Das Wochenbett birgt einige Herausforderungen – körperlich und emotional. Als frischgebackene Mutter solltest du es in dieser Zeit ruhig angehen lassen. Doch in der Realität ist dies leider oft nicht möglich. Das Baby möchte umsorgt werden, die ersten ungeduldigen Besucher kündigen sich an und der Haushalt erledigt sich auch nicht von allein. Das kann schnell ein Gefühl der Überforderung auslösen. Du kennst dieses Gefühl zu gut? Dann lass dich in deinem Alltag unterstützen! Wir erklären dir, welche Möglichkeiten du hast!
Inhaltsverzeichnis
Das Wochenbett birgt Herausforderungen
Das Wochenbett dient frischgebackenen Müttern und ihren Neugeborenen dazu, sich von den Anstrengungen der Geburt zu erholen. Für Mütter ist diese Zeit eine körperlich und emotional fordernde Phase. Die Gebärmutter bildet sich zurück, Geburtswunden heilen und der Hormonhaushalt stellt sich um. Gleichzeitig ist da dieses kleine, zarte Wesen, das permanent Aufmerksamkeit und Pflege benötigt. Das zehrt an den Kräften.
Nebenbei gilt es den Haushalt zu schmeißen, Termine wie die U3 oder die Nachuntersuchung bei der Frauenärztin zu koordinieren und alltägliche Dinge, etwa den Einkauf, zu erledigen. Für Erholung bleibt da kaum Zeit. Die Folge: Deine eigenen Bedürfnisse bleiben auf der Strecke. Aber das sollten sie nicht! Gerade in dieser ersten Phase nach der Geburt solltest du dir Ruhe gönnen. Auch deine Bedürfnisse zählen! Du kannst nur genügend Energie für dein Baby aufbringen, wenn du auf dich achtest. Daher zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt mehr Möglichkeiten, als du vielleicht denkst, um das Wochenbett entspannter zu gestalten.
Diese Hilfsangebote kannst du in Anspruch nehmen
Stelle dir die Frage: Was brauche ich gerade wirklich?
- Beistand im Alltag,
- Hilfe bei der Säuglingspflege,
- Unterstützung im Haushalt
- oder einfach jemanden, der dir zuhört und dich und deine Sorgen ernst nimmt?
Wenn du dir diese Frage beantwortest, kannst du gezielt nach Hilfe suchen. Es gibt zudem Hilfsangebote, die alle oben genannten Leistungen vereinen.
1. Mütterpflege
Mütterpflegerinnen können im Alltag eine wichtige Stütze sein und dich täglich zwischen drei und acht Stunden besuchen. Das Ziel der Mütterpflege ist es, Mutter und Kind einen guten Start ins gemeinsame Leben zu ermöglichen. Mütterpflegerinnen haben keine medizinische Ausbildung, aber eine fachlich fundierte Weiterbildung absolviert, die es ihnen ermöglicht, Müttern eine ganzheitliche Unterstützung im Wochenbett zu bieten. Eine Mütterpflegerin ersetzt eine Hebamme demnach nicht, aber steht dir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und kann in Ergänzung zu deiner Hebamme zum Einsatz kommen. Sie greift dir dort unter die Arme, wo es im Alltag hakt. Bei Bedarf unterstützt sie dich im Haushalt, kümmert sich um ein mögliches Geschwisterkind und/oder übernimmt Bring- und Abholdienste sowie das Einkaufen. Um dir kleine Verschnaufpausen zu verschaffen, nimmt sie dir zeitweise auch dein Baby ab.
Eine Mütterpflegerin übernimmt somit pädagogische, hauswirtschaftliche, koordinierende oder pflegerische Tätigkeiten. Durch ihre vielfältigen Leistungen kann sie dazu beitragen, Komplikationen im Wochenbett vorzubeugen oder sie abzufedern. Was genau eine Mütterpflegerin für dich tun kann, kommt auf deine individuelle Situation an. Sie wird dir diejenigen Aufgaben abnehmen, die am meisten Entlastung für dich bringen.
Alle Frauen, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, können eine Mütterpflegerin als „Haushaltshilfe“ beantragen. Die gesetzliche Grundlage dafür ist § 24h SGB V (Haushaltshilfe bei Schwangerschaft und Entbindung). Voraussetzung dafür ist, dass keine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt übernehmen kann. Das ist etwa dann der Fall, wenn der Vater den ganzen Tag arbeitet oder man alleinerziehend ist. Zudem ist eine medizinische Indikation erforderlich, etwa ein Kaiserschnitt, Rückenschmerzen oder eine Brustentzündung. Ein Attest kann die Frauenärztin oder auch der Hausarzt ausstellen. Sollte die Krankenkasse den Antrag ablehnen, kannst du die Hilfe trotzdem in Anspruch nehmen. Du musst sie dann allerdings selbst zahlen. Auch privat versicherte Frauen müssen die Kosten ggf. selbst tragen. Am besten erfragst du die Möglichkeit einer Kostenübernahme direkt bei deiner Krankenkasse.
Wichtig: Du musst dir die Mütterpflegerin selbst suchen. Zögere nicht, sondern beginne direkt damit. Denn leider gibt es je nach Region, in der du lebst, noch nicht viele von ihnen. Du kannst hierzu deine Hebamme oder Gynäkologin nach Empfehlungen fragen oder im Internet mit Suchmaschinen nach lokalen Angeboten suchen. Viele Mütterpflegerinnen sind auch in Berufsverbänden organisiert, die auf ihrer Website eine Suchfunktion nach Regionen bieten.
2. Familienhebammen
Familienhebammen verfügen über eine klassische Hebammenausbildung. Sie kümmern sich um die Mutter und das Baby und können bei Bedarf auch körperliche Untersuchungen durchführen. Ihr Leistungsspektrum umfasst neben dem Gesundheitsbereich jedoch auch die Kinder- und Jugendhilfe. Ihre Unterstützung geht somit über die pflegerischen und gesundheitlichen Leistungen einer Nachsorgehebamme hinaus. Daher kann eine Familienhebamme unabhängig von einer Nachsorgehebamme in Anspruch genommen werden. Bei Bedarf begleitet sie dich und dein Baby zu Arztterminen, sozialen Beratungsstellen oder pädagogischen Angeboten wie Krabbelgruppen. Durch ihre Zusatzqualifikation kann sie dir bei vielen Fragen rund um dein Baby, die Gesundheit, deine Partnerschaft und deinen Alltag als Neu-Mama weiterhelfen.
Eine Familienhebamme kann über das Netzwerk Frühe Hilfen kostenlos in Anspruch genommen werden, wenn ein über die Regelversorgung der klassischen Hebammenhilfe hinausgehender Bedarf an Unterstützung festgestellt oder von den Eltern geäußert wird. Weitere Informationen erhältst du bei den regionalen Anlaufstellen des Netzwerks Frühe Hilfen oder bei einer Schwangerschaftsberatungsstelle in deiner Nähe. Auf der Internetseite elternsein.info findest du zudem eine Postleitzahlensuche für Frühe Hilfen in deiner Region.
3. Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende
Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende (FGKiKP) kümmern sich darum, dass es dir und deinem Baby gutgeht. Sie sind qualifizierte Pflegefachkräfte, die sich auf die Unterstützung von Familien in belastenden Situationen spezialisiert haben. Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende haben die ganze Familie im Blick und helfen bei verschiedensten Fragen und Sorgen. Du kannst sie in Anspruch nehmen, wenn du überlastet bist und Unterstützung benötigst. Sie hören dir zu, können dir hilfreiche Tipps zur Ernährung und zur Gesundheit deines Kindes geben, unterstützen dich, wenn du ein sehr unruhiges Baby hast und begleiten dich auf Wunsch sogar zum Arzt oder zu Behörden.
Die Unterstützung durch Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende ist für Eltern kostenlos. Sie rechnen ihre Leistungen direkt mit den Kommunen ab. Eine zentrale Vermittlungsstelle gibt es für Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende leider nicht. Du kannst jedoch auf der Website des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) nach Kontaktdaten der Ansprechpartner in deiner Region suchen, die FGKiKP koordinieren.
4. Familienpaten
Familienpaten sind ehrenamtliche Familienhelfer. Sie besuchen dich ein- bis zweimal pro Woche und unterstützen dich hierbei aktiv in deinem Alltag. Je nach Bedarf nehmen sie dir dein Baby oder Geschwisterkinder ab und verschaffen dir dadurch eine kleine Auszeit, oder sie bieten dir ein offenes Ohr bei möglichen Sorgen und Problemen, die dir auf der Seele brennen. Falls gewünscht, begleiten sie dich auch zum Arzt oder bei Behördengängen. Kurz: Sie leisten ganz praktische Alltagshilfe und packen dort an, wo es „brennt“.
Familienpatenschaften sind, wie alle Frühen Hilfen, kostenlos und einfach in Anspruch zu nehmen. Bei Interesse musst du nur eine der regionalen Koordinierungsstellen für Familienpatenschaften kontaktieren. Dort wird geprüft, welcher freiwillige Familienpate bzw. welche Familienpatin am besten zu den Bedürfnissen deiner Familie passt. Anschließend lernt ihr euch kennen und vereinbart die Eckpunkte der Familienpatenschaft. Wohlfahrtsverbände (z. B. AWO, Caritas, Diakonie), Kirchen oder der örtliche Kinderschutzbund können erste Anlaufstellen sein, wenn du eine Familienpatenschaft in Anspruch nehmen möchtest.
5. Familien- und Erziehungsberatungsstellen
Familien- und Erziehungsberatungsstellen bieten oftmals im Rahmen der Frühen Hilfen spezielle Sprechstunden für Eltern von Säuglingen an. Falls du professionellen Rat bei Fragen zur Entwicklung oder zu Verhaltensauffälligkeiten benötigst oder dich schlichtweg überfordert fühlst, kannst du dich von Fachleuten wie Psychologen, Ärzten oder Pädagogen beraten lassen. Das Recht auf eine Erziehungsberatung ist übrigens im Sozialgesetzbuch unter dem Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt (§ 28 SGB VIII). Eine unverbindliche, professionelle Erziehungsberatung ist auch per E-Mail oder Chat möglich.
Beratungsstellen in deiner Nähe findest du am besten mithilfe einer Suchmaschine, etwa die Beratungsstellensuche der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).
Fazit: Du musst das Wochenbett nicht allein meistern – lass dir helfen!
Viele Frauen fühlen sich im Wochenbett überfordert. Falls es dir auch so geht: Du bist nicht allein. Hole dir Hilfe und lass dich genau dort unterstützen, wo du Unterstützung benötigst. Familien stehen hierzulande verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung, die schon direkt nach der Entbindung greifen. Zögere nicht, sie in Anspruch zu nehmen. Greif zu und lass dir helfen. Du musst das Wochenbett nicht allein meistern!





