Toxoplasmose in der Schwangerschaft: Das müssen Sie wissen

Toxoplasmose ist meist keine schlimme Erkrankung. In der Schwangerschaft kann sie jedoch zu Fehlgeburten oder schweren Behinderungen des Kindes führen. Daher ist Aufklärung und Vorbeugung enorm wichtig. Wir erklären, wo die Gefahren lauern und was Sie tun können, um eine Ansteckung zu verhindern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Toxoplasmose wird durch Katzenkot, verunreinigte Erde und rohes/halbgares Fleisch übertragen.
  • Die Katze ist der Hauptwirt, aber nicht der einzige Überträger.
  • Die Eier des Parasiten überstehen mitunter Temperaturen zwischen -20 und 69 Grad Celsius.
  • Die Krankheit verläuft oft symptomlos, in der Schwangerschaft ist Toxoplasmose für das ungeborene Kind aber sehr gefährlich.
  • Wer einmal Toxoplasmose hatte, ist meist immun.
  • Wer nicht immun ist, sollte Hygieneregeln und Ernährungsempfehlungen beachten.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft ist gefährlich

Toxoplasmose ist eine durch Haustiere übertragbare Krankheit (Zoonose). Sie wird durch Parasiten hervorgerufen, deren Eier sich über Katzenkot oder infiziertes Fleisch verbreiten.

Von erwachsenen Menschen wird die Krankheit meist problemlos überwunden. Infiziert sich jedoch eine Schwangere mit Toxoplasmose, kann das schwerwiegende Folgen für das Baby haben. Nicht immer findet eine Übertragung auf das Ungeborene statt. Wichtig ist dabei, in welchem Teil der Schwangerschaft die Ansteckung stattfindet.

  1. Im ersten Trimester ist die Ansteckungsgefahr für das Embryo mit etwa 15% am geringsten. Dafür sind die Schäden am größten, wenn es doch passiert. Daher kommt es in diesem Zeitraum meist zu einer Fehlgeburt.
  2. Im zweiten Trimester der Schwangerschaft beträgt die Gefahr der Übertragung von Toxoplasmose auf den Fötus bereits 45%. Hier sind die Folgen ebenfalls gravierend. Oft kommt es zu Hirnhautschädigungen, geistigen Behinderungen, Epilepsie, Netzhautschädigungen, Schäden an Lunge, Leber, Herzmuskel usw.
  3. Im dritten Trimester beträgt die Wahrscheinlichkeit der Übertragung ganze 65-70%. Betroffene Kinder zeigen oft nach der Geburt erst einmal keine Symptome. Folgeerscheinungen, wie für das 2. Trimester beschrieben, können (müssen aber nicht) noch bis zu 20 Jahre später auftreten.

Sicher gibt es auch Fälle, in denen alles gut gegangen ist. Aber das Risiko ist dennoch wirklich groß.

Die Katze ist der Endwirt

Nur im Darm der Katzen kann sich der Parasit geschlechtlich vermehren. Infizierte Tiere scheiden die Eier (Oozysten) über den Katzenkot aus. Dies erfolgt im Normalfall nur bei der Erstansteckung. Danach ist auch die befallene Katze im Regelfall immun. Gerade Jungtiere erwischt es häufig. Symptome gibt es meist keine, manchmal tritt etwas Durchfall auf. Wohnungskatzen stecken sich seltener an, aber auch hier ist eine Infektion durch rohes Fleisch oder Straßendreck an den Pfoten nicht ausgeschlossen. Freigänger sind besonders gefährdet, da sie viel über Erde laufen und Nagetiere sowie Vögel fangen.

Auch andere Tiere können Toxoplasmose übertragen

Auch wenn Katzen der Hauptüberträger sind, kann die Verbreitung zusätzlich durch sogenannte Zwischenwirte erfolgen, denn auch innerhalb eines Zwischenwirtes kann sich der Parasit ungeschlechtlich vermehren und ausbreiten. Nutztiere, Nagetiere und Vögel können die Eier oder Zwischenstufen des Parasiten über ihr Futter aufnehmen. Diese gelangen dann über die Blutbahn in Muskeln und Gehirn des Tieres. Wird das Fleisch dieser Tiere verzehrt, gelangen die „Eier“ in die Verdauung und durch die Darmwand in Blut und Lymphe des fleischessenden Tieres oder Menschen.

Die Bezeichnung „Eier“ ist stark vereinfacht

Je nach Übertragungsart (Endwirt-Endwirt, Endwirt-Zwischenwirt oder Zwischenwirt-Zwischenwirt) unterscheidet sich die Vermehrung innerhalb des Organismus. Eier als solche gibt es eigentlich nicht, sondern sie kommen in verschiedenen Stadien vor. Eier die ausgeschieden werden, heißen Oozysten. Diese „versporen“ sich außerhalb des Darmes und können dann oral von Tieren oder Mensch aufgenommen werden.

In ihnen befinden sich Sporozyten. Diese werden im Darm freigesetzt und gelangen durch die Darmwand in Blut- und Lymphbahn und von dort aus in Muskeln, Organe und Gehirn. Dort breiten sie sich aus, setzen sich in verschiedenen Zwischenstufen (Tachyzoiten, Bradyzoiten) fest und können dann wiederum von anderen Lebewesen beim Verzehr aufgenommen werden.

Der Mensch ist ebenfalls Zwischenwirt. Er kann die aufgenommenen Zwischenstufen des Parasiten über die Blutbahn bzw. den Mutterkuchen an das ungeborene Kind weitergeben.

Toxoplasmose verläuft bei Erwachsenen meist symptomlos

Die Inkubationszeit beträgt 1-3 Wochen. Danach besteht lebenslange Immunität. 70% der 50-Jährigen sind bereits immun, bei 20- bis 40-Jährigen sind es deutlich weniger.

Vorsicht: nur weil Sie als Kind viel im Dreck gebuddelt und mit Katzen zu tun hatten, heißt das nicht unbedingt, dass Sie auf jeden Fall vor Toxoplasmose in der Schwangerschaft geschützt sind.

Bei erwachsenen Personen mit einer normalen Immunabwehr bleibt die Infektion mit Toxoplasmose meist symptomlos. Nur ab und zu gibt es leichte grippeähnliche Symptome oder Lymphknotenschwellungen. Selten kommt es zu einer latenten, also unterschwellig andauernden Infektion mit verschiedenen Symptomen, die über Monate und Jahre immer wieder auftreten.

Eine Ausnahme bilden immungeschwächte oder aufgrund einer Therapie oder Transplantation immunsuprimierte Personen. Diese können unter umständen schwer erkranken. Meist kommt es zu Entzündungen im Gehirn (Enzephalitis) oder schweren Lungenentzündungen.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft vorbeugen

Lassen Sie sich zu Beginn der Schwangerschaft auf Toxoplasmose Antikörper testen. Ist der Test positiv, haben Sie bereits eine Ansteckung hinter sich und sind zumindest vor Toxoplasmose geschützt.

Wenn Sie vor der Schwangerschaft noch keine Toxoplasmose Infektion durchgemacht haben, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Waschen Sie sich häufig die Hände, vor allem vor dem Essen und nach dem Kontakt mit Katzen. Auch wenn Sie Haustiere angefasst haben, die regelmäßig mit Erde in Kontakt kommen, sollten Sie sich vorsehen.
  • Nach der Gartenarbeit müssen die Hände ebenfalls gründlich mit Seife gewaschen werden. Nutzen Sie bei der Gartenarbeit Handschuhe. Übrigens: Parasiten-Eier können im feuchten Erdreich bis zu 2 Jahre überleben!
  • Essen Sie auf keinen Fall rohes oder halbgares Fleisch. Dazu gehören auch Rohschinken, Mettwurst, Salami und kalt Geräuchertes. Die Eier werden nur abgetötet, wenn die Kerntemperatur des Fleisches mindestens 70 Grad erreicht hat. Sie überleben Gartemperaturen um 50 Grad etwa 20 Minuten lang. Fleisch, das vorher bei mindestens -21 Grad tiefgefroren war, ist relativ sicher.
  • Waschen Sie Gemüse, Salat und Obst immer sehr gründlich. Wenn Erde anhaftet, legen Sie es nicht ungewaschen auf Arbeitsplatte oder Küchenbrett ab. Auch im Kühlschrank überleben die Eier des Toxoplasmose Parasiten bis zu 3 Wochen. Reinigen Sie den Kühlschrank daher regelmäßig oder bewahren Sie das Gemüse in Behältern auf.
  • Reinigen Sie Küchenbretter und Messer nach der Zubereitung von Fleisch oder erdigem Gemüse immer besonders gründlich. Tauschen Sie auch Küchenschwämme und -lappen häufig aus.
  • Decken Sie die Sandkiste Ihrer Kinder bei Nichtgebrauch immer ab, damit Sie von freilaufenden Katzen nicht als Katzentoilette missbraucht werden kann.

Für Katzenhalter

Keine Angst, Sie müssen Ihre Katze nicht weggeben! Beachten Sie aber Folgendes:

  • Reinigen Sie die Katzentoilette nicht selbst, sondern beauftragen Sie jemand anderen damit. Manche raten zu täglicher Reinigung der Katzentoilette mit heißem Wasser (70 Grad). Dies ist aber im Alltag normalerweise nicht machbar. Vielleicht können Sie sich auf eine häufigere Reinigung als sonst einigen.
  • Lassen Sie die Katzen besser nicht in Ihrem Bett schlafen.
  • Laufen Sie nicht mit schmutzigen Straßenschuhen durch die Wohnung. Katzen können sich auch durch eingeschleppte Oozysten anstecken. Wischen Sie deshalb den Flurbereich etwas häufiger als sonst, am besten alle 2 Tage.
    Übrigens: Ein guter Dampfstrahler tötet die Eier ab, Desinfektionmittel sind hingegen wirkungslos. Die manuelle Entfernung mit dem Wischmopp ist im Normalfall dennoch ausreichend. Aber auch hier gilt: Handschuhe tragen!
  • Füttern Sie Ihre Katzen zumindest während der Schwangerschaft nicht mit rohem Fleisch. Wenn Ihre Katzen gern Mäuse und andere Nager fangen, können Sie leider nicht viel machen, außer vielleicht die Freigänge einzuschränken.

So wird Toxoplasmose in der Schwangerschaft behandelt

Eine frische Toxoplasmose-Infektion in der Schwangerschaft ist schwer festzustellen. Lediglich ein negativer Test zu Beginn und ein positiver Test im Verlauf der Schwangerschaft ist aussagekräftig. Aber auch dann kann die Ansteckung bereits überwunden sein und eine Behandlung käme zu spät.

Ist der Toxoplasmose Titer schon beim ersten Test erhöht, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wann die Ansteckung erfolgt. Bei Verdacht wird meist dennoch behandelt. Zum Einsatz kommen je nach Fortschritt der Schwangerschaft verschiedene Antibiotika in einer 4-wöchigen Therapie. Zusätzlich gibt man Folinsäure, um Rückenmarksschäden zu verhindern. Ist das Baby bei der Geburt mit Toxoplasmose infiziert, erhält es dieselben Medikamente.

Eine Impfung ist übrigens nicht möglich.

Toxoplasmose und Listerien – zwei verschiedene Paar Schuhe

Wenn Sie zu Beginn der Schwangerschaft bereits Antikörper gegen Toxoplasmose haben, sind sie in der Regel immun und müssen nicht ganz so aufpassen, als wären Sie noch nie mit dem Parasiten in Kontakt gekommen.

ABER: Der Verzehr von Rohwurst, rohem Fleisch und Fisch sowie Rohmilch- und Weichkäse ist dennoch keine gute Idee. Denn auch Listerien können Ihrem ungeborenen Kind extrem schaden. Eine Listeriose hat mit Toxoplasmose nichts zu tun. Listerien sind Bakterien, die über verdorbene oder verunreinigte Futtermittel meist auf Nutztiere übertragen werden. Isst der Mensch deren Fleisch, kann er sich anstecken.

Manchmal sind auch ungewaschenes Gemüse oder andere Lebensmittel wie fertige Salate etc. mit Listerien verunreinigt. Je länger die Lebensmittel dann lagern, desto größer ist die Ansteckungsgefahr. Auch hier gibt es keine Impfung. Halten Sie die Ernährungsempfehlungen und die oben genannten Hygieneregeln für Schwangere daher besser immer ein.

Fazit

Toxoplasmose in der Schwangerschaft ist nicht trivial. Wer sich testen lässt und bei negativem Titer (keine vorhandenen Antikörper) strenge Hygieneregeln beachtet sowie bestimmte Lebensmittel meidet, kann sich aber schützen. Auch wenn es nervt: damit können Sie verhindern, dass Ihr Baby schweren Schaden nimmt. Wir wünschen eine schöne Kugelzeit!

Haben Sie Erfahrungen mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft gemacht? Schreiben Sie uns gern einen Kommentar!

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