Hausgeburt: Voraussetzungen, Vorteile & Risiken

Denkst du über eine Hausgeburt nach? Ohne Frage, eine Hausgeburt ist die natürlichste Sache der Welt. In vertrauter Umgebung können Frauen besser entspannen, als im Krankenhaus. Aber bevor du dich entscheidest, solltest du neben den Vorteilen auch die Risiken kennen. Denn eine Hausgeburt kommt nicht für jeden in Frage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hausgeburt ist der natürlichste, aber auch risikoreichste Weg, dein Kind zu gebären.
  • Eine Garantie, dass alles gut geht, kann dir jedoch niemand geben.
  • Eine Hausgeburt solltest du nur wählen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.
  • Etwa 10% der geplanten Hausgeburten müssen abgebrochen und die Frau ins Krankenhaus verlegt werden.
  • Einige Voraussetzungen erhöhen das Risiko eines unschönen Ausgangs um ein Vielfaches.
  • Viele Krankenhäuser bemühen sich mittlerweile um eine wohnlichere Atmosphäre.

Es klingt so schön und oft klappt es sogar wie geplant: Die Schwangere spürt die einsetzenden Wehen und ruft die ihr bereits vertraute Hebamme. Diese unterstützt sie in den kommenden Stunden dabei, ihr Baby ganz natürlich und ohne medizinisches Eingreifen in der vertrauten Umgebung zu gebären. Dabei lässt sie sich während der Wehen von ihrem eigenen Körper leiten, der genau weiß, was er tut. Sobald das quietschfidele Baby auf der Welt ist, kann die frischgebackene Mama sofort mit ihm kuscheln und alle sind glücklich und zufrieden. So weit, so romantisch.

Für eine junge, rundum gesunde Frau, die bereits eine natürliche Geburt hatte und bei der es keinerlei Komplikationen während der Schwangerschaft gab, ist eine betreute Hausgeburt durchaus eine Option.

Viele Mediziner lehnen Hausgeburten ab

Auch wenn die meisten Hebammen nach wie vor – und auch zu Recht – diese Art des Geburt bei gesunden Frauen vorziehen, sehen viele Mediziner eine Hausgeburt viel skeptischer. Denn schließlich ist der größte Vorteil, nämlich die Geborgenheit zuhause ohne Ärzte in der Nähe, auch der größte Nachteil. Denn was ist, wenn doch etwas schief geht? Liegt die Frau schon länger in den Wehen, ist der Transport alles andere als einfach. Wertvolle Minuten gehen verloren. Bei einem akuten Notfall können diese lebensrettend sein.

Deshalb muss das Für und Wider einer Hausgeburt vorher von allen Seiten gut abgewogen werden. Nur auf das eigene Gefühl zu vertrauen und auf seinem Wunsch zu bestehen, reicht da nicht aus. Die tatsächlichen Voraussetzungen solltest du mit bedenken. Und selbst, wenn alles stimmt, gibt es dennoch keine Garantie, dass alles gut geht.

Diese Dinge erhöhen das Risiko

Damit du gut einschätzen kannst, ob eine Hausgeburt für dich überhaupt in Frage kommt, haben wir hier die Kriterien aufgelistet, die das Risiko einer Komplikation bei der Geburt deutlich erhöhen. Natürlich wollen wir dir keine Angst machen. Jede Frau hat das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt. Vielmehr solltest du die Fakten kennen, bevor du dich entscheidest.

Erste Geburt oder nicht?

Wenn eine Frau das erste Kind bekommt, ist das Risiko einer behandlungsbedürftigen Komplikation unter der Geburt doppelt so hoch. Ältere Erstgebärende haben ein vielfach höheres Risiko. 45% aller Erstgebärenden müssen laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2011 während einer Hausgeburt notverlegt werden. Je mehr natürliche Geburten eine Frau hatte, desto größer ist jedoch die Chance, dass das nächste Kind wieder ohne Probleme auf die Welt kommt.

Das Alter der Schwangeren

Das Alter spielt leider oft eine ziemlich große Rolle dabei, ob eine Geburt ohne Komplikationen abläuft oder nicht. Denn ab 35 steigt die Gefahr, dass ein Arzt nachhelfen muss, auch wenn es vorher schon natürliche Geburten gab. Eine gute körperliche Fitness, gesunde Ernährung und eine positive Einstellung helfen hier umso mehr, dass alles glatt läuft.

Risikoschwangerschaft: ja oder nein?

Auch Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzprobleme, Bluthochdruck sowie Schwangerschaftsbesonderheiten, wie Schwangerschaftsdiabetes, Infektionen, Fehllagen des Kindes oder der Plazenta u.a. sind sehr ungünstige Voraussetzungen für eine Hausgeburt. Meist lehnen Hebammen die Betreuung in solchen Fällen ohnehin ab. Manchmal vergeben Ärzte den Stempel Risikoschwangerschaft aber auch recht leichtfertig. Sprich am besten mit deiner Hebamme darüber.

Vorangegangener Kaiserschnitt

Bei einem Kaiserschnitt in der Vergangenheit ist das Risiko eines erneuten Kaiserschnitts leider erhöht, vor allem wenn die Geburten nicht weit auseinander liegen. Aber auch sonst kann es dazu kommen, dass sich aufgrund der alten Narben die Plazenta vorzeitig ablöst oder die Gebärmutter zu reißen droht.

Mehrlingsschwangerschaft

Eine Mehrlingsschwangerschaft ist in 99% der Fälle ein Ausschlussgrund für eine Hausgeburt. Denn in den seltensten Fällen ist es angeraten, die Schwangerschaft 40 Wochen lang auszutragen. Und Frühchen haben in der Regel mehr behandlungsbedürftige Anpassungsschwierigkeiten als zeitgerecht geborene Kinder. Deshalb findet sich auch kaum eine Hebamme, die eine solche Geburt zuhause begleitet.

Ungünstige Kindslage

Wenn das Kind nicht in Schädelendlage liegt, wird eine natürliche Geburt meist schwerer und das Risiko, dass ein Eingriff nötig wird, steigt. Eine Beckenendlage ist ein guter aber kein zwingender Grund für eine Geburt im Krankenhaus. Bei einer Querlage des Kindes kommst du um das Krankenhaus nicht herum.

Übertragung ohne ärztliche Untersuchung

Je länger ein Kind übertragen wird, desto größer ist die Gefahr, dass es zu Schwierigkeiten bei der Geburt kommt. Deshalb gibt es die Regel, dass die Schwangere bei ET+3 noch einmal von einem Facharzt untersucht werden muss, damit dieser grünes Licht für die Hausgeburt geben kann. Manchmal ist es schwierig, einen zu finden, der sich dazu bereit erklärt. Vorgesehen ist eine normale Untersuchung wie bei der Schwangerschaftsvorsorge (Vitalwerte, Urin, CTG, Ultraschall). Gibt der Arzt sein Okay, wird die Hebamme auch bei Komplikationen keine Schwierigkeiten bekommen. Ansonsten führt sie die Hausgeburt auf eigenes Risiko durch.

Ungünstiger Wohnort

Nicht zuletzt ist es auch wichtig, wo du das Kind gebären willst. Wohnst du in der Nähe eines Krankenhauses und ist deine Wohnung gut zugänglich, ist die Chance größer, dass du bei Komplikationen ohne unnötigen Zeitverlust ins Krankenhaus kommst. Befindet sich deine Wohnung jedoch im vierten Stock ohne Fahrstuhl oder braucht ein Rettungswagen 20 Minuten bis zu dir, ist die Gefahr für dich und dein Kind einfach zu groß.

Gut zu wissen

In Deutschland werden im Vergleich sehr wenige Hausgeburten durchgeführt. Nur 2-3% der Babys kommen auf diese Art zur Welt. Bei rund 90% der Hausgeburten geht alles gut. Etwa 10% der Frauen müssen währenddessen in eine Klinik verlegt werden. In 50% der Fälle ist dann ein Kaiserschnitt nötig. Bei 9,3 von 1.000 Babys, bei denen eine Hausgeburt geplant war, kommt es zu schweren Komplikationen. Bei Klinikgeburten in Deutschland dagegen nur bei 5,3 von 1.000.

In den Niederlanden liegt die Hausgeburtenrate bei satten 20%. Hier ist die Säuglingssterblichkeit nach Hausgeburten deutlich erhöht. Jedoch legt eine niederländische Studie von 2013 nahe, dass vollständig gesunde Frauen ohne erhöhtes Geburtsrisiko bei einer Hausgeburt weniger Komplikationen haben, als im Krankenhaus.

Fazit

Ob du eine Hausgeburt haben möchtest oder nicht, ist immer noch deine Entscheidung. Der Hebammenverband kämpft dafür, dass Hausgeburten als gleichwertige Geburten anerkannt und Frauen in ihrer Entscheidung besser unterstützt werden.

Wenn du alle Fakten kennst und deine persönlichen Voraussetzungen stimmen, kann eine Hausgeburt genau der richtige Weg für dich sein. Ansonsten sind ein Geburtshaus oder das Krankenhaus mit all seinen technischen Möglichkeiten doch die bessere Wahl.

Was sagst du zum Thema Hausgeburt? Hast du selbst eine erlebt? Wir freuen uns über deine Meinung oder einen Erfahrungsbericht in einem Kommentar!

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  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Geburtsort:
    https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsort/ (abgerufen am 25.3.2019)
  • Berufsverband der Frauenärzte: Hausgeburt – Risiken erhöht:
    https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/hausgeburt-risiken-erhoeht/ (abgerufen am 25.3.2019)
  • Jana Friedrich: Das Geheimnis einer schönen Geburt
    Geburtsvorbereitung zwischen Hypnobirthing, Kaiserschnitt und Hausgeburt. So wird die Entbindung Deines Babys zu einem schönen Erlebnis. Ohne Angst vor der Geburt.

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  • Birgit Gebauer-Sesterhenn & Dr. Med. Thomas Villinger:
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