NFP: Überblick und Tipps zur natürlichen Familienplanung

Du möchtest die Pille nicht mehr nehmen und suchst nach einer Methode, um auf natürliche Weise und dennoch sicher zu verhüten? Oder möchtest du gern schwanger werden und brauchst Hilfe dabei, deine fruchtbaren Tage zu erkennen? Dann bist du hier goldrichtig, denn natürliche Familienplanung (NFP) funktioniert richtig angewendet in beiden Fällen wunderbar und ist genauso sicher, wie hormonelle Verhütungsmethoden. Im nachfolgenden Ratgeber erklären wir, was NFP bedeutet, wie es gemacht wird und was du beachten musst, damit es klappt.

Der Ratgeber basiert auf der Sensiplan®-Methode. Diese Methode wurde innerhalb von 30 Jahren von der NFP-Arbeitsgruppe der Malteser stetig weiterentwickelt und ist richtig angewendet eine der zuverlässigsten NFP-Methoden überhaupt.

Das Wichtigste in Kürze

  • NFP-Methode dient sowohl zur Verhütung als auch beim Kinderwunsch.
  • Ideal ist die Symptothermale Methode: Messung der Basaltemperatur + Zervixschleim-Beobachtung oder Abtasten des Muttermundes.
  • Hinweis: Nur Temperaturmessung ist nicht ausreichend für die natürliche Familienplanung!
  • Ergebnisse werden in einem Zyklusblatt festgehalten.
  • Anhand der Übersicht lässt sich der Eisprung identifizieren.
  • Mindestens 3 Zyklen sollten gemessen werden, bis konkrete Aussagen gefällt werden können.
  • Methode gilt auch für die Verhütung als „sicher“ mit einem Pearl-Index von 0,4 bei Abstinenz während der fruchtbaren Zeit.

Was ist NFP und was gehört wirklich dazu?

NFP beschreibt eigentlich eine Reihe von Methoden und Regeln, die in Kombination dazu führen, dass die Frau ihren Zyklus richtig gut kennenlernt und in der Lage ist, ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage genau zu bestimmten.

In der Fachliteratur wird die natürliche Familienplanung auch als symptothermale Methode bezeichnet. Diese Methode setzt sich aus der Messung der Körpertemperatur (Basaltemperatur) und der Beobachtung des Zervixschleims ODER der Messung der Körpertemperatur und dem Abtasten des Muttermundes zusammen. Die Daten werden täglich erfasst und in eine Tabelle, den Zykluskalender beziehungsweise das Zyklusblatt, eingetragen. Nach einigen Zyklen sind die Frauen so erfahren, dass sie ablesen können, wann sie Geschlechtsverkehr haben können, ohne verhüten zu müssen. Bei bestehendem Kinderwunsch bedeutet das, Sex vor allem dann haben zu können, wenn die Chance auf eine Befruchtung hoch ist.

Was erst einmal sehr kompliziert klingt, ist alles andere als ein Hexenwerk. Hintergrund der Methode ist das Wissen, dass sich Basaltemperatur, Zervixschleim und Muttermund je nach Zeitpunkt im Zyklus verändern. Eine Eizelle kann nach dem Eisprung nur maximal 24 Stunden lang im Eileiter befruchtet werden, während sie sich auf dem Weg in die Gebärmutter befindet. Dazu müssen in dieser Zeit befruchtungsfähige Spermien vor Ort sein. Da diese bis zu 5 Tage im Körper der Frau überleben können, ergibt sich ein Fenster von 5-6 Tagen, innerhalb dessen ungeschützter Sex zu einer Schwangerschaft führen kann. Zur Sicherheit werden bei der Methode noch einige Puffertage vor und nach dem angenommenen Eisprung eingebaut, sodass sich bei einer Zykluslänge von durchschnittlich 28 Tagen etwa 50 Prozent fruchtbare und 50 Prozent garantiert unfruchtbare Tage ergeben.

Die Schwierigkeit besteht darin, die Tage vor dem Eisprung und den Eisprung selbst zu erkennen. Einfach nach Kalender vorzugehen, ist viel zu riskant. Dazu sind Zyklusschwankungen auch bei Frauen mit regelmäßigen Zyklen viel zu wahrscheinlich. Und der sogenannte Mittelschmerz, den Frauen oft in der Zyklusmitte verspüren, oder ziehende Brustschmerzen sind einzeln gesehen auch nicht sehr aussagekräftig. Besser ist es also, solche Symptome zu beobachten und zu kombinieren, die eindeutig Aufschluss geben. So verflüssigt sich der Zervixschleim in den fruchtbaren Tagen deutlich und beginnt, zum Eisprung hin Fäden zu ziehen, bis er in der zweiten, unfruchtbaren Zyklushälfte wieder weniger und dicker wird. Die Temperatur steigt am Tag des Eisprungs um mehrere Zehntel an und bleibt auch während der zweiten Zyklushälfte erhöht. Der Muttermund verändert sich ebenfalls zum Eisprung hin deutlich. Er öffnet sich, steht höher und wird weicher. Nach Ende der fruchtbaren Tage geht er in seine ursprüngliche Form und Beschaffenheit zurück.

Im Normalfall beträgt die normale Zykluslänge etwa 25 bis 35 Tage, aber auch kürzere oder längere Zyklen kommen vor. Geraten die Hormone wegen körperlicher oder seelischer Belastung aus dem Gleichgewicht, kann der Eisprung plötzlich früher oder später stattfinden. NFP funktioniert auch in diesen Fällen sehr gut, immer vorausgesetzt, dass die Methode richtig angewendet wird. Denn die Menge der garantiert unfruchtbaren Tage ist mit 10-16 Tagen nach dem Eisprung in etwa gleich. Die garantiert unfruchtbare Zeit am Anfang eines Zyklus endet etwa 5 Tage nach Einsetzen der Regel. Aber auch für ihre Berechnung gibt es genaue Regeln.

NFP-Beispiel: Ausgefülltes Zyklusblatt
NFP-Beispiel: Ausgefülltes Zyklusblatt

So sicher ist NFP

Wenn die NFP-Methode (Sensiplan®) richtig angewendet wird, ist sie in etwa so sicher wie die Pille. Die Sicherheit einer Verhütungsmethode wird mit dem Pearl-Index angegeben. Dieser gibt an, wie hoch der Anteil von sexuell aktiven Frauen ist, die Trotz der Verwendung der Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger wurden. Je niedriger der Wert, desto sicherer ist die Methode. Der Pearl-Index für die NFP-Methode beträgt bei sexueller Abstinenz während der fruchtbaren Zeit 0,4. Bei Verwendung von Kondomen während der fruchtbaren Tage beträgt er 0,6, denn Kondome können reißen oder verrutschen. Der Pearl-Index der Pille wird mit 0,1 angegeben. Der der Mini-Pille mit 0,5.

Wird die NFP-Methode jedoch nicht richtig angewendet oder ihre Regeln zu lax interpretiert, steigt das Risiko für eine Schwangerschaft.

Umgekehrt stellt sich die Frage, wie sicher NFP ist, wenn ein Kinderwunsch besteht. Wenn eine Frau ihren Körper durch NFP sehr gut kennenlernt und zu den als sicher fruchtbar erkannten Tagen Geschlechtsverkehr hat, wird sie mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten 6 Monate schwanger. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es jedoch nicht, denn ob eine Befruchtung stattfindet und sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter halten kann, hängt von vielen Faktoren ab. Selbst wenn sie am fruchtbarsten Tag, dem Tag des Eisprungs, Geschlechtsverkehr hat, beträgt die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden bei einer jungen gesunden Frau zwischen 20 und 30 Jahren gerade einmal 30 Prozent.

Pearl-Index:

Ninja Column 1Ninja Column 2
Hormonspirale: 0,16Kupferspirale: 0,3 – 0,8
Pille: 0,1 – 0,9Kondom: 2 – 12
Mini-Pille: 0,5 – 3Chemische Verhütungsmittel: 3 – 21
Symptothermale Methode: 0,4Koitus interruptus: 4 – 18
Vaginalring: 0,4 – 0,65Keine Verhütung: 85

Vorteile und Nachteile der NFP-Methode

Wie jede Methode hat auch die NFP-Methode Vor- und Nachteile. Wer verhüten will und eine sichere Alternative zu hormonellen Mitteln sucht, die die Körpervorgänge ordentlich stören können, findet in NFP mit Sicherheit seinen Weg zu einem besseren Körpergefühl und mehr Selbstbestimmtheit. Denn NFP hat keine Nebenwirkungen. Sicherlich wirst du nach Absetzen der Hormone Veränderungen an deinem Körper feststellen. Vielleicht kommt es zu Zyklusbeschwerden, die du vorher nicht kanntest. Diese sind allerdings ganz natürlich und haben mit der NFP-Methode selbst nichts zu tun. Auf jeden Fall spart NFP Kosten, denn außer einem geeigneten Thermometer und gelegentlich einem Kondom brauchst du nichts weiter. Erfahrenen Frauen geht die Selbstuntersuchung schnell von der Hand und auch die Eintragungen in den Zyklusblättern werden mit der Zeit effizienter.

Allerdings gibt es gerade zu Anfang viel zu lernen. Manchen reicht das Internet, andere brauchen das Buch der Malteser NFP-Arbeitsgruppe „Natürlich und sicher / Das Praxisbuch„, um die Methode wirklich zu verstehen und immer wieder nachschlagen zu können. Wieder andere lernen lieber in einem Kurs oder direkt von einer Beraterin. Ist die Methode aber einmal erlernt, klappt es wie am Schnürchen, so lange mit Akribie und Regelmäßigkeit vorgegangen wird. Wirst du nachlässig, wird es riskant. Gerade am Zyklusanfang neigen einige Frauen dazu, dann ist die Methode aber nicht sicher. Doch dies ist bei der Pille genauso. Vergisst man sie, kann es dennoch zur Schwangerschaft kommen.

Ein letzter Nachteil sei erwähnt. Gerade bei Paaren mit Kinderwunsch kann die intensive Selbstbeobachtung dazu führen, dass ein gewisser Druck bei der Frau und auch beim Mann entsteht, der sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken kann. Es lohnt sich also, trotz aller Euphorie gelassen zu bleiben und die Methode nicht als Heilsbringer sondern als positive Unterstützung zu sehen.

So funktioniert es im Alltag

  1. Besorg dir ein gutes analoges Thermometer oder ein digitales mit 2 Nachkommastellen.
  2. Druck dir die Zyklusblätter der NFP-Arbeitsgruppe aus (hier downloaden).
  3. Miss deine Aufwachtemperatur immer morgens vor dem Aufstehen am gleichen Ort und möglichst zur selben Zeit und notiere sie.
  4. Prüf mehrmals täglich im Bad oder auf der Toilette Zervixschleim oder Gebärmutterhals. Vergiss aber nicht, vorher und nachher die Hände zu waschen.
  5. Trag alle Beobachtungen und Werte in das aktuelle Zyklusblatt ein.
  6. Erfasse auch Blutungen oder andere Beobachtungen, die mit deinem Zyklus in Zusammenhang stehen könnten.
  7. Werte das Blatt fortlaufend nach den Sensiplan®-Regeln aus. Diese Regeln findest du weiter unten und im Praxisbuch der NFP-Arbeitsgruppe.
  8. An unsicheren oder sicher fruchtbaren Tagen kannst du entweder mit Kondom verhüten oder abstinent bleiben beziehungsweise bei Kinderwunsch jetzt erst recht loslegen.
  9. An sicheren Tagen kannst du ohne Verhütung Sex haben (am besten abends) beziehungsweise bei Kinderwunsch selbstverständlich trotzdem Sex haben.
  10. Wenn du ungeschützten oder geschützten Sex hattest, trag dies ebenfalls ein.

Video: NFP (Natürliche Familienplanun) Erklärung

Die symptothermale Methode im Detail

Die symptothermale Methode stützt sich auf die Kombination mehrerer Symptome und Beobachtungen, die die Frau an sich selbst täglich feststellt und notiert. Auf diese Beobachtungen gehen wir nun genauer ein.

1) Messen der Basaltemperatur

Das Messen der Körpertemperatur stellt die Basis der symptothermalen Methode da. Es ist nötig, um die Temperaturtieflage, die die fruchtbare Zeit markiert, von der Temperaturhochlage unterscheiden zu können. Die Temperaturhochlage setzt bis zu 2 Tage nach dem Eisprung ein, nämlich dann, wenn der Gelbkörper im Eierstock beginnt, Progesteron zu bilden, und die Gebärmutter sich auf eine eventuelle Einnistung der Eizelle vorbereitet. Die Temperaturhochlage beschreibt grob gesagt die unfruchtbaren Tage und wird nach genauen Regeln ermittelt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen findet der Eisprung bis zu 2 Tage vor und maximal einen Tag nach dem Temperaturanstieg statt. Eine genaue Bestimmung ist nie möglich, daher sind Puffertage nötig, um kein Risiko einer ungewollten Schwangerschaft einzugehen.

So wird gemessen

Die Körpertemperatur wird jeden Morgen vor dem Aufstehen im Bett gemessen, im besten Fall immer zur selben Zeit. Dabei ist es wichtig, die Werte genau abzulesen und zu notieren, und immer am selben Ort zu messen. Geeignet sind die rektale (After), vaginale (Scheide) oder orale Messung (unter der Zunge). Ohr-/Stirn-/Achsel- und sonstige Messorte sind zu ungenau und kommen deshalb nicht in Frage. Da sich die Temperaturen in Hochlage und Tieflage meist nur einige Zehntel-Grad unterscheiden, wird entweder ein analoges Thermometer (auf Basis von Gallium, Galinstan® oder notfalls Quecksilber) oder ein digitales Thermometer mit zwei Nachkommastellen benötigt. Herkömmliche digitale Thermometer reichen nicht aus. Gemessen wird 3 Minuten lang, auch wenn bei digitalen Thermometern schon vorher der Signalton erklingt.

So werden die Daten notiert

Die Temperatur wird jeweils auf ein halbes Zehntel auf- oder abgerundet (z.B. 36,75°) und täglich im sogenannten Zyklusblatt mit einem Punkt auf einer Skala markiert. Die Punkte werden miteinander verbunden. Zusätzlich wird die Messzeit notiert. Fällt eine Messung aus, werden der vorige und der nachfolgende Punkt nicht miteinander verbunden. Gibt es Temperaturausreißer nach oben, die sich mit außergewöhnlichen Ereignissen, wie z.B. Unwohlsein, Party am Tag davor oder Ähnlichem begründen lassen, so werden diese ausgeklammert und nicht mit berücksichtigt. Ist die Kurve, warum auch immer, in Gänze nicht auswertbar, muss in diesem Zyklus mit konventionellen Verhütungsmethoden gearbeitet werden.

So werden die Daten ausgewertet

Werden keine Messfehler gemacht, ergibt sich ein mehr oder minder deutlicher Temperaturverlauf, der im weiteren Zyklusverlauf ausgewertet werden kann, um den Beginn der unfruchtbaren Tage zu ermitteln. So gehst du vor (1. Teil der Sensiplan®-Methode):

  1. Ermittle die erste höhere Messung nach 6 niedrigen Werten.
  2. Auf diese Messung muss eine weitere Messung mit einem ebenfalls erhöhten Wert folgen.
  3. Die dritte Messung bei den höheren Werten muss mindestens zwei Zehntel höher sein, als der höchste Wert der sechs niedrigen Werte aus Punkt 1.
    Ist dies gegeben, gilt die Temperaturmessung für diesen Zyklus als abgeschlossen. Führe aber ruhig weiter Protokoll, wenn du noch nicht so lange dabei bist.
  4. Ist die dritte Messung keine zwei Zehntel höher, muss noch ein Wert abgewartet werden. Ist dieser vierte gemessene Wert ebenfalls höher, als die sechs niedrigen Werte, so ist die Messung abgeschlossen.
  5. Fällt die zweite oder dritte höhere Messung unter den kritischen Wert, muss ein weiterer höherer Wert abgewartet werden, der dann endlich zwei Zehntel höher ist, als die höchste Messung der sechs tiefen Werte.

Möchtest du schwanger werden, so markiert der dauerhafte Temperaturanstieg das Ende der fruchtbaren Tage. Erst, wenn die Temperatur nach Einsetzen der Periode dauerhaft wieder abfällt, steigen deine Chancen wieder.

Bitte beachte, dass eine Temperaturmessung allein nicht ausreicht. Erst in Kombination mit der Zervixschleim-Beobachtung oder dem Abtasten des Muttermundes hat sie Aussagekraft.

2) Beobachtung des Zervixschleims

Der zweite Teil der symptothermalen Methode beinhaltet die Untersuchung des Zervixschleims. Zervixschleim wird im Muttermund gebildet und dient dazu, die Gebärmutter während der unfruchtbaren Tage wie ein Pfropfen nach außen abzudichten. Während der fruchtbaren Tage ändert er seine Beschaffenheit und Farbe. Er wird flüssiger, durchsichtiger und zieht zum Eisprung hin Fäden, die wie rohes Eiweiß aussehen. Er wird sozusagen dehnbar beziehungsweise „spinnbar“. In dieser Phase befähigt er die Spermien durch den leicht geöffneten Muttermund in die Gebärmutter zu gelangen.

So wird der Zervixschleim untersucht

Der Zervixschleim kann entweder am Scheideneingang oder direkt am Muttermund mit dem Finger abgenommen werden, je nachdem, was besser funktioniert. Denn manche Frauen haben sehr viel Zervixschleim und merken ihn auch am Scheidenausgang deutlich, und andere haben so wenig, dass sie danach regelrecht suchen müssen. Egal, wofür du dich entscheidest, für die Bestimmung ist es wichtig, den Schleim zwischen zwei Fingern kurz zusammenzudrücken und die Finger dann auseinander zu ziehen. Das Ergebnis wird im Zyklusblatt notiert. Zusätzlich zu Menge und Konsistenz des Schleims selbst wird auch das Gefühl im Scheideneingangsbereich erfasst. So kann er sich gerade am Zyklusanfang trocken bis hin zu juckend anfühlen, oder du spürst schlicht gar nichts. Im späteren Verlauf fühlst du dich vielleicht feucht, siehst aber keinen Schleim. Manchmal wirst du ihn spüren und auch sehen können. All diese Beobachtungen werden in bestimmten Kürzeln zusammengefasst und niedergeschrieben. Zusammen mit der Temperaturmessung ergibt sich mit etwas Erfahrung ein ziemlich genaues Bild davon, wo im Zyklus du dich zur Zeit befindest.

Kombinationen von möglichen Empfindungen und Aussehen

  • trocken, evtl. Jucken UND nicht gesehen
  • nichts gefühlt UND nichts gesehen
  • feucht ABER nichts gesehen
  • nichts gefühlt oder feucht UND milchig, dicklich, nicht ziehbar
  • nichts gefühlt oder feucht UND glasig, dehnbar, manchmal rötlich
  • nass, schlüpfrig UND/ODER glasig, dehnbar, manchmal rötlich

Es gibt jedoch auch Frauen, bei denen die Veränderung des Zervixschleimes kaum Rückschlüsse auf die Zyklusphase zulässt. In diesen Fällen wird empfohlen, es stattdessen mit der Selbstuntersuchung des Gebärmutterhalses zu versuchen.

3) Abtasten des Gebärmutterhalses

Der Gebärmutterhals (auch Muttermund genannt) verändert sich zyklisch ebenso wie Körpertemperatur und Zervixschleim. Nach der Periode ragt er kugelig oder zapfenförmig recht weit in die Scheide hinein, so dass er im Normalfall gut zu tasten ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt recht hart und knorpelig und der Eingang zur Gebärmutter ist verschlossen. Zum Eisprung hin wird er weich, zieht sich nach oben zurück und öffnet sich. Nach dem Eisprung geht er wieder in seinen Ursprungszustand zurück. Bei Frauen, die bereits geboren haben, kann es sein, dass er auch in der unfruchtbaren Zeit leicht schlitzförmig geöffnet bleibt. Das spielt aber bei der Selbstuntersuchung keine größere Rolle, da es noch andere Kriterien gibt, die recht eindeutig sind. Schwierig wird es nur, wenn er zum Beispiel durch eine Operation so stark vernarbt ist, dass sich kaum etwas ertasten lässt. Ist dies nicht der Fall, gibt es folgende Unterscheidungskriterien:

  • tiefstehend, hart (wie Knorpel), geschlossen
  • hochstehend, weich (wie ein Ohrläppchen), geöffnet

Geeignete Körperstellung finden

Um den Gebärmutterhals zu ertasten, gehe am besten in eine leicht gebeugte Haltung und stelle ein Bein auf Badewanne oder Toilette. Du kannst dich auch hinhocken oder es im Liegen mit leicht angezogenen Beinen versuchen. Hast du eine gute Position gefunden, bleib am besten auch bei den nächsten Selbstuntersuchungen dabei.

So tastest du ab

Führe einen oder zwei saubere Finger ein. Die Fingernägel sollten auch sauber und nicht zu lang sein, damit du dich nicht selbst verletzen und infizieren kannst. Wenn du den Gebärmutterhals gefunden hast, ertaste erst die Öffnung in der Mitte und untersuche dann den Rand. Solltest du Schwierigkeiten haben, den Muttermund zu erreichen, kannst du mit der anderen Hand auf den Unterbauch drücken und ihn so deinen Fingern entgegen bewegen. Nun kannst du auch etwas Zervixschleim abnehmen. Dies brauchst du aber im weiteren Verlauf nicht zu tun, wenn du dich für die Kombination Temperatur + Gebärmutterhals entschieden hast.

Erfasse nun das Ergebnis der Untersuchung im Zyklusblatt. Keine Sorge, mit etwas Übung geht das alles sehr schnell und völlig problemlos.

Bestimmung der unfruchtbaren Tage mit Sensiplan®

Wenn du schwanger werden möchtest, gilt es, die fruchtbaren Tage zu erkennen. Lies dafür das nächste Kapitel. Möchtest du verhüten, sind für dich natürlich eher die unfruchtbaren Tage interessant, an denen du sicher Sex haben kannst, ohne verhüten zu müssen. Dazu kommen wir jetzt.

Die unfruchtbaren Tage in der ersten Zyklushälfte

Wichtig ist es in jedem Fall zu wissen, dass es in der ersten Zyklushälfte weit weniger unfruchtbare Tage gibt, als in der zweiten Zyklushälfte. Je nach Länge des Zyklus und Tag des Eisprungs kann es sogar sein, dass die Fruchtbarkeit schon am 5. Tag deiner Periode einsetzt. Daher ist diese Zeit besonders unsicher und es sollte gerade am Anfang deiner NFP-Aufzeichnungen kein Risiko eingegangen werden, es sei denn, ein Kind wäre doch nicht weiter tragisch. Für Anfänger und Fortgeschrittene gibt es verschiedene Regeln, was die Bestimmung der unfruchtbaren Tage am Zyklusanfang angeht.

5-Tage-Regel
Hast du mit NFP noch keine 12 Zyklen protokolliert, gilt die 5-Tage-Regel. Der Eisprung findet bis zu zwei Tage vor der ersten höheren Messung statt. Da die erste höhere Messung in diesem Zyklus aber durchaus früher erfolgen kann, falls der Eisprung früher stattfindet, und eine Anfängerin noch keine Erfahrung mit ihren Zyklen hat, geht man vom frühest möglichen Zeitpunkt aus. Man nimmt also fürs Erste lediglich die ersten 5 Tage im Zyklus als unfruchtbar an. Erst wenn Messungen aus 12 Zyklen vorliegen, die belegen, dass die erste höhere Messung später stattfindet, kann zur Minus-8-Regel (siehe nächster Abschnitt) übergegangen werden. Wird in diesen 12 Zyklen jedoch nur einmal eine frühere Messung protokolliert, so bleibt es bei der 5-Tage-Regel. In Ausnahmefällen können Zyklen so verkürzt sein, dass sogar nur 4 Tage als unfruchtbar gelten können. Dann muss ab dem 5. Zyklustag verhütet werden, auch wenn du dann noch deine Regel hast. Wichtig ist es, gerade am Anfang die Zervixschleim-Untersuchung vom ersten Zyklustag an durchzuführen, um etwaige Änderungen sofort erkennen zu können.

Minus-8-Regel
Wenn bereits Messungen aus 12 auswertbaren Zyklen und somit 12 erste höhere Messungen vorliegen, kann zur Minus-8-Regel übergegangen werden. Der letzte sicher unfruchtbare Tag ist dann der 8. Tag vor dem Tag der höheren Messung, die bisher am frühesten aufgezeichnet wurde.

Beispiel von 12 Zyklen:

    • drei erste höhere Messungen am 15. Zyklustag
    • acht erste höhere Messungen am 16. Zyklustag
    • eine erste höhere Messung am 14. Zyklustag

–> die früheste höhere Messung war in diesem Beispiel am 14. Zyklustag (14-8=6), also wird der 6. Zyklustag als letzter unfruchtbarer Tag angenommen.

Die Minus-8-Regel ändert sich immer dann, wenn schon vor dem angenommenen letzten unfruchtbaren Tag Veränderungen am Zervixschleim beobachtet werden. Dann ist davon auszugehen, dass der Eisprung in diesem Zyklus früher als sonst stattfindet. Die Berechnung am Anfang richtet sich dann nach dem neuen frühesten Zeitpunkt der ersten höheren Messung.

Minus-20-Regel bei Vorliegen eines Menstruationskalenders
Dies ist eine Sonderregel, die auch schon bei Einsteigerinnen greift, allerdings nur dann, wenn sie über mindestens 12 Monate (besser länger) einen Menstruationskalender geführt haben und dieser belegt, dass der kürzeste Zyklus immer länger als 25 Tage (z.B. 28 Tage) war. Dann dürfen z.B. 28-20 = 8 Tage am Zyklusanfang als unfruchtbar angenommen werden. Wichtig ist es aber auch hier, den Zervixschleim immer genauestens (am besten mehrmals täglich) zu untersuchen, um Veränderungen gleich feststellen und danach handeln zu können. Denn ändert sich der Zervixschleim, setzt die Fruchtbarkeit ein.

Die unfruchtbaren Tage in der zweiten Zyklushälfte

Die Bestimmung der unfruchtbaren Tage in der zweiten Zyklushälfte ist sehr viel einfacher als in der ersten Zyklushälfte. Denn hier geht es nur darum zu erkennen, dass der Eisprung bereits stattgefunden hat. Spätestens 24 Stunden nach dem Eisprung ist die Eizelle nicht mehr befruchtbar. Und selbst wenn innerhalb dieser 24 Stunden ein weiterer Eisprung stattfindet, vergeht nur ein weiterer fruchtbarer Tag.

Das Einsetzen der unfruchtbaren Tage wird zum einen durch einen deutlichen dauerhaften Temperaturanstieg und zum anderen durch die erneute Veränderung des Zervixschleims markiert. Wird statt Zervixschleim der Gebärmutterhals untersucht, gibt auch dessen Veränderung in den ursprünglichen Zustand das entscheidende Signal. Es findet also immer eine doppelte Kontrolle statt, damit die Methode sicher ist.

Geh bei der Bestimmung des Beginns der unfruchtbaren Tage in der zweiten Zyklushälfte vor, wie im Abschnitt „Messen der Basaltemperatur“ genau beschrieben und werte zusätzlich den Zervixschleim aus. Bestätigen sich beide Symptome gegenseitig, so kannst du davon ausgehen, dass du bis zum erneuten Beginn der fruchtbaren Tage Geschlechtsverkehr haben darfst, ohne verhüten zu müssen. Spricht jedoch nur ein Symptom dafür und das andere dagegen, so warte ab, bis beide Symptome Unfruchtbarkeit belegen.

Bestimmung der fruchtbaren Tage

Wenn du schwanger werden willst, geht es dir natürlich darum, die chancenreichsten Tage zu finden, an denen du Sex haben kannst. Zum Eisprung hin steigt die Chance auf eine Befruchtung rapide an. Da der Moment des Eisprung jedoch mit keiner Methode eindeutig feststellbar ist, ist es sinnvoll, ihn weitestgehend einzugrenzen. Aber auch dann musst du nicht täglich Geschlechtsverkehr haben. Alle zwei bis drei Tage reicht völlig aus. Man sagt, das 3 Mal Sex während der 6 fruchtbaren Tage am besten ist.

Die für dich interessante Zeit beginnt, wenn die Temperatur nach dem Einsetzen der Periode nach ein paar Tagen abfällt und du erste Veränderungen am Zervixschleim feststellen kannst. Kurz vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs ist die Chance auf ein Baby am größten. Aber auch 2-3 Tage davor ist die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung gar nicht so gering. Wenn du nur den Gebärmutterhals untersuchst, verändert dieser sich eventuell schon ein paar Tage bevor der Schleim eine reife Eizelle kurz vor dem Eisprung anzeigt. Wenn du alle drei Dinge, also Temperatur, Schleim und Gebärmutterhals untersuchst, kannst du die besten Tage ziemlich gut eingrenzen. Die Temperatur sollte also noch erniedrigt, der Gebärmutterhals hoch, offen und weich und der Schleim dünner, glasig und dehnbar sein. Aber auch wenn die Temperatur schon leicht erhöht ist, kann das durchaus auf einen Eisprung hindeuten.

Sobald die Temperatur dauerhaft erhöht bleibt, der Zervixschleim wieder weniger, weißlich und klumpig wird und/oder der Gebärmutterhals wieder hoch steht und sich fest anfühlt, ist die fruchtbare Zeit vorbei. Du darfst natürlich noch weiter mit Genuss üben, aber ein Baby wird dabei erst einmal nicht entstehen. Dafür ist im nächsten Zyklus dann noch genug Zeit 🙂

Das ist bei besonderen Zyklen zu beachten

NFP-unerfahrene Frauen fragen sich oft, ob die Methode auch geeignet ist, wenn ihre Zyklen warum auch immer nicht regelmäßig oder besonders lang beziehungsweise kurz sind. Das ist sie!

Wirklich regelmäßig sind die wenigsten Zyklen. Die landläufige Meinung eines regelmäßigen 28-Tage-Zyklus als Normalfall, bei dem der Eisprung immer am gleichen Tag stattfindet, ist überholt. Durch Stress, viel Sport oder in besonderen Situationen ändert sich der Zyklus einer Frau sehr oft. Dennoch ist es möglich, mit NFP zu arbeiten, so lange gewissenhaft vorgegangen wird.
Nach dem Absetzen der Pille oder nach anderen hormonellen Umstellungen, wie nach einer Geburt, in der Stillzeit oder in den Wechseljahren gelten jedoch leicht veränderte Regeln. Denn wann und ob überhaupt ein Eisprung stattfindet, ist dann wochen- bis monatelang fraglich. Dies sind die Regeln in Zeiten des hormonellen Umbruchs

Nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel

Wann eine Frau nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel wieder fruchtbar ist, ist sehr unterschiedlich. Einige haben gleich darauf einen Eisprung, bei anderen dauert es bis zu anderthalb Jahren, bis sich die Hormone eingependelt haben und die Körpersymptome ordentlich ausgewertet werden können. Das Einsetzen der Regel sagt übrigens nichts darüber aus, ob auch ein Eisprung stattgefunden hat.

Der erste Tag nach dem Absetzen der Hormone gilt als erster Zyklustag. Die ersten 5 Tage gelten prinzipiell als unfruchtbar. Setzt die Regel nach 7 Tagen noch nicht ein, so wird ab dem 8. Tag Fruchtbarkeit angenommen. Lässt sich der Beginn einer Temperaturhochlage feststellen – dazu muss ein Puffertag mehr eingebaut werden, an dem die Temperatur erhöht ist – so gelten die darauf folgenden Tage als unfruchtbar. Danach gelten dieselben Regeln wie bei Einsteigerinnen.

Nach der Schwangerschaft und in der Stillzeit

Wenn eine Mutter ein Kind geboren hat, werden die ersten 6 Wochen als unfruchtbar angenommen, wenn die Frau Ihr Kind voll stillt. Bei nicht- oder teilstillenden Frauen kann die Fruchtbarkeit wieder deutlich früher einsetzen. Bei vollstillenden Frauen wird ab der 10.-12. Woche mit der Temperaturmessung begonnen, auch wenn man davon ausgeht, dass die ersten 6 Monate „relativ“ sicher sind. Sobald Beikost eingeführt wird oder das Baby zusätzlich Milch oder sogar nur Tee erhält, setzt die Fruchtbarkeit in der Regel innerhalb von etwa 6 Wochen wieder ein. Aber auch, wenn schon 8 Wochen nach der Geburt eine Blutung einsetzt, muss danach von Fruchtbarkeit ausgegangen werden. Innerhalb der ersten 8 Wochen gelten Blutungen als Teil des Wochenflusses.

Für stillende Frauen gibt es ein besonderes Zyklusblatt. Denn der erste Zyklus beginnt mit dem Tag der Entbindung und endet erst, wenn eine Temperaturhochlage zu verzeichnen war, auf die eine Regelblutung folgte. Dies kann unter Umständen etliche Monate dauern. Daher wird Frauen, denen das tägliche Messen der Temperatur zu aufwändig ist, dazu geraten, erst dann mit dem Messen zu beginnen, wenn sie Veränderungen beim Zervixschleim feststellen.

Vor der ersten messbaren Temperaturhochlage reicht es also aus, wenn nur Zervixschleim und Gebärmutterhals untersucht werden. So lange kein Zervixschleim gefühlt oder gesehen wird und alles trocken scheint, darf Unfruchtbarkeit angenommen werden. Sobald etwas bemerkt wird, ist von Fruchtbarkeit auszugehen. Dies wird am besten mehrmals täglich kontrolliert. Daher ist es besser, erst am Abend Geschlechtsverkehr zu haben.

Unfruchtbarkeit kann 4 Tage nachdem der Zervixschleim dehnbar und glasig war (Höhepunkt des Zervixschleimsymptoms) und vier Tage nachdem der Gebärmutterhals weich und hochstehend war angenommen werden.

Es kann passieren, dass auf eine Temperaturhochlage keine Regelblutung folgt. Daher musst du die Temperatur nun immer weiter messen. Denn sinkt die Temperatur dauerhaft wieder ab und folgt keine Regelblutung, ist wieder von Fruchtbarkeit auszugehen, bis die Temperatur erneut ansteigt.

Vor der Menopause

Die Menopause bezeichnet die letzte Blutung während der Wechseljahre einer Frau. Die Zeit davor ist unterschiedlich lang. Oft vergehen 10 bis 15 Jahre, in denen es zu verkürzten und später zu verlängerten Zyklen oder Zyklen ganz ohne Eisprung kommt, weil die Eierstockfunktion nachlässt.

So lange noch Temperaturhochlagen messbar sind, werden die Zyklusblätter ganz normal ausgewertet. Sobald die Zyklen aber dauerhaft verlängert sind und kaum mehr Temperaturanstiege zu verzeichnen sind, kann die alleinige Zervixschleimbeobachtung ggf. in Kombination mit der Untersuchung des Gebärmutterhalses für die Bestimmung der unfruchtbaren Tage ausreichen. Dann finden die Regeln Anwendung, die auch für die Stillzeit gelten.

Hast du weitere Fragen zum Thema NFP (Natürliche Familienplanung)? Dann schreib uns einen Kommentar!

Weitere Artikel zum Thema Kinderwunsch

Mehr Elterngeld erhalten
Mehr Elterngeld erhalten

Bitte bewerte diesen Beitrag: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 5,00 von 5 Sternen - Insgesamt 4 Bewertungen
Loading...
Das könnte dir auch gefallen

Hinterlass einen Kommentar

Hinweis: Wir bekommen täglich etwa 50 Kommentare mit Fragen zum Elterngeld. Aus zeitlichen Gründen können wir diese individuellen Anfragen leider nicht beantworten. Unser Elterngeld-Onlinekurs wird von einem Expertenteam betreut. Bitte buche den Kurs, wenn du individuelle Fragen zum Elterngeld hast. Hier geht's zum Kurs.