Schreibabys: So helfen Sie Ihrem Baby wirklich

Das Schreien ist für Ihr Baby die einzige Möglichkeit, um mit Nachdruck auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass die hier erreichten Töne in Ihnen den Wunsch wecken, das Schreien zu beenden. Sie werden also die Bedürfnisse Ihres Kindes stillen. Dies ist biologisch verankert. Doch was ist, wenn Ihr Baby zu den durchschnittlich 20% gehört, die innerhalb der ersten drei Monate als Schreibaby bezeichnet werden? Wir wollen Ihnen in diesem Beitrag erklären, was ein Schreibaby ausmacht, Mythen entkräften und Ihnen Tipps mit an die Hand geben, wie Sie Ihr Baby sanft beruhigen können.

Was macht ein Schreibaby aus?

Jedes Baby weint. Ihr Baby wird grundsätzlich erst einmal versuchen, über verschiedene Zeichen mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Sie haben hier bereits die Möglichkeit, schnell zu reagieren. Dennoch lässt es sich nicht immer vermeiden, dass Ihr Baby schreit. Das ist ganz normal. Einige Eltern fühlen sich durch das Schreien stärker belastet, andere können damit sehr gut umgehen. Doch vielleicht kommt bei Ihnen die Frage auf, ab wann Ihr Baby eigentlich zu den Schreibabys gehört. Hier gibt es eine ganz einfache Formel, die als 3er-Regel bekannt geworden ist:

Schreit Ihr Baby innerhalb von drei Wochen an drei Tagen mindestens drei Stunden, so gehört es zu den Schreibabys.

Dies ist die medizinische Klassifizierung, auf die Ärzte gerne zurückgreifen. Gehen Sie nun mit Ihrem Baby zum Arzt, weil Sie sich fragen, ob es möglicherweise Schmerzen hat, wird dieser Sie vermutlich um ein Schreiprotokoll bitten. Sie können dieses Protokoll schon vorher anfertigen. Notieren Sie sich einfach ungefähr die Zeiten, zu denen Ihr Baby weint. Dies gibt dem Arzt einen ersten Anhaltspunkt.

Es gibt Schreibabys, die schreien 3 Stunden am Tag, es gibt jedoch auch Extremfälle, die in jeder Minute schreien, in der sie wach sind. Zwischen etwa 3 und 9 Stunden Schreien am Tag liegt eine enorme Spannweite.

Wichtig: Ihr Kind schreit weniger als hier angegeben? Das heißt nicht, dass Sie übertreiben oder das einfach so hinnehmen müssen. Jeder hat eine individuelle Schmerzgrenze. Sobald Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen ist es wichtig, dass Sie sich Hilfe holen.

Ihr Baby schreit nicht ohne Grund, auch wenn es auf Sie vielleicht erst einmal so wirkt, als hätte es keinen Grund.

Die Symptome bei Schreibabys

Schreibabys weisen bestimmte Symptome auf. Häufig ist zu beobachten, dass die exzessiven Phasen des Schreiens am Abend beginnen. Auch über den Tag weinen die Babys oft, am Abend wird es jedoch oft noch stärker. Das kann damit zusammenhängen, dass sowohl Sie als auch Ihr Baby am Abend zur Ruhe kommen und sich nun der Stress und die Reize des Tages ihren Weg bahnen. Während viele Babys gut damit umgehen können, haben andere Kinder große Probleme. Ebenfalls ein Symptom ist, dass sich Ihr Baby nicht einfach beruhigen lässt. Weder angebotene Nahrung, noch körperliche Nähe oder auch das Singen von Mama oder Papa helfen. Wenn Sie es dann doch geschafft haben, dass Ihr Baby schläft oder nicht mehr weint, reicht oft schon ein Wimpernschlag und es geht von vorne los. Dies wirkt sich auf den Schlaf Ihres Babys aus. Es ist unruhig, hat nur sehr kurze Schlafphasen und kommt oft nur vor Erschöpfung in den Schlaf.

Hinweis am Rande: Viele Babys weinen vor allem am Abend. Das betrifft nicht nur Schreibabys. Tatsächlich zeigt sich, dass Kinder auf der ganzen Welt am Abend stärker und mehr weinen, als über den Tag.

Warum schreit mein Baby?

Wenn Ihr Baby schreit, möchte es auf sich aufmerksam machen. Oft hat dies ganz einfache Gründe. Besonders häufig sind Hunger oder Müdigkeit, das Bedürfnis nach Nähe oder eine volle Windel die Ursache. Dies sind jedoch alles Faktoren, die Sie schnell prüfen können. Schwieriger wird es, wenn Ihr Baby gerade gegessen und eine frische Windel hat, vielleicht sogar bereits sein Nickerchen hinter sich hat und nun noch immer weint.

Als Eltern haben Sie nun die Aufgabe herauszufinden, warum Ihr Baby so viel weint. Dies kann zu einer echten Herausforderung werden. Es gibt Eltern die davon berichten, dass sie die ersten Wochen von einem Arzt zum anderen gelaufen sind, bis sie schließlich die Ursache gefunden haben. Das ist jedoch nicht die Mehrzahl. In der Regel hat Ihr Baby einen Grund für das Schreien, den Sie durch das Ausschlussverfahren herausfinden können. Das bedeutet jedoch dass Sie Geduld und sehr starke Nerven mitbringen müssen. Allerdings ist der Effekt für beide Seiten positiv.

Um das Verfahren anwenden zu können, sollten Sie erst einmal einen Überblick darüber bekommen, welche Ursachen für das Schreien bei einem Baby vorliegen können:

Hunger als Ursache für das Schreien

Hunger ist einer der wohl häufigsten Gründe, warum Babys weinen. Bereits bevor sie anfangen zu schreien, werden sie unruhig. Sie strampeln und versuchen, sich die Faust zum Mund zu führen. Sie bewegen den Kopf hin und her und suchen so nach der mütterlichen Brust oder der Flasche. Nicht immer nehmen wir diese Zeichen auch wahr und es kommt dazu, dass Ihr Baby zu schreien beginnt. Es lässt sich relativ leicht herausfinden, ob Ihr Baby Hunger hat: Bieten Sie ihm etwas zu trinken an.

Oft sind Eltern jedoch verunsichert. Sicher haben auch Sie den Tipp bekommen, dass zwischen den Mahlzeiten zwei bis vier Stunden Zeit liegen sollten. Das ist jedoch absolut nicht notwendig, Sie können nach Bedarf füttern. Dies gilt sowohl für Pre-Nahrung als auch für Muttermilch. Zudem sollten Sie bedenken, dass Muttermilch sehr leicht verdaulich ist und Sie nicht wissen, wie viel Ihr Baby getrunken hat. Bieten Sie zur Beruhigung also ruhig die Brust an, auch wenn Sie unsicher sind.

Beim Stillen kommt dazu noch der Prozess des Clusterns. Dies beschreibt den Vorgang, dass Ihr Baby sehr häufig und sehr lange an der Brust trinken möchte. Die Natur sorgt auf diese Weise dafür, dass Ihre Milchmenge an den Bedarf des Babys angepasst wird. Sie denken jedoch vielleicht, dass Ihr Baby nicht satt wird. Das Clustern tritt nur in Phasen auf und es ist empfehlenswert, dies zu fördern und das Baby nicht unnötig hinzuhalten, damit Sie bestimmte Zeiten einhalten können. Weitere Infos zum Clusterfeeding gibt es hier.

Es gibt dennoch Anzeichen, die auch darauf hindeuten können, dass Sie als Stillmutter tatsächlich zu wenig Milch haben. Wenn Ihr Baby nicht oder nur wenig zunimmt, ist dies ein erster Anhaltspunkt. Aus diesem Grund wird die Hebamme bei der Betreuung im Wochenbett das Gewicht regelmäßig prüfen. Bei Babys ist auch die Fontanelle ein Bereich, der Aufschluss über das Wohlbefinden geben kann. Ist sie eingefallen, dann leidet Ihr Baby unter einem starken Flüssigkeitsverlust. Aufschluss kann auch die Haut Ihres Babys geben. Wirkt sie ganz besonders blass, ist es gut möglich, dass Ihr Kind nicht ausreichend Milch zu sich nimmt.

Sie haben hier verschiedene Möglichkeiten:

  1. Stillen nach Bedarf:
    Dies ist eine Grundlage, die generell in Anspruch genommen werden sollte. Stillen Sie Ihr Baby nach Bedarf. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Ihr Baby genau weiß, was gut für es ist. Das heißt, wenn es Hunger hat und das auch zeigt, können Sie es ruhig anlegen. Dabei ist unwichtig, wann es das letzte Mal getrunken hat.
  2. Fördern Sie die Milchmenge:
    Häufiges Anlegen fördert die Milchmenge bereits. Es gibt aber auch noch andere Varianten, die dabei helfen können, dass Sie mehr Milch bekommen. Spezielle Still-Tees sind eine gute Idee. Zudem können Sie eine Kur mit Bockshornklee-Kapseln durchführen. Sprechen Sie hierfür einfach Ihre Hebamme an.
  3. Zufüttern – die Zwiemilch-Ernährung:
    Wenn Sie zusätzlich zum Stillen zufüttern, so wird hier von einer Zwiemilch-Ernährung gesprochen. Ihr Baby bekommt zwei verschiedene Arten von Milch: die Muttermilch und die Pre-Nahrung. In der Praxis legen Sie Ihr Baby erst an und bieten ihm anschließend noch Pre aus der Flasche an. Machen Sie es bitte nicht andersherum. Das Problem dabei ist, dass Ihr Baby schon satt sein und weniger an der Brust trinken könnte. Das wirkt sich auf die Milch aus, da dann weniger produziert wird. Teilweise ist es möglich, die Zwiemlich-Ernährung nach und nach auf komplettes Stillen wieder umzustellen.
  4. Pre-Nahrung geben:
    In seltenen Fällen kann es passieren, dass Sie nicht ausreichend oder gar keine Milch haben. Teilweise entscheiden sich auch Frauen aus der Stresssituation heraus, das Stillen zu beenden. Ganz besonders wichtig ist es, dass Sie sich mit Ihrer Entscheidung wohlfühlen. Wenn Sie Pre-Nahrung geben, können Sie erkennen, wie viel Ihr Baby getrunken hat. Aber auch hier ist es möglich, dass dies nicht der einzige Grund für das Schreien ist oder Ihr Baby durch die Umstellung unter Bauchschmerzen zu leiden hat. Besprechen Sie das Thema ruhig mit einer Stillberaterin, einer Hebamme oder Ihrem Kinderarzt.

3-Monat-Koliken – was ist wirklich dran?

Sprechen Sie mit anderen Eltern über die Problematik, dass Ihr Baby sehr viel weint, erhalten Sie oft ein müdes Lächeln und den Verweis darauf, dass es sich hier womöglich um die 3-Monats-Koliken handelt. Bei dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass die fehlende Darmreife für verstärkte Blähungen sorgt. Das kann natürlich zutreffen – ist jedoch in den wenigsten Fällen so. Ihr Baby muss nach der Geburt mit der neuen Nahrung umgehen, der Darm stellt sich um und das wird von einigen Babys gut verkraftet und von anderen Babys weniger gut. Es kann zu Blähungen kommen, die für den Nachwuchs unangenehm sind. Dies ist jedoch nicht immer eine Ursache für sehr starkes und exzessives Schreien. Möchten Sie prüfen, ob Ihr Baby möglicherweise unter Bauchschmerzen leidet und dies die Ursache für sein Schreien sein kann, so können Sie darauf achten, ob die Beschwerden zu einem bestimmten Zeitpunkt auftreten und ob sich Ihr Baby beruhigt, wenn die Blähungen nachlassen. Wenn es gepupst hat und trotzdem weiter schreit, ist es kein Anzeichen für Blähungen als Auslöser des Schreiens. Auch wenn sich das Schreien auf die Abendstunden konzentriert, ist das ein weiterer Indikator, der gegen Blähungen als Ursache spricht. Denn ansonsten würde das Baby auch tagsüber genauso viel schreien. Wenn Sie Ihr Baby durch andere Methoden wie Pucken oder bestimmte Geräusche beruhigen können, dann können Sie in jedem Fall davon ausgehen, dass Blähungen nicht die Ursache für das Schreien sind.

Sollten Sie feststellen, dass tatsächlich Blähungen das Problem sind, dann finden Sie in dieser Übersicht alle nötigen Tipps und Tricks, um das Problem zu lösen. Falls das nicht weiterhilft, dann lesen Sie hier weiter.

Für Sie in dem Fall relevant:

Hinweis: Sprechen Sie mit dem Arzt über die Möglichkeit einer Unverträglichkeit. Gerade dann, wenn Sie zu Ersatznahrung greifen, kann es passieren, dass Ihr Baby Bestandteile davon nicht verträgt.

Die Regulationsstörung – ein Begriff mit einer großen Bedeutung

Haben Sie schon einmal vom vierten Trimester in Bezug auf Babys gehört? Es gibt Theorien, die davon ausgehen, dass menschliche Babys zu früh geboren werden und eigentlich noch mindestens drei Monate länger im Bauch bleiben müssten, damit sie sich auf der Welt schneller und besser anpassen können. Die Regulationsstörung basiert auf der Idee, dass Babys in den ersten Wochen nach der Geburt unter einer starken Überreizung leiden und Probleme damit haben, in der Welt anzukommen. Tatsächlich erlebt der kleine Mensch gerade in den ersten Lebenstagen sehr viel Neues. Bisher hat er 40 Wochen unter Ihrem Herzen verbracht. Hier war es warm, er war in einer kuschligen Umgebung und eingehüllt in Ihren Herzschlag. Nach der Geburt muss er sich an die Umgebung gewöhnen. Es ist hell, laut und kalt. Er wird nicht mehr rund um die Uhr über die Nabelschnur und das Fruchtwasser versorgt, sondern ist auf eine externe Versorgung durch die Eltern angewiesen.

Viele Babys sind durch diese Veränderungen schnell überfordert, was sich in einem häufigen Schreien äußern kann. An diesem Punkt kommt das Wochenbett ins Spiel. Die acht Wochen nach der Geburt sollten ganz allein Ihnen und Ihrem Baby vorbehalten sein. In dieser Zeit ist es wichtig, dass Sie viel kuscheln, Ihrem Baby dabei helfen, einfach in Ruhe anzukommen. Verbringen Sie Zeit im Bett, kuscheln Sie auch Haut auf Haut und stillen Sie die Bedürfnisse nach Bedarf. Verzichten Sie darauf, ständig Besuch zu empfangen oder lange unterwegs zu sein und setzen Sie Ihrem Baby so nicht noch mehr Reizen aus. Natürlich möchte die Familie sehr gerne sehen, wie der kleine Erdenbürger aussieht. Aber Ihr Baby ist auch nach acht Wochen ganz sicher noch sehr niedlich anzusehen.

Heute nehmen sich immer weniger Familien die Zeit für ein ruhiges Wochenbett. Das kann mehrere Gründe haben. Wenn Sie schon ältere Kinder haben, gibt es oft gar nicht die Möglichkeit für diese entspannten Stunden. Bauen Sie dann dennoch bewusst Pausen ein und nehmen Sie sich die Zeit. Das wird nicht nur Ihrem Baby gut tun. Auch die Speicher von Mama und Papa füllen sich wieder. Sie haben mehr Energie, in den Schreistunden auf Ihr Kind eingehen zu können. Ihre Nerven sind weniger stark strapaziert.

Eine Überreizung kann zudem dafür sorgen, dass Ihr Baby nicht einschlafen kann. Das klassische Bild eines Kindes, das einfach die Augen schließt und schläft, egal wo es gerade ist, begleitet uns durch die Schwangerschaft. Nicht alle Babys schlafen jedoch einfach, wenn sie müde sind. Leiden sie unter einer Flut von verschiedenen Eindrücken und sind die Sinne überlastet, kommen sie nicht zur Ruhe.

Die Regulationsstörung gilt als einer der häufigsten Auslöser für Schreibabys. Oft wird sie jedoch erst spät erkannt, da gerade junge Eltern die Zeichen nicht zu deuten wissen. Das Problem dabei ist in erster Linie, dass Termine, Treffen und Besuche, die für Sie nicht anstrengend sind, Ihr Baby deutlich überfordern können. Babys, die mit der aktuellen Situation und den Reizen überfordert sind, müssten sich eigentlich in den Schlaf zurückziehen. Das schaffen Kinder mit einer Regulationsstörung jedoch nicht oder nur sehr schwer. Oft schlafen sie vor Erschöpfung ein.

Optimal ist es natürlich, wenn Sie bereits vor der Reizüberflutung erkennen, dass Ihr Baby müde ist und in diesem Zusammenhang vielleicht auch Termine verschieben oder gar Besuche absagen. Normalerweise wird Ihr Baby Ihnen mit klaren Zeichen zeigen, wenn es müde wird. So strampelt es weniger, hat ein erhöhtes Saugbedürfnis und gähnt häufig. Viele Babys fixieren auch einen Punkt und versuchen so, die Umwelt auszublenden. Schaffen sie dies nicht, werden sie nur noch wütender. Versuchen Sie, diese Zeichen bereits zu erkennen und Ihrem Baby in den Schlaf zu helfen. Dies kann durch einen kleinen Spaziergang, das Einschlafstillen oder auch das Tragen im Tuch oder der Trage passieren.

Verzichten Sie auf Mobile und Spieluhr, wenn Ihr Baby dazu neigt, viel zu weinen. Summen Sie lieber vorsichtig, legen Sie Ihr Baby dicht an Ihren Körper oder auf Ihren Körper und machen Sie sanfte Bewegungen, damit Sie es beruhigen können. Schauen Sie darauf, dass mögliche Reize reduziert werden. Dunkeln Sie den Raum ab, verzichten Sie auf Radio und Fernsehen und konzentrieren Sie sich ganz auf Ihr Baby.

Wenn Ihr Baby unter einer Regulationsstörung leidet, dann können Sie es besonders gut beruhigen indem Sie die Bedingungen des Mutterleibs immitieren. Dazu gehören vor allem auch die Mutterleibsgeräusche. Man spricht vom „weißen Rauschen“. Diese Geräusche können Sie hier kostenlos herunterladen und ausprobieren.

Wie Sie Ihrem Baby bei Regulationsstörungen besonders helfen können, erfahren Sie im Buch „Schreibaby Zauberformel“. Darin lernen Sie eine Taktik, mit der Sie Ihr Baby in wenigen Minuten beruhigen können und die bei allen Babys mit Regulationsstörung funktioniert. Sehr zu empfehlen!

Blockaden als Auslöser für starkes Schreien

Noch vor einigen Jahren haben viele Menschen gar nicht gewusst, dass es das KiSS-Syndrom überhaupt gibt. Heute sind Ärzte und auch Hebammen stark sensibilisiert. Wenden sich Eltern an sie, deren Kinder viel und stark schreien, geben sie meist die Empfehlung, zu einem Osteopathen zu gehen, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind. Dieser soll prüfen, ob möglicherweise Blockaden vorliegen. Der Auslöser dafür können beispielsweise ein Kaiserschnitt, eine schwere Geburt oder auch ein sehr enger Geburtskanal sein. Bis heute gibt es keine schulmedizinische Anerkennung für das KiSS-Syndrom. Da jedoch viele Eltern sehr gute Erfahrungen mit der Behandlung durch den Osteopathen gemacht haben, empfehlen viele Hebammen diese Kontrolle inzwischen.

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch eine manuelle Therapie, bei der mehrere Sitzungen notwendig sein können. Nach der Behandlung kann es zu einer kurzzeitigen Verstärkung der Symptome kommen. Dies wird Ihnen durch den Alternativmediziner mitgeteilt.

Es gibt verschiedene Anzeichen, die darauf hindeuten, dass Ihr Kind möglicherweise eine Blockade oder auch das KiSS-Syndrom hat. Bei einigen Symptomen wird Ihr Kinderarzt nachfragen, ob Ihnen diese aufgefallen sind. Andere Anzeichen kann der Arzt selbst überprüfen. So zeigen sich bei betroffenen Babys beispielsweise Schwierigkeiten beim Stillen und Schlucken. Sie haben eine „Lieblingsseite“ und dies macht sich durch eine kahle Stelle am Hinterkopf oder am seitlichen Kopf bemerkbar. Auch das Überstrecken oder die C-Form des Körpers, wenn Ihr Baby liegt, kann Hinweise auf eine Blockade geben.

Es kann sinnvoll sein, zu einem Spezialisten zu gehen. Einige Osteopathen haben sich auf die Behandlung von Babys und Kleinkindern spezialisiert. Die Kosten übernehmen einige Krankenkassen mittlerweile übrigens anteilig oder ganz.

Die Nahrungsmittelunverträglichkeit bei Ihrem Baby

Bei einem Säugling kann noch nicht unbedingt von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit gesprochen werden. Dennoch gibt es Babys, die eine Milcheiweiß-Allergie entwickeln. Vor allem dann, wenn Sie Pre-Nahrung füttern, kann es passieren, dass Ihr Baby eine Allergie hat. Viele Babys spucken stark, egal ob sie Muttermilch oder Ersatz-Milch erhalten. Schwierig wird es dann, wenn es nicht nur ein wenig Milch ist, weil der Magen möglicherweise zu voll war. Erbrechen in Kombination mit Durchfall, ein geschwollener Bauch und starke Blähungen können ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Baby die Nahrung nicht verträgt. In diesem Fall wird Ihr Baby vor allem nach den Mahlzeiten viel und auch sehr stark weinen und sich nur schwer beruhigen lassen. Zudem ist es möglich, dass Ihr Baby die Flasche ablehnt und die Nahrung nicht aufnehmen möchte.

Einige Eltern probieren sich in diesem Fall durch die gesamte Palette der Angebote für Säuglingsnahrung. Das kann jedoch ebenfalls schwierig werden. So braucht der Verdauungstrakt Ihres Babys erst einmal ein paar Tage, bis er sich an den Nahrungswechsel gewöhnt hat. Zudem haben die meisten Milchpulver eine ähnliche Basis an Inhaltsstoffen. Daher gibt es spezielle Nahrung, die für Babys mit einem Laktasemangel oder einer Kuhmilchunverträglichkeit entwickelt wurden. Wichtig ist, dass der Arzt kontrolliert, welche Art von Mangel zu finden ist. So gibt es deutliche Unterschiede zwischen der Kuhmilchunverträglichkeit und der Laktoseintoleranz. Ihrem Baby fehlt ein Enzym, wenn es unter einer Laktoseintoleranz leidet. Diese ist jedoch nur bei wenigen Babys der Fall. Häufiger tritt die Kuhmilchproteinunverträglichkeit auf.

Nicht nur Babys, die Pre-Nahrung erhalten, können diese Anzeichen übrigens aufweisen. Auch in der Muttermilch sind teilweise Kuhmilchproteine enthalten. Essen Sie sehr viel Joghurt oder trinken Sie viel Milch, können diese in die Muttermilch übergehen. In diesem Fall wird der Arzt Ihnen raten, ein Ernährungstagebuch zu führen und auf Milchprodukte zu verzichten. Nach einigen Tagen müsste dann eine Besserung des Zustandes Ihres Babys eintreten.

Ein Leistenbruch als Auslöser für das Schreien

Eine nicht selten vorkommende Erkrankung bei einem Baby ist der Leistenbruch. In diesem Fall zeigt sich im Leistenkanal eine Ausstülpung. Oft wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um den Darm handelt. Meist ist es jedoch nur das Bauchfell. Dennoch können Darmteile ebenfalls betroffen sein. Nicht immer erkennen Eltern frühzeitig, dass ihr Baby einen Leistenbruch hat. Teilweise ist dieser zu Beginn noch schmerzlos und nicht zu erkennen. Nimmt die Ausstülpung jedoch zu, kann Ihr Baby starke Schmerzen haben. Meist zeigt sich jedoch eine Schwellung im Bauchbereich. Es ist möglich, dass diese Schwellung sich nicht durchgängig zeigt. Gerade dann, wenn Ihr Baby stark schreit, tritt sie noch stärker hervor. Gehen Sie direkt zum Arzt oder in die Notaufnahme. Bei einem Leistenbruch ist eine Operation meist unumgänglich.

Verstopfung durch einen Darmverschluss

Das Verdauungssystem von Neugeborenen ist sehr empfindlich und so denken sich Eltern meist nichts, wenn ihr Baby einige Tage keinen Stuhlgang hat. Problematisch wird es allerdings, wenn Ihr Baby unter Verstopfungen leidet. Diese können als Ursache einen Darmverschluss haben. In diesem Fall kann der Inhalt des Darms diesen nicht mehr passieren und verbleibt dort. Es kommt zu einem Verschluss. Ihr Baby wird die Beinchen anziehen, stark und langanhaltend weinen und sich nicht trösten lassen. Zudem kommt es zu Erbrechen. Je weiter der Darmverschluss fortgeschritten ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihr Baby nicht nur Magen- sondern auch Darminhalt erbricht. Ihr Baby muss sofort zu einem Arzt. Haben Sie die Vermutung, dass ein Darmverschluss bestehen könnte, sollten Sie dies direkt vom Kinderarzt prüfen lassen.

Hinweis: Verstopfungen können auch ohne Darmverschluss auftreten. In diesem Fall können Sie den Arzt ansprechen. Er wird Ihnen möglicherweise einen Miniklister geben, mit dem Sie Ihrem Baby das Abführen erleichtern können. Gerade bei der Einführung von Beikost sind Verstopfungen keine Seltenheit.

Stillkinder sind meist weniger davon betroffen und auch da sollten Sie wissen, dass Stillkinder bis zu 10 Tage auch mal keine volle Windel haben können. Das ist vollkommen normal und nicht direkt ein Hinweis auf eine Verstopfung.

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Ruhig mal schreien lassen? – Warum Eltern so viel Angst haben, ihr Baby zu verwöhnen

Wenn Sie Eltern werden, erhalten Sie vermutlich hier und da ungefragt einige Ratschläge, die Sie sich eigentlich nicht zu Herzen nehmen möchten. Dennoch bleiben diese Ratschläge im Kopf. Einer davon könnte sein, dass Sie Ihr Baby ruhig schreien lassen sollten, damit Sie es nicht verwöhnen. In früheren Zeiten wurde das Schreien lassen tatsächlich praktiziert. Heute weiß man es jedoch besser. Jedes Baby, das weint, hat ein Problem oder ein Bedürfnis und Sie als Eltern haben die Aufgabe, dieses Bedürfnis zu stillen oder auch das Problem zu lösen.

Dennoch stellen Sie sich vielleicht die Frage, ob Ihr Baby möglicherweise versucht, Sie zu manipulieren. Die Frage ist: Kann man ein Baby verwöhnen? Nein kann man nicht! Ihr Baby kann Sie nicht manipulieren und ein Verwöhnen mit Nähe und Wärme ist nicht möglich. Hier können Sie sich auch über das Bonding informieren. Dieses enge Band knüpfen Sie mit Ihrem Baby bereits während und direkt nach der Geburt. Es bindet sich an Sie als seine Bezugsperson. Dabei ist es darauf angewiesen, dass Sie sich kümmern, wenn es ein Bedürfnis hat. Schaffen Sie das nicht, kann sich das Weinen noch verstärken. Damit zeigt es seine Frustration. Sicher haben Sie schon von Erfolgserlebnissen gehört, wo das Baby irgendwann aufgehört hat zu weinen, wenn die Eltern nicht jedes Mal direkt hingegangen sind. Dies basiert jedoch nicht auf einem Lerneffekt, sondern auf einer Resignation. Reagiert niemand auf das Weinen, wird das Baby feststellen, dass es keine Hilfe bekommt. Das kann sich leider sehr negativ auf die spätere Entwicklung und das Vertrauen auf Sie auswirken.

Die Angst davor, dass Sie Ihr Baby verwöhnen könnten, ist in erster Linie dem Umfeld geschuldet, das Ihnen suggeriert, dass Ihr Kind Ihnen später auf der Nase herumtanzen wird, wenn Sie sich immer sofort kümmern. Sie leben mit der Sorge, ob Ihr Baby vielleicht immer nur auf dem Arm einschlafen wird, wenn Sie dies jetzt zulassen oder ob es niemals feste Mahlzeiten hat, wenn Sie es nach Bedarf füttern oder anlegen.

Im Rahmen dieser Unsicherheit ist ein Blick auf die Evolution hilfreich. Babys, die früher von ihren Eltern allein gelassen wurden, egal ob sie geweint haben oder nicht, hatten keine Chance zu überleben. Sind sie nicht erfroren oder verhungert, wurden sie von wilden Tieren gefressen. Eltern war es also ein Bedürfnis, es gar nicht erst zum Weinen kommen zu lassen, damit die Familie keine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bis heute ist es in den Babys verankert, dass es für Sie eine Todesgefahr darstellt, wenn sie nicht beachtet werden. Über die Monate und auch Jahre hinweg, wenn Sie das Band zwischen sich und Ihrem Kind immer mehr gestärkt haben, wird es von ganz allein in seiner Neugier die Welt erkunden und weniger auf Sie angewiesen sein.

Die Angst vor dem Versagen

Bereits dann, wenn ein Baby kein Schreibaby ist, haben vor allem Eltern, die das erste Kind bekommen haben, Angst vor dem Versagen. Noch schwieriger wird es jedoch, wenn Ihr Baby sehr viel und scheinbar ohne Grund weint. Sie stellen sich die Frage, ob Sie als Eltern nicht in der Lage sind, sich richtig um Ihr Baby zu kümmern. Die Angst davor, zu versagen und als Mutter oder Vater nicht geeignet zu sein, ist groß. Sie ist sogar so groß, dass Sie verlernen, auf Ihren Instinkt zu hören oder gar nicht erst zulassen, dass dieser Ihnen Hinweise gibt. Machen Sie sich in diesem Fall klar, dass Sie keine Schuld am Schreien Ihres Babys tragen, sondern dies evolutionsbedingt überlebensnotwendig für den Nachwuchs ist. Wenn Ihr Baby weint, dann liegt das Problem weder bei Ihnen noch bei Ihrem Kind. Stattdessen haben Sie ein Problem bei der Verständigung.

Umso wichtiger ist es, dass Sie nun Schritt für Schritt vorgehen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Baby grundsätzlich alles hat, was es braucht. Notieren Sie sich die Schreizeiten und gehen Sie ruhig schon frühzeitig zum Arzt, um körperliche Ursachen ausschließen zu lassen.

Das Leben mit einem Schreibaby ist eine besondere Herausforderung. Angst, Unsicherheit und auch der Punkt, an dem Sie nicht mehr können, gehören zum Alltag. Stellen Sie fest, dass Sie dies nicht mehr allein schaffen können, haben Sie die Möglichkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Unterstützung durch Hebamme, Arzt, Familie und Schreiambulanz

Sie können verschiedene Wege einschlagen, wenn Sie sich Unterstützung wünschen. Sprechen Sie hier ruhig Ihre Hebamme an. Diese kann Ihnen möglicherweise schon sehr gute Tipps geben. Auch der Arzt sollte eine der ersten Anlaufstellen sein, wenn Ihr Baby sehr viel und häufig weint.

Neben der Abklärung möglicher Ursachen, dürfen Sie auch sich selbst nicht aus den Augen verlieren. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn Sie sich dafür entscheiden, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vielleicht haben Sie Familie oder auch Freunde in der näheren Umgebung, die eine Stunde auf Ihr Baby aufpassen können. Während diese einen Spaziergang mit dem Nachwuchs machen, können Sie den Akku wieder aufladen. Ihr Baby spürt, wenn Sie unsicher und genervt sind. Achten Sie daher von Beginn an auch auf Ihren Körper und Ihre Seele.

Ein weiterer Schritt ist der Weg zur Schreiambulanz. Deutschlandweit gibt es immer mehr Schreiambulanzen, die Sie in Anspruch nehmen können. Hier arbeiten Psychologen, Hebammen und Kinderärzte meist unentgeltlich und stehen Ihnen auch am Wochenende zur Verfügung. Eine gute Schreiambulanz erkennen Sie daran, dass Ihr Gegenüber Ihnen differenzierte Fragen stellt und sowohl Ihr Baby als auch Sie genau beobachtet und das weitere Vorgehen auf Ihre persönliche Situation abstimmt.

Zur Liste der Schreiambulanzen in Deutschland

Monate können sich wie Jahre anfühlen, wenn Sie ein Schreibaby haben und dennoch wird es besser werden. Sobald Ihr Baby in der Lage ist, sich auch anders mitzuteilen, lassen die exzessiven Schreizeiten normalerweise nach.

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Unser Tipp, wenn Sie ein Schreibaby haben

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Wenn Sie ein Schreibaby haben, dann besorgen Sie sich am besten das Buch "Mein Schreibaby liebevoll beruhigen". Sie lernen darin alle relevanten Hintergründe zum Schreien kennen und effektive Beruhigungsmethoden. Vielen Eltern hat das Buch bereits weitergeholfen!


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