert werden.

Manchmal lief die Eingewöhnung auch erst prima und nach einigen Wochen geht nichts mehr. Das könnte daran liegen, dass die anfängliche Neugier verflogen ist und das Kind erst jetzt realisiert hat, dass es jetzt jeden Tag in die Kita gehen MUSS.
Wie bereits gesagt, Sie kennen Ihr Kind am besten und können sein Weinen besser deuten als jede fremde Person. Ist es nur etwas traurig oder richtig verzweifelt? Zögern Sie im letzten Fall nicht, die Eingewöhnung langsamer anzugehen, sofern das die Betreuungseinrichtung zulässt. Nach einigen Wochen klappt es dann bestimmt besser. Handeln Sie ausschließlich nach Ihrem Gefühl und lassen Sie sich nichts einreden.

Es gibt sogar Kinder, die erste Monat später all die Trauer und Wut zeigen, die man anfangs erwartet hätte.

– Hat die Betreuungsperson gewechselt?

Ist die neue Bezugsperson auf einmal wegen Krankheit, Urlaub etc. nicht mehr verfügbar, kann das das Kind um Wochen zurück werfen. Hier ist es sinnvoll, wenn sich noch eine zweite Betreuungsperson recht früh zur Verfügung stellt, damit das Kind im Notfall auf diese zurückgreifen kann.

– Mag das Kind die Betreuungsperson nicht?

Auch das kann vorkommen. Kinder haben ebenso Ihre Abneigungen wie Erwachsene. Sollten Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Kind von anderen Betreuungspersonen besser beruhigen lässt, suchen Sie das Gespräch, denn hier ist falscher Ehrgeiz der Betreuerin fehl am Platz. Vielleicht kann Ihr Kind ja von einer anderen Betreuungsperson übernommen werden, mit der es besser klarkommt.

So reagieren Sie auf festgefahrene Meinungen

Wenn es nicht rund läuft, muss man sich oft einiges anhören.
Wir liefern Ihnen ein paar Argumente, um sich diplomatisch dagegen wehren zu können.

„Das Kind schreit, weil die Mutter nicht loslassen kann.“
Das stimmt durchaus in manchen Fällen, aber nicht immer. Oft ist es auch einfach das Bauchgefühl der Mutter, die merkt, dass das Kind noch nicht bereit ist und es deshalb nicht schreien lassen will.

„Ein Kind muss schreien, es muss ja seinen Schmerz loswerden.“
Wenn Kinder noch nicht sprechen können, müssen sie Schmerzen, Ängste oder Unwohlsein durch Weinen äußern, das ist richtig. Allerdings ist das Ziel einer sanften Eingewöhnung eben, dass das Kind keinen oder nur wenig Trennungsschmerz empfindet. Kurzes Weinen is okay, aber exzessives Schreien nicht! Den Unterschied merkt eine Mutter, die dem Kind zugewandt ist.

„Das Kind muss da durch, das mussten wir alle.“
Mittlerweile gibt es Studien, die zeigen, dass sich harte Trennungen von den Eltern sowohl auf die Gesundheit als auch auf Psyche und soziales Verhalten im späteren Leben auswirken können. Frühere Methoden, wie das Kind einfach schreien zu lassen oder ohne Eingewöhnung abzugeben, sind veraltet und basieren auf Unwissenheit in der damaligen Zeit. Leider sind diese Vorgehensweisen aus manchen Köpfen nicht herauszudiskutieren.

„Das Kind schreit, weil es Sie manipulieren will.“
Das ist so nicht richtig. Sicherlich hat das Kind das starke Verlangen, dass seine Bezugsperson zurückkommt. Aber Absicht und Boshaftigkeit zu unterstellen, ist hier verkehrt.

„Ach das beruhigt sich schon wieder irgendwann.“
Das stimmt, sagt aber nichts darüber aus, wie es dem Kind damit wirklich geht. Es kann unter enormem Stress stehen, ohne dass dies bemerkt wirkt. Lässt man Kinder schreien, resignieren sie früher oder später und lernen so, keine Gefühle mehr zu zeigen. Das ist auf Dauer nicht gesund.

Was tun, wenn die Eingewöhnung fehlschlägt?

Sollte sich Ihr Kind auch nach vielen Wochen nicht beruhigen lassen, denken Sie darüber nach, die Elternzeit zu verlängern, sollte dies Ihr Arbeitgeber zulassen. Selbst wenn Sie dann finanzielle Einbußen haben, lohnt es sich auf lange Sicht dennoch. Drei Monate später kann die Eingewöhnung noch einmal probiert werden. Dann sollten auch eventuelle Traumata überwunden sein.

Sollte dies keine Option sein und auch sonst niemand wie z.B. die Großeltern zur Verfügung stehen, dann denken Sie über den Wechsel zu einer Tagesmutter nach. Diese betreuen in der Regel weniger Kinder in einem eher familiären Rahmen. Auch wenn es schwer ist, Plätze zu bekommen, hat das Jugendamt eventuell noch Informationen über freie Plätze. Sofern Sie die finanziellen Mittel haben, können Sie eventuell auch einen Babysitter fest einstellen.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kind alles Gute für die spannende Zeit der Eingewöhnung!


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