Wenn Einkaufen stresst: Tipps gegen Entscheidungsmüdigkeit

Einkaufen ist kompliziert geworden. Eltern spüren das ganz besonders. Denn ist erstmal ein Baby unterwegs, müssen plötzlich ganz viele Sachen her: die Babybadewanne, der Wickeltisch, der Heizstrahler, das Beistellbett. Ellenlange Listen zur Erstausstattung tummeln sich im Internet. Entscheidungsmüdigkeit ist kein Manager-Problem. Das Angebot ist einfach zu komplex, vor allem mit dem Anspruch, das allerbeste kaufen zu wollen. Wir sprechen über Überforderung beim Einkaufen und was du dagegen tun kannst.

Hast du in letzter Zeit für dein Baby eingekauft? Eltern haben heute die sprichwörtliche Qual der Wahl. Fast 600 Millionen Produkte gab es im Jahr 2019 bei Amazon zu kaufen. Tendenz steigend. Über 120.000 weitere Online Händler bieten in Deutschland ihre Waren zum Verkauf. Wem das nicht reicht, der kann bequem aus dem Ausland bestellen oder ins nächstgelegene Einkaufszentrum fahren.

Noch immer hält sich das Dogma wacker: Je größer die Auswahl, desto größer die persönliche Freiheit. Dass immer mehr Menschen sich gestresst fühlen von der Komplexität von Einkaufsentscheidungen zeigt, dass das auch ins Gegenteil umschlagen kann. Die Folge: Wir sind entscheidungsmüde und überfordert.

Zu viel von Allem: Warum Einkaufen uns überfordert

Allein im Supermarkt treffen wir unzählige Kaufentscheidungen. Die laufen zum größten Teil unbewusst ab. Über 25.000 Produkte zählt ein Supermarkt. Hunderte Joghurts, Nudelsorten, Tiefkühlpizzen und seit Neuestem auch etliche Milchsorten von Weidemilch bis Erbsenprotein. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Natürlich kaufen wir nicht irgendwas. Die Auswahl ist riesig und für unser Kind soll es nur das Beste sein. Mehr noch: Wir haben regelrecht Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen. Regret Aversion nennt sich das psychologische Phänomen. Dahinter verbirgt sich die Angst, eine Entscheidung zu bereuen. Wir stehen enorm unter Druck. Bloß keinen Fehler machen. Aber welcher ist denn jetzt der beste Kinderwagen?

Paralyse durch Analyse: wie ein Knoten im Gehirn

Für uns bedeutet das Stress. Unser steinzeitliches Gehirn ist nicht dafür ausgelegt, konstant eine solche Fülle an Entscheidungen zu treffen. Und dann scheint sich unser Gehirn zu verknoten. Paralyse durch Analyse nennt sich das, wenn du Tage um Tage nach der besten Babybadehose recherchierst und wie gelähmt bist durch die schiere Unmöglichkeit der Auswahl.

Da gibt es ökologische Bio-Schwimmwindeln, die aber laut einem Erfahrungsbericht von Mimimama331 nicht ganz so dicht halten. Die Günstigen riechen offenbar nach Plastik, argumentiert Tinamaus. Die aus der Drogerie vermüllen den Planeten und für die Trainierhosen aus dem Stoffwindelladen brauchst du offenbar einen Abschluss in Windelkunde, weil du das System aus Innenfließ und Außenhöschen nicht verstehst. Hast du dann endlich eine gefunden, gibts die nur noch in Senfgelb mit brauen Punkten. Nee danke, für ne Schwimmwindel in Kinderkotze-Farbe hast du dir nicht den ganzen Abend um die Ohren geschlagen!

Tipps gegen Entscheidungsmüdigkeit

Kein Wunder, dass so viele Mütter überfordert sind. Sie treffen die meisten Kaufentscheidungen und da man sich beim eigenen Kind keinen Fehler erlauben möchte, folgt irgendwann die Schockstarre. Wenn es nur das wäre. Zum Einkaufen kommt noch das Management von Geschenken, Pekip-Kursen und Erziehungsmethoden. Wer die Wahl hat, hat die Qual! Wir brüten ewig über vergleichsweise kleinen Kaufentscheidungen. Aus Entscheidungsmüdigkeit vertagen wir dann die Entscheidung.  Zu schwierig. Und morgen geht’s von vorn los mit der Sucherei.

Wenn du regelmäßig in der Analyse Paralyse steckst, haben wir ein paar handfeste Tipps gegen Entscheidungsmüdigkeit für dich!

1: Entscheidungen abgeben

In deiner Familie kaufst nur du besonders bewusst, nachhaltig, gesund, hochwertig oder optisch ansprechend ein? Wahrscheinlich hast du beim Einkaufen einen Fokus, zum Beispiel auf ein schönes Kinderzimmer oder ökologische Kleidung. Daran ist prinzipiell nichts verkehrt. Wenn es aber dazu führt, dass du die Einkaufsentscheidungen deines Partners oder die Geschenke der Großeltern nicht akzeptieren kannst und alles selber machst, dann kann das ganz schön in Stress ausarten.

Du wirst dich daran gewöhnen müssen, dass andere Personen in deinem Haushalt andere Ansprüche und Geschmäcker haben, spätestens wenn dein Kind sich selbst Spielzeuge zu Weihnachten wünscht. Dann ist es vorbei mit naturbelassenen Holzsregenbogen.

Mach es dir leichter und gib einen Teil der Verantwortung ab. Vielleicht genau in dem Bereich, wo du dich besonders stresst, zum Beispiel Kleidung. Oft sind Männer da viel unbedarfter. Die kaufen ein Set T-Shirts ohne groß darüber nachzudenken. Das heißt ja nicht, dass du nicht deine Wünsche kommunizieren kannst.

2: Auswahl verringern

Wenn du überall nach dem allerbesten Produkt suchst, dann suchst du ewig. Die Auswahl ist einfach zu groß und die Produkte zu komplex. Suche dir ein Geschäft oder einen Onlineshop mit einem guten Baby-Sortiment heraus und tätige dort all deine Einkäufe. Du wirst überrascht sein, wie viel Nerven und Zeit dir das spart. Trotzdem hast du immer noch eine ausreichende Auswahl an Kinderwägen, Kleidung & Co. Im Gegensatz zu Amazon sind die Produkte professioneller Babyshops bereits kuratiert.

Wähle dafür einfach einen Shop mit einem vergleichsweise breiten Angebot wie zum Beispiel 4mybaby (Schweiz) oder mytoys (Deutschland). Du kannst natürlich auch Shops mit einem Fokus auf nachhaltige Produkte oder Second Hand Plattformen wählen. Es geht einfach darum, dass du dich festlegst, wo du kaufst, um nicht bei jedem Kauf dutzende von Angeboten zu vergleichen.

3: Aufschreiben und abwarten

Eine hervorragende Möglichkeit gegen Entscheidungsmüdigkeit, gerade beim Einkaufen, ist das Aufschreiben. Wir Eltern werden ja geradezu bombardiert mit Angeboten, guten Ratschlägen und fixen Ideen, was wir noch brauchen für unser Glück.

Gerade beim ersten Kind wissen wir das aber gar nicht so genau. Brauchen wir die Wärmelampe wirklich? Muss es ein Schnuller sein, der in der Nacht leuchtet? Lohnt es sich wirklich, in das Tipi zu investieren? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Mache es dir zur Gewohnheiten, solche Ideen erstmal aufzuschreiben. Warte eine Woche ab oder vielleicht auch länger und entscheide dann. Einige Ideen lösen sich von ganz allein in Luft auf. Andere kannst du dir womöglich von den Großeltern spendieren lassen. Wir müssen nicht immer alles sofort kaufen. Das ist doch beruhigend.

4: Gib dich mit 90% zufrieden

Wenn du etwas gefunden hast, das dir gefällt und das augenscheinlich gut ist: dann kauf es. Vielleicht ist es nicht das weltbeste Produkt. Aber deine Zeit ist einfach zu kostbar, jetzt noch ewig rumzusuchen, ob du doch noch etwas Besseres findest.

Bleibe bei deiner Entscheidung und lasse dich nicht beirren. Das führt nur dazu, dass du zweifelst und am Ende doch keine Freude an deinem Produkt hast. Gut ist gut genug. Es muss nicht alles perfekt sein. Die Zeit, die du sparst, kannst du mit deinem Baby verbringen und das schenkt dir viel mehr Zufriedenheit, als jedes Produkt es könnte.


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