Wie sicher ist der voraussichtliche Entbindungstermin?

Der Entbindungstermin ist so ziemlich das erste, dass dir der Arzt bei einer Schwangerschaft mitteilt. Wichtige Untersuchungen und der Mutterschutz orientieren sich an ihm. Dabei ist der errechnete Geburtstermin alles andere als sicher. Warum das so ist und in welchem Zeitraum Babys tatsächlich geboren werden, erklären wir in diesem Artikel.

Nur 4 von 100 Babys kommen am Termin

Wenn eines sicher ist, dann, dass es der Entbindungstermin nicht ist. Denn nur etwa 4% der Frauen gebären tatsächlich an diesem Tag. Oft will das Baby früher heraus. Manchmal macht es sich noch hübsch. Rechnet man Einleitungen aufgrund von Komplikationen heraus, ist das Verhältnis ziemlich ausgeglichen.

Die allermeisten Geburten starten innerhalb von 10 Tagen vor bis zu 10 Tage nach dem ET (Entbindungstermin). Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Wichtig ist nur, dass du mit allem rechnest und dir auch keine Sorgen machst, wenn du über den Termin gehst. Denn auch das ist völlig normal.

Spätestens bei ET +10 raten die meisten Ärzte zur Einleitung. Ob sich diese Praxis auf Dauer halten wird, ist nicht ganz sicher. Sie ist aber definitiv ein Grund, warum es nur sehr wenige „echte Übertragungen“ jenseits der 42. Schwangerschaftswoche gibt. Vorher spricht man übrigens nur von einer Terminüberschreitung. Geburten 3 Wochen vor bis 2 Wochen nach dem Termin gelten als „Termingeburten“.

Wofür der Entbindungstermin (ET) überhaupt nötig ist

Den ungefähren Geburtstermin zu kennen, hat ein paar organisatorische Vorteile. Zum einen ist er für den Arbeitgeber wichtig, um den Beginn des Mutterschutzes einplanen zu können. Davon hängt das Mutterschaftsgeld ab.

Zum anderen hilft der ET den Krankenhäusern und Geburtshäusern bei der Berechnung von Personal und Betten. Das ist jedoch auch ein Grund, warum es mehr Einleitungen und Kaiserschnitte gibt, als es sollte. Denn ein geplanter Eingriff ist zeitlich viel besser einzugrenzen als eine natürliche Geburt.

Nicht zuletzt ist mithilfe des Entbindungstermin das etwaige Alter des Embryos bekannt. Und davon hängen wiederum Feindiagnostik-Untersuchungen, Test wie der Zuckerbelastungstest und generell das Timing von Vorsorgeuntersuchungen ab.

So wird der ungefähre Entbindungstermin berechnet

Vielleicht denkst du, dass der Entbindungstermin danach berechnet wird, wann die Befruchtung stattgefunden hat. Da der Tag der Zeugung jedoch selten bekannt ist, nutzt die Frauenärztin zuerst die ziemlich ungenaue Naegele-Methode und sichert sich dann durch einen Ultraschall ab. Für die Berechnung benötigt sie nur den Beginn deiner letzten Periode, bevor du schwanger wurdest.

Diese Methode geht erst mal davon aus, dass dein Zyklus 28 Tage lang ist und der Eisprung am 14. Tag stattfindet. Die Formel dazu sieht zwar kompliziert aus, ist aber ganz einfach, wenn du einen Jahres-Kalender benutzt: ET = 1. Tag Regelblutung + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr.

Wenn dein Zyklus länger oder kürzer ist oder du deinen Eisprung kennst, kann die Berechnung angepasst werden. Mit unserem Geburtsterminrechner geht das alles viel schneller. Heraus kommt der Tag mit der höchsten Geburtswahrscheinlichkeit (eben jene 4%!).

Schwangerschaften können unterschiedlich lang sein

Die Medizin ging bis vor einigen Jahren davon aus, dass eine Schwangerschaft vom ersten Tag der letzten Periode bis zum Geburtsbeginn 280 Tage dauert. Abweichungen wurden auf einen zu frühen oder zu späten Eisprung geschoben.

Auch wenn der Tag des Eisprungs eine Rolle spielt: eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2013 hat seine Verschiebung als alleinige Ursache ausgeschlossen. Das Team um Marija Jukic berechnete nämlich mithilfe des Hormonspiegels den exakten Tag der Ovulation (Eisprung). Und theoretisch hätten die so ermittelten Entbindungstermine ziemlich genau sein müssen. Waren sie aber nicht. Die Schwangerschaftsdauer schwankte trotzdem um ganze 37 Tage, und das bei nur 125 untersuchten Schwangerschaften.

Babys im Mutterbauch entwickeln sich also unterschiedlich schnell. Der Beginn einer natürlichen Geburt (Frühgeburten und Einleitungen ausgenommen) hängt aber davon ab, wann das Baby selbst durch Hormone den Startschuss gibt.

Was die Dauer der Schwangerschaft beeinflussen kann

  • Zeitpunkt des Eisprungs
    Da der Entbindungstermin immer noch nach dem Beginn der letzten Periode berechnet wird, kann ein später oder früher Eisprung im Zyklus die Schwangerschaftsdauer verändern. Bei einer Ultraschalluntersuchung wird das Datum dann meist entsprechend angepasst.
  • Tag der Einnistung
    Wie lange die befruchtete Eizelle für die Einnistung braucht, ist ganz unterschiedlich. Natürlich beeinflusst auch die Einnistung die Schwangerschaftsdauer.
  • Länge der Schwangerschaft bei früheren Kindern
    Wenn du bei früheren Kindern über den Termin gegangen ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass du auch dieses Kind länger im Bauch trägst.
  • Länge der Schwangerschaften in der nahen Familie
    Die Gene sollen auch eine Rolle spielen. Wenn dich deine Mutter ebenfalls lang ausgetragen hat, kann es gut sein, dass deine Schwangerschaft ebenfalls länger dauert.
  • Alter der Frau
    Man sagt, dass die Schwangerschaft pro Lebensjahr der Schwangeren einen Tag länger dauert.
  • Gewicht der Frau bei der eigenen Geburt
    Ein höheres Geburtsgewicht der werdenden Mutter spricht für eine längere Schwangerschaft und umgekehrt. Also am besten deine Mutter fragen, wie viel du gewogen hast 😉
  • Progesteron-Anstieg am Anfang der Schwangerschaft
    Die oben genannte Studie fand heraus, dass ein schneller Progesteron-Anstieg am Anfang der Schwangerschaft meist zu einer längeren Schwangerschaft führt. Steigt der Pegel erst spät, verkürzt sich die Schwangerschaft um einige Tage. Warum das so ist, ist noch nicht bekannt. testen kannst du es leider selbst nicht.
  • Entwicklung des Babys
    Manche Babys entwickeln sich schneller, andere langsamer. Das kann, muss aber nicht von der Versorgung im Mutterleib abhängen.
  • Erkrankung kurz vor ET
    Viele kennen das. Kurz vor der Geburt erwischt viele Schwangere noch mal eine fiese Erkältung. Wenn du richtig krank bist, ist dein Körper so schlau, die Geburt etwas herauszögern, damit du genug Kraft dafür hast.

Fazit: Sei auf alles vorbereitet!

Aber selbst wenn bei dir alles für eine lange Schwangerschaft spricht: sei auf das Gegenteil vorbereitet. Erledigungen, Formalitäten und co. solltest du nicht auf die lange Bank schieben. Denn die Erfahrung zeigt, dass viele Kinder schon 1-2 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin geboren werden möchten.

Wenn du dann noch mitten in den Vorbereitungen steckst, kannst du unter der Geburt nicht richtig entspannt sein. Das beste ist also, wenn du spätestens in der 38. Schwangerschaftswoche mit allem durch bist. Unser Schwangerschaftskalender hilft dir dabei.

Hast du noch eine Frage zum Thema zum voraussichtlichen Entbindungstermin? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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