Schwangerschaftsvergiftung: Ursachen, Anzeichen & Folgen für das Baby

Eine Schwangerschaftsvergiftung im späteren Teil der Schwangerschaft kann für Mutter und Kind gefährlich werden. Tatsächlich ist der Begriff selbst bereits veraltet, da der Körper durch die Schwangerschaft nicht vergiftet wird. Nach wie vor wird eine Präeklampsie in der Umgangssprache jedoch noch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Beim Auftreten der Erkrankung sind eine schnelle Reaktion der Ärzte sowie eine sehr gute Überwachung der werdenden Mutter und des Babys wichtig.

Schwangerschaftsvergiftung – was ist das eigentlich?

Von einer Schwangerschaftsvergiftung wird gesprochen, wenn der Körper auf die Veränderungen durch die Schwangerschaft mit verschiedenen Reaktionen und Krankheiten reagiert, die für das Baby und die Mutter starke Auswirkungen haben können. Das häufigste Anzeichen, egal welcher Form der Schwangerschaftsvergiftung, ist der Bluthochdruck. Oft wird davon ausgegangen, dass die Schwangerschaftsvergiftung nur im letzten Trimester der Schwangerschaft auftreten kann. Dies ist jedoch nicht korrekt. Daher sollten Schwangere, die erste Anzeichen verspüren, direkt den Arzt ansprechen. Die Erkrankungen können bei jeder Frau anders verlaufen.

Präeklampsie oder Gestose – wo liegt der Unterschied?

Mal wird von einer Präeklampsie gesprochen, dann wieder von einer Gestose und über allem schwebt der Begriff der „Schwangerschaftsvergiftung“. Bei einer Präeklampsie handelt es sich um eine Spätgestose, die auch als EPH-Gestose bezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um eine hypertensive Erkrankung (hypertensiv = den erhöhten Blutdruck betreffend), die nach der 20. SSW auftreten kann. Es gibt Frauen, bei denen sich die ersten Anzeichen erst 14 Tage vor der Geburt bemerkbar machen. Dies ist jedoch eher selten.

Etwas anderes ist die Frühgestose, die vor der 20. Schwangerschaftswoche auftritt. Hierzu zählt beispielsweise ein starkes Erbrechen der Mutter, das bis zur Erkrankung Hyperemesis gravidarum führen kann. Diese Auffälligkeit ist nicht so selten. Rund zwei Prozent der Schwangeren sind betroffen. Oft lässt die starke Übelkeit bis zur 14. SSW nach. Es kann jedoch passieren, dass eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich wird. Dies ist der Fall, wenn weder Nahrung noch Flüssigkeiten im Körper bleiben und die werdende Mutter zwischen fünf und zehn Prozent von ihrem Gewicht verliert, das sie vor der Schwangerschaft gehabt hat. Das Problem bei dieser Form der Gestose ist der Einfluss auf das tägliche Leben. Die Betroffenen können kaum am Alltag teilnehmen, fühlen sich unwohl und schlapp.

Weniger bekannt ist die Pfropfgestose. Hierbei handelt es sich um eine Gestose, die auf der Basis einer Krankheit entstehen kann, unter der die werdende Mutter bereits vor der Schwangerschaft gelitten hat. Dies sind beispielsweise Nierenerkrankungen oder starker Bluthochdruck.

Wichtig: Wenn eine Präeklampsie zu spät erkannt wird, kann sie zu einer Frühgeburt und im schlimmsten Fall zum Tod von Mutter und Kind führen.

Die möglichen Faktoren für die Entstehung einer Gestose

Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Gestose beeinflussen können. Grundsätzlich kann jede Frau betroffen sein, auch wenn sie keinen der Faktoren bedient. Dennoch hat sich gezeigt, dass die nachfolgenden Punkte die Entstehung einer Gestose unterstützen können. Dazu gehören:

  • Bestehende Nierenkrankheiten
  • Bestehende Erkrankungen der Gefäßsysteme
  • Störungen im Bereich der Mikrozirkulation
  • Starker Magnesiummangel
  • Uteroplazentare Störungen der Durchblutung
  • Familiäre Vorbelastungen

Zusätzlich dazu gibt es einige Risikofaktoren, die ebenfalls für ein Auftreten sorgen können:

  • Bereits eine Früh-Gestose lag vor, damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Spät-Gestose
  • Es liegt eine Schwangerschaft mit Mehrlingen vor
  • Die Schwangere ist unter 18 Jahre oder mehr als 40 Jahre alt
  • Es handelt sich um die erste Schwangerschaft
  • Die Schwangere leidet unter Fettleibigkeit
  • Die Schwangere leidet unter Diabetes mellitus
  • Die Schwangere hat eine Autoimmunerkrankung

Die Symptome einer EPH-Gestose (Präeklampsie)

Deutlich gefährlicher als eine Frühgestose ist die Spätgestose. Die sogenannte Präeklampsie zeichnet sich durch drei messbare Anzeichen aus. Dies sind:

  • Ödeme, auch als Edema bezeichnet
  • Proteinurie – hohe Eiweißausscheidungen über den Urin
  • Hypertonie, auch als Bluthochdruck bezeichnet

Bei jeder Untersuchung durch den Arzt oder die Hebamme werden diese Faktoren geprüft. Allerdings kann es passieren, dass die Symptome zwischen den Terminen auftreten. Bereits bei einem der Symptome ist es wichtig, sich direkt mit der Hebamme oder dem Arzt in Verbindung zu setzen.

Zusätzlich zu den genannten Leitsymptomen gibt es auch noch weitere Hinweise für die Entstehung einer Präeklampsie. So können die nachfolgenden Punkte darauf hindeuten:

  • In der Lunge bilden sich Wassereinlagerungen
  • Die Nierenfunktion der werdenden Mutter ist eingeschränkt
  • Das Ungeborene weist Wachstumsverzögerungen auf
  • Es zeigen sich Störungen beim Nervensystem, wie Sehstörungen
  • Kopfschmerzen und Schwindel treten auf
  • Es kommt zu einer Hyperreflexie – hierbei handelt es sich um gesteigerte Reflexe
  • Übelkeit und Erbrechen können auftreten

Hinweis: Zwischen sechs und acht Prozent der werdenden Mütter sind von einer Gestose (unabhängig von der Form) betroffen. Die Gestose ist einer der häufigsten Gründe für den Tod der Mutter bei einer Schwangerschaft. Daher ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung unbedingt notwendig.

Die schwere Präeklampsie und ihre Symptome

Wenn es sich bereits um eine schwere Präeklampsie handelt, sind die Symptome sehr stark ausgeprägt. Die Blutdruckwerte liegen bei über 160/100 mmHg und die Nieren sind bereits geschädigt, sodass die Harnmenge abnimmt. Auch Oberbauchschmerzen, die im Bereich der rechten Seite liegen, können auftreten. Dies basiert auf einer starken Schädigung der Leber. Die Anzahl der Blutplättchen nimmt ab, es treten Sehstörungen und starke Kopfschmerzen auf.

Eine schwere Präeklampsie kann zu einer Eklampsie führen. In diesem Fall sind die Symptome gleich. Dazu kommen aber noch tonisch-klonische Krampfanfälle. Die betroffene Frau verkrampft stark, die Muskulatur ist angespannt und die Muskelzuckungen treten unwillkürlich aber rhythmisch auf. Wichtig zu beachten ist, ob die werdende Mutter unter einer Epilepsie leidet. In diesem Fall kann der Anfall durch einen Schub und nicht durch eine Eklampsie hervorgerufen werden.

Die Eklampsie tritt plötzlich auf und kann auch nach der Geburt noch einsetzen. Im schlimmsten Fall führt sie zu akutem Leber- und Nierenversagen, Koma oder einer Plazentainsuffizienz kommen. Ausgeprägte Symptome und ihre Folgen können zum Tod von Mutter und Kind führen.

Das HELLP-Syndrom in der Schwangerschaft

Auch das HELLP-Syndrom ist eine Spätgestose und kann, ebenso wie die Präeklampsie und die Eklampsie, im Rahmen der späten Schwangerschaft auftreten. Es wird umgangssprachlich als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Der Begriff setzt sich zusammen aus:

  1. H – für die Hämolysis, einen Blutzerfall
  2. EL – für Elevated Liver Enzyms, die Erhöhung von Leberwerten
  3. LP – für Low Platelet Count, das Nachlassen der Blutgerinnung

Oft treten zusätzlich Funktionsstörungen der Nieren auf. Auch beim HELLP-Syndrom steigt der Blutdruck deutlich an. Das Problem ist, dass dieses Erkrankung in fünf bis 15 Prozent der Fälle keine Proteinurie aufweist und somit teilweise erst spät erkannt wird.

Meist treten die Symptome überraschend und sehr stark auf. Als Leitsymptom gelten starke Oberbauchschmerzen. Es kann sein, dass sich Schmerzen im Rücken im Bereich der Nieren zeigen. Teilweise werden diese für Wehen gehalten. Deutliche Wassereinlagerungen im Gesicht oder an den Extremitäten sowie Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen und eine Gelbfärbung der Haut sind weitere Hinweise auf die Entwicklung von einem HELLP-Syndrom. Der Weg sollte direkt ins Krankenhaus führen.

Die Therapie bei einer Schwangerschaftsvergiftung

Abhängig von der Art und Stärke der Gestose erfolgt eine auf die Schwangere und das Ungeborene abgestimmte Therapie.

Zeigen sich erste Anzeichen einer Spät-Gestose, so wird erst einmal mit einer ambulanten Therapie gearbeitet. Die werdende Mutter bekommt gegen die Wassereinlagerungen enge Strümpfe oder Verbände. Sie muss die Beine hochlagern und den Stress deutlich verringern. Bei einem leichten Bluthochdruck wird mit Medikamenten gearbeitet. Steigt dieser auf 150/100 mmHg an, wird der Frauenarzt eine Therapie im Krankenhaus empfehlen.

Im Krankenhaus erfolgen eine dauerhafte Überwachung von Mutter und Kind sowie die Gabe von blutdrucksenkenden Medikamenten. Zusätzlich dazu gibt es Magnesium und regelmäßige CTGs um prüfen zu können, ob es dem Baby gut geht.

Bist du betroffen und hast die 37. Schwangerschaftswoche bereits vollendet, dann wird vermutlich die Geburt eingeleitet. Befindest du dich noch in der 35. Bis 37. Schwangerschaftswoche und die Präeklampsie ist bereits ausgeprägt, wird ebenfalls eine Geburt in Erwägung gezogen, da die Symptome nach der Entbindung abklingen. Schwieriger wird es, wenn du zwischen der 25. und 34. SSW sind. In diesen Fällen wird versucht, die Entbindung noch möglichst lange zu verzögern. Es ist möglich, dass die Lungenreifung beschleunigt wird.

Bei einem akuten HELLP-Syndrom handelt es sich um einen Notfall. Hier muss die Mutter normalerweise intensivmedizinisch betreut werden. Ein Notkaiserschnitt wird notwendig. Bei dem Einsatz von Medikamenten wird auf krampflösende und blutdrucksenkende Mittel zurückgegriffen. Handelt es sich noch um ein partielles HELLP-Syndrom mit bisher guten Laborwerten, wird oft mit einer therapeutischen Plasmapherese gearbeitet, um das Baby noch im Bauch lassen zu können. Hierbei erfolgt das Ersetzen des Blutplasmas der werdenden Mutter durch Frischplasma und eine Substitutionslösung.

Ist eine Vorbeugung der Schwangerschaftsvergiftung möglich?

Hast du bereits in einer vorangegangenen Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickelt, wird es in einer weiteren Schwangerschaft zu einer speziellen Vorsorge kommen. In den meisten Fällen wird der Arzt ab dem Erreichen der 16. SSW bis hin zur 34. Schwangerschaftswoche ASS, auch als Acetylsalicylsäure bekannt, verschreiben. Dies kann eine erneute Entstehung einer Schwangerschaftsvergiftung reduzieren.

Zusätzlich dazu erfolgt die Vorsorge zur Früherkennung in Form von Urintests ab der 20. Schwangerschaftswoche. Hier wird auf eine erhöhte Ausscheidung an Proteinen im Urin getestet sowie der Blutdruck kontrolliert. Einige Ärzte und Hebammen führen auch schon vor der 20. SSW diesen Test durch. Die regelmäßigen Vorsorgetermine sollten daher unbedingt in Anspruch genommen werden.

Zeigt sich erhöhter Blutdruck, wird dieser über ein Langzeit-Blutdruckmessgerät für mindestens einen Tag überwacht. Du kannst auch selbst deinen Blutdruck überwachen. Prüf die Werte einmal am Morgen und einmal am Abend und schreib sie auf. So stellst du eine Erhöhung schnell fest.

Auch eine eiweißreiche Ernährung kann vorbeugend wirken. Nimm regelmäßige Milchprodukte, Hülsenfrüchte oder Getreide zu dir und achte generell auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Damit die Proteine aus der Nahrung von deinem Körper verwertet werden können, dürfen auch Kohlenhydrate nicht fehlen.

Tipp: Geh lieber einmal zu viel zum Arzt oder zur Hebamme, als einmal zu wenig. Lass Unwohlsein abklären und bestehe auf eine Kontrolle von Auffälligkeiten.

Was ist deine Erfahrung mit einer Schwangerschaftsvergiftung? Schreib es uns in die Kommentare! 

Achtung: Viele Eltern machen Fehler beim Elterngeld!

Unserer Einschätzung nach sind 85% der Elterngeldanträge fehlerhaft. Die Folge: Eltern bekommen weniger Geld, weil sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen oder warten monatelang auf die Zahlung. Wie ihr beide Probleme vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Elterngeld-Onlinekurs oder in einer persönlichen Elterngeldberatung.


Bitte bewerte diesen Beitrag: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 4,24 von 5 Sternen - Insgesamt 25 Bewertungen
Loading...
Das könnte dir auch gefallen

Hinterlass einen Kommentar

Hinweis: Wir bekommen täglich etwa 50 Kommentare mit Fragen zum Elterngeld. Aus zeitlichen Gründen können wir diese individuellen Anfragen leider nicht beantworten. Unser Elterngeld-Onlinekurs wird von einem Expertenteam betreut. Bitte buche den Kurs, wenn du individuelle Fragen zum Elterngeld hast. Hier geht's zum Kurs.