Fördermaßnahmen für Familien beim Immobilienkauf

Wenn sich bei jungen Familien Nachwuchs ankündigt, steht oft auch ein Umzug an. Statt weiterhin zu mieten, kommt bei vielen der Gedanke auf, sich gleich eine Immobilie anzuschaffen. Die eigenen vier Wände verheißen nicht nur mehr Platz und Unabhängigkeit, sondern bieten auch eine Absicherung fürs Alter oder die Zukunft der Kinder. Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung bedeutet allerdings auch einen hohen finanziellen Aufwand. Über Fördermaßnahmen und Zuschüsse gibt es Anreize, die auch einkommensschwächeren Familien Finanzierungsmöglichkeiten bieten. Hier erfahren künftige Immobilienkäufer, welche Arten der Baufinanzierung es speziell für junge Paare mit Kind(ern) gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch für einkommensschwächere Familien existieren Wege, um an Wohneigentum zu gelangen
  • In vielen Fällen haben Familien über ihre Kinder Anspruch auf Fördermittel
  • Meist bestehen Förderungen aus Zuschüssen oder besonders günstigen Darlehen
  • Die Maßnahmen gelten oft nur bis zu bestimmten Einkommensgrenzen
  • Häufig sind mögliche Zuschüsse an die Eigennutzung der Immobilie gebunden

Welche Förderungen jungen Familien zustehen

Um jungen Familien den Erwerb einer eigenen Immobilie zu erleichtern, brachte die Bundesregierung vor kurzem das neue Baukindergeld auf den Weg. Daneben bestehen bereits andere Möglichkeiten der Förderung, durch die sich gerade junge Paare mit Nachwuchs den Traum vom Eigenheim erfüllen können. Als Beispiele gelten

  • Das Wohnraumförderungsgesetz
  • billige Kredite und Zuschüsse der Bundesländer und Kommunen
  • Wohn-Riester
  • günstige Darlehen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW

Wir stellen diese verschiedenen Varianten der Förderung vor und erklären, worauf es bei ihnen ankommt und welche Voraussetzungen gelten.

Das Baukindergeld bringt Extra-Zulagen pro Kind

Familien mit einem oder mehreren Kindern steht seit August 2018 das Baukindergeld zu. Es lässt sich auch rückwirkend zum 1. Januar 2018 beantragen, wenn vor August eine Immobilie erworben wurde. Bei Neubauten zählt dabei der Tag der Baugenehmigung. Ansonsten spielt es keine Rolle, ob es sich bei der Immobilie beispielsweise um ein Haus, eine Wohnung oder Doppelhaushälfte handelt. Voraussetzung ist jedoch die Eigennutzung des Objekts: Sobald das Haus oder die Wohnung vermietet werden soll, fällt das Baukindergeld weg.

Im Wesentlichen profitieren Familien durch das Baukindergeld, indem ihnen pro Kind 1.200 Euro jährlich über den Zeitraum von 10 Jahren zustehen. Über die gesamte Laufzeit sind das pro Kind also 12.000 Euro. Wichtig ist dabei der Tag der Beantragung. Kinder, die nach diesem Stichtag zur Welt kommen, werden nachträglich nicht mehr für diese Förderung berücksichtigt. Auch muss das Kind zum Zeitpunkt des Antrags unter 18 Jahre alt sein und mit im Haushalt leben. Wird ein Kind im Laufe der 10-jährigen Anspruchsdauer volljährig oder zieht aus, fällt das nicht weiter ins Gewicht.

Ein Antrag auf das Baukindergeld ist noch bis Ende 2020 über die KfW-Bank zu stellen. Es steht jeder Familie zu, die insgesamt über ein zu versteuerndes Jahreseinkommen in Höhe von maximal 75.000 Euro verfügt. Dieser Betrag erhöht sich pro Kind um weitere 15.000 Euro. Eine Familie mit 3 minderjährigen Kindern kann diesen Zuschuss beispielsweise beantragen, wenn das gesamte Jahresgehalt nicht mehr als 120.000 Euro beträgt. Die Zulage pro Kind in Höhe von insgesamt 12.000 Euro über die 10 Jahre Laufzeit lässt sich an ein Kreditinstitut abtreten und kann dadurch die Bonität des Kreditnehmers leicht verbessern.

Empfehlung:
Das Baukindergeld sollten alle beantragen, die dafür in Frage kommen. Elternpaare, die unter der Einkommensgrenze liegen und minderjährige Kinder im Haushalt haben, profitieren dadurch über 10 Jahre lang von 1.200 Euro pro Jahr pro Kind. Die Förderungszulage beschränkt sich auf die Finanzierung eines Wohnobjekts, das selbst genutzt wird.

Das Baukindergeld ist bundeseinheitlich gleich, allerdings bildet das Bundesland Bayern eine Ausnahme. Statt der üblichen 1.200 Euro pro Kind im Jahr, gibt es dort 1.500 Euro. Zusätzlich wird eine einmalige Eigenheimzulage über 10.000 Euro gezahlt, die auch kinderlose Ehepaare und Alleinstehende beanspruchen können.

Mit dem Wohnraumförderungsgesetz profitieren Menschen mit geringem Einkommen

Mit dem Wohnraumförderungsgesetz ermöglicht der Staat Geringverdienern den vergünstigten Kauf und Bau von Häusern, Wohnungen sowie den Erwerb von Bauland. Das Gesetz gibt den Rahmen vor, wonach Antragsteller Fördergelder bekommen können, solange sie unter bestimmten Einkommensgrenzen liegen. Für einen Zweipersonenhaushalt liegt diese beispielsweise bei 18.000 Euro jährlich. Ein grundsätzlicher Anspruch auf Wohnraumförderung über zinsgünstige Darlehen oder vergleichbare Maßnahmen besteht allerdings nicht. Zudem sind für die Zuschüsse die einzelnen Bundesländer in der Verantwortung, so dass die Voraussetzungen innerhalb Deutschlands variieren können.

Das Wohnraumförderungsgesetz richtet sich neben Familien mit geringem Einkommen oder vielen Kindern vorrangig auch an Behinderte, Alleinerziehende sowie andere sozial schwache Menschen. Nicht in allen Ländern wird die Eigennutzung des subventionierten Wohnraums strikt vorausgesetzt. Unter Auflagen wie etwa einer geringen Mietobergrenze können solche durch Vergünstigungen erworbene Objekte mitunter auch an sozial Benachteiligte vermietet werden.

Um als junge Familie mit niedrigem oder mittlerem Einkommen vom Wohnraumförderungsgesetz zu profitieren, sind Eigenleistungen vorgeschrieben. Je nach den Bestimmungen der einzelnen Länder schwanken diese zwischen 15 und 25 % des Gesamtwerts. Unter Umständen fallen darunter außer den finanziellen Beiträgen auch erbrachte Sachleistungen oder Mitarbeit. Beim Bau eines Hauses können das zum Beispiel selbstbeschaffte Baumaterialien sein oder das eigene Mitwirken auf der Baustelle.

Empfehlung:

Da die Auslegung des Wohnraumförderungsgesetzes Ländersache ist, sollten sich die Antragsteller über die genauen Regularien vorab gründlich informieren. Vor allem die Voraussetzungen für den Bezug sowie die Höhe der ihnen zustehenden Förderleistungen variieren von Bundesland zu Bundesland. Anlaufstellen dafür bieten die jeweils vor Ort ansässigen Landratsämter und Stadtverwaltungen.

Länder und Kommunen bieten eigene Förderungen

Zusätzlich zum Wohnraumförderungsgesetz bieten die einzelnen Bundesländer über eigene Töpfe oder die Landeskreditbanken Fördermaßnahmen an. Unter jeweils unterschiedlichen Voraussetzungen können junge Familien davon profitieren, wenn sie eigenen Wohnraum erwerben oder bauen möchten.

So erhalten finanzschwächere Familien vom Land Baden-Württemberg Unterstützung in Form von Tilgungszuschüssen bis zu einem Förderumfang in Höhe von 381.000 Euro. Um in den Genuss des landeseigenen „Z15-Darlehens“ zu gelangen, müssen Einkommensgrenzen eingehalten werden und mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt leben. Am Beispiel Sachsens ist ein besonders zinsgünstiges Darlehen auf lange Frist möglich, solange der Eigenanteil an der Finanzierung 20% beträgt. Für jedes minderjährige Kind im Haushalt lassen sich unter bestimmten Auflagen 50.000 Euro an Kreditsumme aus öffentlichen Fördergeldern beantragen.

Die Voraussetzungen und Bedingungen sowie die möglichen Fördermöglichkeiten und Zuschüsse sind von Bundesland zu Bundesland abweichend. Über das Informationsportal der „Verbraucherzentrale Bundesverband“ lassen sich weitere Förderungsmaßnahmen zu allen Ländern finden.

Empfehlung:
Die einzelnen Länder bieten verschiedenartige Förderprogramme, die sich an junge Familien mit Kindern richten. Dabei werden hauptsächlich geförderte oder günstige Kredite angeboten, die für geringere Einkommensklassen gelten. Besteht die Absicht, Wohnraum zur eigenen Nutzung zu erwerben, sind solche Angebote eine Überlegung wert. Nicht zuletzt deswegen, weil sie sich meist mit anderen Krediten kombinieren lassen oder sogar eine bessere Alternative darstellen.

Wohn-Riester bindet langfristig

Der sogenannte Wohn-Riester basiert auf dem Eigenheimrentengesetz und sieht Zulagen und Förderungen sowie Steuervorteile vor, die dem Erwerb einer Immobilie dienen. Junge Familien können diese Form des Riester-Sparens nutzen, wenn mindestens ein Ehepartner gesetzlich rentenversichert ist und regelmäßige Einzahlungen erfolgen. Auch dabei ist die staatliche Förderung an die Eigennutzung des erworbenen Wohneigentums gebunden. Ein solcher Wohn-Riester kann beispielsweise in Form eines Bausparvertrages abgeschlossen werden, auf den die Förderungen fließen.

Sobald ein „riestergeförderter Bausparvertrag“ auszahlungsreif ist, kann damit ein tilgungsfreies Annuitätendarlehen abgelöst werden. Dieses kann zeitgleich mit dem Riester-Vertrag abgeschlossen werden und dient der Finanzierung einer Wohnung oder eines Hauses. Die Vorteile ergeben sich über die staatlichen Zulagen für den Riester und eine außergewöhnlich lange Zinsbindung, die auf bis zu 25 Jahre abgeschlossen werden kann.

Um die jährliche Grundzulage über 154 Euro auszuschöpfen, sollten mindestens 4% des Jahreseinkommens in den Wohn-Riester eingezahlt werden. Junge Familien profitieren darüber hinaus durch einen Bonus in Höhe von 185 Euro, der für jedes vor 2008 geborene Kind dazukommt. Für später geborene Kinder gibt es jeweils 300 Euro jährlich vom Staat dazu. Sparer, die ihren Riester-Vertrag vor dem 25. Lebensjahr abschließen, erhalten einmalig 200 Euro an Zulage. Für eine vierköpfige Familie, deren Kinder nach 2008 zu Welt kamen, können bei entsprechender Einzahlung (jeweils mindestens 4% vom Jahreseinkommen) jährlich 908 Euro an Fördergeldern zusammenkommen.

Empfehlung:
Ein Wohn-Riester rechnet sich indirekt über die Zuschüsse auf die Einlagen und kann sich gerade für junge Familien mit Kind(ern) lohnen. Er läuft auf lange Sicht und ermöglicht das mietfreie Wohnen im Alter. Allerdings gilt es bei diesem Modell zu beachten, dass die finanzierte Immobilie selbst bewohnt werden muss, da anderenfalls die Rückerstattung der staatlichen Förderungsmaßnahmen fällig wird.

KfW-Kredite sind gut kombinierbar

Ein KFW-Kredit zur günstigen Immobilienfinanzierung kann über eine Bank beantragt werden. Durch das sogenannte „Wohneigentumsprogramm KfW 124“ können junge Familien an die maximale Kreditsumme von 50.000 Euro gelangen. Dieser besonders günstige Kredit ist allerdings auch für alle anderen Immobilienkäufer verfügbar, solange damit eigener Wohnraum finanziert wird. Die Zweckbindung umfasst auch Nebenkosten, die beispielsweise die Notar- oder Maklergebühr betreffen. Das „KfW-Programm 124“ lässt sich zu diesem Zweck als Teilsumme mit einem herkömmlichen Baukredit kombinieren, falls die eigenen Finanzmittel nicht ausreichen.

Allerdings ist eine KfW-Förderung mitunter nicht ganz so flexibel wie andere Finanzierungsangebote von Bausparkassen oder Banken. Derzeit sind verschiedene Bankkredite zu einem historisch niedrigen Zinssatz zu bekommen. Solche Darlehen vergünstigen sich im Einzelfall durch individuelle Faktoren wie etwa die Höhe der Rückzahlungsraten, das bereits vorhandene Eigenkapital, die Laufzeit oder auch erbrachte Sicherheitsleistungen.

Die Kreditlaufzeit des „KfW-Programms 124“ lässt sich zwar zwischen 4 und 35 Jahren frei wählen, wobei die Tilgung für insgesamt bis zu 5 Jahren ausgesetzt werden kann. Sondertilgungen sind nicht vorgesehen, dafür kann der Kreditnehmer den noch ausstehenden Darlehensbetrag jederzeit auf einen Schlag zurückbezahlen. Zu beachten ist in einem solchen Falle, dass die KfW dann eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet. Außerdem ist eine Zinsbindung generell nur für die ersten 10 Jahre möglich.

Empfehlung:

Ein solcher KfW-Kredit nutzt jungen Familien, denen der maximal zu beantragende Betrag von 50.000 Euro noch fehlt oder die damit einen klassischen Kredit erweitern wollen. Er ist vergleichsweise günstig und eignet sich ausschließlich für die Finanzierung von Wohnraum, der der Eigennutzung dient.

Weitere wichtige Hinweise und mögliche Fallstricke bei der Baufinanzierung finden Sie auf immowelt.de.

Fazit

Mit Hilfe staatlicher Maßnahmen können sich auch Familien mit geringerem oder mittlerem Einkommen den Wunsch von den eigenen vier Wänden verwirklichen. Gerade für junge Paare mit Kindern werden vielfältige Finanzierungsmodelle angeboten. Über Zuschüsse, vergünstigte Darlehen oder andere Fördermöglichkeiten bieten sich vielseitige Möglichkeiten. Solche Angebote von Seiten des Staats oder der Länder gelten keinesfalls nur für strukturschwache Regionen.

Dennoch sind Auflagen zu erfüllen, wie etwa eine Obergrenze des Einkommens oder im Haushalt lebende minderjährige Kinder. Wer sich als junges Paar umfangreich erkundigt und geforderte Eigenleistungen erbringt, kann davon durchaus profitieren. Dabei sollte auch der Aspekt geprüft werden, ob sich Förderangebote miteinander kombinieren lassen. Mit der nötigen (Spar-)Disziplin muss es also nicht immer nur beim Wunschtraum vom eigenen Zuhause bleiben – dieser Traum kann dann auch in Erfüllung gehen.


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