Fertighaus vs. Massivhaus: Das sind die Vor- und Nachteile

Ein eigenes Haus ist eine sichere Wertanlage, in der du mietfrei wohnst. Um dir den Traum vom selbst errichteten Eigenheim zu erfüllen, benötigst du einen Plan. Zunächst muss die Baufinanzierung auf sicheren Füßen stehen, dann brauchst du ein Grundstück. Nun musst du dich entscheiden: Soll dein künftiges Zuhause ein Fertighaus sein oder in massiver Bauweise entstehen? Massivhäuser heben sich heutzutage kaum noch von Fertighäusern ab, was etwa Stabilität oder Energieeffizienz angehen. Vor- und Nachteile lassen sich bei beiden Bauarten finden. Wir stellen die wichtigsten Argumente vor, die für und gegen beide Haustypen sprechen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neubauten entstehen meist in Fertig- oder Massivbauweise
  • Fertighäuser erfüllen längst optimale Qualitäts- und Verarbeitungsstandards
  • Im Regelfall sind Massivhäuser teurer, bieten dafür aber mehr Mitgestaltung
  • Rund 1/5 aller Häuser entsteht nach dem Baukastensystem
  • Beide Konstruktionsarten haben eindeutige Vor- und Nachteile

Fertighäuser am Puls der Zeit

Noch vor wenigen Jahren hatten Fertighäuser den Ruf, vor allem billig zu sein. Wenig Gestaltungsspielraum, ein niedriger Wiederverkaufswert und die kürzere Lebensdauer schmälerten die Attraktivität der Gebäude nach dem Baukastenprinzip. Seit dem hat die Fertighaus-Industrie stark aufgeholt und erfüllt heutzutage hohe technische Standards. Mittlerweile entsteht fast jedes fünfte neue Haus in Deutschland nach der Fertigbauweise.

Im Spiegel unserer Zeit ist das Fertighaus eine logische Konsequenz aktueller wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen. Denn “für die Ewigkeit” werden heute nur noch wenige Güter hergestellt. Wo früher noch für mehrere Generationen gebaut wurde, ist es heute im Zuge der Globalisierung keineswegs sicher, dass die eigenen Kinder das Eigenheim übernehmen. Preisbewusstsein, Mobilität und Einfachheit sind wichtige Kriterien für heutige Bauherren und erklären die steigende Beliebtheit von Fertighäusern.

Das sind die Unterscheidungsmerkmale

Bei einem Fertighaus gibt es bereits bestehende Elemente für die Grundkonstruktion. Oftmals handelt es sich um industriell hergestellte Konstruktionen aus Holz, die zum Bauplatz transportiert und dort montiert werden. Bei den Komponenten handelt es sich meist um Holzrahmen, die beidseitig mit Platten verkleidet sind. Bis das Haus im Wesentlichen steht, vergehen in der Regel nur wenige Tage. Über Passgenauigkeit sowie Verarbeitungsqualität musst du dich längst nicht mehr sorgen. Dein Fertighaus wird ebenso gut verarbeitet wie das Musterhaus, das du dir vorab beim Hersteller angesehen hast. Bei Merkmalen wie etwa Raumaufteilung, Grundriss oder Dach bist du ein Stück weit an die jeweiligen Angebotspaletten gebunden. Extrawünsche erhöhen den Preis eines Fertighauses. Dafür bestimmst du als Bauherr Farbe und Beschaffenheit ganz allein, etwa wenn es um Türen, Bodenbeläge oder Fliesenspiegel geht. Beispiele für Fertighäuser gibt es hier.

Fertighaus im Rohbau

Ein Massivhaus wird traditionell Stein auf Stein gebaut. Die Planung erfolgt im Vorfeld durch einen Architekten, der sich nach deinen individuellen Wünschen als Bauherr richtet und dich berät. Du kannst dir ein solches Haus schlüsselfertig übergeben lassen, so dass du lediglich noch einziehen musst. Alternativ kannst du auch einzelne Arbeitsschritte selbst beaufsichtigen und beauftragen, etwa das Fliesen des Bads oder den Einbau der Fenster. Ebenfalls ist es möglich, dass du selbst beim Bau mit anpackst. Ein Massivhaus besteht neben Steinen in aller Regel auch aus Holz, Beton sowie Eisen. Alle Baustoffe werden zur Baustelle geliefert und vor Ort verwendet. Ihren Namen hat diese Bauart durch den Einsatz massiver Materialien. Es gibt mittlerweile auch sogenannte „Fertighäuser in Massivbauweise“. Dabei werden größere Elemente vorgefertigt, um sie dann an Ort und Stelle zusammenzusetzen oder mit Beton zu vergießen.

Langlebige Fertighäuser
Bei Ziegelmassivbauten geben Gutachter in der Regel 80 bis 100 Jahre als absolute Mindestnutzungsdauer an. Fertighäuser in Holzriegelbauweise halten mindestens 40 bis 60 Jahre. Allerdings werben auch Anbieter von Fertigbauhäusern mit einer Lebensdauer, die der von Massivbauten in nichts nachstehen. So ist die 1885 errichtete “Villa Undine” (das älteste Haus auf Binz) auch ein Fertighaus.

Vor- und Nachteile eines Massivhauses

Wenn du dich für ein Haus in massiver Bauweise entscheidest, ist das die robustere Wahl. Du hast ebenfalls die Gewähr eines gesunden Raumklimas, was an der Verwendung überwiegend natürlicher Materialien liegt. Beispielsweise wird Feuchtigkeit durch Wasserdampf gleichermaßen absorbiert wie abgegeben. Weitere Argumente für und gegen ein Massivhaus stellen wir dir im Folgenden vor.

Vorteile Massivhaus:

  • Mitsprache: ein ganzes Haus nach deinen Vorstellungen. Das bietet dir das Massivhaus, denn ganz am Anfang beginnst du quasi mit einem weißen Stück Papier. Zusammen mit einem Architekten lassen sich so gut wie sämtliche Wünsche zu deinem neuen Heim gestalten und umsetzen.
  • Wertanlage: ein Massivhaus verspricht Langlebigkeit und Wertstabilität. Solche Bauwerke halten meist über mehrere Generationen. Voraussetzung ist natürlich, dass es über die Jahrzehnte instandgehalten wird. Mit Wertstabilität und -zuwachs lässt sich unter Umständen auch bei den Kreditverhandlungen für deine Finanzierung punkten.
  • Feuerfestigkeit: die meisten verbauten Materialien bei einem Massivhaus sind heutzutage aus besonders schwer entflammbaren Stoffen. Damit hast du vergleichsweise zuverlässige und sichere Brandschutzeigenschaften.
  • Eigenleistung: ein eigenes Haus zu bauen ist immer teuer. Dennoch kannst du Geld sparen, indem du selbst mit anpackst. Hast du in deinem Umfeld zusätzliche Unterstützung, senkt das die Baukosten.
  • Wärmespeicher: In der Regel bestehen auch die Innenwände aus schwerem Material. Dadurch bleibt die Wärme von Heizkörpern und Sonne länger gespeichert und das Haus kühlt nicht so schnell aus.
  • Klimatisierung: das Massivhaus schützt seine Bewohner vor zu starker Auskühlung im Winter bzw. Sonneneinstrahlung im Sommer. Aufheizung wie Auskühlung dauern aufgrund der stabilen Bauweise verhältnismäßig lange.
  • Wind- und Wetterfestigkeit: die massive Bauweise sorgt für eine optimale Winddichtigkeit und die Abschirmung von (elektromagnetischer) Strahlung. Das bringt nur dann keine Vorteile, wenn du aufgrund der stabilen Mauern einen schwachen Handyempfang hast.
  • Widerstandsfähigkeit: die eingesetzten Materialien beim Massivhaus sind robust und wenig empfindlich. Dadurch kannst du beispielsweise bei einem Wasserrohrbruch mit geringeren Folgekosten rechnen, da Wände und Böden meist wasserresistenter als bei einem Fertighaus sind.
  • Kinderfreundlich: lärmende Kinder sind im Massivhaus optimal aufgehoben. Massive Baustoffe bieten gleichzeitig gute Eigenschaften, was etwa Trittschall, Isolierung oder Dämmung angehen.

Nachteile Massivhaus:

  • Zeitfresser: bis ein Massivhaus bezugsfertig ist, kann locker ein halbes Jahr oder mehr Zeit vergehen. Durch aufeinander aufbauende Arbeitsschritte oder beispielsweise Austrocknungszeiten musst du viel Zeit einrechnen.
  • Preisfrage: häufig ist ein Massivhaus spürbar teurer als ein Fertighaus. Das liegt allein schon an den Ausgaben für einen Architekten und deinen Möglichkeiten der Individualisierbarkeit bei der Planung und Umsetzung.
  • Schlamperei: in der Regel hast du eine Reihe unterschiedlicher Dienstleister und Firmen, die unabhängig voneinander arbeiten. Durch Unachtsamkeiten oder Pfusch am Bau können Verzögerungen, Schäden oder Folgekosten zu deinen Lasten als Bauherr auftreten.

Vor- und Nachteile beim Fertighaus

Tendierst du zu einem Fertighaus, kannst du dir dein Wunschhaus vorab beim Anbieter anschauen und siehst genau, was du für dein Geld bekommst. Bei zahlreichen Details in Ausstattung oder Gestaltung hast du ein Mitspracherecht. Das sind die Vorteile eines Fertighauses:

Vorteile Fertighaus:

  • Bauzeit: der organisatorische Aufwand wie die Bauphase selbst sind beim Fertighaus sehr überschaubar. Angelieferte Elemente benötigen keine Trocknungszeit für Mörtel oder Beton, weshalb der Rohbau in wenigen Tagen steht. Anschließend kannst du bereits mit dem Innenausbau beginnen.
  • Kostenfaktor: durch die standardisierte Errichtung bleiben die Ausgaben für das Fertighaus vergleichsweise gering. Du sparst dir zum Beispiel den Architekten und weißt von Anfang an, welche Kosten dich insgesamt erwarten.
  • Risikominimierung: die industriell gefertigten Elemente werden unabhängig von Witterungsverhältnissen montiert. Der Fortschritt hängt dadurch nicht an bestimmten Wetterbedingungen. Andere Problemherde, die die Fertigstellung verschleppen können (z.B. Planungsfehler, Abstimmung der Handwerker), sind ebenso unwahrscheinlicher.
  • Energieeffizienz: moderne Fertighäuser besitzen hohe Standards, wenn es um energiesparende Eigenschaften geht. Für sogenannte Effizienz-, Passiv- oder Plusenergiehäuser in Fertigbauweise lassen sich sogar staatliche Fördergelder beantragen.
  • Haustechnik: aufgrund der stimmigen und industriell gefertigten Heiz- und Belüftungstechnik sind Probleme so gut wie ausgeschlossen. Das technische Zusammenspiel ist bei einem Fertighaus standardisiert, vielfach erprobt und aufeinander abgestimmt.
  • Besichtigung: bevor du dich für ein Fertighaus entscheidest, kannst du es dir bereits ansehen. Das geht in einem sogenannten Musterhaus-Park, wo du die Modelle der Anbieter betrachten kannst. So gewinnst du vorab einen realistischen Eindruck deines späteren Hauses. Im Idealfall musst du dich nach deiner Bestellung bis zur Schlüsselübergabe um nichts weiter kümmern.
  • Wartungsservice: im Rahmen der Kundenbetreuung bieten zahlreiche Unternehmen eine Nachsorge für ihre Häuslebauer. Häufig gehören Pflege- oder Wartungsarbeiten in den ersten Jahren nach dem Hausbau zu den Serviceleistungen der Fertighaus-Anbieter.
  • Verarbeitung: qualitativ bietet dir ein Fertighaus hohe Standards. Alle Bauteile sind präzise aufeinander abgestimmt und bieten eine optimale Passgenauigkeit.
  • Serviceleistung: Fertighaus-Unternehmen haben im Regelfall Verkaufsberater, die dir als Ansprechpartner weiterhelfen. Dieser steht dir von der Frage nach dem richtigen Baugrundstück bis hin zu Behördengängen zur Seite. Du hast damit auf der Gegenseite eine einzige Bezugsperson, an die du dich jederzeit wenden kannst. Aber Achtung: Als Unternehmensmitarbeiter ist der Berater nicht unabhängig und wird dich eher zum Vorteil seiner Firma beraten.

Nachteile Fertighaus:

  • Wertverlust: da ein Fertighaus weniger robust ist, verliert es stärker an Wert als ein massiv errichtetes Gebäude. Der Wiederverkaufswert kann nach 30 Jahren im direkten Vergleich bis zu 15% geringer ausfallen. Zudem halten Massivhäuser im Durchschnitt länger als Häuser, die nach dem Baukastenprinzip entstehen.
  • Mitgestaltung: sobald du den Grundriss oder andere Merkmale an deine Vorstellungen anpassen willst, kostet das extra. Jedes Fertighaus bietet dir grundsätzlich Mitspracherechte bezüglich der Gestaltung. Wünsche sind individuell und vielfältig umsetzbar, können aber leicht den Preis spürbar nach oben treiben.
  • Wärmespeicherfähigkeit: Wände im Fertighaus sind einfacher und leichter gestaltet. Daher bieten sie im Vergleich zum Massivhaus schwächere Speichereigenschaften. Aufheizung und Auskühlung werden begünstigt und auch im Schallschutz schneiden solche Wände schlechter ab als beim Massivhaus.
  • Luftdichtheit: von der Luftdichtheit hängen wichtige Eigenschaften ab, die etwa die Wärmedämmung oder die Feuchtigkeit in Zwischenwänden beeinflussen können. Um hohe Energiekosten oder schlimmstenfalls die Bildung von Schimmel zu vermeiden, ist eine sorgfältige Verarbeitung besonders wichtig.

Die wichtigsten Argumente auf einen Blick

In unserer Tabelle erkennst du auf Anhieb die 10 wichtigsten Argumente, wenn es um die Entscheidung des Konstruktionstyps geht.

KriteriumVorteil MassivhausVorteil Fertighaus
Grundpreis--
Mitgestaltungsmöglichkeit--
Bauzeit--
Wertbeständigkeit--
Betreuung und Service--
(Schallschutz-)Dämmung--
Feuerfestigkeit--
Klimatisierung--
Fehlerquellen--
Langlebigkeit--

Du hast die Qual der Wahl

Ob du eher Individualität, Wertstabilität oder eine schnelle Fertigstellung favorisierst, liegt ganz bei dir. Letztlich spielt natürlich auch der Kostenfaktor eine gewichtige Rolle. Hier punktet in aller Regel das Fertighaus, solange deine Extrawünsche nicht ausufern. Fertighäuser werden nicht zuletzt auch deswegen immer beliebter, weil sie qualitativ mit Massivhäusern mithalten können. Nachdem du deine Vorstellungen kennst, solltest du mehrere Anbieter vergleichen und dich unverbindlich beraten lassen. Eine klare Empfehlung kann es nicht geben. Am Ende entscheiden neben dem vorhandenen Budget vor allem Geschmack und eigene Bedürfnisse über die Art der Konstruktion.


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1 Kommentar
  1. Rolf Förderer sagt

    Bereits im Jahr 1972 habe ich ein Fertighaus der Firma Schwörer gebaut. Ihre Bemerkungen über eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten kann ich niemals nachvollziehen. Wir waren damals schon zu Detailgesprächen über den Rohbau und dann 1 Tag zum Detailgespräch über den Ausbau (Raum für Raum sind wir durchgegangen, wie er gestaltet und ausgerüstet werden soll, Elektroinstallation mit genauer Positionierung der Komponenten, Bodenbeläge, Tapeten, Farbgestaltung, Einbauküche, Sanitärinstallation mit Gegenständen). Ich bin davon übezeugt, dass dies heute noch bei dieser Firma genau so abläuft. Und: Der gesamte Hauspreis wurde nach Abnahme bezahlt (keine Abschlagszahlungen nach Baufortschritt).

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