Die Wassergeburt: Ablauf, Vor- und Nachteile im Überblick

Denkst du über eine Wassergeburt nach und bist etwas unsicher, ob sie das Richtige für dich ist? Neben vielen Vorteilen birgt sie auch ein paar Risiken. Wir beantworten deine Fragen, damit du gut vorbereitet in die Geburt gehen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Idee der Wassergeburt ist uralt.
  • Bei einer Wassergeburt wird das Baby unter Wasser geboren.
  • Das warme Wasser entspannt Körper und Geist und kann so die Geburt verkürzen.
  • Geburtsverletzungen sind seltener, aber nicht ausgeschlossen.
  • Viele Frauen verbringen nicht die ganze Zeit in der Geburtswanne.
  • Neben vielen Vorteilen gibt es bei der Wassergeburt auch ein paar Risiken, schnelles medizinisches Eingreifen ist erschwert.
  • Für manche Frauen kommt eine Wassergeburt von vornherein nicht in Frage.

Die Wassergeburt als Alternative zum Kreißsaal

Die Idee einer Wassergeburt ist gar nicht so neu, wie man denkt. Schon die alten Ägypter praktizierten sie und auch etliche Naturvölker der wärmeren Gefilde gebaren ihre Babys im warmen Wasser. Denn ihnen war selbstverständlich die wohltuende und entspannende Wirkung des Wassers bekannt. Einige wenige tun dies auch heute noch.

Und auch hierzulande wünschen sich immer mehr Frauen eine Wassergeburt. Die Gründe hierfür sind verschieden. Aber auch wenn sich 50% der Frauen dafür interessieren, wird nur jedes zehnte Kind auf diese Weise entbunden. Immerhin! Die Zahl der Krankenhäuser mit Geburtswanne nimmt zu. Ein großer Teil der Gebärenden verbringt zumindest eine gewisse Zeit in der warmen Wanne. Wie eine Wassergeburt abläuft, welche Vorteile und Risiken sie birgt, erklärt dir dieser Artikel.

Ablauf einer Wassergeburt

Wassergeburt ist nicht gleich Wassergeburt. Den EINEN Ablauf gibt es nicht. Er lässt sich auch nicht vorher festlegen. Denn wie die Geburt verläuft, ist höchst unterschiedlich. Und was in welchem Moment tatsächlich das Richtige für dich ist, wirst du erst dann wissen, wenn es so weit ist. Du solltest dich also nicht von vornherein darauf versteifen.

Manchmal empfindet eine Frau, die unbedingt eine Wassergeburt wollte, das warme Wasser plötzlich als unangenehm. Manche Gebärende nutzen die entspannende Wirkung des Wassers nur zwischendurch. Andere bleiben viele Stunden in der Wanne sitzen und kommen dann doch noch kurz vorher „an Land“. Wieder andere setzen sich erst kurz vor den Presswehen hinein. Wir erklären, wozu die Geburtswanne in welcher Phase genutzt werden kann.

Vorwehen oder richtige Wehen?

Wenn die Wehen einsetzen, ist der Übergang von Vorwehen zu echten Wehen mitunter fließend. Ein warmes Bad bringt da oft Klarheit. Denn wenn die Wehen durch das warme Wasser nachlassen, waren es Vorwehen. Werden sie stärker, sind es echte Wehen. Deshalb empfehlen viele Hebammen, bei einsetzenden Wehen den Badewannen-Test zu machen. Manchmal findet dieser auch direkt im Krankenhaus oder im Geburtshaus statt.

Eröffnungsphase

Haben die echten Wehen eingesetzt, öffnet sich der Muttermund in der Eröffnungsphase Stück für Stück bis zu einer Größe von 8 cm. Dieser Prozess kann gerade bei Erstgebärenden etliche Stunden dauern und ist recht schmerzhaft. Hier kann das Wasser helfen, die Muskeln zu entspannen und den Muttermund aufzuweichen. So lässt sich der Prozess etwas verkürzen.

Die Hebamme wird dich zu Anfang fragen, ob du in die Wanne möchtest oder nicht. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, auch wenn du es eventuell gar nicht vorhattest. Das Wasser hat meist eine Temperatur zwischen 36 und 37,5 Grad. Mehr würde Fieber simulieren und wäre sowohl für den Kreislauf als auch für den Geburtsverlauf riskant. Weniger empfinden viele Frauen als zu kühl.

Neuere Geburtswannen verfügen über eine Heizung, die das Wasser konstant warm hält. Es dauert übrigens bis zu einer halben Stunde, bis die Wanne voll ist, denn sie fasst 700 Liter. Also am besten rechtzeitig dafür entscheiden 😉

Übergangsphase

Die Übergangsphase klingt trivial, ist es aber nicht. Die letzten beiden Zentimeter sind besonders schmerzhaft und bringen viele Frauen an ihre Grenzen. Die Wehen werden länger und intensiver und eine Welle nach der anderen rollt ohne Pause heran. Zum Schmerz des sich dehnenden Muttermundes kommt zusätzlich der Druck das Babys auf den Beckenboden und das Steißbein.

Einen PDA ist zu diesem Zeitpunkt kaum mehr möglich, da die Frau wegen der starken Wehen nicht mehr stillhalten kann. Außerdem dauert es jetzt meist nicht mehr allzu lang, bis das Baby da ist. Hier kann das warme Wasser wahre Wunder bewirken. Es entspannt die inneren Muskeln und kann gerade diese Phase deutlich verkürzen. Wenn du dich in der Übergangsphase in die Wanne setzt, ist es recht wahrscheinlich, dass dein Baby auch dort geboren wird.

Austreibungsphase

In dieser Phase macht sich das Baby auf den Weg durch den Geburtskanal. Währenddessen presst die Frau aktiv mit. Dafür sorgen die Presswehen ganz automatisch. Übermäßiges Pressen mit den Bauchmuskeln kann zu Geburtsverletzungen, wie dem Dammriss führen. Hier kann die Geburtswanne helfen, die Verletzungen zu reduzieren, weil aufgrund der vom Wasser durchwärmten und entspannten Muskeln der Pressdrang weniger stark ist.

Nach der Geburt

Sobald das Köpfchen aus der Scheide guckt, braucht es nur noch ein bis zwei Wehen, bis das Baby ganz heraus kommt. Tut es dies unter Wasser, ist der Übergang nicht so abrupt, wie bei einer normalen Geburt an Land. Das Baby bleibt durch die Nabelschnur noch mit der Mutter verbunden und wird mit Sauerstoff versorgt. Der Tauchreflex verhindert normalerweise, dass das Baby Wasser einatmet. Erst wenn sein Gesicht aus dem Wasser schaut, kommt es zum ersten Atemzug.

Wie es nun weitergeht, hängt etwas vom Geburtsort und der Zahl der Gebärenden ab. Manche Mütter dürfen sich nun mitsamt dem Baby noch ein paar Minuten im Wasser entspannen und es sogar dort zum Stillen anlegen. Dies ist vor allem in Geburtshäusern der Fall. Dort wartet man normalerweise auch die Nachgeburt (Plazenta) im Wasser ab. In anderen Fällen, muss die Mutter die Wanne verlassen, sobald das Baby da ist. Es wird abgenabelt und gewaschen, während die Mutter geduscht, abgetrocknet und umgezogen wird. Erfrag am besten vor der Geburt, wie es in deiner Wunschklinik gehandhabt wird.

Vorteile einer Wassergeburt

Bei unkompliziert verlaufenden Schwangerschaften und einem geringen Risiko für Komplikationen bietet eine Wassergeburt viele Vorteile:

  • Sie entspannt die Muskeln und hilft, auch emotional zu sich zu kommen. Vor allem, wenn die Frau aus Angst vor der Geburt verkrampft ist, ist Wasser eine gute Idee.
  • Es gibt bei Wassergeburten deutlich weniger Geburtsverletzungen.
  • Die Geburt kann sich verkürzen.
  • Im Normalfall sind viel weniger Schmerzmittel nötig.
  • Das Baby hat weniger Geburtsstress, weil der Übergang aus der Gebärmutter ins warme Wasser angenehm ist.
  • Blutungen im Wochenbett können sich verkürzen.

Nachteile und Risiken einer Wassergeburt

Wie alles im Leben, kommt auch eine Wassergeburt mit gewissen Risiken daher. Das sind sie:

  • Sollte der Arzt bei der Geburt eingreifen müssen, weil sich beispielsweise die Herztöne des Babys verschlechtern, ist eine längere Vorbereitung nötig als im Kreißsaal. Durch das Heraussteigen aus der Wanne und das Abtrocknen der werdenden Mutter können wertvolle Minuten verloren gehen.
  • Im Wasser ist es schwer möglich, beispielsweise durch Kompressen, den Damm vor dem Einreißen zu schützen. Ein Dammschnitt wird unter Wasser ebenfalls selten gemacht. Er kommt aber mittlerweile sowieso etwas aus der Mode, da man festgestellt hat, dass Dammrisse (wenn sie nicht zu gravierend sind) besser verheilen, als glatte Schnitte durch die Gewebeschichten.
  • Bei geschwächten Babys kann es passieren, dass der Tauchreflex, also das Anhalten der Luft unter Wasser, ausbleibt. Dadurch würde es seine ersten Atemzüge unter Wasser machen und Wasser samt allem darin einatmen. Dies kann zu Atemproblemen und Infektionen führen.
  • Wasser ist nie steril. Und das ist eigentlich auch nicht schlimm. Nur in seltenen Fällen enthält es Keime, die für das Neugeborene gefährlich sein können. Der Vollständigkeit halber müssen wir dieses Risiko aber nennen.
  • Manchmal passiert es, dass beim Herausheben des Babys die Nabelschnur einreißt oder ganz abreißt. Meist dann, wenn diese kürzer als normal ist.

Wann nicht zu einer Wassergeburt geraten wird

Wegen des höheren Komplikationsrisikos gibt es durchaus auch Frauen, denen konkret von einer Wassergeburt abgeraten wird. Du solltest davon absehen, wenn:

  • dein Kind vor der 38. SSW zur Welt kommt.
  • das Baby in Beckenendlage liegt.
  • du Mehrlinge bekommst.
  • es bestimmte Infektionen oder Erkrankungen während der Schwangerschaft, wie z.B. eine Schwangerschaftsvergiftung oder Gestationsdiabetes, gab.
  • du Vorerkrankungen, wie z.B. Diabetes oder Bluthochdruck, hast.
  • du Probleme mit der Blutgerinnung hast.

Fazit

Eine Wassergeburt ist eine tolle Sache, wenn die Schwangerschaft problemlos verlaufen ist und es keine Komplikationen unter der Geburt gibt. Denn das warme Wasser kann die Geburt deutlich angenehmer machen und dir sogar die Schmerzmittel ersparen.

Leg dich trotzdem nicht schon vorher darauf fest. Denn ganz oft passiert es, dass du während der Wehen merkst, dass das Wasser einfach nicht das Richtige für dich ist. Oder ein Eingriff wird nötig und du musst aus dem Wasser. Damit du dann nicht zu gestresst bist, ist es besser, bis zum Schluss offen zu bleiben.

Wir wünschen alles Gute!

Häufige Fragen

Kann man auch bei einer Hausgeburt in der Geburtswanne entbinden?

Ja das geht. Ein gemieteter oder gekaufter, aufblasbarer Geburtspool ist dabei aber bequemer als eine einfache Badewanne. Darin geht es jedoch zur Not auch.

Gibt es eine Maximalgewicht für die Geburtswanne?

Nicht direkt. Zu dick sollte die Schwangere aber schon deshalb nicht sein, weil sie im Notfall aus der Wanne gehievt werden muss. Selbst für zwei Helfer kann das dann unter Umständen zu schwer werden und die Prozedur unnötig verlängern. Außerdem lassen sich die Herztöne des Babys unter Wasser wohl messen, das Signal ist jedoch schwächer als an Land. Ist die Schwangere sehr übergewichtig, kann es sein, dass keine Herztöne dargestellt werden können.

Ist eine PDA während einer Wassergeburt möglich?

Nein, aufgrund der Infektionsgefahr ist eine PDA bei einer Wassergeburt keine Option, es sei denn, du entscheidest dich, doch aus dem Wasser zu kommen. Im Normalfall sind die Schmerzen im Wasser aber besser auszuhalten als an Land. Warst du vorher im Kreißsaal und hast eine PDA bekommen, kannst du danach nicht mehr ins Wasser.

Können die Herztöne auch unter Wasser überwacht werden?

Ja, es gibt spezielle wasserdichte Geräte, die sowohl Wehen aufzeichnen als auch Herztöne darstellen können.

Ist eine Wassergeburt nicht unhygienisch?

Jein. Natürlich kann es vorkommen, dass die Schwangere irgendwann in ihrem Blut sitzt. Und auch die ein oder andere Körperflüssigkeit kann dabei sein. Das ist meist aber erst gegen Ende der Fall. Und dann sind dir andere Dinge tausendmal wichtiger. Infektionen von Mutter oder Kind sind während einer Wassergeburt übrigens nicht wirklich häufiger als im Kreißsaal.

Stimmt es, dass man vor der Wassergeburt einen Einlauf bekommt?

Das ist nicht immer automatisch der Fall. Allerdings halten es einige Geburtshelfer so, damit unter der Geburt nicht allzu viele Ausscheidungen im Wasser landen können. Wenn du es wünschst, kannst du in der Eröffnungsphase einen Einlauf bekommen. Möglicherweise ist der Darm dann während der Presswehen dennoch nicht ganz leer. Die Ausscheidungen wären dann durch den vorherigen Einlauf flüssiger als normal. Aber keine Sorge, für die Hebammen ist das ein ganz normaler Anblick, der dir nicht peinlich sein muss. Alles was im Wasser landet, wird meist ganz heimlich entsorgt.

Kann das Baby unter Wasser ertrinken?

Nein, ertrinken kann es nicht. Zumindest nicht, wenn ein erfahrener Helfer zur Verfügung steht. In der Regel holt das Baby erst dann Luft, wenn sein Kopf aus dem Wasser kommt. Es sollte innerhalb einer Minute aus dem Wasser geholt werden. In seltenen Fällen ist dieser Tauchreflex jedoch nicht vorhanden, wodurch es doch zum Einatmen von Wasser kommen kann. In diesem Fall ist die Infektionsgefahr etwas erhöht.

Kann ich das Baby gleich anlegen?

Bei einer Hausgeburt oder einer Geburt im Geburtshaus wird dies gern gesehen. Auch einige Krankenhäuser ermöglichen es den Frauen, ihre Babys noch in der Wanne anzulegen, solange die Nachgeburt noch nicht heraus ist. Wenn alles problemlos verlaufen ist, spricht auch nichts dagegen. Brauchen Baby oder Mutter jedoch intensivere Betreuung, kann das Baby erst später angelegt werden.

Was passiert mit der Nachgeburt?

Manche Krankenhäuser lassen die frischgebackene Mutter aussteigen, sobald das Baby geboren ist. Die Nachgeburt kommt dann erst im Bett heraus. Andere erlauben, dass die Plazenta ebenfalls in der Wanne „geboren“ wird. Sobald diese draußen ist, sollte die Schwangere aufstehen, da sich die Wundflächen in der Gebärmutter nun leichter entzünden können.

Die Nachgeburt wird vom Krankenhauspersonal entsorgt, es sei denn, du hast eine Lotusgeburt gewählt, bei der das Baby vorerst damit über die Nabelschnur verbunden bleibt.

Kann man einen Badezusatz verwenden?

Als Badezusatz eignet sich 1,5 bis 3 Kilo reines Meersalz. Schaumbad oder Öle sind tabu.

Hast du noch Fragen zur Wassergeburt oder hattest du selbst eine? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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