Das ändert sich für Familien ab 2022

Der Neujahrstag bringt manchmal nicht nur einen Kater mit sich, sondern hat auch einige Neuregelungen im Gepäck. Wir haben die wichtigsten Änderungen für Familien in diesen Artikel zusammengestellt.

1. Grundfreibetrag steigt

Ab Januar sieht es etwas besser aus in deiner Gehaltsabrechnung. Grund ist der Anstieg des Grundfreibetrages für 2022 auf 9.984 Euro (2021: 9.744 Euro). Verdienste unter diesem Betrag werden nicht der Einkommensteuer unterworfen.

2. Corona-Bonus bis März 2022

Arbeitgeber können den Corona-Bonus bis zu 1.500 Euro noch bis zum 31. März 2022 steuerfrei auszahlen. Der Bonus muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden. Dieser Betrag von 1.500 Euro darf zusammengerechnet im Zeitraum vom Jahr 2020 bis März 2022 nicht überschritten werden – sprich, die Auszahlung ist nicht jedes Jahr erneut möglich! Aber wenn der Betrag noch nicht voll ausgeschöpft ist, kann der Rest noch steuerfrei gezahlt werden. Falls es bei euch um eine Gehaltserhöhung geht und diese nicht möglich ist, kann der Bonus vielleicht ein Ausweg sein.

3. Mindestlohn steigt

Gleich zweimal gibt es im Jahr 2022 eine Erhöhung des Mindestlohns. Zum 1. Januar auf 9,82 Euro (2021: 9,60 Euro) und ab 1. Juli auf 10,45 Euro. Vom Mindestlohn u.a. ausgenommen sind weiterhin Jugendliche unter 18 Jahren (ohne abgeschlossene Berufsausbildung), ehrenamtlich Tätige, und Praktikanten, die verpflichtende Schul- oder Hochschulpraktika ausüben oder bis zu 3 Monate ein freiwilliges Praktikum zu Orientierung absolvieren.

4. Mindestausbildungsvergütung

Die Reform des Berufsausbildungsgesetz (BBiG) im Jahr 2020 legte bereits einen Anstieg für 2022 fest. Für Ausbildungsverhältnisse beginnend im Jahr 2022 beträgt die Mindestvergütung für das erste Ausbildungsjahr 585 Euro (ohne Tarifbindung). Im zweiten Ausbildungsjahr gibt es 690,30 Euro (+18 %), im dritten Ausbildungsjahr 789,75 Euro (+35%) und im vierten Jahr 819 Euro (+40%). Basis für die Erhöhungen ist die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr.

5. Beitragsbemessungsgrenzen

Krankenversicherung

In der Krankenversicherung bleibt die Beitragsbemessungsgrenze bei 58.050 Euro. Verdienst du mehr, ist der übersteigende Teil nicht relevant für die Beitragsberechnung. Die Versicherungspflichtgrenze besteht auch unverändert fort. Sie beträgt 64.350 Euro. Überschreitest du diese Grenze, bist du nicht mehr verpflichtet, dich nur in der gesetzlichen Krankenversicherung zu versichern.

Rentenversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung sinkt in den alten Bundesländern. Sie beträgt 7.050 Euro im Monat (2021: 7.100 Euro). Für die neuen Bundesländer steigt die Beitragsbemessungsgrenze auf 6.750 Euro (2021: 6.700 Euro). Das ist der Betrag, bis zu dem der Beitrag zur Rentenversicherung monatlich maximal anfällt.

6. Elektronische Krankmeldung

Eigentlich für den 1. Januar 2022 geplant, startet die eAU, also die elektronische Krankmeldung nun erst zum 1. Juli 2022. Ziel des eAU-Verfahrens ist, dass die Krankmeldungen digital durch die Krankenkasse an die Arbeitgeber übermittelt werden. Die ärztliche Papierbescheinigung bleibt zunächst als gesetzlich vorgesehenes Beweismittel bestehen. Wichtig: Du musst weiterhin deinen Arbeitgeber über die Arbeitsunfähigkeit informieren!

7. Plastiktütenverbot

Besonders dünne Plastiktüten, genauer gesagt welche, die weniger als 50 Mikrogramm wiegen, dürfen ab Jahresbeginn nicht mehr im Handel auftauchen. Auch Bioplastiktüten, die keine umweltfreundliche Alternative zu sonstigen Plastiktüten darstellen, sind verboten. Hemdchenbeutel hingegen bleiben weiterhin erlaubt. Unser Tipp: Einfach immer einen Stoffbeutel mitnehmen.

8. Wohngeld steigt

Wohngeldempfänger bekommen ab Januar 2022 im Durchschnitt 13 Euro mehr pro Monat. Wohngeld ist eine Leistung für Familien mit kleinem Einkommen. Du kannst es als Mietzuschuss für eine Mietwohnung bekommen oder als Lastenzuschuss, wenn du der selbst nutzende Eigentümer bist. Die Höhe hängt von verschiedenen Faktoren ab, Anzahl der Haushaltsmitglieder, das monatliche Einkommen dieser Personen und die Höhe der Miete. Ob du wohngeldberechtigt bist, erfährst du hier.

9. Sozialhilfe: Regelsatz steigt

Der monatliche Regelsatz für alleinstehende Erwachsene steigt ab Januar 2022 um 3 Euro auf 449 Euro. Beiträge für Partner in der Bedarfsgemeinschaft steigt um den gleichen Betrag auf 404 Euro. Für Kinder und Jugendliche erhöht er sich auf 311 Euro (Kinder 6 – 13 Jahre) bzw. 376 Euro (Kinder 14 – 17 Jahre). Für Kinder bis 6 Jahren steigt der Satz auf 285 Euro.

10. Gesetz für faire Verbraucherverträge

Automatische Vertragsverlängerungen

Kündigungszeitpunkt verpasst und nun verlängert sich der Vertrag? Ärgerlich! Aber zukünftig, genauer gesagt ab März 2022 kannst du monatlich auch solche Verträge kündigen.

Strom- und Gasverträge nicht mehr telefonisch

Lieferverträge von Strom und Gas brauchen zukünftig eine Textform, also z.B. per E-Mail, SMS, Brief oder Fax. So vermeidet der Gesetzgeber, dass dir als Verbraucher einfach ein Vertrag am Telefon aufgezwungen wird. Kündigungen müssen ebenso schriftlich erfolgen.

Kündigungsbutton

Dauerschuldverhältnisse sind leicht eine Kostenfalle für Verbraucher. Ab 1. Juli 2022 muss es für die Beendigung dieser Schuldverhältnisse verpflichtend einen Kündigungsbutton im Online-Bereich dafür geben. Gibt es keinen, kann der Verbraucher jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen.

11. Papierfahrkarten

Wenn du ab dem 1.1. in einen Zug der Deutschen Bahn einsteigst, kannst du leider keine Fahrkarte mehr beim Zugbegleiter kaufen. Sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr müssen diese dann vor Fahrtbeginn im Reisezentrum oder am Automaten gekauft werden. Digital kannst du jedoch weiterhin ganz komfortabel Tickets bis zu 10 Minuten nach Abfahrt kaufen.

12. Elektroschrott loswerden

Wer kennt es nicht, irgendwo im Haushalt gibt es eine Schublade oder einen Karton mit defekten Kleingeräten. Wenn du kleine Elektrogeräte wie Rasierer oder Handys loswerden möchtest, kannst du sie nun in einem Discounter abgeben. Bis zu 25 cm Kantenlänge sogar ohne Neukauf. Leider gilt das nur, wenn die Ladenfläche des Discounters größer ist als 800 qm und diese auch selbst Elektrogeräte verkauft.

13. Unterhaltssätze für Kinder

Der Mindestunterhalt, geregelt in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle, steigt für alle Altersstufen. Die aktuellen Bedarfswerte findest du hier.

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