Kapitallebensversicherung

Die Kapitallebensversicherung – ehemals lohnendes Investment, heute ein Ladenhüter

Kapitallebensversicherungen waren für eine lange Zeit „das“ Versicherungsprodukt, das für ein angenehmes Rentenalter sorgen sollte. Mit hohen Verzinsungen und einer laufenden Absicherung für Hinterbliebene fand es sich in fast jedem Versicherungsordner wieder. Durch die mittlerweile lang anhaltende Niedrigzinsphase und gesetzliche Regulierungen ist die klassische kapitalbildende Lebensversicherung heute in den meisten Fällen keine Empfehlung mehr. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei der Lebensversicherung achten müssen, warum eine Kündigung von bestehenden Verträgen nicht immer sinnvoll ist und welche Alternativen es zur klassischen Kapitallebensversicherung gibt.

Lebensversicherung ist im Versicherungswesen übrigens ein Sammelbegriff. Zu den Lebensversicherungen gehören auch Rentenversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen und Risikolebensversicherungen. Zudem werden je nach Anbieter auch Pflegeversicherungen und Dread-Disease-Versicherungen auf der Basis einer Lebensversicherung angeboten. Wir konzentrieren uns hier auf die klassische kapitalbildende Lebensversicherung, gehen aber auch kurz auf die klassische Rentenversicherung ein.

Risikoabsicherung und Vorsorge in einem Vertrag

Das Prinzip der kapitalbildenden Lebensversicherung basiert auf einer kombinierten Absicherung. Sie zahlen einen Beitrag, der sowohl für die Risikoabsicherung als auch für die Vorsorge eingesetzt wird. Sterben Sie während der Vertragslaufzeit, erhalten Ihre Hinterbliebenen mindestens die in dem Vertrag garantierte Versicherungssumme. Erleben Sie den Ablauf des Vertrags, erhalten Sie ebenfalls die garantierte Summe plus eventueller Überschüsse. Sie erhalten also in jedem Fall eine Auszahlung aus dem Vertrag.

Ihre Beiträge werden vom Versicherer in verschiedene Töpfe eingezahlt. Ein Topf ist für den Sparanteil Ihres Beitrags reserviert. Ein weiterer Topf ist für den Risikolebensversicherungsteil des Beitrags gedacht und in einem dritten Topf verbucht der Versicherer den Kostenanteil Ihres Beitrags. Der garantierte Zins, der seit dem 01.01.2017 nur noch bei 0,9 % liegt, wird nur auf den Sparanteil Ihres Beitrags gezahlt. Allein dadurch ist die zu erwartende Rendite deutlich geringer als bei reinen Sparprodukten.

Garantiezins und Überschussbeteiligung – mehr Rendite als garantiert möglich?

Der garantierte Zins, den die Versicherungsunternehmen zahlen, wird bei jeder Lebensversicherung grundsätzlich immer ausgezahlt und ist in den Garantiewerten, die Ihr Vertrag ausweist, bereits berücksichtigt. Allerdings erwirtschaften die Unternehmen in der Regel einen höheren Ertrag, der dann als Überschussbeteiligung zusätzlich gutgeschrieben wird. Diese laufende Verzinsung ist nicht garantiert und abhängig vom Unternehmenserfolg. Einmal festgeschriebene Überschüsse bleiben dauerhaft in Ihrem Vertrag gesichert und können vom Unternehmen nicht mehr gestrichen werden. Die Überschussbeteiligung wird aber in jedem Jahr neu festgesetzt und zeigt sich mit zunehmender Dauer der Niedrigzinsphase im Sinkflug. Während 2010 laut dem Analyseunternehmen Assekurata noch durchschnittlich 4,19% Gesamtverzinsung gewährt wurde, sind es 2016 nur noch 2,59% bei Lebensversicherungen. Es gibt allerdings Versicherer, die nach wie vor über dem Schnitt liegen und eine höhere Verzinsung anbieten.

Wenn Sie den Vertrag bis zum Ende der Laufzeit besparen, erhalten Sie zusätzlich noch eine Beteiligung an den Bewertungsreserven des Versicherers und einen Schlussüberschuss. Bewertungsreserven entstehen, wenn der Versicherer zum Beispiel Anleihen in seinem Portfolio besitzt, die zu einem niedrigen Buchwert gekauft wurden, heute aber zu einem höheren Preis gehandelt werden. Die Differenz zwischen Buchwert und realem Wert ist die Bewertungsreserve, an der die Versicherten beteiligt werden. Der Schlussüberschuss enthält variable Anteile an Anlageergebnissen und kann von jedem Versicherungsunternehmen frei bestimmt werden. Die Schlussüberschüsse sind in den vergangenen Jahren stark gesunken.

Darum sind alte Lebensversicherungsverträge schlecht für neue Kunden

In den Neunziger Jahren haben die Lebensversicherer Zinsen in Höhe von bis zu 4% garantiert. Diese Garantien müssen sie auch heute noch erfüllen. Allerdings erreichen die meisten Versicherer diese Werte inzwischen nicht einmal mehr mit der Gesamtverzinsung. Das bedeutet, dass ein größerer Teil der Überschüsse nur für die Bedienung der alten Garantien zur Verfügung stehen und Kunden mit geringeren Garantiezinsen weniger Überschüsse erhalten, als ihnen eigentlich zustehen würde.

Der Gesetzgeber hat dieses Problem ebenfalls erkannt und schon 2011 für die Bildung einer zusätzlichen Reserve gesorgt. Die sogenannte Zinszusatzreserve muss von den Versicherern gefüllt werden und sorgt für einen Kapitalpuffer, um Verträge mit hohen Garantiezinsen bedienen zu können. Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto mehr Verträge müssen aus der Zusatzreserve versorgt werden und desto mehr Kapital geht für neuere Verträge verloren. Wenn die Niedrigzinsen länger anhalten, kann es theoretisch sogar passieren, dass die Versicherungsunternehmen bei allen Verträgen nur noch den Garantiezins auszahlen können und keine höhere laufende Verzinsung mehr gutschreiben.

Soll ich meine alten Lebensversicherungsverträge kündigen?

Haben Sie bereits vor vielen Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen, sollten Sie im Regelfall auf eine Kündigung verzichten und den Vertrag weiter besparen. Verträge, die zwischen Juli 1994 und Juli 2000 abgeschlossen wurden, werden mit garantierten 4% verzinst. Verträge, die danach bis zum Januar 2004 abgeschlossen wurden, erhalten immer noch 3,25% Garantiezins. Insbesondere bei den aktuell sehr niedrigen Zinsen auf den Kapitalmärkten erhalten Sie bei diesen Verträgen einen sehr attraktiven Garantiezins, selbst wenn sämtliche Verwaltungskosten bei der Rendite berücksichtigt werden.

Bei jüngeren Verträgen kommt es auf den exakten Abschlusszeitpunkt an. Verträge mit einem Garantiezins von 2,75% oder 2,25% können auch heute noch attraktiv sein, hier kommt es aber in einem stärkeren Maße auf die Verwaltungskosten an, die der Versicherer erhebt. Verträge mit niedrigeren Garantiezinsen können gekündigt werden, wenn der überwiegende Sinn des Vertrags die Altersvorsorge war. Wenn Sie den Vertrag auch als Risikovorsorge für Ihre Hinterbliebenen abgeschlossen haben, um zum Beispiel einen Kredit abzusichern, sollten Sie vorher klären, ob Sie als Ersatz für die kapitalbildende Lebensversicherung eine reine Risikolebensversicherung abschließen können, damit Ihre Hinterbliebenen weiterhin abgesichert sind. Ist das aufgrund bestimmter Erkrankungen nicht mehr möglich, sollten Sie zunächst auf eine Kündigung verzichten, um den Risikoschutz nicht zu verlieren.

Alternativen zur Kündigung bei Altverträgen – Beleihen, Verkaufen, beitragsfrei stellen

Statt der Kündigung eines Altvertrags lohnt sich in vielen Fällen ein Verkauf auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungsverträge. Es gibt verschiedene Anbieter, die Ihren Vertrag prüfen und Ihnen dann ein Angebot erstellen, das im besten Fall über dem Rückkaufswert liegt, den Sie bei der Kündigung des Vertrags erhalten können. Für Unternehmen, die Lebensversicherungen kaufen, sind aber nur ältere Verträge mit hohen Garantiezinsen interessant. Ein Vertrag, der erst wenige Jahre läuft, ist in der Regel nicht verkäuflich. Erwarten Sie aber nicht zu viel von den Angeboten. Mehr als fünf Prozent über dem Rückkaufswert sind im Regelfall nicht möglich. Grundsätzlich nicht angekauft werden übrigens Lebens- und Rentenversicherungen, die einer staatlichen Förderung unterliegen. Riester- und Rürup-Verträge können also nicht verkauft werden.

Sie haben bei allen Verträgen jederzeit die Möglichkeit, den Beitrag zu reduzieren oder den Vertrag komplett beitragsfrei zu stellen. Achten Sie aber darauf, dass bei einer Beitragsfreistellung in der Regel auch der Hinterbliebenenschutz eingeschränkt wird. Dasselbe gilt bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die in den Vertrag integriert ist.

Bei den meisten Versicherern können Sie zudem ein Policendarlehen aufnehmen. Dabei leihen Sie sich Geld vom Versicherer und zahlen diesen Kredit entweder mit dem Kapital aus der Lebensversicherung oder in frei wählbaren Raten zurück. Der Zinssatz für ein Policendarlehen liegt in der Regel niedriger als bei einem normalen Ratenkredit, allerdings ist das Darlehen auch endfällig. So zahlen Sie je nach Konstellation sogar mehr Zinsen als bei einem normalen Ratenkredit. Prüfen Sie das Angebot Ihres Versicherers genau, wenn Sie sich für eine Beleihung des Vertrags entscheiden.

Die fondsgebundene Kapitallebensversicherung – nur bedingt besser

Vor allem neuere Lebensversicherungen werden häufig als fondsgebundene Variante beworben. Das Grundprinzip ist dabei dasselbe. Ihr Kapital wird auf drei Töpfe verteilt: den Risikotopf für die Absicherung des Todesfalls, den Kostentopf für die Verwaltungs- und Abschlusskosten und den Spartopf, in dem Ihr Geld angelegt wird. Anders als bei der klassischen Lebensversicherung landet Ihr Kapital aber nicht in klassischen Anlagen, sondern in einem Fonds, der von Ihnen frei gewählt werden kann. Die Versicherer werben mit einer höheren möglichen Rendite und einer flexibleren Geldanlage. Allerdings wälzt der Versicherer auch das Anlagerisiko komplett auf Sie ab. Wenn der ausgewählte Fonds nicht gut läuft, erhalten Sie unter Umständen nicht einmal die eingezahlten Beiträge zurück. Sie haben zwar jederzeit die Möglichkeit, den Fonds zu wechseln, aber dafür müssen Sie sich regelmäßig mit der Anlage beschäftigen und darauf achten, möglichst gut laufende Fonds mit geringen Kosten zu finden.

Ebenfalls angeboten werden sogenannte Indexpolicen. Diese verbinden eine Aktienanlage mit der klassischen Anlage und sind je nach Anbieter recht kompliziert aufgebaut. Der Versicherer garantiert die eingezahlten Beiträge für den Sparanteil und ermöglicht dem Versicherten zudem eine Beteiligung an einem bestimmten Index wie dem DAX oder dem EuroStoxx 50. Dabei partizipieren Sie aber nicht in voller Höhe an den Gewinnen, sondern nur zu einem gewissen Anteil. Der Versicherer setzt beispielsweise einen Wert von 3% fest. Wenn der Aktienindex in einem festen Zeitraum um mehr als 3% steigt, erhalten Sie dennoch nur eine Rendite von 3%. Sollte der Index allerdings in einem festen Zeitraum fallen, werden Sie nicht an den Verlusten beteiligt, sondern sichern immerhin Ihre Beiträge. Wenn Sie sich für ein entsprechendes Produkt interessieren, sollten Sie die zugrunde liegenden Bedingungen genau prüfen.

Alternativen zur Lebensversicherung – wie kann ich für das Alter vorsorgen?

Aufgrund der allgemein niedrigen Zinsen gibt es derzeit kaum renditestarke und sichere Alternativen, die uneingeschränkt empfehlenswert sind. Interessant sind derzeit vor allem die Produkte mit einer staatlichen Förderung wie zum Beispiel die Riester- und die Rürup-Rentenversicherung. Auch bei diesen Verträgen kommt zwar nur der niedrige Garantiezins von derzeit 0,9% zum Tragen, durch die steuerlichen Vorteile bei der Rürup-Rente und den staatlichen Zulagen bei der Riester-Rente sind die Produkte dennoch als ergänzende Vorsorge attraktiv. Unter Umständen lohnt sich auch eine betriebliche Altersvorsorge, wenn der Arbeitgeber zusätzlich einen Teil der Beiträge übernimmt. Als flexible Anlagen sind Fonds- oder Banksparpläne grundsätzlich empfehlenswert, wenn die Verwaltungskosten bei den depotführenden Banken nicht zu hoch sind.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Sind Kapitallebensversicherungen noch empfehlenswert?

Aus unserer Sicht sind Kapitallebensversicherung aktuell als Altersvorsorge oder Risikoabsicherung nicht empfehlenswert. Die zu erwartende Rendite nach Abzug aller Kosten ist viel zu gering. Wenn Sie einen Kredit absichern möchten, entscheiden Sie sich besser für eine reine Risikolebensversicherung, bei der nur das Todesfallrisiko abgesichert ist. Als zusätzliche Vorsorge bietet sich zum Beispiel ein flexibler Sparplan an.

Was mache ich mit meiner alten Lebensversicherung?

Ältere Lebensversicherungen sind mit deutlichen höheren Garantiezinsen abgeschlossen worden. Wenn Sie noch einen älteren Vertrag besitzen, sollten Sie diesen weiterlaufen lassen, da Garantiezinsen von mehr als drei Prozent in der aktuellen Niedrigzinsphase sehr attraktiv sind. Zudem sind die Erträge aus Altverträgen je nach Abschlusszeitraum sogar komplett steuerfrei. Prüfen Sie vor einer Kündigung Alternativen wie eine Beitragsreduzierung oder eine kurzfristige Beitragsfreistellung. Gegebenenfalls können Sie auch ein Policendarlehen aus Ihrem Vertrag aufnehmen.

Kann ich meine Lebensversicherung verkaufen? Wie funktioniert das?

Der Verkauf einer Kapitallebensversicherung ist möglich, es gibt in Deutschland mittlerweile verschiedene Anbieter, die sich auf den Ankauf von Policen spezialisiert haben. Damit eine Lebensversicherung interessant für einen Ankäufer ist, muss sie einige Bedingungen erfüllen. Sie sollte noch einen Garantiezins von mehr als 2,75% ausweisen, noch einige Jahre laufen und zusätzlich ein bestimmtes Mindestguthaben aufweisen. Im Durchschnitt verlangen die Anbieter ein Mindestguthaben von 10.000 Euro. Bei einem Verkauf der Police erhalten Sie bis zu 5% mehr Kapital als bei einer Kündigung des Vertrags. Für den Verkauf prüft der Aufkäufer vorab den Versicherungsvertrag und erstellt Ihnen dann ein individuelles Angebot.

Welche Alternativen gibt es zur Kapitallebensversicherung?

Aufgrund der aktuellen Niedrigzinslage gibt es kaum sichere Alternativen mit einer deutlich höheren Verzinsung. Wer auf eine flexible Anlage setzen möchte, kann zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan komfortabel Geld ansparen und behält jederzeit den Zugriff darauf. Staatlich geförderte Produkte können ebenfalls eine Alternative sein. Mit einer Riester- und Rürup-Rente profitieren Sie von Steuervorteilen und Zulagen und können so eine auskömmliche Rendite erwirtschaften, auch wenn der Garantiezins derzeit sehr niedrig ist.

Was ist Ihre Erfahrung mit einer Kapitallebensversicherung? Schreiben Sie es uns in die Kommentare!


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