Die Generation Y und der Spagat zwischen Karriere und Familie

Sie ist ein echtes Phänomen unserer Zeit, die Generation Y. Sie hat die Nachfolge der Generation X und der Generation der Babyboomer angetreten und hat inzwischen sowohl die Arbeitswelt als auch den Bereich Familie fest im Griff. Sowohl beruflich als auch privat kommt kaum noch jemand an den Angehörigen dieser ganz besonderen Generation vorbei. Mit ihnen beginnt etwas Neues, das es so in dieser Form noch nicht gegeben hat. Eine Zeit des Umdenkens hat eingesetzt, in der die Prioritäten im Leben neu sortiert und definiert werden sollen und in der sich auch die Arbeitswelt langsam aber stetig an die Anforderungen der Generation Y anpassen muss.

Die Generation Y zeigt Selbstbewusstsein

Übersättigte Arbeitsmärkte, immer schlechtere Arbeitsbedingungen, Alleinverdiener reichen nicht mehr aus, Mutterschaft stellt die Karriere aufs Abstellgleis – allzu rosig stellte sich die Lebenssituation von Familien in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt dar. Auch wenn Deutschland noch immer zu den Ländern zählt, in denen viel für Familien getan wird, fiel die Entscheidung für Kinder jungen Menschen in den letzten Jahren zunehmend schwer. Finanzielle Einbußen, eine schlechte wirtschaftliche Situation, der unvermeidliche Karriereknick für Frauen, das alles hat nicht gerade dazu beigetragen, dass Paare die Geburt ihres ersten Kindes nicht erwarten konnten. Die Geburtenraten stagnierten dementsprechend oder waren sogar rückläufig.

Und dann kam sie, die Generation Y, und sie sollte sich aufmachen, um alles zu verändern. Mehr Selbstbewusstsein in der Arbeitswelt steht auf ihren Fahnen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und neue Prioritäten, die die Work-Life-Balance in den Vordergrund stellen. Damit schlagen die Menschen, die dieser Generation entstammen, einen neuen Weg ein und stellen damit vor allem die Arbeitswelt vor eine echte Herausforderung. Aber wer sind sie eigentlich genau, die Streiter der Generation Y?

Die Agentur Junges Herz hat versucht, das Phänomen in eine greifbare Definition zu fassen:

„Zu der viel beschriebenen Generation Y gehören Frauen und Männer, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden. Der Begriff wird in aller Regel für den Anteil dieser Altersschicht verwendet, der einen akademischen Hintergrund vorweisen kann: Die sogenannten High Potentials – Potenzialträger.
Die Generation Y fragt häufig nach dem „Warum?“. Dafür steht das englisch ausgesprochene Ypsilon in ihrem Namen: Why? Den so genannten Ypsilonern oder auch Millenials haftet der Ruf an, in der Arbeitswelt Traditionelles konsequent zu hinterfragen, anzuzweifeln und Neues zu fordern.“

Viele Eigenschaften, die der Generation Y zugeschrieben werden, scheinen für potentielle Arbeitgeber zunächst einmal ungemütlich zu sein. Sie hinterfragen die Dinge, sie zweifeln bestehende Systeme an und sie wünschen sich nicht nur Veränderungen, wie schon die Generationen vor ihnen, nein, sie fordern sie ein. Sie gelten als kritisch, zielgerichtet und selbstbewusst. Sie kennen ihren Wert für den Arbeitsmarkt und passen damit nicht mehr in das Bild des Arbeitnehmers, der sich in die lange Schlange der Wartenden einreiht und wenn sich ihm endlich eine freie Stelle bietet diese auch unter schlechten Arbeitsbedingungen antritt, nur um endlich der Arbeitslosigkeit entfliehen zu können.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich in vielen Branchen zwar immer noch nicht deutlich entspannt, aber die Sichtweise der Arbeitsuchenden und auch der arbeitenden Bevölkerung hat sich vielfach verändert. Heute müssen Arbeitgeber sich nicht selten beinahe ebenso um ihre Angestellten bemühen wie ein Bewerber um eine neue Anstellung.

Was erwartet die Generation Y vom Arbeitsleben?

Die Generation scheint mit mehr Selbstbewusstsein durch das Leben zu gehen und sowohl privat als auch beruflich genau zu wissen, was sie will. Aber was ist es denn nun eigentlich, worauf es den Menschen ankommt, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden? Mit dieser Frage hat sich die „World-Of-Work-Studie“ des Karriereportals Monster eingehender befasst und bereits im Jahr 2016 4114 Arbeitnehmer in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden zum Thema Zufriedenheit im Job befragt. Detaillierte Informationen zur Studie gibt es unter www.monster.de. Hier sind ein paar interessante Details in aller Kürze zusammengefasst:

Die wichtigsten Faktoren für Zufriedenheit im Job sind der Studie zufolge Geld, Anerkennung und Respekt sowie die immer wichtigere Work-Life-Balance. In Deutschland gaben 36 Prozent der Befragten an, dass ihnen ein gelungener Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben wichtig sei, innerhalb der Befragten aus der Generation Y waren es sogar über 50 Prozent. In einer Sache sind sich übrigens alle Altersklassen einig: Sie sehen den Arbeitgeber in der Pflicht, die Möglichkeiten für das Erreichen dieser Balance zu schaffen. Anregungen gibt es allerdings reichlich. So möchten beispielsweise 25 Prozent der Ypsiloner die Möglichkeit haben, ganz oder zumindest teilweise im Home Office zu arbeiten. 27 Prozent wünschen sich flexible Arbeitszeiten, die sich besser mit der erhofften Qualitätszeit mit der Familie vereinbaren lassen.

Die Bezahlung sorgt zwar mit 63 Prozent innerhalb der Generation Y scheinbar immer noch für die größte Zufriedenheit im Job, allerdings spielen auch hier Themen wie die Absicherung der Familie, finanzielle Entlastung im Alltag und ein Ausgleich für immer höher werdende Lebenshaltungskosten für Familien eine große Rolle.

Die Generation Y und das Elterngeld

Wer in der heutigen Zeit eine Familie gründen möchte, kommt am Thema Elterngeld nicht vorbei. Die finanzielle Unterstützung, die arbeitenden Eltern in Deutschland zusteht, ist häufig ein wichtiger Faktor bei der Familienplanung und vor allem bei der Bestimmung des richtigen Zeitraumes, um mit der Familienplanung zu beginnen. In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland in dieser Hinsicht viel getan und die Wünsche und Bedürfnisse der Generation Y scheinen immer mehr Berücksichtigung zu finden.

Zu den zentralsten Themen gehört sicher die Rolle der Väter, die sich einer echten Verjüngungskur unterzogen hat. Väter in Elternzeit prägen zunehmend das Bild. Damit sind Väter heute längst nicht mehr nur Familienernährer und Wochenendpapas. Sie nehmen aktiv am Familienalltag teil und dank geänderter Richtlinien für den Bezug des Elterngeldes und der Nutzung der Elternzeit können sie dies auch tun. Heute kann die Elternzeit flexibler bestimmt werden, die Partnermonate schaffen zusätzlichen Freiraum für junge Familien und das Elterngeld Plus macht viele neue Modelle möglich.

In Kombination mit flexiblen Arbeitszeiten, die Auslagerung bestimmter Tätigkeiten ins Home Office, gesprächsbereiten Arbeitgebern, die sich offen zeigen für alternative Einsatzmöglichkeiten von Vätern und Müttern und einer noch grundlegenderen und selbstverständlicheren Gleichstellung von Frauen und Männern was die Elternzeit und die Rückkehr in den Beruf angeht, könnte die Generation Y so den Arbeitsmarkt revolutionieren und aus dem schwierigen und kraftzehrenden Spagat zwischen Familie und Beruf eine stabile Brücke machen.

Vater & Kind

Die Digital Natives können es sich erlauben

Die Forderungen der Generation Y im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erscheinen auf den ersten Blick ganz schön happig. Das macht doch kein Arbeitgeber mit, wird sich so Mancher denken. Tatsächlich setzt das Umdenken in vielen Branchen und Hierarchieebenen nur langsam ein. Flexible Arbeitszeitmodelle, Heimarbeitsplätze, Elternmonate für Väter und ein individueller Wiedereinstieg in den Beruf für Mütter sind nach wie vor sicher keine Lieblingsthemen von vielen Arbeitgebern.

Langfristig werden sie sich ihren Pflichten allerdings nicht entziehen können, denn sie sind auf die so genannten Digital Natives angewiesen. Die Generation Y ist die erste, die in die digitale Welt hineingeboren wurde und mit den Anforderungen und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters aufgewachsen ist. Die Fähigkeiten, die in der globalen Arbeitswelt unverzichtbar geworden sind, mussten sie sich nicht erst mühevoll erarbeiten, sie wurden ihnen im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Damit bringen die Ypsiloner als Digital Natives Kernkompetenzen mit, auf die in der Zukunft kein modernes Unternehmen mehr verzichten kann. Vor allem Menschen mit akademischem Hintergrund, die aus dieser Generation stammen, werden dadurch für den Arbeitsmarkt ungeheuer wertvoll, sie gelten als die so genannten High Potentials. Genau diesen Vorteil möchte die Generation nutzen, um die Arbeitswelt nach ihren eigenen Vorstelllungen zu verändern und wichtige Weichen zu stellen, die zukünftigen Generationen den Weg in die Work-Life-Balance leichter machen können.


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