So berechnest du deine Rentenlücke

Wenn du dich fürs Alter ausschließlich auf die gesetzlichen Rente verlässt, wird es wahrscheinlich sehr eng werden. Bereits heutzutage genügen vielen Rentnern ihre normalen Bezüge nicht zum Leben. Mehr und mehr sind auf Sozialleistungen oder einen Nebenerwerb angewiesen. Ist der finanzielle Bedarf im Alter höher als die Bezüge aus der Rentenkasse, klafft eine sogenannte Rentenlücke. Um deinen Lebensstandard auch im Alter zu halten, ist deswegen eine frühzeitige Vorsorge wichtig. Ermittle deshalb frühzeitig deine Rentenlücke. Dadurch bekommst du einen Überblick, welcher Betrag dir im Alter konkret fehlen wird. Danach kümmerst du dich darum, diese Lücke zu schließen. Wie auch du deine Rentenlücke berechnen kannst, zeigen wir dir im Folgenden.

Was ist die Rentenlücke?

Die Entwicklung unseres Rentensystems ist schwer vorhersehbar. Fakt ist allerdings, dass aufgrund der Bevölkerungsentwicklung immer mehr Rentner von dem leben müssen, was immer weniger Bürger einbezahlen. Um das Problem anzugehen, wurde vor Jahren das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre heraufgesetzt. Mittlerweile gibt es sogar Stimmen, die selbst eine Erhöhung dieser Altersgrenze auf 70 Jahre für nicht mehr ausreichend halten. Die gesetzliche Rente bedeutet klare finanzielle Abstriche und schlimmstenfalls droht dadurch sogar die Altersarmut. Dabei handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem, von dem selbst Arbeitnehmer mit überdurchschnittlichen Gehältern betroffen sein können.

Die Rentenlücke ist die Differenz, die dir zwischen deinen regulären Bezügen (Gesetzliche Rente, private Rente, Mieteinnahmen, Fonds…) und dem Bedarf entsteht, den du zum Erhalt deines Standards brauchst. Der Bedarf entspricht ganz grob 75 – 80% des letzten Nettoeinkommens vor dem Renteneintritt. Aber auch die Inflation spielt hierbei eine wichtige Rolle. Wie du alle Kennzahlen genau mit einberechnen kannst, zeigen wir dir anhand eines Beispiels.

Rechenbeispiel zum Verständnis

In diesem Beispiel rechnen wir die Rentenlücke einer Person aus, die in 20 Jahren in Rente gehen möchte. Wie wir dabei vorgegangen sind, siehst du im Folgenden in der Schritt-für-Schritt Anleitung.

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Beispiel (bei Renteneintritt in 20 Jahren - 2039):
Aktuelles Bruttogehalt:3.000 Euro
Voraussichtlich letztes Nettogehalt (nach heutiger Kaufkraft):1.772 Euro
Finanzbedarf (80% vom letzten Lohn vor der Rente)1.418 Euro
Gesetzliche Rente (Netto)1.042 Euro
Mieteinnahmen aus Wohneigentum (Netto)+ 200 Euro
Gesamteinnahmen1.242 Euro
Theoretische Rentenlücke (nach heutiger Kaufkraft)176 Euro
Reale Rentenlücke (nach Kaufkraft in 20 Jahren)262 Euro

Warum die Inflation dabei wichtig ist

Die Kaufkraft des Geldes wird auch in Zukunft wahrscheinlich immer weiter abnehmen. Im Durchschnitt kannst du mit 2% Inflation pro Jahr rechnen. Ein Beispiel, um das deutlich zu machen: Ein Brot, das vor 10 Jahren noch 2 Euro kostete, kostet heute durch die Inflation etwa 2,44 Euro. Genau diesen Wertverlust müssen wir auch auf die Versorgungslücke anwenden, um genau zu wissen, wie hoch die Lücke später sein wird und nicht mit heutigen Zahlen rechnen.

Schritt 1: Rentenansprüche berechnen

Rechne zunächst all deine möglichen Einnahmen im Rentenalter zusammen. Dazu zählt neben der gesetzlichen Rente (siehe Rentenbescheid) auch eine möglicherweise vorhandene betriebliche Rente, Riester-Rente und eine private Rentenversicherung. Auch Mieteinnahmen aus Wohneigentum oder andere Einkünfte zählen mit dazu. Eben alles, was deine monatlichen Bezüge im Rentenalter ausmachen würden. Achte jedoch darauf, dass du mit den Netto-Werten rechnest. Die Werte auf dem Rentenbescheid müssen erst noch versteuert werden. Klingt kompliziert, du kannst es jedoch ganz einfach ausrechnen. Nutze dazu am besten diesen Rentenrechner vom BVI. Anhand weniger Angaben erhältst du deine zukünftige Netto-Rente nach heutiger Kaufkraft (die Inflation über die nächsten Jahre bis zur Rente wurde hier also mit bedacht). Im Ergebnis sind ebenfalls Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Lohnsteigerung bis zum Renteneintritt mit eingerechnet.  Nur das Ergebnis „Erste Nettorente“ ist in diesem Rechner für uns entscheidend. Die „Versorgungslücke nur mit gesetzlicher Rente“ aus dem Rechner lassen wir hier erstmal weg, denn die ist zu ungenau.

Rentenlücke berechnen: Beispiel
Beispielrechnung

Schritt 2: Finanzbedarf ermitteln

Nun geht es darum, wie viel Geld du später wohl benötigen wirst. Du kannst entweder auf pauschale Formeln zurückgreifen (z.B. 80% des letzten Netto-Gehalts vor der Rente) oder du machst es etwas greifbarer: Wie viel Geld wirst du als Rentner möglicherweise zum Leben benötigen? Wir rechnen nach heutiger Kaufkraft, das heißt du kannst deine jetzige Miete ansetzen, Kosten für Auto und was sonst noch so anfällt. Sparen kannst du dir im Ruhestand die Berufsunfähigkeitsversicherung, eventuell hast du eine kleinere Wohnung, musst jedoch etwas mehr Geld für die medizinische Versorgung einplanen. Die Inflation bedenken wir dann im nächsten Schritt.

Schritt 3: Rentenlücke und Inflation

Beide Werte aus Schritt 1 und 2 müssen wir nun in den Zusammenhang bringen: Wir rechnen sie gegen und schauen wie groß die Lücke zwischen IST und SOLL ausfällt (1.418 – 1.242 Euro = 176 Euro). Im Ergebnis geht es um diesen Betrag als deine Rentenlücke, wie sie dir heute droht. Um diese zu schließen, musst du zusätzliches Geld für die Zukunft ansparen. Da 176 Euro in 20 Jahren keine 176 Euro Kaufkraft mehr besitzen, musst du den Wertverlust berechnen. Gib diese Summe in einen Inflationsrechner ein und kalkuliere mit 2% Inflation. Dieser Wert entspricht in etwa der durchschnittlichen Inflationsrate. Als Resultat erhältst du mit dieser Beispielrechnung 262 Euro, die in 20 Jahren dieselbe Kaufkraft besitzen wie aktuell 176 Euro.

Schritt 4: Die Rentenlücke schließen

Du weißt nun, wie hoch deine Rentenlücke später sein wird. Nun liegt es an dir, einen Weg zu finden, diese Lücke so gut es geht zu schließen. Eine Rentenlücke von 262 Euro heißt nicht, dass du diesen Betrag jeden Monat wegsparen musst. Hier spielt auch der Faktor Lebenserwartung eine Rolle. Je älter du wirst, desto mehr Geld wirst du für die Rente benötigen. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt bis an dein Lebensende. Wenn du z.B. in Fonds investierst, wird das Kapital irgendwann aufgebraucht sein. Hier heißt es: Richtig kalkulieren. Wie du dich und deine Familie finanziell fürs Alter absicherst, erfährst du hier.

Einfach drauf los sparen macht eigentlich wenig Sinn, denn jeder Euro, den du in die Rente investierst, fehlt in der Zeit vor der Rente. Du musst deshalb einen Finanzplan entwickeln, um die Lücke von 262 Euro monatlich zielgenau zu schließen. Dabei helfen dir Altersvorsorge-Experten, die mit Hilfe von Programmen genau so etwas planen können. Die Beratung ist kostenfrei und geschieht ausschließlich auf Provisionsbasis. Das bedeutet: Du kannst dich informieren und beraten lassen und all deine Fragen loswerden. Ob du die Altersvorsorge dann abschließt, liegt bei dir. Sicher dir am besten jetzt einen Beratungstermin:

Bleib am Ball

Wahrscheinlich bleiben dir bis zum Renteneintritt noch etliche Jahre. Dennoch solltest du deine zur Vorsorge getroffenen Maßnahmen nicht komplett außer Acht lassen. Schau von Zeit zu Zeit nach dem Stand der Dinge. Ist deine Sparanlage effektiv und verkleinert sich die Finanzlücke? Womöglich verändern sich die Einflussfaktoren. Du bekommst etwa mehr Gehalt oder gründest eine Familie. Ebenso können sich Zinsen und Freibeträge ändern oder es werden Steuern fällig. Sparpläne gegen die Rentenlücke sind meist sehr langfristig und sollten nicht gänzlich sich selbst überlassen werden.


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