Plötzlicher Kindstod – die Angst ist ein ständiger Begleiter

Dieser eine Moment, wo Sie Ihr Baby das erste Mal im Arm halten, ist unvergesslich. Sie sind erfüllt von Glück und Zufriedenheit und nehmen sich vor, immer auf diesen kleinen Menschen aufzupassen. Gleichzeitig ist da diese Angst. Die Angst vor dem plötzlichen Kindstod. Immer wieder gibt es Berichte über Babys, die einfach nicht mehr aufgewacht sind. Doch was ist der plötzliche Kindstod eigentlich? Gibt es ihn wirklich und wie können Sie vorbeugen?

Das Wichtigste in Kürze

  • 90% der Fälle von plötzlichem Kindstod treten in den ersten 6 Lebensmonaten auf
  • Derzeit betrifft der plötzliche Kindstod nur 0,2 von 1.000 Kindern
  • Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren ihn beeinflussen
  • Schlafen in Bauchlage galt lange Zeit als Risikofaktor, gehört jedoch eigentlich nicht in die Kategorie
  • Lernen Sie, Erste Hilfe bei Ihrem Baby zu leisten

Was ist der plötzliche Kindstod?

Der plötzliche Kindstod wird in der Fachsprache auch als „Sudden Infant Death Syndrome“ (SIDS) bezeichnet und wurde früher als der „Krippentod“ bekannt. Wenn ein Baby im Alter von unter 12 Monaten verstirbt und es keine offensichtliche Diagnose gibt, wird häufig der plötzliche Kindstod als Ursache angegeben. Es handelt sich hierbei also nicht um eine Krankheit im Speziellen, sondern um eine durch Ärzte gestellte Diagnose im Rahmen eine Todesfalles ohne Erkrankung und Vorwarnung bei einem Säugling.

Meist tritt der SIDS ein, wenn das Baby schläft. Dies kann beim Nachtschlaf ebenso der Fall sein, wie bei einem kurzen Mittagsschlaf. Rund 200 Babys versterben in Deutschland jährlich am plötzlichen Kindstod. Seit den 1990er Jahren ist die Zahl der Todesfälle in diesem Bereich zwar deutlich zurückgegangen, nach wie vor gilt er jedoch als eine der am meisten gefürchteten Todesursachen bei Säuglingen.

Wissenschaftler und Ärzte haben bis heute keinen genauen Grund herausgefunden, der für den plötzlichen Kindstod verantwortlich ist. In zahlreichen Studien haben sich jedoch Risikofaktoren ergeben, die einen Einfluss auf den frühen Tod des Babys haben können. Viele Ärzte gehen davon aus, dass gleich mehrere der Faktoren als Auslöser zusammen wirken.

Die Risikofaktoren für das Eintreten von einem plötzlichen Kindstod

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko eines Säuglings, an SIDS zu versterben, erhöhen können. Diese Faktoren sind:

  • Ein erhöhtes Alter der Mutter bei der Schwangerschaft
  • Eine lebensbedrohende Krise, die bei dem Säugling schon früh eingetreten ist
  • Eine Frühgeburt bis zur 33. Schwangerschaftswoche
  • Ein sehr geringes Geburtsgewicht
  • Geschwister, die bereits am SIDS verstorben sind
  • Einnahme von Drogen durch die Mutter
  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft
  • Rauchen in der Lebensumgebung des Säuglings
  • Überhitzung des Babys durch Decken, Kissen oder zu warme Kleidung
  • Fehlende Luftzirkulation im Bettchen oder dem Kinderwagen
  • Accessoires im Bettchen, wie Nestchen, Kuscheltiere und Kissen
  • Schlafen in einem anderen Zimmer als die Eltern
  • Die Babys werden nicht gestillt
  • (Schlafen des Säuglings in der Bauchlage)

Rund 1.300 Babys sind in den 1980er Jahren in Deutschland am jährlich am plötzlichen Kindstod verstorben. Die Ärzte waren alarmiert und haben damit begonnen, die Umgebung und die Lebensweise der betroffenen Kinder zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Auf dieser Basis ist die Zusammenstellung der oben genannten Faktoren entstanden.

Bereits im Krankenhaus wird darauf verwiesen, dass Säuglinge im ersten Jahr nur auf dem Rücken schlafen und auf eine Decke verzichtet werden soll. Besser ist es, zu einem Schlafsack zu greifen. Die Rückenlage wird deshalb empfohlen, weil Babys in den ersten Wochen ihren Kopf meist noch nicht heben und drehen können. Viele Babys schlafen jedoch in Bauchlage deutlich besser. Weiter unten lesen Sie noch, dass Sie nicht um jeden Preis die Bauchlage vermeiden müssen. Spätestens wenn sich Ihr Baby drehen kann, können Sie dies auch nicht mehr beeinflussen. Achten Sie dann nur auf eine gerade Unterlage und nutzen Sie kein Kissen.

Das Zusammenspiel der Faktoren

Auffällig ist, dass 90% der Fälle von plötzlichem Kindstod innerhalb der ersten sechs Lebensmonate auftreten. In 60% der Fälle sind Jungs betroffen. Die meisten Todesfälle treten zwischen dem dritten und dem vierten Lebensmonat auf. In den ersten Lebensmonaten ist der Organismus des Babys noch sehr anfällig. Ärzte gehen davon aus, dass der Auslöser für SIDS eine Atemstörung ist. Diese Atemstörung sorgt dafür, dass der Herzschlag langsamer wird und weniger Sauerstoff transportiert wird. In Folge dessen steigt die Konzentration von CO2 im Blut des Babys an. Ein gesundes Baby wacht bei der erhöhten Konzentration auf und wird dies durch seine Atmung anpassen und alles wieder normalisieren.

Hat das Baby eine Atemstörung, dann kann es passieren, dass es nicht aufwacht und im Schlaf erstickt. Viele Eltern machen sich große Sorgen, dass dies auch ihrem Baby passieren kann. Wichtig für Sie ist jedoch zu wissen, dass die Tendenz deutlich sinkend ist. Derzeit betrifft der plötzliche Kindstod nur 0,2 von 1.000 Kindern. Die Wahrscheinlichkeit ist also besonders gering. Es ist jedoch ein Phänomen, mit dem man Eltern schnell verunsichern und ihnen Geld für Sensormatten und andere Gadgets entlocken kann.

Nach wie vor versuchen Ärzte und Wissenschaftler die genaue Ursache herauszufinden. So gehen Forscher davon aus, dass Babys, die diese Atemstörung haben, eine noch nicht ausreichende Entwicklung des Atemzentrums im Gehirn haben. Dadurch sind sie nicht in der Lage, ihre Atmung ohne Hilfe zu regulieren. Teilweise wird auch davon ausgegangen, dass nicht ausreichend Serotonin im Körper vorhanden ist. Der Botenstoff ist jedoch ein wichtiger Faktor wenn es darum geht, den Körper in Notsituationen zu wecken.

Untersuchungen haben ergeben, dass einige der betroffenen Babys einen Defekt im Stammhirn haben. Dieser Defekt kann die Wahrnehmung einer zu großen Menge an CO2 im Körper beeinflussen. Normalerweise reagiert der Körper auf die zunehmende Menge mit Schnappatmung. Durch den Defekt ist diese Reaktion unterdrückt.

Bisher sind dies jedoch alles nur Vermutungen und keine Belege für die Ursachen von plötzlichem Kindstod. Daher ist es für Sie als Eltern wichtig, vorbeugend zu agieren.

Interessant: Es gibt die sogenannte Triple-Hypothese. Diese besagt, dass der SIDS ein Ergebnis aus einem multifaktoriellen Geschehen ist. Das heißt, es sind mehrere Voraussetzungen ein Auslöser. Diese bestehen aus der Veranlagung, den Lebensumständen sowie einem akuten Geschehen. Die Veranlagung kann beispielsweise eine genetische Prädisposition sein. Die Lebensumstände können beispielsweise eine Raucherumgebung sein und das akute Geschehen eine Infektion.

Was können Sie tun, um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen?

Es gibt verschiedene Hinweise, die für die Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes einen hohen Stellenwert haben. Dazu gehören:

  • Stillen: Immer wieder zeigen Studien, dass die betroffenen Säuglinge nur sehr selten gestillt wurden. Daher gilt das Stillen als eine Prävention gegenüber dem plötzlichen Kindstod.
  • Rückenlage: Versuchen Sie darauf zu achten, dass Ihr Baby in Rückenlage schläft. Lesen Sie dazu aber auch unten stehenden Hinweis.
  • Nicht rauchen: Hören Sie am besten schon vor der Schwangerschaft mit dem Rauchen auf und achten Sie darauf, dass Ihr Baby auch nach der Geburt nicht passiv raucht.
  • Schnuller: Nicht jedes Baby nimmt einen Schnuller. Britische Forscher gehen jedoch davon aus, dass dieser das Risiko für SIDS deutlich senken kann. Unter anderem wird dem Schnuller zugeschrieben, die Entwicklung des Gehirns im Stammhirn-Bereich zu fördern.
  • Temperatur: Prüfen Sie nach, ob Ihr Baby friert oder schwitzt. Achten Sie dabei auf die Temperatur im Nacken. Viele Eltern ziehen ihr Baby zu warm an beim Schlafen.
  • Schlafsack: Verzichten Sie auf eine Decke und verwenden Sie im ersten Lebensjahr für Ihr Baby einen Schlafsack.
  • Matratze: Greifen Sie zu speziellen Babymatratzen, die aus atmungsaktiven Materialien bestehen und nutzen Sie keine Überzüge oder Unterlagen für die Matratze. Diese können die Luftzirkulation verhindern.
  • Bettchen: Verzichten Sie auf Accessoires im Bettchen. Weder Nestchen noch zahlreiche Kuscheltiere braucht Ihr Baby.

Die optimale Temperatur im Schlafzimmer sind 18°C. Nutzen Sie ein Thermometer für das Kinderzimmer oder Ihr Schlafzimmer und achten Sie darauf, dass es nicht zu warm ist.

Hinweis zur Bauchlage:

Viele Eltern sind stark verunsichert, wenn ihr Baby nur auf dem Bauch zur Ruhe kommt und so schläft, denn die Bauchlage gehört mit zu den am häufigsten genannten Ursachen für den plötzlichen Kindstod. Machen Sie sich bewusst, dass immer mehrere Faktoren zusammen als Auslöser agieren. Haben Sie einen kleinen Bauchschläfer, der jedoch nicht ansatzweise zur Risikogruppe gehört, dann müssen sie nicht krampfhaft versuchen, Ihr Baby in die Rückenlage zu bringen. Prof. Dr. Gerhard Jorch gibt an, dass von 250 Babys, die häufig in Bauchlage schlafen, eines durch den Plötzlichen Kindstod betroffen ist. Dass allein die Bauchlage dafür verantwortlich ist, gilt mittlerweile als falsch.

Der Schlaf im Elternzimmer – eine wichtige Prävention

Zahlreiche Mythen und Hinweise ranken sich um die Bedeutung von einem Familienbett für den plötzlichen Kindstod. Es gibt verschiedene Studien, die auf das Risiko hinweisen, das beim Schlaf im Bett der Eltern auftritt. So wird davon gesprochen, dass das Risiko eines plötzlichen Kindstodes für ein Baby, welches bei den Eltern im Familienbett schläft, um das Dreifache erhöht ist. Gleichzeitig weist Professor Abraham Bergman darauf hin, dass es sich hier nur Statistiken handelt und es nicht erwiesen ist, dass das Familienbett der Auslöser bei den betroffenen Babys war. So wurde in den Studien beispielsweise auch dann das Familienbett als Grund mit aufgeführt, wenn die Kinder gar nicht immer im Bett der Eltern geschlafen haben. Dazu kommt, dass bei vielen Fällen vom plötzlichen Kindstod im Elternbett noch weitere Faktoren hineingespielt haben, wie z.B. der Alkoholkonsum der Eltern.

Allerdings ist das Risiko auch dann erhöht, wenn das Baby im eigenen Zimmer und damit gar nicht bei den Eltern schläft. Daher empfehlen Ärzte, dass Sie Ihr Baby bei sich im Schlafzimmer im eigenen Bettchen oder im Beistellbettchen schlafen lassen. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Prävention.

Erste Hilfe beim Atemstillstand – das können Sie tun

Es gibt einige Fälle, bei denen die Eltern ihr Baby leblos im Bett gefunden haben. In diesem Moment ist es besonders wichtig, dass Sie Erste Hilfe leisten können, um Ihr Baby möglicherweise noch zu retten. Rufen Sie direkt den Notruf und beginnen Sie mit den Sofortmaßnahmen (Notbeamtung und Herzmassage):

Notbeatmung (wenn der Puls noch spürbar ist):

1) Strecken Sie den Kopf Ihres Babys leicht nach hinten und legen Sie zwei Finger auf das Kinn.
2) Achten sie darauf, dass die Atemwege nicht blockiert sind, beispielsweise durch Milch.
3) Umschließend Sie mit dem Mund die Nase und den Mund des Babys.
4) Blasen Sie vorsichtig die Luft in Mund und Nase. Holen Sie eine Sekunde Luft und beatmen Sie das Baby anschließend eine Sekunde lang. Machen Sie dies hintereinander.
5) Gehen Sie vorsichtig vor und blasen Sie nicht zu viel Luft ein, denn die kleine Lunge kann nur wenig aufnehmen.
6) Heben Sie nach jedem Luftstoß den Kopf Ihres Babys vorsichtig an und prüfen Sie, ob es wieder selbst atmet.
7) Wiederholen Sie diesen Vorgang etwa 30 Mal.

Herzmassage (wenn Atmung und Puls ausgesetzt haben):

1) Legen Sie Ihr Kind auf den Rücken auf eine warme und harte Unterlage.
2) Suchen Sie den Druckpunkt auf dem Brustbein. Dieser befindet sich eine Fingerbreit unterhalb einer gedachten Linie zwischen den beiden Brustwarzen Ihres Babys.
3) Legen Sie zwei Finger darauf und drücken Sie Ihre Finger rund 3 cm leicht senkrecht nach unten. Arbeiten Sie mit einer Frequenz von 100 pro Minute.
4) Die Herzmassage wird im Verhältnis von 30:2 durch die Beatmung des Säuglings ergänzt, d.h. nach 30 Druckmassagen folgen 2 Beatmungen.
5) Führen Sie dies so lange durch, bis der Notarzt eintritt.

Tipp: Es ist für Eltern immer empfehlenswert, einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kinder zu besuchen. Hier lernen Sie die korrekte Beatmung und Wiederbelebung durch Fachkräfte.

PS: In unserer Facebook-Gruppe für Schwangere & Mütter können Sie sich über diese und weitere Themen austauschen und erhalten Hilfe von anderen Müttern.


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