Schwangerschaftsdiabetes: Ursache, Anzeichen & Behandlung

Schwangerschaftsdiabetes ist eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen überhaupt. Auch wenn sie kaum Symptome macht, sind die Risiken für Mutter und Kind hoch. Hierzulande betrifft diese Form der Glukosetoleranzstörung etwa 13% aller schwangeren Frauen. Aber wie entsteht sie? Wie und wann wird sie festgestellt und was kann man dagegen tun? Dieser Artikel beantwortet deine Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwangerschaftsdiabetes wird auch Gestationsdiabetes genannt.
  • Mehr als jede 10. Frau ist davon betroffen, ohne dass sie es merkt.
  • Übergewicht erhöht neben einigen anderen Faktoren das Risiko. Aber auch Frauen ohne Risiko  können es bekommen.
  • Die Auswirkungen auf Mutter und Kind können unentdeckt gravierend sein.
  • Zwischen der 24. und 28. sollte jede Schwangere einen Zuckerbelastungstest machen.
  • Wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt, kann eine Ernährungs- und Verhaltensumstellung oft Insulin-Gaben verhindern.

Was ist Schwangerschaftsdiabetes und wie entsteht er?

Als Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes oder Glukosetoleranzstörung) wird jede Form von Diabetes bezeichnet, die während der Schwangerschaft auftritt. Bei Diabetes handelt es sich um eine vorübergehende oder dauerhafte Störung des Zuckerstoffwechsels. Genauer gesagt ist die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen gestört. Zur Umwandlung von Glukose in Energie benötigen sie Insulin. Dieses wird von der Bauchspeicheldrüse hergestellt.

In der Schwangerschaft kann es entweder passieren, dass die Bauchspeicheldrüse es nicht schafft, ausreichend Insulin für den erhöhten Energiebedarf herzustellen. Oder die Zellen entwickeln gegen das Insulin aufgrund hemmender Schwangerschaftshormone eine Art Resistenz. Es ist also genügend Insulin vorhanden, die Wirkung ist aber geringer. Deshalb steigt der Blutzuckerspiegel stark an. Etwa 13% aller Schwangeren in Deutschland sind von einer Form des Gestationsdiabetes betroffen.

Schwangerschaftsdiabetes macht kaum Symptome

Das heimtückische am Schwangerschaftsdiabetes ist, dass man ihn nicht spürt oder auf den ersten Blick sieht. Nur in seltenen Fällen gibt es Anzeichen wie ein gesteigertes Durstgefühl oder wiederholte Harnwegsinfekte, die hellhörig machen könnten. Depressionen im ersten Schwangerschaftsdrittel gehen ebenfalls mit einem erhöhten Risiko einher.

Ein zu geringes oder übermäßiges Wachstum beim Fötus und eine große Fruchtwassermenge können auf einen Diabetes hinweisen, ebenso große Gewichtszunahme der Schwangeren oder erhöhter Blutdruck. Aber lediglich übermäßig erhöhte Blutzuckerwerte sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich ein Schwangerschaftsdiabetes entwickelt hat.

Das sind die Gefahren von Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes solltest du keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Ist er erst einmal diagnostiziert, sollte er dringend von einem Spezialisten behandelt werden. Denn die Auswirkungen sowohl auf das Kind als auch auf die werdende Mutter können gravierend sein. Deshalb wird die Schwangerschaft ab Diagnose als Risikoschwangerschaft eingestuft und engmaschig betreut.

Gefahren für das Kind

Mit einem unbehandelten oder schlecht eingestellten Gestationsdiabetes steigt das Risiko, dass es zu Komplikationen während und nach der Geburt kommt. Denn die hoch konzentrierte Glukose im Blut der Mutter wirkt wie ein Überangebot für das Kind. Die kindliche Bauchspeicheldrüse wird angeregt, immer mehr Insulin zu produzieren. Schafft sie das, nimmt das Kind über Gebühr zu. Vor allem der Bauchumfang ist dann außerhalb der Norm. Besonders große Kinder können oft nur durch einen Kaiserschnitt entbunden werden. Nach der Geburt kann es zu Unterzuckerung kommen, sobald das Kind vom mütterlichen Kreislauf getrennt wird.

Nimmt die Mutter wegen ihrer Stoffwechselprobleme nicht ausreichend zu, kommt es zur Unterversorgung des Kindes. Es ist dann kleiner und leichter, als es eigentlich sein müsste. Außerdem wirkt der hohe Blutzuckerspiegel hemmend auf die Erlangung der Lungenreife. Weshalb zu früh geborene Kinder diabetischer Mütter gravierendere Anpassungsschwierigkeiten haben als andere.

Auch Kinder, bei denen alles gut verlaufen ist, können die Auswirkungen des Schwangerschaftsdiabetes noch viel später zu spüren bekommen. Sie haben nämlich in den ersten 10 bis 20 Lebensjahren – wegen der Überbeanspruchung der kindlichen Bauchspeicheldrüse – ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit und neigen eher dazu, später selbst einen Diabetes Mellitus zu entwickeln. Wenn sie länger als 6 Monate gestillt werden, verringert sich das Risiko dafür.

Gefahren für die Mutter

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes erkranken öfter an einer Bluthochdruckkrankheit, wie der gefürchteten Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung), als andere. Eine engmaschige Betreuung ist hier nötig, da dadurch das Fehl- oder Totgeburtsrisiko steigt.

Und auch wenn der Diabetes in der Regel nach der Geburt wieder verschwindet, geht die Erkrankung an den Frauen oft nicht spurlos vorbei. 50% der betroffenen Frauen entwickeln im Laufe der folgenden 10 Jahre einen Typ-2 Diabetes. Langes Stillen kann das Risiko übrigens auch hier verringern.

Außerdem wird davon ausgegangen, dass auch zwischen Schwangerschaftsdiabetes und postnataler Depression ein Zusammenhang besteht.

So wird Gestationsdiabetes diagnostiziert

Ein Schwangerschaftsdiabetes manifestiert sich in der Regel zwischen der 25. und der 28. Schwangerschaftswoche (manchmal auch erst später!). Deshalb bittet der Frauenarzt die Schwangere, in dieser Zeit einen oder mehrere Tests zu absolvieren. Die Reihenfolge ist in der Regel wie folgt:

1. Das Screening (50 g GCT)

Beim Screening macht die Schwangere den sogenannten Glucose Challenge Test. Hier ist es egal, zu welcher Uhrzeit dieser stattfindet. Die Schwangere darf aber nicht nüchtern sein. Bei diesem Test trinkt sie innerhalb weniger Minuten eine 200 ml-Zuckerlösung, die 50 Gramm Glukose enthält. Nach einer Stunde Wartezeit wird Blut abgenommen. Liegt der Blutzuckerwert dann bei mehr als 135 mg/dl, ist er bedenklich und ein weiterer Test schließt sich an.

2. Der Glukosetoleranztest (75g oGTT)

Dieser Test ist etwas komplizierter, da die Schwangere 8 Stunden lang nüchtern gewesen sein muss. Ihr wird innerhalb von 2 Stunden drei mal Blut abgenommen. Einmal auf leeren Magen und zweimal nach dem Trinken einer 300 ml-Zuckerlösung mit 75 g Glukose. Anhand des Nüchternwertes und der Entwicklung der Werte nach der Zuckeraufnahme erkennt der Arzt, ob mit großer Wahrscheinlichkeit ein Gestationsdiabetes vorliegt oder nicht bzw. ob sich gerade einer entwickelt.

75g oGTTGrenzwerte im venösen Blutplasma
24+0 SSW bis 27+6 SSW(mg/dl)
Nüchtern92
Nach 1 Stunde180
Nach 2 Stunden153

3. Der Gang zum Diabetologen

Im dritten Schritt (manchmal auch schon gleich nach dem Screening) wird die Schwangere an einen Diabetologen überwiesen. Dieser wird im Zweifel weitere Tests durchführen. Ab jetzt werden die Werte regelmäßig, meist alle zwei Wochen, kontrolliert. Was genau beim Diabetologen passiert, erklärt der folgende Abschnitt.

Mittlerweile empfiehlt die WHO (Weltgesundheitsorganisation) allen Schwangeren den Glukosetoleranztest (75 g oGTT) ohne vorheriges Screening. Denn beim Screening bleiben etwa ein Drittel der Diabetesfälle unerkannt. Leider scheuen Versicherungen vor den Kosten zurück und Ärzte fürchten den großen Aufwand. Auch viele Schwangere möchten lieber nur den kleinen Test machen, obwohl dieser deutliche Schwachstellen birgt.

Eine Ernährungsumstellung erspart oft die Medikamente

Wurde ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, hängt es von den Blutzuckerwerten im Verlauf einiger Tage und der Entwicklung des Ungeborenen ab, ob eine Ernährungsumstellung ausreicht oder ob zusätzlich Insulin gegeben werden muss. In 85% der Fälle kommen Schwangere um Medikamente herum, indem sie die Anweisungen des Diabetologen strikt befolgen.

In der Arztpraxis berät der Arzt die Schwangere ausführlich zu diesen Themen:

  • Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte
  • Anpassung der Ernährungsgewohnheiten
  • Körperliche Bewegung
  • Allgemeine Lebensführung (Rauchverzicht etc.)
  • Nachsorge nach der Geburt

In den folgenden Wochen und Monaten muss die von Gestationsdiabetes betroffene Schwangere einige Protokolle anfertigen. Zum einen werden die Blutzuckerwerte möglichst lückenlos dokumentiert. Zum anderen lassen sich anhand von Ernährungsprotokollen Zusammenhänge zwischen Nahrung und Blutzuckerspitzen erkennen und sich der Ernährungsplan entsprechend anpassen.

Nach 2 Wochen erkennt der Arzt bereits, ob der gewählte Therapieweg ausreichend ist oder nicht. Aber auch danach wird er den Verlauf immer wieder kontrollieren.

Wenn Insulin nötig wird, erklärt der Diabetologe ausführlich, wie die Schwangere vorgehen muss, damit die Blutzuckerwerte nicht zu stark ansteigen oder abfallen. Meist müssen Schwangere länger wirksames NPH-Insulin in Form von Tabletten einnehmen und zusätzlich zu bestimmten Zeiten Kurzeitinsulin selbst spritzen.

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Eigentlich ahnen ja die meisten, dass eine zuckerreiche Ernährung ist in der Schwangerschaft (und auch sonst) keine gute Idee ist. Liegt jedoch ein Schwangerschaftsdiabetes vor, sind die Regeln noch etwas strikter. Hier gilt es alles zu vermeiden, das den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lässt. Dazu gehört vor allem Zucker in all seinen Formen.

Aber auch einfache Kohlenhydrate, wie sie in Weißmehlprodukten vorkommen, werden viel zu schnell in Glukose umgewandelt. Daher ersetzt man Weißmehlprodukte, aber auch weißen Reis und andere geschälte Körner durch Vollkorn. Denn dieses ist viel ballaststoffreicher und enthält langkettige Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lassen. Vollkern eignet sich besser als fein gemahlenes Mehl, da ganze Kerne länger verdaut werden müssen. So stellt sich auch Hunger erst später ein.

Obst enthält zwar auch viel Zucker, darf aber weiter auf den Speiseplan, solange der Anteil von Gemüse überwiegt. Der ballaststoffreiche Kohlenhydratanteil sollte etwa 40-50% betragen. In Einzelfällen auch weniger. Zu wenig ist aber gefährlich, da es nicht zu Gewichtsabnahme kommen darf und das Ungeborene auch versorgt werden muss. Dazu kommen 30-35% wertvolle Fette sowie 20% Eiweiße verschiedener Quellen.

Ab jetzt gilt es, 6 ausgewogene Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Zusätzlich sorgen reichlich Bewegung (sofern möglich) und ein gesunder Lebensstil dafür, dass der Stoffwechsel reibungslos funktioniert und die Werte im Normalbereich bleiben.

Das sind die Risikofaktoren von Schwangerschaftsdiabetes

Auch wenn Schwangerschaftsdiabetes in 40% der Fälle auch solche Frauen trifft, bei denen man es nicht erwartet hätte, gibt es doch Faktoren, die das Risiko deutlich erhöhen:

  • Direkte Verwandte hatten/haben Diabetes Mellitus.
  • Die Schwangere ist deutlich übergewichtig (BMI > 30).
  • Ihre Ernährung ist sehr kohlenhydratlastig (viel Zucker und Weißmehl, große Portionen).
  • Die Schwangere raucht (Rauchen beeinträchtigt den Glukosestoffwechsel).
  • Es gab in der Vergangenheit ein oder mehrere Fehlgeburten ohne erkennbare Ursache.
  • Die Schwangere musste in der Schwangerschaft Kortison oder Beta-Blocker nehmen.
  • Sie leidet unter PCO (Polyzystisches Ovarialsyndrom).
  • Ein früheres Kind hatte ein Geburtsgewicht über 4500 g.
  • Die Schwangere selbst hatte ein hohes Geburtsgewicht.
  • Die Schwangere ist über 35 (dazu existieren ganz unterschiedliche Angaben!)
  • In der letzten Schwangerschaft hatte sich ein Gestationsdiabetes entwickelt.
  • Die Fruchtwassermenge ist deutlich erhöht.
  • Der Bauchumfang des Ungeborenen ist überdurchschnittlich groß im Vergleich zum Rest des Körpers.

So kannst du vorbeugen

Um dein individuelles Risiko zu minimieren, kannst du einiges tun:

  • 6 kleinere ausgewogene Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • Viele Ballaststoffe in Form von Gemüse und Vollkorn und etwas Obst aufnehmen
  • Kaum bis gar keine Produkte mit zugesetztem Zucker (aller Art!) verzehren
  • Keine gesüßten Getränke trinken, Säfte immer stark verdünnen
  • Extrem stärkehaltige Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, weißen Reis und Kartoffeln meiden
  • Viel Bewegung in den Tagesablauf einplanen
  • Rauchen unbedingt aufgeben!

Fazit

Schwangerschaftsdiabetes ist sicherlich keine schöne Diagnose. Dennoch lässt er sich durch strikte Änderung der Ernährung- und Lebensweise meist gut in den Griff bekommen. Wenn Insulin nötig wird, ist auch das eher das kleinere Übel. Wichtig ist für die Gesundheit von Mutter und Kind, dass der Diabetes früh entdeckt und umfassend therapiert wird. Deshalb solltest du unbedingt zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche am Screening (GCT = Glucose Challenge Test) teilnehmen. Wenn du dich gleich für den großen Glukosetoleranztest (oGTT) entscheidest, gehst du auf Nummer sicher.

Hast du noch Fragen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes oder möchtest du deine Erfahrungen teilen? Dann schreib uns gern einen Kommentar!


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