Wie Kinder im digitalen Zeitalter den Umgang mit Geld erlernen

Kinder werden immer schneller erwachsen. Zumindest macht es im digitalen Zeitalter zunehmend den Anschein. Internet, Smartphone und Co gehören schon früh zum Alltag der Sprösslinge. Der KIM-Studie zufolge besaß im Jahr 2016 jedes dritte Kind ein Smartphone. Gut ein Viertel nutzt täglich das Internet. Der frühe Kontakt mit den verschiedensten Medien stellt Eltern und Kinder vor neue Herausforderungen und führt zu Fragen wie „Wirkt sich der Medienkonsum negativ auf die Entwicklung meines Kindes aus?“ oder „Wie kann ich mein Kind vor den Gefahren im Word Wide Web schützen?“. Ein Aspekt, der dabei häufig vergessen wird, ist der Umgang mit Geld. Im Folgenden erfahren Sie fünf nützliche Tipps, wie Sie Ihr Kind in Zeiten digitaler Medien an das Thema Geld heranführen können.

„Gut die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen nutzt mehrmals pro Woche das Internet.“ – KIM-Studie 2016

Was hat sich geändert?

Kinder gehen heutzutage gar nicht mehr raus zum Spielen, sondern sitzen den ganzen Tag nur vor dem TV, der Konsole oder dem PC. Dieses Bild haben viele vor Augen, wenn sie sich die Kindheit von heute vorstellen. Die Realität sieht zum Glück anders aus: Etwa die Hälfte der befragten Kinder der Kim-Studie 2016 spielt täglich drinnen oder im Freien, trifft Freunde und zeichnet oder bastelt Dennoch nehmen auch Beschäftigungen wie fernsehen, Computer spielen und im Internet surfen einen großen Teil der Freizeit ein. Gerade Computerspiele werden immer häufiger im Internet gespielt. Browsergames und Facebook-Spiele wie FarmVille, Zoo World & Co haben die junge Zielgruppe längst erreicht. Der Haken: Die Spiele sind dafür bekannt, ab einem bestimmten Punkt Geld zu verlangen, um sich Bonus-Level freizuschalten oder spezielle Gadgets zu bekommen. Vor allem für Kinder stellen solche Kaufangebote eine Gefahr dar. Deshalb ist es wichtig, seinem Nachwuchs früh genug den richtigen Umgang mit Geld beizubringen:

1. Taschengeld in Maßen halten

Taschengeld ist nach wie vor die beste Methode, um den Umgang mit finanziellen Mitteln zu erlernen. Das eigene Geld einzuteilen, auf das Wunschspielzeug hinzusparen oder auch mal dem Bruder was zu borgen, gehört zu den wichtigsten Faktoren, um den Wert von Geld einschätzen zu können. Doch auch wenn das Freizeitangebot für Kinder heutzutage deutlich größer und dementsprechend kostspieliger ist, sollte man es mit dem Taschengeld nicht übertreiben. Wer klein anfängt, kommt immer noch am weitesten und weiß auch eine geringe Taschengelderhöhung zu schätzen. Mehr dazu finden Sie hier.

2. Nicht jeden Trend mitmachen

„Aber der Peter hat doch auch ein Tablet.“ – Welches Elternteil kennt den Satz nicht? Gab es in unserer Kindheit gerade einmal den ersten Gameboy mit Schwarz-Weiß-Display, werden Kinder heutzutage von den buntesten High-Tech-Geräten überflutet. Natürlich kommen dies früher oder später auf die Wunschliste. Hier gilt es hart zu bleiben. Selbst wenn das Betteln und Nörgeln unerträglich wird, sollten Sie nicht nachgeben. Ein Kind muss nicht immer das neueste Smartphone und den schnellsten Laptop haben, nur weil es gut ausschaut und der Peter eben auch das neueste Tablet hat. Außerdem bieten sich solche Situationen hervorragend an, um den Kindern das Sparen näherzubringen. Natürlich kann man zum Geburtstag dann mal einen Schein dazulegen, aber wie heißt es so schön: „Das Fahrrad das man sich selbst kauft, ölt man auch.“

3. Käufe nur nach Absprache

Kinder gehen immer eigenständiger mit den verschiedensten Medien um. Trotzdem sollte man klare Regeln vereinbaren, um das Kind vor etwaigen Kostenfallen zu schützen. In Zeiten von Google Play Store und App Store, wo man einfach per Guthabenkarte bezahlen kann, fehlt Eltern oftmals die Übersicht. An dieser Stelle ist Kommunikation gefragt. Klären Sie Ihr Kind über die möglichen Gefahren auf und bestehen Sie darauf, vor einem Kauf informiert und um Erlaubnis gebeten zu werden. Geben Sie außerdem kein vorschnelles OK. Einen Blick auf die gewünschte App oder das Spiel zu werfen, lohnt sich immer. Nicht selten lauern nämlich hinter vermeintlich kostenlosen Onlinespielen fiese Abofallen. Gut zu wissen ist für Eltern außerdem, dass in App-Stores in der Regel keine Altersprüfung erfolgt, Kinder also auch potenziell Zugriff auf Inhalte haben, die nicht für ihre Augen bestimmt sind.

4. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Seinem Kind zu vertrauen ist gut und wichtig. Trotzdem sollte man kontinuierlich ein Auge auf das Surfverhalten des Nachwuchses haben. Es gibt zahlreiche Kinderschutz-Programme, mit denen Sie die Kontrolle über die Online-Aktivitäten – unter anderem Online-Käufe – Ihrer Sprösslinge behalten können. Manche Softwares verhindern beispielsweise den Zugriff auf Seiten wie Facebook oder stellen eine kindgerechte Suchmaschinenalternative zu Google zur Verfügung. Auch auf Smartphones und Tablets ist es möglich, eine Kindersicherung einzurichten. Im Netz finden Sie zahlreiche Anleitungen, wie die Einrichtung der Kindersicherung bei Apple und Co funktioniert.

„73 Prozent der Eltern nutzen keine Software oder App zur Kontrolle der Webaktivitäten ihrer Kinder.“ – KIM-Studie 2016

5. Guthabenbasierte Produkte als Lernhilfe

Der erhöhte Medienkonsum verlangt Kindern und Eltern einiges ab. Doch auch in Sachen Geld ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Deshalb ist es wichtig, dass Ihr Kind früh mit dem „Üben“ beginnt. Ebenso wie das Taschengeld unerlässlich ist, um das Sparen zu erlernen, eignen sich guthabenbasierte Produkte hervorragend zur Verinnerlichung von Bezahlvorgängen. Mit Guthabenkarten wie iTunes-Gutscheinen kann das Kind erste Einkäufe im App-Store tätigen. Wird die Guthabenkarte vom eigenen Taschengeld bezahlt, gibt es ein zusätzliches Learning. Ab einem gewissen Alter (mindestens 12 Jahre) bietet auch die Light-Version einer Kreditkarte – die Prepaid Kreditkarte (Eine Anbieterübersicht gibt es hier) – einen tollen Lerneffekt. Es handelt sich um vollwertige Kreditkarten, die aber auf Guthabenbasis funktionieren und so nicht ins Minus rutschen können. Eltern können einen beliebigen Geldbetrag auf die Karte laden. So können Kinder ohne Risiko das Bezahlen mit Geldkarten üben – online wie auch offline.

Fazit: Umgang mit Geld in der digitalen Welt

Kinder wachsen mit digitalen Medien auf – sie sind sogenannte „Digital Natives“. Dennoch ist und bleibt der Umgang mit Geld ein Lernprozess. Eltern müssen sich den neuen Herausforderungen stellen und ihr Kind in Sachen Finanzen an die Hand nehmen. Altbewährte Erziehungsmethoden wie Taschengeld und Prepaid-Produkte zum Üben sind nach wie vor wichtiger Bestandteil der „Finanzerziehung“.

Was hingegen neu ist, ist die Gefahr, die durch die Unübersichtlichkeit des Internets entsteht. Eltern fehlt schlichtweg die Zeit, jede Online-Aktivität ihrer Kinder zu verfolgen. Abhilfe schaffen hier Kinderschutz-Programme wie klicksafe oder fragFINN.de. Diese werden aktuell von erschreckend wenigen Eltern (nur knapp 27%) genutzt. Dabei eignen sie sich hervorragend, um Kinder vor versteckten Kostenfallen und nicht kindgerechten Inhalten zu schützen. Den höchsten Stellenwert nimmt in Zeiten von Smartphone, Internet und Co jedoch die offene Kommunikation über Geld und Mediennutzung ein. Suchen Sie regelmäßig das Gespräch mit Ihren Kindern und schaffen Sie eine Vertrauensbasis, denn eine 100-prozentige Kontrolle ist im World Wide Web schier unmöglich.


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