Vorsorge im Ernstfall – Medizinische Behandlungswünsche mit der Patientenverfügung regeln

Krankheit, Unfall, Tod – das sind keine Themen, mit denen sich Eltern gerne auseinandersetzen. Doch wenn du dich rechtzeitig mit Notfallsituationen beschäftigst, kann das deiner Familie im Ernstfall viel Leid ersparen.

Stell dir vor, du bist schwer verletzt und kannst deine Wünsche zur medizinischen Versorgung nicht mitteilen. Dann ist der Arzt verpflichtet, deinen mutmaßlichen Willen zu ermitteln – obwohl er dich vielleicht gar nicht kennt. Wichtig: Auch Angehörige dürfen nur dann Entscheidungen über deine Behandlung treffen, wenn sie als rechtliche Betreuer eingesetzt worden sind oder du sie schriftlich zu Bevollmächtigten bestimmt hast.

Um deine Familie in einer solchen Situation emotional zu entlasten, solltest du deine medizinische Versorgung in einer Patientenverfügung festlegen. Wir verraten dir, was du dabei beachten solltest.

Was ist eine Patientenverfügung?

Eine gültige Patientenverfügung ist ein rechtlich bindendes Vorsorgedokument, das die medizinischen Behandlungswünsche seines Verfassers enthält. Mit ihr können Personen festlegen, welche medizinische Versorgung sie in Situationen wünschen, in denen sie ihren Willen nicht äußern können.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Person ins Koma fällt. Dann kann der behandelnde Arzt den Patienten nicht fragen, wie dieser beispielsweise zu künstlicher Ernährung oder Beatmung steht. Selten besitzen auch Angehörige Wissen über den individuellen Willen des Betroffenen – abgesehen davon, dass sie in einer solch hochgradig emotionalen Situation oft heillos überfordert sind.

Eine Patientenverfügung enthält also die konkreten Wünsche und Widersprüche ihres Verfassers zu medizinischen Behandlungen. Damit ist es auch ein wichtiges Vorsorgedokument für Familien, das etwa bei schwerer Krankheit eines Elternteils erstellt werden sollte.

Was ist eine Patientenverfügung?

Wann ist eine Patientenverfügung bindend für den Arzt?

Eine Patientenverfügung ist verbindlich, wenn sie einem Patienten zugeordnet werden kann, aktuell ist und detaillierte Vorgaben zu medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und -situationen enthält. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht notwendig.

Damit der behandelnde Arzt im Ernstfall weiß, dass es sich tatsächlich um deine Patientenverfügung handelt, muss sie persönliche Angaben wie Name, Geburtsdatum und Anschrift enthalten. Auch wenn du sie nicht handschriftlich verfasst hast, musst sie unbedingt persönlich unterschrieben und datiert werden.

Dadurch kann der Arzt auch einschätzen, ob es sich um deinen aktuellen Patientenwillen handelt. Grundsätzlich ist eine einmal erstellte Patientenverfügung bis auf Widerruf gültig. Allerdings können Zweifel auftreten, wenn die Patientenverfügung schon mehrere Jahre alt ist – schließlich kann sich durch Erlebnisse, pflegebedürftige Angehörige oder Verlusterfahrungen in der Familie oder andere einschneidende Lebensereignisse deine Einstellung zur medizinischen Behandlung im Notfall geändert haben. Deshalb solltest du dich im besten Fall jährlich mit der Thematik auseinandersetzen und deine Patientenverfügung regelmäßig aktualisieren.

Besondere Vorsicht gilt bei Formulierungen zu Behandlungs- und Lebenssituationen. Du solltest deiner Patientenverfügung nicht nur eine genaue Beschreibung der Situation (also wann deine Patientenverfügung gelten soll) beifügen, sondern auch genaue Vorgaben zu den lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung sowie künstlicher Ernährung und Beatmung. Formulierungen wie “ich lehne lebenserhaltende Maßnahmen ab” oder “ich möchte nicht an Schläuchen hängen” lassen für medizinisches Fachpersonal zu viel Interpretationsspielraum.

Vorsicht: Im Internet findest du eine Reihe von Formularen zum Ankreuzen und Mustervorlagen als Patientenverfügung. Doch solche Standarddokumente gelten nicht als verbindliche Patientenverfügung. Zum einen kann keiner nachweisen, dass du die Kreuze selbst gesetzt hast, zum anderen ist eine unterschriebene Mustervorlage kein ausreichender Beweis, dass du dich mit der medizinischen Versorgung im Ernstfall eingehend auseinandergesetzt hast. Der Bundesgerichtshof hat in der Vergangenheit zwei Patientenverfügungen für unwirksam erklärt, weil deren Formulierungen zu allgemein und unpräzise waren.

Unser Tipp: Im Internet gibt es Anbieter mit rechtssicherem Service, der dir dabei hilft, deine Patientenverfügung zu erstellen. Achte darauf, dass es sich um Textbausteine handelt, die du so zusammenstellen kannst, dass sie all deine Behandlungswünsche für den Notfall in Form eindeutiger Willensäußerungen enthalten. Dann hast du auch Sicherheit für den Ernstfall.

Wie erfährt der Arzt von der Patientenverfügung?

Trifft der behandelnde Arzt auf einen Patienten, der seinen Willen nicht frei äußern kann, fragt er beim Betreuungsgericht an, ob wesentliche Vorsorgedokumente vorliegen. Das Betreuungsgericht hat Zugriff auf das sog. zentrale Vorsorgeregister, in dem Personen ihre Vorsorgedokumente hinterlegen bzw. angeben können. Auf den Inhalt einer Patientenverfügung hat das Register allerdings keinen Zugriff – es kann dem Arzt nur Auskunft geben, ob es eine Patientenverfügung gibt und wo/bei wem sich diese befindet.

Weil es sich um sensible und persönliche Daten handelt, solltest du die Patientenverfügung an einem sicheren, aber für andere Personen zugänglichen Ort aufbewahren oder direkt einer Vertrauensperson bzw. deinem Hausarzt aushändigen.

Hast du deine Patientenverfügung nicht offiziell registriert, dann solltest du eine Karte bei dir tragen, auf der vermerkt ist, dass du eine Verfügung hast, wer sie besitzt und wo sie sich befindet.

Was passiert ohne Patientenverfügung?

Auch wenn das Erstellen einer Patientenverfügung sinnvoll ist: Nicht jeder besitzt ein solches Dokument und es kann auch keiner gezwungen werden, es zu verfassen.

Im Ernstfall bedeutet das allerdings, dass der Arzt den Willen des Patienten weder kennt, noch erfragen kann. Seine Aufgabe ist dann, bei jeder ärztlichen Behandlung zu versuchen, den mutmaßlichen Patientenwillen zu ermitteln.

Da er für medizinische Maßnahmen eine Zustimmung braucht, fragt er auch bei nahen Angehörigen nach. Die dürften allerdings nur dann rechtsverbindlich entscheiden, wenn sie als rechtlicher Betreuer vom Patienten ernannt wurden. Sind sich die Angehörigen uneins, landen solche Meinungsverschiedenheiten in der Regel vor Gericht.

Steht das Leben des Patienten im akuten Notfall auf dem Spiel, kann der Arzt die medizinisch notwendige Behandlung einleiten, um den Patienten am Leben zu erhalten, auch ohne zunächst festzustellen, ob eine Patientenverfügung vorliegt. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass dies im Sinne des Patienten ist. Mit einer Patientenverfügung kannst du genau dies vermeiden und gleichzeitig noch deine Familie emotional entlasten.


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