Dammschnitt: Das solltest du darüber wissen

Gehörst du zu den Frauen, die Angst vor der Geburt haben, weil sie vielleicht einen Dammschnitt brauchen könnten? Wir erklären, warum du dir keine allzu großen Sorgen machen musst. Dazu gibt es Tipps, wie du vorbeugen kannst und wie du deinen Damm nach der Geburt am besten pflegst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Dammschnitt wird heute seltener gemacht als früher.
  • Normale Dammrisse heilen meist schneller als ein Dammschnitt.
  • Die Dammschnittrate ist abhängig vom Geburtsort.
  • Durch bestimmte Maßnahmen in der Schwangerschaft und Dammschutz während der Geburt reißen Frauen weniger.
  • Durch Schonung und die richtige Dammpflege heilen Wunden schneller.

Dammriss oder Dammschnitt?

Wenn Babys Köpfchen nicht durch die Vagina passt, kann der Damm einreißen. Der Damm ist das Stück zwischen dem unteren Ende der Vagina und dem After. Das passiert vor allem dann, wenn das Gewebe nicht nachgiebig genug oder die Scheide zu eng ist. Auch wenn die Geburt sehr schnell von statten geht, sind Dammrisse häufiger. Wie sehr das Gewebe einreißt, lässt sich vorher schlecht einschätzen.

Weil sich Risse so schlecht kontrollieren lassen, wurden früher 9 von 10 Frauen rein vorsorglich von der Scheide Richtung After „geschnitten“ und anschließend genäht. Das ist heute nicht mehr so. Meist muss es gute Gründe geben, um einen Schnitt zu setzen. Denn man weiß heute, dass ein Dammschnitt langsamer verheilt als ein Dammriss.

Es lohnt sich jedoch bei der Besichtigung deines Wunschkrankenhauses nachzufragen. Denn die Dammschnittrate variiert von Geburtsort zu Geburtsort immer noch stark. Krankenhäuser, die Risikogeburten betreuen, haben naturgemäß meist eine höhere Rate. Trotzdem kannst du im Gespräch mit einer Hebamme herausfinden, wie es außerhalb von Notfällen gehandhabt wird.

Wann ist ein Dammschnitt wirklich nötig?

Im Normalfall wird ein Dammschnitt – auch Episiotomie – heute nur gemacht, wenn triftige Gründe dafür vorliegen. Bei Frühchen-Geburten kann er sinnvoll sein, damit das noch unreife Köpfchen möglichst wenig belastet wird. Wenn bei einer Geburt eine Zange oder eine Saugglocke zum Einsatz kommen muss, ist er ebenfalls nötig. Auch wenn die Geburt beschleunigt werden muss, weil sich die Herztöne verschlechtern, hilft ein Dammschnitt, die Pressphase zu verkürzen.

Der Dammschnitt muss nicht unbedingt am Damm gesetzt werden. Manchmal schneiden Ärzte oder Hebammen auch seitlich nach unten von der Vagina weg. Welche Methode wenn überhaupt zum Einsatz kommt, hängt ganz von den Vorlieben und Erfahrungen des Schneidenden ab.

Sobald Baby und Plazenta geboren sind, wird die Wunde unter örtlicher Betäubung vernäht. Das dafür verwendete Material ist viel dünner als früher und löst sich von selbst auf. Es müssen also keine Fäden mehr „gezogen“ werden. Die Fadenenden mit den Knoten fallen irgendwann von selbst ab, wenn sie die Hebamme nicht vorher entfernt.

Tut ein Dammschnitt weh?

Die wenigsten Frauen spüren es, wenn der Schnitt gesetzt wird oder wenn das Gewebe reißt. Denn beides passiert mitten in einer Presswehe. Und die ist überwältigend genug. Viele Frauen berichten, dass sie ein Gefühl der Erleichterung verspürt haben, weil der Druck auf einmal weg war.

Die meisten Schmerzen wirst du haben, wenn die erste Euphorie verflogen ist, also in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt. Aber da dich dein Baby dann schon längst in seinen Bann gezogen haben wird, ist auch das auszuhalten 🙂

Wie kann ich einen Dammschnitt vermeiden?

Hundertprozentig vermeiden lässt sich ein Dammschnitt nicht. Manchmal ist er einfach nötig. Aber du kannst vorher schon einiges tun, um das Risiko zu verringern:

  • Die Dammmassage
    Wenn du etwa 6 Wochen vor der Geburt damit beginnst, täglich deinen Damm mit Öl zu massieren, wird das Gewebe gelockert. Mandelöl oder spezielles Dammmassageöl eignen sich super dafür. Frag am besten deine Hebamme, wie man es richtig macht.
  • Der Geburtstee
    Täglich getrunken macht Himbeerblättertee das Gewebe lockerer. Deshalb ist er Bestandteil vieler Geburtstees.
  • Tägliche Sitzbäder
    Auch ein tägliches Sitzbad mit Heublumentee kann das Risiko für einen Dammschnitt verringern.
  • Spezielle Dehn-Übungen
    Die tiefe Hocke mit geöffneten Knien aus dem Schwangerschaftsyoga öffnet das Becken und bereitet den Damm optimal auf die Geburt vor. Auch der Schneidersitz ist eine Übung, die das Gewebe um Vagina und Anus herum dehnen kann.
  • Der Geburtsplan
    Wenn du ganz sicher gehen willst, dass nur geschnitten wird, wenn es wirklich nötig ist, kannst du das in deinem Geburtsplan festhalten. Teile deinen Wunsch unbedingt der dich betreuenden Hebamme im Krankenhaus mit, damit sie es im Hinterkopf behält. Der Plan sollte auch Maßnahmen zum Dammschutz beinhalten. Besprich dich am besten mit deiner Nachsorge-Hebamme!

5 Tipps, damit alles gut verheilt

Wenn du trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einen Dammschnitt bekommen musstest, aber auch wenn der Damm gerissen ist, gibt es ein paar Hebammen-Tipps von Jana Friedrich, wie alles schneller heilt.

1. Nimm das Wochenbett ernst

Wenn du glaubst, du könntest mit einem Dammschnitt oder Dammriss schon herumrennen und den Haushalt schmeißen, täuschst du dich. Am besten ist es jetzt, wenn du dich schonst und viel mit deinem Baby im Bett liegst. Und so ist das Wochenbett zumindest in den ersten Wochen ja auch gedacht. Denn jedes Sitzen und Herumlaufen, jedes Heben oder Treppensteigen erhöht den Druck auf den Beckenboden, den Damm und damit die Narbe.

2. Bastle dir deine eigenen Kühlpacks

Kühlen verringert die Schwellung und beugt Entzündungen vor. Weil normale Kühlpacks aber recht unbequem sind, schlägt Jana Friedrich eine andere Variante vor. Hierzu tränkst du Vorlagen in gutem Ölivenöl oder Sonnenblumenöl und frierst sie ein. Dann kommen sie so lange vor den Damm, wie es dir gut tut. Wenn du nun alle 3 bis 4 Stunden die Vorlage wechselst, hast du einen kontinuierlichen Kühleffekt.

3. Besorge dir ein Damm-Spray

Von der amerikanischen Firma Motherlove gibt es ein Bio-Spray, dass speziell für die Dammpflege nach der Geburt gedacht ist. Es enthält ein paar Kräutlein und ätherische Öle und kann mehrmals täglich ganz einfach aufgesprüht werden. Noch dazu passt es in jede Handtasche.

4. Verdünne deinen Urin

Wenn dein Damm verletzt ist und selbst dann, wenn du z.B. wegen eines Kaiserschnitts einen Katheter hattest, brennt es die ersten Tage ordentlich beim Wasser lassen. Das im Urin enthaltene Urea desinfiziert die Narbe und ist deshalb nicht per se schlecht. Aber du kannst den Schmerz verringern, indem du:

  • viel trinkst und so den Urin „streckst“
  • im Stehen pinkelst, z.B. in der Dusche
  • mit einem Becher während des Pinkelns Wasser nachspülst

5. Massiere die Narbe

Sobald sie äußerlich verheilt ist, kannst du anfangen, die Narbe mit Mandelöl oder Narbenöl vorsichtig zu massieren. So lösen sich Verklebungen und alles wird nach und nach wieder schön weich. Ohne Massage können Verhärtungen zurück bleiben, die dann zum Beispiel beim Sex stören können. Wenn dich die Fadenenden piken, kannst du deine Hebamme bitten, sie nach etwa 2 Wochen abzuschneiden. Der Rest löst sich von selbst auf.

Hast du noch eine Frage oder einen Tipp zum Thema Dammschnitt? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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