Die Riester-Rente 2018

Vor-und Nachteile auf einem Blick und wie sie sich für Sie wirklich lohnt

Das Wichtigste in Kürze

  • Riestern kann grundsätzlich jeder, der in die staatliche Rentenversicherung einzahlt oder dessen Ehepartner einzahlt.
  • Für die volle Förderung beträgt der Beitrag 4% des sozialversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich der Förderung.
  • Es gibt staatliche Förderungen in Form von Zulagen oder Steuervorteilen.
  • Grundzulage: 175 Euro Jahr zzgl. Kinderzulage von 185 Euro für Kinder, die vor dem 1.1.2008 und 300 Euro pro Jahr für Kinder, die nach dem 31.12.2007 geboren wurden.
  • Neu seit 2018: Die Riester-Rente lohnt sich inzwischen für jeden, da die Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter entfällt.

Grundlagen zur Riester Rente

Wie Sie noch sehen werden, fällt das Thema Riester-Rente komplexer aus, als mancher denkt. Den unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten für ihre Riester-Rente liegen aber fast allen die gleichen Sachverhalte während der Ansparphase und des Rentenbezuges vor. Bei Wohn-Riester gibt es die eine oder andere Abweichung.

Wer erhält die staatliche Förderung bei Riester-Renten?

Um den staatlichen Zuschuss zur Riester-Rente zu erhalten, müssen Sie in der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sein. Das trifft auf die meisten normalen Arbeitnehmer zu. Bezieher von Arbeitslosengeld, Krankengeld und Arbeitslosengeld II haben ebenfalls Anspruch auf die Riesterförderung. Rentenversicherungspflichtige Selbstständige, pflichtversicherte Landwirte und Wehr- und Zivildienstleistende gehören ebenfalls zum förderfähigen Personenkreis. Beamte, Richter und Soldaten erhalten die staatliche Förderung, wenn sie nur deswegen nicht versicherungspflichtig sind, weil sie eine beamtenrechtliche oder beamtenähnliche Versorgung erhalten. Auch Minijobber profitieren von der staatlichen Förderung, wenn sie nicht auf den Eigenanteil des Beitrags zur Rentenversicherung verzichten.

Ehe- oder Lebenspartner der oben genannten Personengruppen erhalten ebenfalls eine Förderung, auch wenn sie selbst nicht dazu berechtigt wären. Dafür müssen sie allerdings mindestens 60 Euro pro Kalenderjahr in einen Riestervertrag einzahlen.

Höhe der Förderung und Bedingungen der Riester-Rente

Die staatliche Förderung der Riester-Rente kann auf zwei verschiedene Wege erfolgen:

  1. Der Sparer erhält die Zulage.
  2. Die Beiträge werden steuerlich als Sonderausgaben anerkannt.

Sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, welcher Weg für Sie der profitablere ist. Das Finanzamt nimmt eine sogenannte Günstigerprüfung vor und prüft, ob die Zulage oder der Steuervorteil für Sie rentierlicher ist.

Riester-Förderungen im Überblick

Wir hatten bereits festgehalten, dass der maximale Sparbeitrag vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens, maximal 2.100 Euro ausmacht.

Zunächst einmal erhält jeder Riester-Sparer die Grundförderung in Höhe von 175 Euro im Jahr, vorausgesetzt, er hat die vier Prozent als Berechnungsgrundlage ausgeschöpft. Die Grundförderung erhöht sich für Eltern noch um die Kinderzulage. Diese beläuft sich auf 185 Euro im Jahr für Kinder mit Geburtsdatum vor dem 1.1.2008 und auf 300 Euro jährlich für Kinder mit Geburtsdatum nach dem 31.12.2007.

Zusätzlich erhalten Berufseinsteiger noch einen einmaligen Bonus in Höhe von 200 Euro, wenn sie ihren Riestervertrag vor Vollendung des 25. Lebensjahres abgeschlossen haben.

Riester-Rente: Zulagenempfänger

Wie wichtig die volle Ausschöpfung der Vier-Prozent-Grenze ist, zeigt die nebenstehende Grafik.

Nur etwas mehr als die Hälfte der Begünstigten erhielten 2013 und 2014 die volle, ihnen eigentlich zustehende Zulage! Ursache ist vermutlich der nicht an ein verändertes Einkommen angepasste Zulagenantrag. Sichern Sie sich ihre volle Zulage durch den Dauerzulagenantrag und überprüfen Sie jährlich ihren Beitrag in Bezug auf das Jahreseinkommen.

Die Förderung auf einen Blick:

Grundzulage175 Euro im Jahr
Kinderzulage vor dem 1.1.2008 geboren185 Euro im Jahr
Kinderzulage nach dem 31.12.2007 geboren300 Euro im Jahr
Einmalige Zulage Berufsanfänger200 Euro

Wir wollen Ihnen die graue Theorie der Riester-Förderung anhand von zwei Beispielen nachvollziehbar machen:

Fall 1: Hubert Maier, 55.000 Euro Einkommen, keine Kinder, ledig

Herr Maier muss für das Erreichen der vollen Zulage mindestens 4% seines Vorjahreseinkommens in den Riestervertrag einzahlen. Diese Summe wäre bei 2.200 Euro erreicht. Er muss aber nur maximal 2.100 Euro einzahlen, um die Förderung zu erhalten. Zudem darf er die Grundzulage in Höhe von 175 Euro von seinen zu leistenden Beträgen abziehen. Er zahlt also 1.925 Euro jährlich oder 160,42 Euro monatlich in den Vertrag ein. Übersteigt sein Steuervorteil bei Sonderausgabenabzug der Beiträge die Grundzulage, greift die steuerliche Absetzbarkeit.

Fall 2: Simone Huber, 22.000 Euro Einkommen, Zwillinge, geb. 2010, alleinerziehend

Frau Huber zahlt ebenfalls 4% ihres Vorjahreseinkommens in den Riestervertrag ein. Bei 22.000 Euro Einkommen entspricht der maximale Sparbeitrag 880 Euro. Davon darf sie aber noch die Zulagen für sich und ihre Kinder abziehen. Von den 880 Euro gehen also noch einmal 175 Euro Grundzulage und zweimal 300 Euro Kinderzulage ab, sodass ihr eigentlicher Eigenanteil nur noch bei 105 Euro im Jahr bzw. 8,75 Euro monatlich liegt. Der Staat übernimmt 85% ihres Gesamtbeitrags durch die Zulagen der Riester-Rente. Die steuerliche Komponente kommt bei dieser Gestaltung nicht zum Tragen.

Darf ich auch weniger in den Vertrag einzahlen?

Es steht ihnen natürlich frei, weniger als die einkommensabhängige Größe in den Vertrag einzuzahlen. Denken Sie aber daran, dass dies zu einer Kürzung der Zulage führt! Riester rentiert sich, umso mehr, je höher ihre Zulage ausfällt!
Sie können die Beiträge jederzeit anpassen oder damit pausieren.

Was passiert, wenn ich den Riestervertrag kündigen will?

Im Gegensatz zu einer betrieblichen Altersvorsorge kann man durchaus eine Riester-Rente kündigen. Allerdings sollten Sie im Vorfeld gut kalkulieren, ob es sich lohnt. Grundsätzlich werden alle erstatteten Zulagen an den Staat zurückgeführt. Gleiches gilt für mögliche Steuervorteile.

Handelt es sich bei ihrem Riestervertrag um eine Versicherung, ist es in ihrem eigenen Interesse zwingend notwendig, dass Sie sich im Vorfeld über den Rückkaufswert informieren. Bekanntermaßen fließen bei einer Versicherung Provisionen. Diese können 30 oder 40 Promille der kalkulierten Beitragssumme ausmachen. Die Provision wird über die ersten Jahre verteilt von ihren Sparbeiträgen einbehalten und mindert das Sparguthaben. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Rückkaufswert einer Rentenversicherung, und das gilt auch für Riester, geringer als das eingezahlte Guthaben ausfällt.

Bei einem Banksparvertrag und bei Investmentfonds besteht dieser Kostenfaktor nicht. Die Kündigungsfrist bei einem Riester-Vertrag beträgt grundsätzlich drei Monate zum Quartalsende.

Tipp: Beitragsfreistellung als sinnvollere Alternative

Besser als mit der Kündigung ihrer Riester-Rente stellen Sie sich mit einer Beitragsfreistellung.

  • Es fallen keine Kosten an.
  • Erhaltene Zulagen bleiben im Vertragsguthaben.
  • Jederzeitige Möglichkeit, den Vertrag wieder zu bedienen.
  • Erworbene Ansprüche bleiben erhalten.

Wann muss ich die erhaltenen Zulagen zurückzahlen?

Neben der Kündigung gibt es noch andere Situationen, in denen Sie die erhaltenen Zulagen wieder zurückzahlen müssten.

  • Der Riester-Sparer verstirbt während der Ansparphase. Nur der Ehepartner kann den Vertrag zulagenunschädlich weiterführen. Im Falle anderer Erben fordert die Zulagenstelle die erhaltene Förderung zurück.
  • Bei Kapitalentnahme vor Beginn des vereinbarten Rentenbezuges. Ausnahme ist, dass Sie dieses Geld für den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum verwenden.
  • Wohn-Riester sieht noch weitere Gründe für eine Rückzahlung vor, die wir aber ausführlicher im entsprechenden Abschnitt behandeln werden.
  • Wichtig ist, dass die Riester-Rente nicht weltweit ausgezahlt wird. Der Rentenempfänger muss sich innerhalb der EU aufhalten, andernfalls ist dies auch zulagenschädlich.

Kann ich das Guthaben aus Riesterverträgen übertragen?

Wer seine Anlageform für die Riester-Rente ändern möchte, kann dies jederzeit tun. Hier müssen wir jedoch ein großes „aber“ in den Raum stellen.

Zum einen hat der abgebende Vertragspartner das Recht, ihnen eine Gebühr von maximal 150 Euro in Rechnung zu stellen. Zum anderen kann es sein, dass Sie erneut Abschlusskosten tragen müssen. Wechseln Sie beispielsweise von einem Versicherungsunternehmen zu einem anderen, entstehen wieder die oben beschriebenen Abschlusskosten. Diese mindern die Rendite des Vertrages natürlich erheblich.

Der Gesetzgeber sieht zwar vor, dass ein Unternehmen einen bestehenden Vertrag freigeben muss. Eine Annahmepflicht durch ein anderes Unternehmen besteht allerdings nicht. Hier wurde wohl auf die Abschlussgier der jeweiligen Finanzdienstleister gesetzt.

Sie bewegen sich auf der sicheren Seite, wenn Sie bei einem geplanten Wechsel im Vorfeld bei ihrem neuen Wunschpartner klären, dass der den Vertrag annimmt.

Welche Grundlagen müssen Riesterprodukte erfüllen, damit die staatliche Förderung gezahlt wird?

Damit ihr Riester-Sparvertrag auch unter die staatliche Förderung fällt, muss er von der BaFin zertifiziert sein. Die Zertifizierung setzt voraus, dass der Vertrag die folgenden Anforderungen erfüllt:

  • Der Vertrag sicherte eine garantierte Rentenhöhe, mindestens eingezahlte Beiträge plus Zulagen, zu. Dies gilt auch für Investmentsparverträge.
  • Die Rentenzahlung beginnt frühestens ab dem 62. Lebensjahr (für Verträge mit Abschlussdatum vor dem 1.1.2013 gilt noch das 60. Lebensjahr).
  • Die Riester-Rente garantiert eine lebenslange Rentenzahlung. Sie dürfen nicht mehr als 30 Prozent des angesparten Kapitals als Einmalzahlung nutzen.
  • Der Vertrag erlaubt Beitragspausen.
  • Ein Produktwechsel muss möglich sein.
  • Abschluss- und Vertriebskosten müssen sich auf mindestens fünf Jahre verteilen.
  • Der Produktanbieter informiert den Kunden umfassend über verschiedene Details wie Beitragsmittelverwendung, Anlageaspekte und die Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten.
  • Die Rentenleistung muss mindestens gleich bleiben, oder ansteigen.
  • 20 Prozent des Beitrages dürfen für einen Einschluss der Hinterbliebenenversorgung oder Absicherung einer Berufs- oder Dienstunfähigkeit verwendet werden.
  • Ausnahmen von diesen Grundlagen gibt es nur in zwei Bereichen. Sieht die gesetzliche Rentenversicherung für bestimmte Berufsgruppen ein früheres Renteneintrittsalter als das 62. Lebensjahr vor, gilt diese Grenze entsprechend. Diese Regelung greift zum Beispiel bei Piloten und Bergarbeiter.
  • Für Wohn-Riesterverträge gelten noch weiterführende Kriterien, die wir im speziellen Abschnitt zu Wohn-Riester erläutern werden.

Welche Arten von Riesterverträgen gibt es?

Sie können sich ihre persönliche Riester-Rente über verschiedene Ansparformen aufbauen. Jede mag ihre individuellen Vor- und Nachteile haben und in die Auswahl spielt auch die Risikofreude des Anlegers, aber auch die Lebensplanung hinein.

Folgende Wege stehen ihnen zur Verfügung:

  • Rentenversicherungen (klassisch oder fondsgebunden)
  • Sparpläne (fondsgebunden oder klassisch)
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge – Achtung! (Weshalb „Achtung!“, erklären wir im entsprechenden Abschnitt.)
  • Wohn-Riester-Darlehen
  • Wohn-Riester-Bausparverträge

Während Sparpläne nur noch von sehr wenigen Banken angeboten werden, können Sie alle anderen Produkte über jede Bank, Makler oder Außendienstmitarbeiter eines Finanzdienstleisters abschließen.

Bis jetzt haben Sie sich über die Grundlagen der Riester-Rente informiert. Im Folgenden wollen wir die einzelnen Sparvarianten mit allen Vorteilen und Nachteilen vorstellen und herausarbeiten, für wen sich welche Variante lohnt.

Nun sind wir mit den Grundlagen zur Riester-Rente durch. Eines können wir ihnen schon an dieser Stelle sagen: Riester lohnt sich allen Kritiken zum Trotz – vorausgesetzt, Sie wählen die Variante, die mit ihrer Lebensplanung am Besten zu vereinbaren ist. Dabei wollen wir ihnen helfen.

Lohnt sich die Riester-Rente?

Wir hatten ja bereits einige Berechnungsbeispiele angeführt, die zeigen, dass sich die Riester-Rente durchaus lohnt. Wir wollen aber auch darauf eingehen, für wen welche Variante interessant ist und welche Variante unrentabel bleibt.

Grundsätzlich ist der Aufbau einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge mit Riesterprodukten empfehlenswert. Die Riester-Rente sollte dabei nicht als einziger Baustein dienen, sondern als Ergänzung zu weiteren Produkten. Dazu zählt in erster Linie die betriebliche Altersversorgung.

Pauschalierungen sind gefährlich, aber eine Aussage können wir treffen: Für Familien mit Kindern lohnt sich Riester auf jeden Fall. Unstrittig ist, dass die Kinderzulage spätestens nach 25 Jahren entfällt. Unstrittig ist aber auch, dass sie in dieser Zeit einen wesentlichen Anteil am Kapitalstock des Vertrages beigetragen hat, der sich auch bis zum Ende der Ansparphase weiter verzinst.

Neu seit 2018: Mit dem Wegfall der Anrechnung der Riester-Rente auf mögliche Grundsicherung im Alter lohnt sich Riester jetzt auch für die Bezieher sehr kleiner Einkommen. Auf der anderen Seite profitieren Bezieher höherer und hoher Einkommen, auch ohne Kinder, von den Steuervorteilen. In der Praxis hat sich oft genug gezeigt, dass Besserverdienende einen Riester-Investmentsparplan als staatlich geförderte Kapitalanlage in ihrem Portfolio betrachten.

Hauptkritikpunkte an Riester

Die Frage, ob sich Riester lohnt, geht Hand in Hand mit den Berichten zu Riester in den Medien. Die wichtigsten Kritikpunkte wollen wir aufgreifen und erläutern:

1) Die Riester-Rente hat nur eine geringe Rendite und hohe Kosten

Häufig liest man in den Medien, dass die Kosten bei einem Riester-Vertrag die Rendite auffressen. Dazu muss man wissen, dass die Abschluss-und Verwaltungskosten (die teilweise 15 bis 20% der eingezahlten Beiträge ausmachen) auf die ersten 5 Jahre der Vertragslaufzeit aufgeteilt werden. Daher kann es vorkommen, dass Sie nach 5 Jahren weniger auf Ihrem Riester-Konto sehen als Sie eingezahlt haben. Danach allerdings sind die Abschlusskosten, der Löwenanteil, abgedeckt und die Rendite steigt stetig an. Von nun an profitieren Sie deutlich von den Zulagen. Als Faustregel können Sie sich merken: Wenn ein Riester-Vertrag deutlich weniger als 15 Jahre läuft, sind die Kosten im Vergleich zur Rendite hoch und es kann sein, dass sich der Vertrag für Sie nicht lohnt. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren und mehr ist das allerdings nicht der Fall.

2) Bei geringem Einkommen lohnt sich die Riester-Rente nicht

Das war vor 2018 korrekt, denn da wurde die Riester-Rente noch auf die Grundsicherung im Alter angerechnet. Seit 2018 ist dies jedoch nicht mehr der Fall und auch für Menschen mit einem geringen Einkommen lohnt sich die Riester-Rente wieder. Außerdem gilt: Wer weniger verdient, muss auch weniger in den Riester-Vertrag einzahlen. Geringverdiener erhalten damit unter Umständen höhere Zulagen als sie selbst einzahlen.

3) Riester ist nur für Familien sinnvoll

Es stimmt, dass besonders Familien von den Zulagen profitieren. Sie erhalten 185 Euro für jedes vor dem 1.1.2008 geborene Kind und 300 Euro für jedes nach dem 31.12.2007 geborene Kind. Dennoch lohnt sich die Riester-Rente auch für kinderlose Sparer. Sie erhalten die Grundzulage in Höhe von 175 Euro im Jahr vom Staat.

Welches Riester-Produkt für wen?

Damit sich die Riester-Rente für Sie lohnt, muss das Produkt passen. Wir wollen nachfolgend die unterschiedlichen Möglichkeiten einmal beleuchten.
Die Zeitschrift Finanztest hat eine Grafik erstellt, die einen ersten Überblick gibt:

Die verschiedenen Riester-Formen

Quelle: www.test.de, 17.10.2017

1) Die klassische Riester-Rentenversicherung

Um ehrlich zu sein, kann der Hinweis bei dieser Form der Riester-Rente nur lauten: Finger weg. Geringe Erträge und Provisionen für den Vertrieb führen dazu, dass die klassische Riester-Rente in Bezug auf Rendite ganz unten in der Reihe steht. Für konservative Sparer gibt es andere Alternativen. Je älter der Anleger ist, um so unrentabler wird zu dem die Rentenversicherung.

2) Die fondsgebundene Riester-Rentenversicherung

Wertentwicklung am Aktienmarkt
Wertentwicklung am Aktienmarkt

Aktien gelten als inflationssichere Geldanlage, die trotz jeden Kursrückganges am Ende wieder Anlauf für die nächste Kurssteigerung nehmen. Die folgende Grafik des US-Analystenhauses Ibbotson verdeutlicht dies über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten.

Neben klassischen Fondspolicen erobern immer mehr Indexpolicen den Markt. Bei dieser Variante wird das Geld nicht in Aktienfonds angelegt, sondern in sogenannte ETFs, Exchange Trading Funds. Diese Fonds sind nicht aktiv gemanaged, sondern bilden einen beliebigen Index eins zu eins nach. Handelt es sich beispielsweise um einen ETF auf den DAX 30, muss das Fondsmanagement nur eingreifen, wenn sich die Zusammensetzung im DAX ändert. Dieser Umstand schlägt sich in den Kosten nieder, weshalb eine fondsgebundene Rentenversicherung mit einem Index unterlegt die kostengünstigere Alternative darstellt.

Vergleichen Sie dennoch die Kosten der verschiedenen Anbieter – es lohnt sich!

3) Der Investmentsparplan

Kosten von ETFs und Fonds im Vergleich

Investmentsparpläne waren nicht von Beginn an für Riester zertifiziert. Diese kamen erst später zu der Produktfamilie hinzu. Sie eignen sich für all diejenigen, die auf Aktien als Geldanlage setzen und noch einige Jahre an Vorsparzeitraum vor sich haben.

Da die Höhe der Zahlung aus der Riester-Rente später einmal garantiert ist, müssen die Fondsgesellschaften einen Teil des Kapitals zu einem späteren Zeitpunkt in eine Leibrente wandeln. Damit stellen sie sicher, dass ab dem 85. Lebensjahr die garantierte Rentenzahlung weiterhin lebenslang erfolgt.
Investmentsparpläne eignen sich vor allem für jüngere Sparer und aktienaffine Anleger. Es rentiert sich auf jeden Fall, einen Blick auf die Kosten, auch im direkten Vergleich zwischen klassischen Aktienfonds und ETFs, wie die folgende Grafik verdeutlicht:

4) Der Riester-Banksparplan

Wer erst mit 50 anfängt zu riestern, ist auch mit einer fondsgebundenen Rentenversicherung schlecht beraten. Die Vorlaufzeit fällt zu kurz aus, um aufgrund der Kosten noch nennenswert Kapital aufzubauen.

Aktienkurse unterliegen Schwankungen. Der langfristige Erfolg durch Kursanstiege ist nicht zwingend gegeben.

Für die Zielgruppe der älteren Riester-Sparer eignet sich der Riester-Banksparplan. Die Zahl der Anbieter ist allerdings drastisch zurückgegangen. Der klare Pluspunkt für den Sparplan liegt darin, dass keinerlei Kosten anfallen. Der Nachteil sind allerdings die recht niedrigen Zinsen.

5) Riester in der betrieblichen Altersvorsorge

Sie haben die Möglichkeit, ihre betriebliche Altersvorsorge (bAV) über die Riester-Rente zu bedienen. Wir hatten zu Beginn auf das „Achtung“ bei der Verknüpfung von Riester und bAV hingewiesen. Was auf den ersten Blick verlockend aussieht, hat aber gleich zwei Fußangeln:

  • Die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung werden aus dem Bruttoeinkommen bezahlt. Sie mindern damit die Steuerlast und die Aufwendungen für die Sozialabgaben, eine erhebliche staatliche Förderung. Mit der Kombination von Riester und bAV kürzen sie sich selbst ihre mögliche doppelte Förderung aus Steuer- und Sozialabgabenvorteil und Riester-Zulage.
  • Noch schwerer wiegt jedoch der Nachteil bei der späteren Rentenzahlung. Betriebsrenten unterliegen der Beitragspflicht zur gesetzlichen Krankenkasse, Riester-Renten nicht. Durch die Kombination von Riester und bAV erhöhen Sie mit Rentenbezug unnötig ihre Krankenkassenbeiträge.

Spezial: Wohn-Riester

Die selbst genutzte Immobilie galt schon immer als einer der Königswege der Altersvorsorge. Ist sie zum Rentenbeginn entschuldet, muss der Eigentümer nur noch mit den Wohnnebenkosten und Sparbeiträgen für mögliche Reparaturen kalkulieren. Die Belastung für die Miete oder Hypotheken entfällt. Da die Mietsituation in Deutschland nicht besser wird, kommt Immobilieneigentum eine immer größere Rolle zu und damit der Finanzierung.

Wohn-Riester bietet Ihnen eine hervorragende Möglichkeit, Ihre Tilgungsleistung bei einem Annuitätendarlehen zu senken oder durch die staatliche Förderung den Eigenkapitalaufbau im Rahmen eines Bausparvertrages zu beschleunigen. Aus diesem Grund wollen wir Wohn-Riester umfassend abhandeln, auch, weil es einige Unterschiede zu den klassischen Sparformen aufweist.

Guthaben aus bestehenden Riesterverträgen können Sie jederzeit auflösen und für die wohnwirtschaftlich-geförderte Verwendung nutzen.

Wofür kann ich Wohn-Riester verwenden?

Die Aussage „für den Erwerb von Immobilien“ ist nicht ganz zutreffend. Sie können die Riester-Förderung für

  • Ein Einfamilienhaus
  • Eine Eigentumswohnung
  • Eine Genossenschaftswohnung
  • Eine eigene Wohnung im eigenen Mehrfamilienhaus
  • Ein eigentumsähnliches oder lebenslanges Dauerwohnrecht
  • Den barrierefreien Umbau einer bestehenden selbst genutzten Wohnung

nutzen.

Wie funktioniert Wohn-Riester?

Voraussetzung ist, dass sich die Immobilie in Deutschland, der EU oder dem EWR befindet, selbst bewohnt wird und als Lebensmittelpunkt gilt. Damit fallen Wochenend- oder Ferienhäuser nicht unter die Riester-Förderung.

Als häufigste Variante von Wohn-Riester taucht das geförderte Annuitätendarlehen auf. Die Zulagen werden für die Tilgung des Darlehens verwendet.

Eine Familie mit zwei Kindern, geboren nach 2007, kann auf diese Weise über viele Jahre 950 Euro zusätzliche Tilgung aufbringen und die Darlehenslaufzeit drastisch verkürzen.

Als Alternative zum geförderten Annuitätendarlehen bietet sich die Kombination einer Bausparkasse aus tilgungsfreiem Vorausdarlehen und gefördertem Bausparvertrag an. In diesem Fall erhöht die Zulage die monatliche Sparrate für den Bausparvertrag und verkürzt damit die Ansparphase signifikant. Dies wirkt sich wiederum auf die Laufzeit des Vorausdarlehens aus.

Und wenn ich meine Immobilie verkaufen will oder muss?

Für diesen Fall gibt es klare Vorgaben seitens des Gesetzgebers. Wenn Sie die Immobilie verkaufen, müssen Sie die erhaltene Förderung grundsätzlich wieder zurückzahlen.

Es gibt allerdings auch bei Wohn-Riester Ausnahmen:

  • Wenn Sie beruflich bedingt umziehen müssen und die Immobilie in der Zwischenzeit vermieten, müssen Sie die Förderung nicht zurückzahlen, wenn Sie spätestens mit 67 die Eigennutzung wieder aufnehmen.
  • Zudem entfällt eine Rückzahlung, wenn Sie das Kapital aus dem Verkauf innerhalb von fünf Jahren nach dem Verkauf der Immobilie wieder in neues Wohneigentum investieren.

Wie erfolgt die Besteuerung von Wohn-Riester?

Während der Bezug der klassischen Rentenleistung aus einem Riester-Vertrag schlicht nachgelagert mit dem persönlichen Steuersatz veranlagt wird, fällt der Vorgang der Besteuerung bei Wohn-Riester etwas komplexer aus.

Die Anschaffung einer Immobilie mit staatlicher Förderung wird ebenfalls nachgelagert besteuert. Zur Berechnung der Steuerlast wird von der Zulagenstelle ein fiktives „Wohnförderkonto“ geführt, das mit zwei Prozent pro Jahr verzinst wird.

Auf diesem werden alle gewährten Zulagen, gegebenenfalls der Entnahmebetrag aus einem bestehenden Vertrag und alle weiteren Tilgungsleistungen vermerkt. Mit Rentenbeginn wird das Guthaben des Wohnförderkontos festgestellt und dann durch die Anzahl der Lebensjahre von Rentenbeginn bis zum Erreichen des 85. Lebensjahres des Versicherten geteilt.

Diese Summe wird dann in jedem Jahr zum zu versteuernden Einkommen des Versicherungsnehmers hinzugerechnet. Alternativ kann die Steuer auch in einer einmaligen Summe gezahlt werden. Dafür gewährt der Staat einen Rabatt in Höhe von 30 Prozent. Die verbliebenen 70 Prozent der Gesamtsumme werden dann zu Rentenbeginn dem Einkommen des Vertragsnehmers zugerechnet.

Lohnt sich Wohn-Riester überhaupt?

Die Zeitschrift Finanztest beantwortet die Frage folgendermaßen: „Durch die staatlichen Zulagen und oft auch zusätzlichen Steuervorteile können Immobilienkäufer ihren Kredit schneller tilgen und damit Zinsen sparen“, erklärt Jörg Sahr von der Zeitschrift „Finanztest“. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen argumentiert mit folgendem Rechenbeispiel: „Wer bei einer Rate von 800 Euro insgesamt 30 Monate früher fertig ist, als bei einem ungeförderten Darlehen, kann damit 24.000 Euro sparen.“ (www.n-tv.de, 7.5.2015.)

In dem gleichen Beitrag weist Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine allerdings auch auf einen Punkt hin, der gerne vergessen wird. Bei dem Bezug einer normalen Riester-Rente erhält der Rentner jeden Monat Geld, von dem er einen Teil für die nachgelagerte Besteuerung zur Seite legen kann. Bei Wohn-Riester entfällt die Rentenzahlung. Der Rentner muss also die Steuer auf die Riester-Rente aus anderen Quellen finanzieren.

Darauf müssen Sie bei Riester-Verträgen unbedingt achten

Wir hatten ganz am Anfang die Frage aufgeworfen, ob sich Riester überhaupt lohnt. Unser Fazit lautet, „ja“, aber Sie müssen bei Riester auf einiges achten, damit der Vertrag optimal für Sie gestaltet ist.

  • Orientieren Sie sich an renditestarken Produkten. Dazu zählen in erster Linie Fonds und ETFs.
  • Berücksichtigen Sie bei der Produktauswahl ihr Lebensalter. Mit 55 Jahren noch in Fonds einzusteigen, kann in Bezug auf die Rendite eng werden.
  • Vergleichen Sie auf jeden Fall die Kosten der Anbieter. Günstig muss nicht immer gut sein, aber hohe Kosten drücken die Rendite.
  • Überprüfen Sie jährlich ihre Beitragszahlung. Damit vermeiden Sie, dass Sie entweder Teile der Zulage verschenken oder den Vertrag übersparen.
  • Der Rentenfaktor (Rentenfaktor: Wie viel Rente Sie pro 10.000 Euro angespartem Kapital erhalten) sollte in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht nur auf das „Garantiekapital“ angewendet werden, sondern auf das „Gesamtkapital“ (also auf Einzahlungen, Zulagen, Überschüsse, Sonderzahlungen).
  • Trifft der vorherige Punkt zu, entfällt die sogenannte Treuhänderklausel. Diese würde es der Versicherung erlauben, den Rentenfaktor z.B. wegen schlechter Renditen nachträglich zu reduzieren. Was es mit der Treuhänderklausel auf sich hat, erläuterte das Handelsblatt am 3. Januar 2017.
  • Sie wollen zwar noch nicht in den nächsten zwei Jahren Immobilieneigentum erwerben, planen diesen Schritt aber heute schon fest ein? Mit einem geförderten Bausparvertrag steigern Sie ihre Eigenkapitalquote überdurchschnittlich.
  • Berücksichtigen Sie bei Wohn-Riester die spätere Steuerlast, die aus anderen Mitteln finanziert werden muss.
  • Die Garantierente orientiert sich am Rentenfaktor. Der Anbieter ihrer Wahl sollte darauf verzichten, diesen nach Vertragsbeginn ändern zu können.
  • Sollten Sie bereits heute wissen, dass Sie ihre arbeitsfreie Zeit nach der Pensionierung komplett außerhalb der EU verbringen werden, stellt die Riester-Rente für Sie keine Lösung dar.

Riester-Rentenangebote im Vergleich

Mit unserem Riester-Rente Rechner können Sie sich Ihre Riester-Rente kostenlos berechnen. Nutzen Sie ihn, um selbst die Unterschiede bei den einzelnen Anbietern zu sehen. Bei Bedarf können Sie im Anschluss zusätzlich eine kostenfreie Beratung durch einen Experten erhalten. In einem persönlichen Gespräch können Ihre individuellen Fragen dann gezielt geklärt werden. Sie sehen so, ob die Riester-Rente für Sie sinnvoll ist oder nicht. Der Vergleich ist natürlich kostenfrei und völlig unverbindlich.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die staatliche Förderung bei Riester-Renten?


Die volle jährliche Zulage beträgt 175 Euro für den Versicherungsnehmer, 185 Euro für jedes vor dem 01.01.2008 geborene Kind und 300 Euro für jedes nach dem 03.12.2007 geborene Kind. Sie wird gezahlt, wenn der Versicherungsnehmer vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommens in den Vertrag einzahlt. Die Zulagen werden bei der Eigenbeitragsberechnung berücksichtigt. Zudem können Beiträge zu Riester-Rente bei der Steuererklärung angegeben werden. Bis zu 2.100 Euro werden als Sonderausgabenabzug berücksichtigt.

Zahlt der Zulagenbegünstigte weniger als 4% ein, kürzt dies auch die Zulage.

Berufseinsteiger erhalten einen einmaligen Bonus in Höhe von 200 Euro, wenn sie ihre Riester-Rente vor Vollendung des 25. Lebensjahres abschließen.

Kann ich das angesparte Guthaben bei Rentenbeginn auch in einer Summe erhalten?


Das ist möglich, führt aber dazu, dass Sie alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile wieder zurückzahlen müssen.

Der Gesetzgeber räumt jedoch die Möglichkeit ein, bis zu 30% des vorhandenen Guthabens mit Rentenbeginn in einer Summe auszuzahlen.

Wer bekommt die staatliche Förderung?


Grundsätzlich bekommt jede gesetzlich rentenpflichtversicherte Person, die in Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig ist, die staatliche Förderung bei der Riester-Rente. Bestimmte Personengruppen aus dem öffentlichen Dienst können die staatliche Förderung ebenfalls erhalten.

Muss ich meine Riester-Rente später versteuern?


Ja, es handelt sich bei der Auszahlung der Rente um Einkünfte, die Sie im Rentenalter versteuern müssen. Man nennt dies nachgelagerte Besteuerung. Die Steuerlast ist jedoch fast immer niedriger als die Besteuerung zu erwerbstätiger Zeit, da die Einkünfte in der Rente in der Regel geringer sind und entsprechend ein geringerer Einkommenssteuersatz anfällt.

Was ist ein Wohnriester-Vertrag?


Als Wohn-Riester werden Verträge bezeichnet, die dem Erwerb einer selbst genutzten Immobilie dienen. Dazu gehören zum Beispiel Bausparverträge oder spezielle Darlehensverträge, bei denen die staatliche Förderung für die Tilgung eingesetzt wird. Aus bestehenden anderen Verträgen lässt sich Kapital zulagenunschädlich für den Erwerb einer selbst genutzten Immobilie einsetzen.

Müssen die Zulagen bei Kündigung des Vertrags zurückgezahlt werden?


Die bereits gewährten Zulagen für eine spätere Riester-Rente müssen zurückgezahlt werden, wenn der Vertrag komplett gekündigt wird. Bei einer Beitragsfreistellung oder einer Übertragung des Guthabens auf einen anderen Riestervertrag bei einem beliebigen Anbieter bleibt die Förderung erhalten.


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