Allein gelassen: Eltern werden in Zeiten von Corona

Eltern haben es schwer in der Coronakrise. Sie müssen Arbeit, Kinderbetreuung, Finanzen und Familie unter einen Hut bringen. Durch die Öffnung von Kitas und Schulen können sie endlich wieder aufatmen. Doch eine Gruppe von Menschen sitzt immer noch allein zuhause in der Isolation: Eltern in Elternzeit. Denn obwohl das alltägliche Leben langsam wieder an Fahrt aufnimmt, werden sie vergessen. Denn wer kann, soll weiterhin auf Abstand gehen. Und wer könnte das besser als eine Mutter in Elternzeit? Wir finden, dass das zu kurz gedacht ist.

Arbeitende Eltern von Klein- und Schulkindern hat die Corona-Krise hart getroffen. Die Betreuung junger Kinder ist ein 24 Stunden Vollzeitjob, der mit der bezahlten Arbeit zuhause oder im Betrieb kaum vereinbar ist. Kaum eine Familie, die nicht auf die ein oder andere Art unter der Isolation gelitten hat. Die einen versuchten zu arbeiten, während ihre kleinen Kinder zuhause von den Sofas sprangen. Andere, vor allem in Pflegeberufen, waren immer auf die Hilfe von anderen angewiesen, um überhaupt arbeiten zu können. Und dann noch diese Verunsicherung: Wie lange wird es noch dauern? Wann wird mein Arbeitgeber mich zurück an den Arbeitsplatz berufen? Oder macht die Firma pleite? Ferien zu Hause fühlen sich anders an…

Über eine Gruppe von Eltern wurde kaum gesprochen: die jungen Eltern in Elternzeit. Die haben in der Isolation nämlich ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen.

Geburt ohne Papa

Schlimm genug, seiner Frau unter der Geburt mit Gesichtsmaske Mut zuzusprechen. Aber Väter in Coronazeiten sind schon froh, wenn sie die Geburt ihres Babys miterleben dürfen. Gerade zu Beginn des Lockdowns befürchteten viele werdende Väter, vor dem Kreißsaal abgelehnt zu werden. Schlimm empfanden viele auch die Unsicherheit. Darf ich, darf ich nicht? Wer entscheidet? Gibt es morgen vielleicht schon wieder neue Regeln?

Gott sei Dank waren die Fälle, in denen Väter die Geburt ihrer Babys am Tablet verfolgen musste rar. Doch auf Privilegien wie Familienzimmer mussten viele junge Familien vorerst verzichten. Besuchszeiten wurden gekürzt, Väter fühlten sich außen vor, Mütter waren allein.

Rückblickend scheint es wie pure Schikane, wenn wir heute sehen, wie sich Menschen ungeachtet aller Beschränkungen an der Eisdiele dicht nebeneinander tummeln.

Isolation in der Elternzeit auf einer neuen Stufe

Die Isolation junger Eltern ist kein Phänomen, der Corona-Krise. Sie ist der Alltag vieler frisch gebackener Mütter und Väter, die sich dafür entscheiden, mit ihren Babys zuhause zu bleiben. Die Kollegen fallen weg, kinderlose Freunde machen sich rar. Schlafmangel und der Rhythmus des Babys tragen ihr Übriges zur sozialen Isolation bei.

Seit der Ausgangsbeschränkungen und Abstrandsregelungen hat die Einsamkeit junger Eltern leider ein neues Level angenommen. In Zeiten der Unsicherheit ist jeder erstmal mit seinen eigenen Problemen beschäftigt: der Job, die Familie, das Toilettenpapier. Da bleibt einfach weniger Aufmerksamkeit übrig für das neue Baby der Freundin.

Keine Feier, keine Besuche

Die Babyfeier fällt aus und die Besuche ebenso. Viele trauen sich gar nicht mehr zu fragen, ob die jungen Eltern sich Besuch wünschen. Dabei ist es das, was sich so viele Mütter und Väter gerade jetzt bräuchten: Mal mit anderen Erwachsenen sprechen. Das Baby zeigen, auf das sich neun Monate lang alle gefreut haben. Ein bisschen reden. Noch schlimmer für viele: wenn die Großeltern ihre Enkel nicht kennenlernen können.

Youtube statt Pekip

Während es vor der Coronakrise zumindest in städtischen Gegenden noch Angebote für junge Eltern gab, fielen diese jetzt komplett weg. Kein Pekip, kein Familienzentrum, keine Rückbildung. Immerhin rüsteten viele Anbieter nach und stellten ihre Angebote auf online um. Youtube verzeichnete einen rasanten Anstieg an Workouts für zuhause – auch für junge Mütter. Rückbildungskurse gingen online und Familienberatung gibt es online und per Telefon.

Ein paar interessante Daten und Fakten, wie die Deutschen mit der Isolation umgingen, fanden wir in dieser Grafik:

Infografik über Freizeittrends während der Corona-Isolation
Für die ganze Infografik das Vorschaubild klicken (via www.besteonlinecasinos.com)

Prioritäten sind woanders

Inzwischen sind Kitas und Schulen wieder geöffnet und versuchen einen regelmäßigen Betrieb aufrechtzuerhalten. Junge Eltern profitieren davon nicht. Denn gerade Angebote für Schwangere und Eltern von Babys bis zu 12 Monaten finden weiterhin vorwiegend online statt. Und das obwohl gerade junge Mütter von dem Austausch mit anderen profitieren würden. Psychische Leiden wie Wochenbettdepressionen sind nicht selten nach der Geburt. Frauen, die sich obendrein allein und von der Gesellschaft vernachlässigt fühlen, fällt es ungleich schwerer, eine Beziehung zu ihrem Baby aufzubauen.

Wer kennt ihn nicht, den kinderlosen Kollegen, der zum Abschied in die Elternzeit sagt „Ein Jahr Urlaub zuhause, das hätte ich auch gern.“ Gefühlt scheint die Politik auf ihrer Seite zu sein. Nur leider fehlt dem „Mütterurlaub“ der Mai Tai am Strand und die nette Gesellschaft. Es besteht wenig Dringlichkeit, Mütter und Väter mit echten Vor-Ort-Angeboten aus der Isolation zu helfen und ihnen Vernetzungsmöglichkeiten zu bieten.

Junge Eltern brauchen Unterstützung

Keine falsche Bescheidenheit: Wer allein mit einem Baby zuhause ist braucht Unterstützung und zwar auch in Zeiten von Corona. Es kann nicht sein, dass die Strandbäder überquellen und gleichzeitig Angebote für junge Babyeltern weiterhin auf Eis liegen.

Und natürlich können wir uns auch gegenseitig unterstützen: aktiv um Hilfe bitten oder einfach um einen Besuch zum Quatschen. Anderen unsere Hilfe anbieten. Mal nachfragen, wie es geht. Vielleicht sind auch gerade mehrere Bekannte in deiner Umgebung gleichzeitig schwanger, die du in Austausch bringen könntest. Für viele scheint die Zeit der Isolation vorüber und das ist schön. Aber junge Mütter und Väter haben es auch nach den Ausgangsbeschränkungen deutlich schwerer, sich die Community aufzubauen, die sie so dringend brauchen

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