Der Kaiserschnitt: Alles was Sie darüber wissen müssen

Ein Drittel aller Kinder in Deutschland werden mittlerweile per Kaiserschnitt geboren. Meist ist er wirklich nötig, manchmal rät der Artz dazu und ab und zu entscheidet sich die Frau auch bewusst dafür. Aber wie läuft so ein Eingriff eigentlich genau ab und welche Risiken birgt er? Wir klären viele Fragen und geben Tipps für die Zeit nach dem Kaiserschnitt.

In anderen Teilen der Welt wie z.B. Korea, kommen etwa 50% der Babys durch einen Kaiserschnitt zur Welt. In Deutschland sind es im Schnitt immerhin 30%. Nachdem die Kaiserschnittrate über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich angestiegen ist, ist momentan ein ganz leichter Rückgang zu spüren. Dies liegt sicherlich auch an der allgemeinen Rückbesinnung auf mehr Natürlichkeit. Damit Sie eine gute und vor allem informierte Entscheidung treffen können, haben wir diesen Artikel geschrieben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachdem es jahrzehntelang immer mehr Kaiserschnitte gab, ist die Rate seit ein paar Jahren in Deutschland leicht rückläufig. Allerdings beträgt sie in einigen Regionen immer noch über 40%.
  • Man unterscheidet zwischen primärem (geplant) und sekundärem (im Geburtsverlauf) Kaiserschnitt.
  • Der Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist eine Form des geplanten Kaiserschnitts. Er wird nicht gern gesehen.
  • Es gibt verschiedene Arten von Kaiserschnitten, meist kommt die sanfte Technik nach Misgav-Ladach zum Einsatz.
  • Als Narkose kommen die regionale Betäubung (PDA oder Spinalanästhesie) oder eine Vollnarkose infrage.
  • Ein Kaiserschnitt gilt als sicher, birgt aber dennoch einige Risiken für Mutter und Kind.
  • Nach einem Kaiserschnitt sind Ruhe und Erholung auch nach dem Wochenbett besonders wichtig!

So läuft ein Kaiserschnitt ab

Beim Kaiserschnitt kommt das Baby nicht vaginal, sondern durch einen Schnitt in Bauchdecke und Gebärmutter zur Welt. Man kennt ihn auch unter den Namen „Schnittentbindung“, „Sectio caesaria“ (kurz: Sectio) oder im Englischen „Caesarian“. Kaiserschnitte gab es schon zu Caesars Zeiten, nicht immer gingen sie glimpflich aus, aber im Laufe der Jahrhunderte ist die Technik so gereift, dass die Methode als ziemlich sicher gilt.

Man unterscheidet zwischen primärer Sectio (geplanter Kaiserschnitt) und sekundärer Sectio (Kaiserschnitt im Verlauf einer normalen Geburt). Eine primäre Sectio kann auf Anraten des Arztes oder auf Wunsch der Patientin erfolgen, wobei Ärzte die letzte Variante ohne zwingende Gründe nicht gern sehen.

Das OP-Team

Während eines Kaiserschnitts sind einige Personen anwesend, die um die Gebärende herumwuseln:

  • ein Operateur und ein Assistent, beides Gynäkologen
  • mindestens ein Narkosearzt und ein Anästhesiepfleger
  • mindestens zwei operationstechnische Assistenten
  • eine Hebamme
  • mindestens ein Kinderarzt
  • eventuell Ihr Partner (hängt vom Krankenhaus und Ihrer Zustimmung ab)

Die Vorbereitung

Zuerst bereitet das OP-Team alles für den Eingriff vor. Der Narkosearzt (Anästhesist) bespricht mit Ihnen die Narkose-Form. Dann lagert man Sie auf dem Rücken liegend mit leicht gespreizten Beinen auf dem OP-Tisch. Oft wird dieser auch leicht seitwärts geneigt, damit das Baby nicht die Hohlvene der Mutter abdrückt.

Wenn nicht bereits erfolgt, wird ein Venenkatheter gelegt, manchmal auch einer pro Arm, um im Notfall eine Bluttransfusion, Narkosemittel und Ähnliches gleichzeitig geben zu können. Zusätzlich bekommen Sie einen Blasenkatheter, damit sich die Blase während der Operation nicht füllt.

Ein gespanntes Tuch verhindert, dass Sie oder Ihr Partner die OP selbst sehen können. Die OP-Schwestern decken Sie mit sterilen Tüchern so ab, dass nur der Bereich frei bleibt, der operiert werden soll. Außerdem erfolgt die Rasur des Schamhügels.

Die Narkosearten

Als Narkose kommt entweder Spinalanästhesie, eine erweiterte PDA (Peridualanästhesie) oder eine Vollnarkose infrage.

  • Geplante Kaiserschnitte erfolgen meist mit Spinalanästhesie, bei der der Narkosearzt das Narkosemittel mittels einer Spritze in den Wirbelsäulenkanal injiziert. Eine Betäubung sorgt dafür, dass Sie die Spritze nicht spüren.
  • Muss während einer normalen Geburt doch ein Kaiserschnitt gemacht werden, ist noch genug Zeit und haben Sie bereits vorher eine PDA – also einen permanenten Zugang zum Wirbelkanal, – bekommen, kann die Peridualanästhesie verstärkt werden. Damit verschwindet das Schmerzempfinden im unteren Teil des Körpers. Sie bekommen aber durchaus mit, wenn der Chirurg in Ihrem Bauch zugange ist. Wer nicht darauf vorbereitet ist, kann es durchaus unangenehm finden. Es ist aber auszuhalten und tut nicht weh.
  • Bei einer Vollnarkose sind Sie im Tiefschlaf und bekommen gar nichts mit. Sie können daher Ihr Baby erst sehen, wenn Sie ein bis zwei Stunden später wieder aufgewacht und einigermaßen fit sind. Sie wird meist gemacht, wenn ein Notkaiserschnitt ansteht. Denn dann steht das Leben von Mutter oder Baby auf dem Spiel und alles muss besonders schnell gehen.Die Vollnarkose wirkt in wenigen Sekunden. Anders als bei Spinalanästhesie und Peridualanästhesie geht Sie aber ins Blut und somit auch auf die Plazenta über. Daher ist Eile geboten. Auch hat die Mutter bei einem Notkaiserschnitt oft keinen leeren Magen. Erbricht sie unter der OP, kann es zu Atemschwierigkeiten kommen. Im Normalfall geht aber alles gut!

Der klassische Kaiserschnitt

Sobald die Narkose wirkt, schneidet der Chirurg auf einer Länge von etwa 15 – 20 cm etwa auf Höhe der Bikini-Linie durch die Bauchdecke und durchtrennt dann Stück für Stück die darunterliegenden Gewebestrukturen. Zwischendurch schiebt er die Blase zur Seite. Sobald der Uterus zu sehen ist, setzt er einen Schnitt und dehnt ihn dann noch weiter auf. Nun greift er hinein, drückt mit der anderen Hand auf den oberen Teil des Uterus und zieht das Baby durch die Bauchdecke.

Sobald das Baby draußen ist, wird es abgenabelt. Dann erhalten Sie über einen Tropf Oxytocin, dass zum einen die Blutung stoppt und zum anderen die Ablösung der Plazenta vorantreibt. Diese entfernt der Chirurg dann aus der Gebärmutter und schabt eventuell verbliebene Gewebereste aus. Gleichzeitig erhalten Sie vorbeugend Antibiotika, damit Sie sich nicht mit Krankenhauskeimen infizieren können.

Der Kinderarzt bringt das Baby nun in ein Nebenzimmer. Dort untersucht er es gründlich und es wird gewaschen. Wenn nötig wird Fruchtwasser aus der Lunge des Babys abgesaugt, damit es frei atmen kann. Währenddessen näht der Chirurg die verschiedenen Gewebeschichten des Bauchs wieder zu. Dies dauert meist am längsten. Währenddessen bekommen Sie das Baby schon auf die Brust. Nur wenn es Komplikationen gibt und das Baby oder Sie noch Hilfe brauchen, sehen Sie Ihr Kind meist etwas später. Wenn Sie noch aufwachen müssen, darf der Papa aber schon mit ihm kuscheln.

Der sanfte Kaiserschnitt nach der Misgav-Ladach-Technik

Der sanfte Kaiserschnitt ähnelt vom Ablauf sehr der klassischen Variante. Allerdings wird hier nur die Bauchdecke durchtrennt und auch dies nur auf einer Länge von 10-12 cm. Die Ränder und die unterliegenden Strukturen dehnt der Arzt, statt sie zu zerschneiden. Dies ist zwar kraftaufwändig, hat aber einige Vorteile:

  • Es geht schneller
  • Das Gewebe wird geschont und es gibt später weniger Verwachsungen
  • Der Blutverlust ist geringer
  • Sie müssen nicht so lange im Krankenhaus bleiben, weil die Wunde im Normalfall besser heilt.
  • Die Narbe ist meist schöner, als in der klassischen Variante

Die Kaisergeburt

Bei der Kaisergeburt wird auf die frühe Bindung zwischen Mama und Baby wertgelegt. Sobald das Köpfchen des Babys aus der Gebärmutter ragt – gesetzt den Fall, es liegt nicht falsch herum – wird der Sichtschutz entfernt, damit Ihr Baby Sie als erstes sieht und nicht das OP-Team. Keine Sorge, die offene Wunde nehmen Sie schon wegen der Bauchwölbung gar nicht wahr.

Das Baby verweilt kurz in dieser Position, damit es sich auf die Geburt besser einstellen und der Arzt überprüfen kann, ob es dem Kind gut geht. Dann dürfen Sie mitpressen, während der Arzt das Kind aus dem Bauch zieht. Nun kommt der Sichtschutz wieder davor. Wenn alles gut ist, dürfen Sie Ihr Baby schon auf die Brust nehmen, während der Arzt die Wunde verschließt.

Gründe für einen Kaiserschnitt

Für einen Kaiserschnitt gibt es heutzutage viele Gründe. Nicht immer sind sie gerechtfertigt. Aber der modernen Medizin ist es zu verdanken, dass viel mehr Frauen die Geburt überleben, als das früher der Fall war.

Medizinische Gründe für einen geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt

Wenn aus medizinischen Gründen zu einem Kaiserschnitt geraten wird, gilt es auch dann noch einmal zu unterscheiden, ob die genannten Gründe zwingend sind (absolute Indikation) oder ob die Entscheidung im Ermessensspielraum des Arztes liegt (relative Indikation).

Zwingende Gründe liegen vor, wenn

  • das Kind so liegt, dass eine normale Geburt nicht möglich ist (Querlage).
  • der Kopfumfang des Babys überhaupt nicht zum Becken der Mutter passt.
  • die Mutter unter Schwangerschaftsbluthochdruck leidet, der zu Krampfanfällen (Präeklampsie) oder sogar zum HELLP-Syndrom geführt hat.
  • der Mutterkuchen vor dem Gebärmutterhals liegt (Plazenta praevia).
  • die Fruchthöhle bakteriell infiziert ist
  • die Gebärmutter zu reißen droht oder sich der Mutterkuchen abzulösen beginnt.
  • der Stoffwechsel des Kindes beeinträchtigt ist oder ein Vorfall der Nabelschnur vorliegt.

Relative Gründe liegen vor, wenn

  • eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt.
  • das erwartete Geburtsgewicht über 4,5 Kilogramm liegt.
  • das Kind in Beckenendlage liegt.
  • es schon einen Kaiserschnitt in der Vergangenheit gab.
  • die Herztöne auffällig sind.
  • die Geburt zu lange dauert und die Mutter zu erschöpft ist weiterzumachen.
  • ein Geburtsstillstand vorliegt, z.B. öffnet sich der Muttermund nicht weiter oder die Wehen lassen dauerhaft nach.

Quelle: Netdoktor

Persönliche Gründe für einen Wunschkaiserschnitt

Frauen, die  von sich aus einen Kaiserschnitt wünschen, fürchten meist die Schmerzen, die eine normale Geburt inklusive Presswehen mit sich bringt. Viele von Ihnen haben außerdem Angst vor einen Dammriss oder -schnitt und einer Beeinträchtigung ihrer Sexualität nach der Geburt, wenn alles etwas geweitet ist. Auch die Planbarkeit des Geburtstermins aus beruflichen oder anderen Gründen kann eine Rolle spielen.

Nachteile und Risiken eines Kaiserschnitts

Auch wenn der Kaiserschnitt in der Bevölkerung immer mehr als normaler Eingriff gesehen wird, handelt es sich dennoch um eine große Operation, die viele Risiken für Mutter und Kind birgt. Wenn es nicht anders geht, kann der Kaiserschnitt Leben retten. Aber wenn es medizinisch nicht nötig ist, sollten Sie die zahlreichen Nachteile kennen, bevor Sie sich schon vorher dafür entscheiden.

Wenn Sie nicht von vornherein planen, einen Kaiserschnitt zu machen, überlegen Sie sich gut, ob Sie all die Risiken überhaupt wissen wollen. Vielleicht lesen Sie sich dann nur den Ablauf und die Tipps für die Zeit danach durch. Denn was bringt es, sich verrückt zu machen, wenn es doch dazu kommt und Sie gar keine andere Wahl haben?

Risiken für das Baby

Dass ein Kaiserschnitt nicht mit einer normalen Geburt gleichzusetzen ist, sollte allen klar sein. Aber warum ist das so? Die Natur hat den natürlichen Geburtsablauf eigentlich so vorgesehen:

  1. Das Baby produziert bestimmte Hormone, wenn es bereit ist, geboren zu werden.
  2. Die Wehen setzen ein und das Baby wird durch Stresshormone auf die Geburt vorbereitet und darauf dass es bald allein atmen muss.
  3. Während es durch den Geburtskanal gedrückt wird, arbeitet das Baby selbst mit.
  4. Durch die Enge wird das Fruchtwasser aus der Lunge des Babys herausgedrückt.
  5. Während der Passage nimmt es die Darmbakterien seiner Mutter oral auf.
  6. Ist das Baby geboren, schüttet die Mutter Hormone aus, die die Plazenta lösen, den Blutfluss verringern und die Milchproduktion anregen. Außerdem sind die Hormone für die erste Bindung wichtig.
  7. Nach der Geburt arbeitet sich das Baby zu den Brustwarzen vor und beginnt sofort zu saugen. Dabei nimmt es Ihren Körpergeruch auf und über den Hautkontakt werden Bindungshormone ausgeschüttet
  8. Währenddessen hat die Mutter Nachwehen, die die Plazenta nach draußen befördern.
  9. Dann erst wird abgenabelt.

Ohne den normalen Ablauf ist der Mechanismus beeinträchtigt. Vor allem, wenn Kinder mehr als eine Woche vor Geburtstermin geholt werden, aber auch bei einem ungeplanten Kaiserschnitt, gibt es öfter Schwierigkeiten.

  • Atemprobleme
    Selbst wenn das Baby die sogenannte Lungenreife schon erreicht hat, kann das ohne normale Geburt verbleibende Fruchtwasser in Lungen und Bronchien die Atmung extrem behindern. Dann muss das Fruchtwasser abgesaugt werden und das Baby bekommt eventuell Sauerstoff.
  • Schnittverletzungen
    Da der Arzt durch den Uterus schneiden muss, kommt es ab und an zu Schnittverletzungen beim Baby. Auch wenn diese selten schwerwiegend sind, können sie sich infizieren.
  • Fehlende Darmflora
    Wenn das Baby nicht durch die Vagina am Anus vorbei geboren wird, nimmt es auch nicht die wichtigen Darmbakterien seiner Mutter auf. Diese sind aber für das junge Immunsystem sehr wichtig. Daher sind per Kaiserschnitt geborene Kinder oft Infekt-anfälliger als andere.
  • Ungünstiges sofortiges Abnabeln
    Bei einem Kaiserschnitt wird meist sehr zügig abgenabelt, damit die Wunde schnell vernäht werden und das Baby der Mutter auf die Brust gelegt werden kann. Dies kann dazu führen, dass dem Baby das Blut aus Plazenta und Nabelschnur später fehlt. Denn das darin enthaltene Eisen füllt den Eisenspeicher auf. Ein Eisenmangel im ersten Jahr kann später laut einer Studie zu etwas verschlechterter Feinmotorik und einem weniger ausgeprägten Sozialverhalten führen, weil es sich auf die Entwicklung bestimmter Gehirnareale auswirkt.
  • Stillprobleme
    Bei einem normalen Geburtsverlauf wird die Brust durch Hormone frühzeitig darauf vorbereitet, dass sie bald Milch geben muss. Bei einem Kaiserschnitt funktioniert dies zwar auch, meist verzögert sich der Milcheinschuss jedoch um 1-2 Tage. Dies kann die Mütter stark verunsichern und sogar dazu führen, dass gar nicht gestillt wird.
  • Bindungsprobleme
    Wenn 1. das erste, das ein Baby sieht, ein OP-Team ist, 2. das Baby nicht gleich zur Mutter darf, und 3. wegen der Belastung das Stillen nicht gleich klappt, kann das durchaus die frühe Bindung zwischen Baby und Mutter beeinträchtigen. Diese wiederherzustellen bedeutet viel Arbeit.
  • Anpassungsprobleme
    Die Atemprobleme zählen mit zu den Anpassungsproblemen, aber auch Schlafstörungen, ausgedehnte Schreiattacken und Ähnliches gehören dazu. Es ist auffällig, dass besonders unentspannte Kinder überdurchschnittlich oft per Kaiserschnitt zur Welt kamen. Ob dies aber am Kaiserschnitt selbst oder an einem schwierigen Schwangerschaftsverlauf oder einer schweren Geburt liegt, muss noch erforscht werden.

Risiken für die Mutter

Auch wenn der Kaiserschnitt dank der heutigen Medizin als sicher gilt, kann es dennoch kleinere oder größere Probleme geben. Denn immerhin handelt es sich um einen großen Eingriff. Dabei müssen zwischen kurzfristigen und längerfristigen Schwierigkeiten unterschieden werden.

Kurzfristig

  • Hoher Blutverlust
    Es kommt meist aufgrund des Schnittes zu höherem Blutverlust, als bei einer normalen Geburt. Manchmal wird eine Bluttransfusion nötig.
  • Thrombosen
    Wegen der Wunde können sich Blutgerinnsel bilden, deshalb gibt es Heparin-Spritzen und Thrombosestrümpfe.
  • Organverletzungen
    Da die Organe im Bauchraum recht dicht beieinander liegen, können in seltenen Fällen benachbarte Organe wie Harnleiter, Blase oder Darm verletzt werden.
  • Narkoseprobleme
    Eine Narkose, vor allem die Vollnarkose, birgt immer eine gewisse Gefahr.
  • Wundheilungsstörungen
    Die innere und äußere Narbe können mitunter schlecht verheilen und wieder aufgehen. Außerdem ist eine Infektion möglich.
  • Große Schmerzen
    Wegen der großen Schmerzen kann das Baby zu Anfang oft schlecht allein versorgt werden. Schweres Tragen ist in den ersten Monaten danach nicht erlaubt. Mit Baby und Kinderwagen oft eine Herausforderung!

Langfristig

  • Bindungsprobleme bei der Mutter
    Viele Mütter berichten nach einem Kaiserschnitt, dass sie ihr Kind als fremd empfanden und sich das Gefühl, nun Mutter zu sein, erst etwas später einstellte. Dies liegt zum einen daran, dass die Hormone fehlen, die die Bindung ganz am Anfang fördern. Zum anderen konnte die Mutter bei der Geburt nicht mitarbeiten, was ebenfalls eine frühe Bindung begünstigt. Wenn dann noch das Stillen wegfällt, ist die innere Distanz manchmal nicht mehr vollständig zu überwinden.
  • Geburtstrauma
    Wenn eine Geburt besonders schwer war, erleiden einige Mütter ein regelrechtes Trauma. Dies kann ohne Therapie dazu führen, dass sie kein weiteres Kind wollen oder mitunter sogar ihr eigenes Kind ablehnen.
  • Verwachsungen
    Je mehr Gewebe beim Kaiserschnitt durchtrennt wird, desto mehr Verwachsungen kann es geben. Das kann auch später noch zu Schmerzen führen.
  • Erhöhtes Risiko bei neuer Schwangerschaft
    Wegen der Narbe am Uterus kann es gerade bei dicht darauf folgenden Schwangerschaften zu Problemen kommen. So kann sich die Plazenta so entwickeln, dass sie sich nicht an der Narbe halten kann und eine Ablösung droht. Die Gebärmutter kann bei wachsendem Bauch und auch unter der Geburt an der Narbe so dünn werden, dass sie zu reißen droht. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Kaiserschnitt ist dadurch höher, auch wenn Ärzte dennoch dazu raten, es mit einer normalen Geburt zu versuchen.

Tipps für die Zeit nach dem Kaiserschnitt

Wenn bei Ihrer Geburt doch ein Kaiserschnitt nötig war, gibt es einige Tipps, die Ihnen das Leben danach sehr erleichtern können.

  • Gönnen Sie sich ein Familienzimmer.

Nach einem Kaiserschnitt, vor allem wenn er ungeplant war, ist ein Familienzimmer im Krankenhaus für die durchschnittlich 4-5 Tage Aufenthalt Gold wert. Unterschätzen Sie die Schmerzen nicht. Manche Frauen können erst am nächsten Tag überhaupt aufstehen und erst ein paar Tage später ihr Baby selbst versorgen. Da ist es unglaublich hilfreich, wenn der Partner die Windeln wechseln kann.

  • Sorgen Sie für engmaschige Betreuung im Wochenbett.

Jede Frau braucht im Wochenbett Hilfe. Aber nach einem Kaiserschnitt noch viel mehr. Denn schweres Heben (über 5 Kilo) ist verboten. Nur das eigene Baby darf getragen werden. Sobald es aber in Babyschale oder Kinderwagen liegt, ist die Grenze schon überschritten.

Hausarbeit und vor allem Staubsaugen sollten in den ersten 4-6 Wochen andere übernehmen. Vor allem das Staubsaugen stellt eine große Belastung für den Unterleib dar. Super ist es, wenn der Vater Elternzeit nehmen kann. Vielleicht kann auch die eigene oder die Schwiegermutter aushelfen. Wenn Sie nicht mit vorgekochtem Essen vorgesorgt haben, denken Sie über Essenslieferungen nach.

  • Halten Sie lockere Kleidung bereit.

Haben Sie genügend lockere Kleidung parat. Denn in den ersten Wochen wird sie alles stören, was auch nur ein wenig in die Nähe der Narbe kommt. Vor allem enge Slips sind dann schlecht. Besser geeignet sind große „Oma“-Schlüpfer. Diese sind zwar nicht sehr hübsch, reichen aber bis über die Narbe. Auch die Umstandshosen mit breitem, dehnbarem Bund sind gut geeignet.

  • Pflegen Sie die Narbe regelmäßig.

Baden Sie in den ersten 2 Monaten besser nicht, damit sich nichts aufweicht, dass noch richtig zusammenwachsen muss und es nicht zur Infektion kommen kann. Pflegen Sie die äußere Narbe sobald sie verschlossen ist z.B. durch kreisendes Massieren mit Mandelöl oder einer speziellen Narbensalbe. Dann verheilt Sie schöner.

  • Gehen Sie es langsam an.

Bewegen Sie sich ruhig, aber achten Sie auf Ihren Kreislauf! Wenn Sie es übertreiben, kann dieser in den ersten Wochen immer wieder unverhofft absacken. Haben Sie daher immer genug Wasser parat, essen Sie genug, legen Sie viel die Beine hoch und gehen Sie langsam.

Fazit

Dank des Fortschritts in der Medizin und dem Kaiserschnitt, kommen meist auch die Kinder gesund zur Welt, die es früher ebenso wie ihre Mütter nicht geschafft hätten. In diesen Fällen ist er ein Segen und der Nutzen größer als das Risiko. Dennoch ist eine natürliche Geburt immer dann vorzuziehen, wenn es keine medizinische Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt gibt. Denn die daraus entstehenden Probleme dürfen Sie nicht unterschätzen. Immerhin handelt es sich um einen großen Eingriff in Ihren Körper und in die Geburt. Wenn Sie einen Kaiserschnitt aus persönlichen Gründen planen, überlegen Sie sich Ihre Entscheidung daher bitte genau.

Hatten Sie bereits einen Kaiserschnitt und möchten Ihre Erfahrungen teilen, oder haben Sie weitere Fragen? Schreiben Sie uns gern einen Kommentar!

Häufige Fragen zum Kaiserschnitt

Kommt es nach Einleitungen öfter zu Kaiserschnitten?


Nein, laut aktuellen Studien ist dies nicht der Fall – zumindest dann nicht, wenn das Kind bereits in der 40. Schwangerschaftswoche geholt wird. Bei übertragenen Kindern, also in der 42. Schwangerschaftswoche, scheint die Kaiserschnittrate allein deshalb höher zu liegen, weil es auch ohne die Einleitung schon aufgrund der Größe der übertragenen Kinder zu Problemen gekommen wäre.

Wer entscheidet, ob ein geplanter Kaiserschnitt gemacht wird?


Der Arzt kann Ihnen zu einem geplanten Kaiserschnitt aus medizinischen Gründen raten – manchmal auch dringend – aber letztlich entscheiden Sie selbst. Lediglich, wenn Sie einen Wunschkaiserschnitt wünschen, der völlig unnötig ist, kann der Arzt ablehnen.

Wann wird das Baby bei einem geplanten Kaiserschnitt geholt?


Das kommt auf die Schwangerschaft an. Zwillinge werden manchmal schon 3 Wochen vor ET geholt, wenn Platz und Versorgung nicht mehr ausreichen. In letzter Zeit warten aber viele Ärzte auch bei Zwillingen bis zur 38. oder 39. Woche, bei Einzelkindern teilweise bis zum Beginn der 40. Woche (39 + 0). Denn erst ab der 40. Schwangerschaftswoche gibt es tendenziell viel weniger Probleme, als holt man die Babys unreif. Je früher sie geholt werden, desto größer ist das Risiko für Komplikationen.

Darf mein Partner beim Kaiserschnitt dabei sein?


Das hängt vom Krankenhaus ab. Besprechen Sie diesen Wunsch daher schon vor der Geburt. Eventuell müssen Sie die Wahl Ihres Krankenhauses dann noch einmal überdenken.
Der Partner sitzt übrigens immer nur am Kopfende der Gebärenden und muss daher kein Blut sehen. Dafür darf er das Baby in Empfang nehmen und bekuscheln, sobald es untersucht und gewaschen wurde.

Wie lange dauert ein Kaiserschnitt?


Die Geburt selbst dauert meist lediglich zwischen 5 und 10 Minuten. Dafür dauert das Vernähen der einzelnen Gewebeschichten länger. Und auch die Vorbereitung nimmt etwas Zeit in Anspruch. Alles in allem müssen Sie mit etwa 45 Minuten bis 1 Stunde rechnen. Wenn Sie eine Vollnarkose bekommen, kann es zusätzlich noch 1 bis 2 Stunden dauern, bis Sie daraus erwachen.

Bekomme ich nach dem Kaiserschnitt sofort mein Kind?


Das kommt darauf an, wie es das Krankenhaus handhabt und darauf, wie es Ihnen und Ihrem Kind geht. Benötigt einer von Ihnen Hilfe, kann sich das erste Beschnuppern hinauszögern. Geht alles gut, bekommen Sie das Kind meist nach wenigen Minuten auf die Brust. Wenn das Krankenhaus eine „Kaisergeburt“ durchführt, können Sie es gleich nach dem Herausholen in den Armen halten.

Wo sitzt die Narbe und wie groß ist sie?


Kaiserschnittnarben können ganz unterschiedlich aussehen. Meist sind sie 10 bis 20 Zentimeter lang und sitzen wenige Zentimeter über der Schambeinfuge, also dort, wo später der Bikini endet. Je nachdem wie füllig Sie sind und wie Ihre Narbenheilung generell ist, kann die Narbe ganz glatt und nur leicht rötlich oder etwas dunkler und wulstig sein. Manchmal ist der Schnitt deutlich zu sehen, manchmal kann man ihn nur erahnen. Mit der Zeit verblasst die rötliche Färbung.

Wann kann ich nach dem Kaiserschnitt das erste Mal baden?


Duschen ist erlaubt, sobald die Narbe äußerlich verschlossen ist und gut verheilt. Meist nutzt man dazu ein Duschpflaster. Baden sollten Sie erst nach 2 Monaten, wenn auch innen alles gut verheilt und der Wochenfluss vorbei ist. Sonst ist die Infektionsgefahr zu groß.

Wie lange dauert es, bis die Kaiserschnittnarbe verheilt ist?


Äußerlich heilen die meisten Narben recht schnell. Vor allem bei der sanften Methode, bei der der Arzt die Enden nicht schneidet, sondern dehnt und reißt, dauert es meist nur 2 Wochen, bis die Haut verheilt ist. Schwellungen und Taubheitsgefühle können auch noch länger anhalten. Nur bei austretender Wundflüssigkeit und starken Rötungen gibt es eventuell ein Problem.

Innerlich sieht das Ganze etwas anders aus. Hier braucht es durchaus ein paar Monate bis Jahre, bis alles am rechten Platz sitzt und gut und fest verheilt ist. Vor allem, wenn Sie sich in den ersten 3 Monaten übernehmen, kann das zu Verwachsungen und auch noch später zu Schmerzen führen.

Wie pflege ich die Narbe am besten?


In den ersten Wochen hat die Wundheilung und die Wundversorgung oberste Priorität. Bevor die Narbe nicht richtig verschlossen ist, sollte sie möglichst in Ruhe gelassen und im Anschluss lediglich mit sauberem Wasser gereinigt werden. Sobald sie völlig verschlossen ist, können Sie die Wundheilung mit kleinen kreisenden Massagebewegungen beschleunigen. Verwenden Sie dazu am besten Mandelöl oder eine spezielle Narbenpflegecreme von Ihrer Hebamme oder aus der Apotheke.

Wann kann ich nach einem Kaiserschnitt mit der Rückbildung beginnen?


Nach einem Kaiserschnitt sollte mit der Rückbildung etwas länger gewartet werden, als nach einer normalen Geburt. Empfehlenswert ist es, etwa 3 Monate nach der Entbindung mit einem Rückbildungskurs zu starten. Wenn Sie vorher beginnen, sollten Sie alle Übungen, die den Unterbauch fordern, auslassen.

Wann darf ich wieder schwanger werden?


Nach Kaiserschnitten wird dazu geraten, mindestens 1 Jahr, besser noch zwei Jahre zu warten, bis man wieder schwanger wird. Das liegt daran, dass die Narbe an der Gebärmutter erst dann wirklich fest verheilt ist. Das Risiko eines Risses in der Gebärmutter steigt, je kürzer die Zeit zwischen Kaiserschnitt und darauffolgender Schwangerschaft ist. Je länger Sie warten, desto größer ist die Chance auf eine natürliche Geburt.

Ist eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt möglich?


Ja durchaus! Wenn Sie bisher nur einen Kaiserschnitt hatten und seitdem schon etwa zwei Jahre vergangen sind, stehen die Chancen gut, dass Ihr nächstes Baby auf natürlichem Wege geboren werden kann. Nur wenn Sie in der Vergangenheit bereits zwei Kaiserschnitte hatten, ist ein weiterer Kaiserschnitt angeraten. Denn dann hat der Uterus 2 Narben und die Gefahr des Einreißens (Uterus-Ruptur) ist zu groß.

Warum gibt es eigentlich heutzutage so viele Kaiserschnitte?


Dafür gibt es einige Gründe. Zu einen gibt es mehr Schwangere in fortgeschrittenem Alter und dadurch mehr Komplikationen, die einen Eingriff nötig machen. Zum anderem wünschen sich mehr Schwangere als früher aus Angst vor den Schmerzen der normalen Geburt einen Kaiserschnitt, obwohl dafür keine Notwendigkeit vorliegt.

Außerdem rechnet es sich tatsächlich für einige Krankenhäuser mehr, wenn Sie weniger Spontangeburten durchführen, denn

  • Krankenhäuser mit vielen Spontangeburten müssen höhere Versicherungsprämien zahlen. Bei Geburtsschäden verklagen Krankenversicherungen die Krankenhäuser.
  • Geplante Kaiserschnitte lassen sich personaltechnisch leichter organisieren als Spontangeburten.
  • Ein Kaiserschnitt bringt in der Regel mehr ein als eine Geburt ohne medizinische Intervention.
  • Aber Achtung: nur weil eine Klinik eine hohe Kaiserschnittrate hat, heißt das nicht, dass sie vermehrt darauf drängt. Denn gerade große, gut ausgestattete Kliniken nehmen vor allem Frauen auf, bei denen aufgrund von Vorerkrankungen etc. Komplikationen zu erwarten sind.

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