Mütterrente: Was du zu Kindererziehungszeiten wissen musst

Kinder zu erziehen sorgte bis vor einigen Jahren meist für deutliche Einbußen bei der Höhe der Rente. Denn selbst wenn Mama (oder Papa) nach der Elternzeit wieder arbeiten gehen, entscheiden sich viele erst einmal für Teilzeit und damit für einen geringeren Rentenanspruch. Die Kindererziehungszeiten werden Müttern und ggf. auch Vätern als Beitrags- und Wartezeiten auf die gesetzliche Altersrente angerechnet. Für wen die „Mütterrente“ gilt und wie viel mehr Geld das bedeutet, beantwortet dieser Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die korrekte Bezeichnung ist „Kindererziehungszeiten“, Mütterrente ist nur ein Schlagwort.
  • Zeiten mit geringem Einkommen aufgrund von Kindererziehung sollen so bei der Rente ausgeglichen werden.
  • Ab 01.01.2019 werden pro Kind, das vor 1992 geboren wurde, 2,5 Rentenpunkte angerechnet.
  • Für später geborene Kinder gibt es nach wie vor 3 Punkte pro Kind.
  • 1 Rentenpunkt = 1 Jahr mit durchschnittlichem Verdienst.
  • Zwischen Ost und West gibt es in der Berechnung noch leichte Unterschiede.
  • Wer in der Erziehungszeit arbeitet, bekommt die Rentenpunkte bis zu einer Obergrenze obendrauf.
  • Auch Väter, Großeltern etc. haben anstelle der Mutter Anspruch.
  • Für die Anrechnung der Erziehungszeiten musst du einen Antrag stellen.

Was sind Kindererziehungszeiten bzw. „Mütterrente“?

Die korrekte Bezeichnung ist Kindererziehungszeit(en), Mütterrente ist ein Schlagwort aus dem Wahlkampf 2013. Es handelt sich bei der Mütterrente nicht um eine Zusatzrente. Tatsächlich geht es um den Ausgleich von Zeiten, in denen wegen der Erziehung eines oder mehrerer Kinder kein oder ein geringeres Einkommen erzielt wurde.

Rentenversicherte bekommen für die gesetzlich festgelegte Erziehungszeit Pflichtbeiträge in Form von Rentenpunkten, die sich dann positiv auf die Rentenhöhe auswirken.

Mit der Gesetzesreform von 2018 gibt es ab Januar 2019 2,5 Rentenpunkte für jedes vor 1992 geborene Kind und 3 Rentenpunkte für jedes ab 1992 geborene Kind. Infoblatt der Deutschen Rentenversicherung (PDF)

Rentenpunkte oder auch Entgeltpunkte sind die Werteinheit des deutschen Rentensystems. Sie berechnen sich in der Regel aus dem versicherten Arbeitsentgelt. Wenn das durchschnittliche Jahresentgelt aller Versicherten deinem eigenen entspricht, erhältst du 1 Rentenpunkt. Liegt es darüber oder darunter, erhältst du entsprechend mehr oder weniger. Mehr als 2,1066 Punkte kann aktuell aber niemand pro Jahr sammeln.

Mütterente 2 – Das ändert sich bei den Kindererziehungszeiten ab 2019

Anfang September 2018 wurde von der Großen Koalition eine Gesetzesänderung beschlossen. Ab dem 01.01.2019 bekommen alle Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, pro Kind einen halben Rentenpunkt mehr als vorher. Seit 2014 wurden pro Kind 2 Punkte angerechnet, nun sind es also 2,5 Punkte. Mütter von nach 1992 geborenen Kindern bekommen unverändert 3 Rentenpunkte pro Kind.

Was wenig scheint, hat vor allem für Geringverdiener und Hausfrauen Vorteile. Um überhaupt einen Rentenanspruch zu haben, muss ein Arbeitnehmer mindestens 60 Monate, also 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Dies entspricht 5 Rentenpunkten. Hat eine Frau 2 Kinder groß gezogen und war beispielsweise ihr Leben lang Hausfrau, hat sie die für eine Rente nötigen 5 Rentenpunkte durch die Kindererziehung bereits erworben.

Wird es eine Nachzahlung geben?

Nein, das ist nicht anzunehmen, zumindest nicht für die Jahre vor der Gesetzesänderung. Die Renten werden sich ab dem 01.01.2019 erhöhen. Auch wenn der Bescheid eventuell erst ein paar Monate später ergeht, gilt die Erhöhung ab diesem Datum.

Was ist zu tun, wenn kein solcher Bescheid eingeht?

Wenn bis März 2019 keine Meldung von der Rentenversicherung eingeht, solltest du nachhaken. Wenn dein Rentenbescheid keine Kindererziehungszeiten enthält, obwohl du Kinder hast, lass dich am besten bei der Rentenversicherung beraten. Hier findest du eine kostenlose Beratungsstelle.

So wird die Mütterrente berechnet

Grundlage der Berechnung der für die Kindererziehungszeiten fälligen Rente ist das Durchschnittsgehalt aller Rentenversicherten. Dies gilt auch, wenn der Erziehende während dieser Zeit kein Einkommen oder lediglich ein geringes Einkommen hat. Zusätzliche Beschäftigungszeiten während der Erziehungszeit werden nicht gegengerechnet sondern addiert. Allerdings kann das so errechnete Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigen.

Die Beitragsbemessungsgrenze bezeichnet das höchste Gehalt, für das Rentenpunkte berechnet werden. Alles das darüber liegt, macht keine höheren Rentenbeiträge nötig und hat daher auch keine weitere Erhöhung der Rente zur Folge.

Seit dem 01.01.2018 gelten für den Osten 6.350 Euro / Monat und für den Westen 6.500 Euro / Monat als Obergrenze.

So viel Geld gibt es für einen Rentenpunkt

Ein Rentenpunkt entspricht einem Jahr mit durchschnittlichem Einkommen. Seit dem 01.07.2018 liegt die aus einem Rentenpunkt resultierende Rente im Osten bei 30,69 Euro / Monat und ein Westen bei 32,03 Euro / Monat.

Rechenbeispiele:

Eine ehemals im Westen tätige Frau und Mutter von zwei Kindern, die vor 1992 geboren wurden, erhält nun also ab dem 01.01.2019 rund 160 Euro im Monat (= 5 Rentenpunkte) für die damals geleistete Kindererziehung. Im Vergleich erhält eine Frau, deren Kinder nach 1992 zur Welt kamen, 192 Euro (= 6 Rentenpunkte).

Eine Mutter, die im Osten tätig war und deren 2 Kinder vor 1992 zur Welt kamen, erhält 153 Euro/Monat.

Die aktuellen Werte der deutschen Rentenversicherung

Die genannten Werte sind Bruttowerte. Bitte beachte, dass sich der tatsächliche Bezug durch etwaige Steuern und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung noch verringern wird.

Kindererziehungszeiten bei mehreren Kindern

Wenn du Mehrlinge geboren hast oder noch während der Erziehungszeit ein weiteres Kind adoptiert oder in Pflegschaft genommen hast, verlängert sich die Kindererziehungszeit um die Zeit, in der du die Kinder gleichzeitig versorgt hast.

Beispiel:

Die Zwillinge kamen 1993 zur Welt. Pro Kind bekommst du 3 Rentenpunkte, also erhältst du 6 Rentenpunkte für umgerechnet 6 Jahre mit oder ohne Einkommen.

Wer hat Anspruch auf Mütterrente?

Eine Kindererziehungszeit wird angerechnet, wenn:

  1. der Antragsstellende das Kind tatsächlich selbst erzogen hat
  2. die Erziehung in der Bundesrepublik oder einem EU-Mitgliedsstaat erfolgte
  3. der Antragstellende nicht von der Anrechnung ausgeschlossen ist

Können auch Väter Kindererziehungszeiten in Anspruch nehmen?

Ja, das ist möglich. Wenn beide Partner zustimmen, können die sich aus den Erziehungszeiten ergebenden Rentenansprüche auch auf den Vater übertragen werden. Dies muss ebenfalls auf Antrag geschehen.

Wichtig: Die Zustimmung gilt nur für die Zukunft und maximal 2 Monate rückwirkend. Also solltest du den Antrag möglichst schnell nach der Geburt stellen!

Auch Adoptiv-, Stief- oder Pflegeeltern, Großeltern oder andere Verwandte haben Anspruch, wenn das Kind bei ihnen in einem dauerhaften Pflegeverhältnis wohnt. Dann darf aber kein Obhuts- bzw. Erziehungsverhältnis mehr zu den leiblichen Eltern bestehen.

Diese Gruppen sind vom Bezug der Mütterrente ausgeschlossen

  • Ausgeschlossen sind Personengruppen wie beispielsweise Beamte, die während der Kindererziehungszeit einem anderen Alterssicherungssystem angehört haben, das die Erziehungszeiten gleichwertig berücksichtigt.
    Berufsständisch Versicherte wie z.B. Ärzte haben meist dennoch Anspruch.
  • Mütter, Väter, Großeltern etc., die während der Kindererziehung bereits eine Altersvollrente oder vergleichbare Pension erhalten, haben keinen Anspruch.
  • Wenn die Mutter oder der Vater die Kindererziehungszeiten angerechnet bekommen hat, geht der andere Elternteil leer aus.

Muss ein Antrag auf Mütterrente gestellt werden?

Einen Antrag auf „Mütterrente“ gibt es so nicht. Stattdessen müssen die Kindererziehungszeiten gemeldet und gegebenenfalls mit einer Geburtsurkunde nachgewiesen werden.

  • Wenn du bereits Rentner bist und deine Kindererziehungszeiten geltend gemacht hast, brauchst du in der Regel nichts weiter zu tun. Die Neuberechnung erfolgt automatisch und der Bescheid ergeht in den ersten Monaten des kommenden Jahres. Solltest du keinen Bescheid bekommen, hak sicherheitshalber nach.
  • Sobald du ein Kind geboren hast, bekommst du relativ schnell von der Rentenversicherung Post. Denn das Einwohnermeldeamt hat sie über die Geburt informiert. Da nicht alle Kinder bei ihren Eltern aufwachsen und auch nie vorher klar ist, wie lange Auszeiten, Teilzeit etc. wegen der Kinder nötig werden, musst du die Erziehungszeit per Antrag nachmelden.
  • Wenn du noch kein Rentner bist und das 43. Lebensjahr vollendet hast, bekommst du von der Rentenversicherung eine Auflistung deiner bisherigen Versicherungszeiten zugeschickt. Du solltest spätestens dann auf Antrag die Kindererziehungszeiten angeben und die Geburt der Kinder mit einer Geburtsurkunde nachweisen.
  • Wenn du noch kein Rentner bist und deine Kindererziehungszeiten bereits abgegeben hast, musst du ebenfalls nichts weiter tun. Die Berechnung erfolgt automatisch.
  • Wenn du über 65 bist, aber noch keine Altersrente beziehst, und deine Kinder vor 1992 geboren sind, solltest du dich bei der Rentenversicherung beraten lassen.

Wann der Antrag gestellt werden muss

Wenn der Vater die Erziehungszeit bekommen soll, ist es sinnvoll, den Antrag so schnell wie möglich zu stellen. Ansonsten ist etwa 3 Jahre nach der Geburt eine gute Zeit. Spätestens mit 43, wenn die Rentenversicherung alle bisher erfassten Zeiten zuschickt, solltest du die Kindererziehungszeiten unbedingt nachmelden.

Hier geht es zum Antrag auf Feststellung von Kindererziehungszeiten / Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung.

Füll den Antrag einfach online aus, druck ihn aus und sende ihn mitsamt einer Kopie der Geburtsurkunde an die Rentenversicherung.

Mütterrente und die Altersgrundsicherung

Kindererziehungszeiten erhöhen die Rente. Da Rente und Altersgrundsicherung gegengerechnet werden, gibt es also leider nicht mehr Geld. Es sei denn, die neu berechnete Rente übersteigt nun die Altersgrundsicherung.

Fazit

Die Anrechnung der Kindererziehungszeiten bzw. die Mütterrente ist eine ziemlich sinnvolle Sache, damit Kinder zu haben sich nicht auf die spätere Höhe der Rente auswirkt. Wenn du ein Kind geboren hast, beantrage daher am besten so bald wie möglich, dass die resultierenden Erziehungszeiten in deine Rentenberechnung mit einfließen.

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