Couvade Syndrom – Wenn Männer schwanger werden

Das Wort „schwanger“ ist ein so genanntes Absolutadjektiv. Das heißt, man kann es nicht steigern. Es beschreibt einen Zustand, der entweder ist, oder eben nicht. Ein bisschen schwanger gibt’s nicht. Aber wir wissen ja: Keine Regel ohne Ausnahme. Denn offenbar gibt es männliche Vertreter unserer Spezies, die sehr wohl „ein bisschen schwanger“ sein können, manche sogar ganz schön doll.

Wenn werdende Väter Phasen von Übellaunigkeit und Trägheit durchleben, dann sind sie entweder faule Griesgrame… oder sie leiden am Couvade-Syndrom. Einfach ausgedrückt, handelt es sich um das Pendant zur Männergrippe für werdende Väter. Während der Schwangerschaft seiner Partnerin, erleidet der Mann eine Vielzahl an Symptomen, die augenscheinlich keine konkrete körperliche Ursache haben, ihn aber extrem in Mitleidenschaft ziehen. Parallelschwangere Männer haben es schwer. Betroffene klagen über Heißhungerattaken, Gewichtszunahme, Übelkeit, Reizbarkeit und sogar Bauchschmerzen.

Was ist das Couvade-Syndrom?

Das Couvade Syndrom ist eine unfreiwillige Störung männlicher Partner schwangerer Frauen, die verschiedene physische und psychische Symptome hervorruft. Diese ähneln den Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft und haben keine pathologische Ursache. Sie treten vor allem im 1. und 3. Trimester auf. Das Couvade-Syndrom ist weltweit in Industrieländern zu beobachten.

Dr. Arthur Brennan, Psychologe an der University of London forscht seit Jahren intensiv an der männlichen Parallelschwangerschaft. Und diese ist gar nicht so selten, wie man glauben mag. 25 % der von ihm in einer britischen Studie getesteten Probanden zeigten Symptome des Couvade-Syndroms. Einige Männer litten sogar an wehenartigen Bauchschmerzen. Ein Studienteilnehmer war überzeugt davon, größere Schmerzen zu erleiden, als seine Frau. Mit 31 % fiel bei einer Umfrage der Anteil australischer Männer mit dem Syndrom sogar noch höher aus.

Ähnlich der weiblichen Schwangerschaft, sind die Symptome im ersten Trimester (der Schwangerschaft der Partnerin) am stärksten, werden dann schwächer, um im dritten Trimester wieder mit voller Wucht zuzuschlagen. Brennan nimmt seine Probanden in Schutz. Die Schwangerschaftsbeschwerden der Männer würden von deren Umwelt häufig als Mittel wahrgenommen, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch dem Psychologen zufolge treten sie unfreiwillig auf.

Das Couvade-Syndrom heute und damals

Steinzeitmann-CouvadeDas Wort couvade ist abgeleitet vom französischen „couver“ und bedeutet soviel wie ausbrüten. Das Couvade-Syndrom ist keine neue Erscheinung. Schon zu Jäger- und Sammlerzeiten und auch noch heute in einigen Naturvölkern beschreibt es das Verhalten werdender Väter und das sogenannte Männerkindbett – also rituelle Verhaltensweisen nach der Geburt. So war und ist es in einigen Kulturen teilweise noch der Brauch, dass Mütter relativ schnell nach der Geburt wieder arbeiten gehen, während die jungen Väter sich ins Bett legen und ruhen.

Faule Ausreden zum Faulenzen?

Nicht ganz. Das traditionelle Männerkindbett soll wahrscheinlich böse Geister täuschen. Denn diese denken, dass das Kind noch gar nicht geboren ist, wenn sie den Mann in der Hängematte und die Frau auf dem Feld sehen.

Das Couvade-Syndrom in modernen Gesellschaften

In den entwickelten Industrienationen bezeichnet Couvade Schwangerschaftssymptome beim Mann. Diese haben vermutlich psychische Ursachen, die durch den Anstieg bestimmter Hormone begünstigt werden. Denn auch der männliche Hormonhaushalt ändert sich während der Schwangerschaft seiner Partnerin. Mit gutem Grund, wie es scheint.

Eine Expedition ins Tierreich

Menschen gehören zu den Säugetieren. Bei den allermeisten Vertretern dieser Art, übernimmt allein die Mutter die Aufzucht der Jungen. Nicht ohne Grund: Während bei den Vögeln beide Partner die Nachkommen versorgen können, werden Säugetierjunge von der Mutter gestillt. Oft kann man froh sein, wenn der Vater die Kleinen nicht frisst. An eine väterliche Fürsorge ist kaum zu denken, vor allem nicht bei Primaten, unseren näheren Verwandten aus dem Tierreich. Dass bei uns Menschen auch Väter eine große Rolle in der Aufzucht der Kinder spielen, ist also eher ungewöhnlich.

Der männliche Hormonhaushalt während der Schwangerschaft

Einige Vertreter im Tierreich finden wir aber doch, zu denen wir Parallelen herstellen können. Bei den Krallenaffen tragen Väter die jungen mindestens genauso oft, wie Mütter. Zudem fanden Forscher heraus, dass sie spezielle väterliche Verhaltensweisen zeigen. Hört ein Krallenäffchenpapa den Schrei eines Jungen, überwindet er Hindernisse, die ein Krallenäffchen ohne Nachkommen niemals freiwillig bewältigen würde. Eben diese väterlichen Eigenschaften eignen sich die possierlichen Tierchen in der Schwangerschaft an. Werdende Krallenäffchenpapas nehmen während der Tragezeit ihrer Partnerin bis zu 8 % an Körpergewicht zu. Möglicherweise sorgt die Natur so vor für die anstrengende Zeit nach der Geburt. Grund sind der Anstieg von Prolaktin und des weiblichen Sexualhormons Östrogen, die auch beim Menschen eine wichtige Rolle in diesen Bereichen spielen. Und auch bei anderen Tieren, wie Pinguinen und Seepferdchen, die sich besonders durch väterliche Fürsorge auszeichnen, finden sich diese Hormone in gestiegenem Maße.

Warum sich väterliche Fürsorge in einigen Arten entwickelt

Eine mögliche Ursache, warum Männer in einigen Säugetierarten die Fürsorge ihrer Jungen übernehmen ist, dass deren Aufzucht für die Mutter allein zu schwierig wäre. So gebären die Krallenäffchen aus unserem Beispiel für gewöhnlich Zwillinge, die die Mama allein wohl kaum tragen könnte. Auch wir Menschen standen in unserer Entstehungsgeschichte schon vor Herausforderungen, die das Zusammenspiel und die Hilfe von Vätern und Familienangehörigen nötig machten, um zu überleben und uns weiterzuentwickeln.

Männer leiden weiter: Keine Therapie für Couvade

Dr. Arthur Brennan fand heraus, dass vor allem sensiblere, einfühlsame Männer Parallelschwangerschaften erleben. Je mehr Mitgefühl, desto mehr leiden die Partner also mit ihren schwangeren Frauen mit, indem sie deren Symptome spüren. Eine Therapie gibt es bislang nicht. Tatsächlich konnten wir nicht einmal ermitteln, ob an einer Behandlung überhaupt geforscht wird. Dennoch können Betroffene aufatmen: Die Symptome stellen sich kurz nach der Geburt meist von selbst ein. Vielleicht hilft ja bs dahin ein Schwangerschaftstee und ein warmes Bad?

Couvade-Syndrom in Deutschland – Eine Umfrage

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