Wenn der „Storch“ kommt: Finanzplanung für junge Familien

Wenn Nachwuchs ins Haus steht, solltest du das als Anlass sehen, um die Finanzen genauestens unter die Lupe zu nehmen. Hier findest du die besten Tipps und Tricks rund um die Finanzplanung für junge Familien.

Eine Schwangerschaft ist in vielerlei Hinsicht eine aufregende Zeit. Das Leben deiner Familie wird sich mit dem (weiteren) Kind grundlegend verändern. Neben der Aufregung und Vorfreude stehen dabei vor allem finanzielle Fragen im Raum. Hast du das Glück, nicht alleinerziehend zu sein, so solltest du deinen Partner beziehungsweise deine Partnerin zur Hand nehmen, um gemeinsam über die zukünftige Finanzplanung zu sprechen:

Wer geht arbeiten und wie viel? Ist vielleicht ein größeres Auto, ein Umzug oder eine andere Investition notwendig? An welcher Stelle könnte Geld gespart werden? Noch größer ist natürlich die Herausforderung, wenn du alleine für die Kindererziehung, den Haushalt sowie das Einkommen verantwortlich sein wirst. So oder so: Die Finanzen in trockenen Tüchern zu wissen ist wichtig, damit du dich sorgenfrei auf den Nachwuchs freuen kannst und nach der Geburt nicht plötzlich mit Geldschwierigkeiten konfrontiert siehst. Wie also gehst du am besten Schritt für Schritt vor?

Schluss mit lustig: Ein Kind bedeutet finanzielle Verantwortung

Bestenfalls hattest du deine Finanzen bislang gut im Griff, sprich dein Einkommen übersteigt deine Ausgaben und du konntest dir bereits ein finanzielles Polster von mindestens drei Nettomonatsgehältern ansparen. Einige Experten raten sogar zu Ersparnissen, die für mindestens ein halbes Jahr ohne Einkommen ausreichen würden. Genügend Zeit also, um dir im Notfall einen neuen Job zu suchen, um eine mittelschwere Krankheit auszukurieren oder einfach, um dich neu zu orientieren.

So viel zur Theorie. In der Praxis sieht das leider häufig anders aus. Viele Deutsche leben über ihren Verhältnissen. Entweder reicht das Einkommen schlichtweg nicht für den Lebensunterhalt aus oder sie haben zu hohe Ausgaben für ein teures Auto, die Tilgung eines Kredites für ein Eigenheim, Kleidung, Essen im Restaurant oder anderen Luxus. Das geht oft auch einige Zeit gut – zumindest so lange du nur selbst über die Runden kommen musst. Doch mit einem Kind übernimmst du fortan mehr Verantwortung, auch finanzieller Art.

Finanzbedarf bestimmen: Was kostet ein Kind?

Dir sollte also bewusst sein, dass Nachwuchs stets mit Kosten verbunden ist. Genau genommen gibst du bis zum 18. Geburtstag deines Kindes durchschnittlich 126.000 Euro aus. Das beginnt bei der Erstausstattung und endet bei Dingen wie Schulausflügen, Taschengeld oder einem eigenen Smartphone. Der erste Schritt deiner Finanzplanung für die frischgebackene Familie besteht deshalb darin, den zukünftigen Finanzbedarf realistisch einzuschätzen. Dazu gehören sowohl jene Ausgaben für das Kind selbst als auch sämtliche weitere Kosten wie Mietzahlungen, Versicherungen, Lebensmittel & Co.

Haushaltsbuch: Eltern sollten wie Betriebswirtschaftler denken

Kennst du die voraussichtliche finanzielle Belastung, kannst du ihr die Einnahmen gegenüberstellen. Wie viel also werden du und/oder dein Partner verdienen, sobald das Kind auf der Welt ist? Welche weiteren Einnahmen wie Kinder- oder Elterngeld sind zu erwarten? Und vor allem: Werden diese Einnahmen ausreichen, um die Kosten zu decken? Bestenfalls bleibt noch ausreichend Puffer, um eben einen Notgroschen anzusparen oder euch auch einfach etwas Luxus wie einen Familienurlaub zu gönnen. In vielen Fällen reicht das Geld aber nur „gerade so“ oder schlimmstenfalls sind die Kosten sogar höher, sodass du unterm Strich rote Zahlen schreibst.

Haushaltsbuch führen

Ein Haushaltsbuch ist in dieser Phase besonders hilfreich, um die Finanzplanung für die junge Familie verlässlich aufzustellen. Du kannst die Einnahmen sowie Ausgaben im Blick behalten, dir konkrete (Spar-) Ziele setzen, nach Einsparungsmöglichkeiten suchen und dieses gegebenenfalls als Grundlage für eine Kreditanfrage nutzen. Denn viele Eltern möchten die Geburt des ersten Kindes als Anlass nutzen, um endlich in das langersehnte Eigenheim zu investieren. Spätestens jetzt ist es also an der Zeit, dass du ein Haushaltsbuch ähnlich der Buchhaltung in einem Unternehmen aufsetzt – zumindest für die ersten Monate nach der Geburt und bis du das Gefühl hast, finanziell „in trockenen Tüchern“ zu sein. Genau genommen sollten Eltern quasi denken wie Betriebswirtschaftler und die Familie ist ihr Unternehmen.

Warum ein finanzielles Polster so wichtig ist

Die Gewissheit „in trockenen Tüchern“ zu sein ist insofern wichtig, als dass dein Leben niemals vorhersehbar ist. Du könntest deinen Job verlieren, krank werden oder wider Erwarten Zwillinge bekommen. Das alles soll dir keine Angst machen, sondern schlichtweg die Unwägbarkeiten des Lebens verdeutlichen. Ein finanzielles Polster ist deshalb wichtig, um die Nerven zu beruhigen. So musst du dir nicht ständig Sorgen darum machen was wäre, wenn

  • die Waschmaschine kaputt geht?
  • die Kündigung in den Briefkasten flattert?
  • die Beziehung scheitert?
  • eine Steuernachzahlung ins Haus steht?

Die Liste der Beispiele ist lang, doch das Fazit bleibt dasselbe: Ein finanzielles Polster verschafft dir und deiner noch jungen Familie etwas Luft, wenn unerwartete Ausgaben anstehen. So musst du dir weniger Sorgen machen, kannst die wertvolle Zeit mit deinem Baby in vollen Zügen genießen und du bist finanziell weniger abhängig – vom Arbeitgeber, Lebenspartner, Staat, o.Ä.

Sparen ist stets eine gute Devise – vor allem für junge Familien

Das Haushaltsbuch ist also der erste Schritt in die richtige Richtung, und zwar die stabiler Finanzen für die Familie. Jedoch muss dieses auch ausgewertet werden und es gilt, daraus Konsequenzen zu ziehen. Was bedeutet das?

  • Erst einmal solltest du prüfen, ob das Gesamtergebnis unterm Strich positiv oder negativ ist. So erhältst du einen groben Überblick über deine finanzielle Situation und viele Menschen sind überrascht, wie hoch ihre monatlichen Ausgaben tatsächlich sind. Fünf Euro hier, zehn Euro dort – auch „Kleinvieh“ macht bekanntlich Mist. Es ist daher wichtig, dass du wirklich jede Ausgabe im Haushaltsbuch auflistet, sei sie noch so klein.
  • Anschließend siehst du dir die einzelnen Positionen an und suchst gezielt nach Einsparungspotenzialen. Das ist in beiden Fällen sinnvoll, vor allem aber natürlich bei roten Zahlen unerlässlich.
  • Solche Einsparungspotenziale finden sich oftmals bei alltäglichen Ausgaben wie dem „Coffee to go“ am Morgen, welchen du dir stattdessen von zu Hause mitnehmen könntest. Doch auch bei den Energiekosten kannst du beispielsweise durch einen Anbieterwechsel oder eine energiesparende Verhaltensweise schnell dreistellige Beträge im Jahr einsparen. In einem Eigenheim lohnt sich eventuell die Investition in moderne Energiespartechnik.
  • Weiterhin hast du nun einen Überblick über all deine laufenden Versicherungsverträge. Nutze diese Gelegenheit, um zu prüfen, ob du ausreichend versichert bist, welche Policen du vielleicht kündigen solltest oder inwiefern ein günstigerer Tarif zur Verfügung steht. Durch die Kündigung unnötiger Versicherungen oder den Wechsel der Police kannst du ebenfalls schnell mehrere hundert Euro pro Jahr einsparen.
  • Hast du das Haushaltsbuch auf die geschilderte Art und Weise „optimiert“, kannst du nun erneut prüfen, ob eine Finanzlücke besteht oder wie viel Geld du im Monat zurücklegen kannst. In letzterem Fall richtest du bestenfalls einen Dauerauftrag ein, welcher das Geld direkt nach dem Eingang auf deinem Konto auf ein Tagesgeldkonto überweist. Dadurch zwingst du dich sozusagen selbst zum Sparen.
  • Besteht hingegen eine Finanzlücke, musst du so lange deine Ausgaben reduzieren und dein Einkommen erhöhen, bis du wieder grüne Zahlen schreibst. Unter Umständen ist es sinnvoll, dir dafür professionelle Hilfe zu suchen, bevor du in eine Schuldenfalle rutschst.
  • Zuletzt können du und deine junge Familie anhand des Haushaltsbuchs prüfen, ob ein größeres Auto, ein eigenes Haus oder eine andere geplante Investition realistisch ist. Es hilft euch dabei, einen eventuellen Kreditbedarf sowie Tilgungsplan zu errechnen, mit welchem ihr anschließend an die Bank herantretet.

Du siehst: Eine solide Finanzplanung ist das A und O für deinen Start in den neuen Lebensabschnitt. Mit einem Kind übernimmst du eine Menge Verantwortung. Gut, wenn du weißt, dass die nächsten Monate sowie Jahre finanziell abgesichert sind und du dir zumindest darum erst einmal keine Sorgen machen musst. Das Haushaltsbuch hilft dir außerdem dabei, langfristig Wohlstand aufzubauen und ist somit auch ein erster wichtiger Schritt in Richtung Altersvorsorge. Die Finanzplanung sollte also nicht nur kurz-, sondern auch mittel- und langfristig stattfinden.


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